Schweiz

Das Schicksal der «Liederlichen»: Graubünden arbeitet seine dunkle Vergangenheit auf

18.05.17, 12:12 18.05.17, 12:23

Graubünden hat als einer der ersten Kantone die Geschichte über 150 Jahre fürsorgerische Zwangsmassnahmen wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Publikation beleuchtet vor allem die «Korrektionsanstalta Realta», wo 1500 Menschen zwangsweise untergebracht worden waren.

Die Strafanstalt Realta in Cazis. Bild: KEYSTONE

Die am Donnerstag in Chur vorgestellte Studie beleuchtet administrative Versorgungen, Fremdplatzierungen und Entmündigungen in Graubünden vom 19. Jahrhundert bis heute. Ein wichtige Rolle spielte die «Korrektionsanstalt Realta» in Cazis. Sie war Mitte des 19. Jahrhunderts eine der ersten derartigen Anstalten in der Schweiz.

Vormundschaftsbehörden konnten in Realta «liederliche», «arbeitsscheue» und «herumziehende» Arme einweisen und jahrelang festhalten lassen, ohne dass die Betroffenen straffällig geworden wären. In einer Zeit, in der Armut als individuelles Versagen gedeutet wurde, wollten die Behörden abnorme Leute erziehen und disziplinieren. Etwa 1500 Personen sollen in Realta zwangsweise untergebracht worden sein.

Mehrere tausend Betroffene

Insgesamt seien in Graubünden mehrere tausend Personen von Zwangsmassnahmen betroffen gewesen, sagte Tanja Rietmann, die Hauptautorin der Studie von der Universität Bern, ohne genauere Zahlen nennen zu können. Im Vergleich seien Graubünden so viele fürsorgerischen Massnahmen angeordnet worden wie in anderen Kantonen, nicht mehr und nicht weniger.

Die 180 Seiten umfassende Studie, die im Auftrag der Bündner Regierung erstellt wurde, ist eine der ersten in der Schweiz, welche beschreibt, wie die Behörden in einem Kanton bei den fürsorgerischen Zwangsmassnahmen agierten. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 18.05.2017 18:11
    Highlight Das Turiner Grabtuch ist eine vom Herzog Ludwig von Savoyen in Auftrag gegebene Fälschung, möglicherweise von Leonardo Da Vinci erstellt. Er war damals vor Ort und die hohe Qualität und Detailtreue der Ausführung spricht auch für ihn.

    Es handelt sich um ein Fotonegativ, eine zweidimensionale Darstellung. Auf das chemisch imprägnierte Tuch wurde per Camara Obscura, langzeitbelichtet, in zwei Schritten, ein Körper und ein Gesicht projiziert.

    Das Alter des Tuchs ist weniger bedeutend, da für die Fälschung ein schon damals altes Tuch, möglicherweise mit Herkunft naher Osten, verwendet wurde.


    2 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 18.05.2017 18:25
      Highlight äh, sorry. Falscher Artikel.
      3 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 18.05.2017 17:39
    Highlight Was bei der ganzen Geschichte unterschlagen wird, ist das Element der Rassenideologie der ersten Hälfte des 20.Jhdt., die in der Nazizeit ihr Fanal fand ... aber in der Schweiz weiterbestand!
    Die Zwangskastrierungen und Zwangssterilisierungen waren Rassenhygiene, "Gesundung des Volkskörpers" etc.
    Ein Rassenwahn, für den Akademiker zu Bestien mutierten. Z.B. Fred Singeisen, Chefarzt der Psychiatrischen Klinik Wil SG.
    Vom Aspekt CH-Rassenhygiene hört man heute nichts, denn "wir waren ja damals keine Nazis" ...
    Der heutige Umgang mit den noch lebenden Opfern entwürdigt die Schweiz vollends.
    4 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 18.05.2017 18:34
      Highlight Was mich hellhörig werden liess bez. Schweiz - faschistische Ideologie, ist die Bemerkung im Artikel "Unter Faschismus-Verdacht"
      http://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2017/faschismus-check/?nosome

      «Wenn man mit Umberto Eco davon ausgeht, dass einzelne Kriterien Kristallisationspunkte für die anderen sind, dann stünde die ganze Schweiz mit ihrem Kult nationaler Helden und ihrer Überfremdungsangst seit ihrer Gründung unter Faschismusverdacht.»

      Jedenfalls war die Schweiz vor und im 2. Wk. ideologisch brauner eingefärbt als heute erzählt wird, und nicht bloss Hitlers Devisen- und Waffenlieferant.
      3 2 Melden
  • sontau 18.05.2017 16:36
    Highlight Mein Vater, Mitte des letzten Jahrhunderts in Luzern als uneheliches Kind geboren, wurde seiner Mutter ebenfalls weggenommen und in ein katholisches Waisenhaus gesteckt. Heute weiss man ja, wie es dort so zu und her ging... Als er dann eine eigene Familie hatte, hat er uns zurückbezahlt, was er in seiner Kindheit erleben musste. Die Schäden, die diese "fürsorglichen" Behörden damals verursacht haben, wirken ganz sicher bei Vielen bis heute nach.
    10 0 Melden
  • pamayer 18.05.2017 15:38
    Highlight Liederlicher Lebenswandel und man landete in einer Anstalt. Harte Zeiten!

    Wer einmal zb auf dem Radar der Vormundschafsbehörde (438 v. Kesb) war, hatte bis vor nicht allzu langer Zeit je nach dem grosse Schwierigkeiten, sich wieder davon zu befreien.

    Diese Behörden hatten eine unantastbare Machtposition inne.
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