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Bild: Getty Images Europe

10 NSU-Morde, 4 Jahre Prozess, 1 neue Spur: Sie führt direkt nach St.Gallen

Noch keiner der zehn Morde des «Nationalsozialistischen Untergrunds» konnte bisher aufgeklärt werden. Die vom deutschen Geheimdienst eingesetzten V-Männer spielen rund um den NSU eine wichtige Rolle. Einer dieser ehemaligen Informanten lebt seit Jahren im Kanton St.Gallen. Neue Recherchen zeigen, dass er tief in den NSU-Komplex verstrickt ist.

08.05.17, 18:55 09.05.17, 10:06

Bereits vier Jahre ist es her, seit sich Beate Zschäpe zum ersten Mal vor Gericht verantworten musste. Am 6. Mail 2013 begann der NSU-Prozess am Oberlandesgericht in München. Seither wurden in 361 Verhandlungstagen über 500 Zeugen angehört. 480 Seiten umfasst die Anklageschrift. In 56 Kisten liegen 650 Aktenordner mit Ermittlungsergebnissen der Bundesanwaltschaft. Zschäpe und vier mutmassliche Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) wird vorgeworfen, zwischen den Jahren 2000 und 2007 zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und mindestens 15 Banküberfälle begangen zu haben. Die Mord-Opfer waren acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer sowie eine Polizistin.

Ein Ende des Prozesses ist nicht absehbar. Keiner der NSU-Morde konnte bisher aufgeklärt werden. Die Zeitung «Welt» schreibt, dies könne auch an den V-Männern liegen, die in den Fall verstrickt sind. Einer dieser vom Verfassungsschutz eingesetzten Informanten ist Ralf Marschner. Seit seiner Absetzung als V-Mann lebt er im St.Galler Rheintal.

Mehrere «Welt»-Journalisten recherchieren intensiv zum NSU-Prozess und beschäftigen sich insbesondere auch mit der Rolle von Ralf Marschner. Nun deckten sie brisante Neuigkeiten auf. Das musst du darüber wissen:

Der Neonazi

In Sachsen (D) galt Marschner früher als gefürchteter Neonazi. Unter dem Decknamen «Primus» (lateinisch für «der Erste») wurde er vom Bundesamt für Verfassungsschutz als V-Mann rekrutiert. Zehn Jahre lang lieferte er dem Geheimdienst Informationen. Weil er das Amt aber immer wieder angelogen hatte, wurde er 2002 als Spitzel abgeschaltet. Er zog in die Schweiz und wohnt heute im Kanton St.Gallen nahe der Landesgrenze zum Fürstentum Liechtenstein

Neonazis wurden jahrelang vom Verfassungsschutz als V-Männer angeworben. Bild: AP

Der Inhaber einer Baufirma

Damals noch als V-Mann für den Verfassungsschutz tätig, betrieb Marschner von 2000 bis 2002 in Zwickau eine Baufirma mit einer 15-köpfigen Belegschaft, die vor allem aus rechtsextremen Skinheads bestand. Darunter soll auch der NSU-Mörder Uwe Mundlos gewesen sein. Laut Welt bestätigen dies Marschners eigene Aussagen, diverse Dokumente und Aussagen von mehreren Zeugen.

Der Handlanger

Zu der Zeit, als Uwe Mundlos bei Ralf Marschner anheuerte, tötete das NSU-Trio vier seiner insgesamt neun Opfer. Bereits wurde berichtet, dass bei zwei Taten das Auto, das die Mörder an den Tatort und wieder zurück brachte, über Marschners Baufirma ausgeliehen worden sein soll. Nun belastet ein Zeuge Marschner noch weiter. Dieser Zeuge hat gemäss «Welt» ebenfalls für Marschner gearbeitet und ausgesagt, dass Uwe Mundlos nicht nur auf Baustellen in Sachsen, sondern auch in München und Erlangen gearbeitet habe. Damit rückt der NSU-Tatort in Nürnberg und in München in unmittelbare Nähe der Baustellen, auf welchen Mundlos gearbeitet hat. Die Frage, ob der V-Mann «Primus» einen Naziterroristen beschäftigte, erhält damit eine zusätzliche Brisanz.

Die Neonazis Uwe Mundlos (l.) und Uwe Boehnhardt (m.), aufgenommen im Herbst 1996 Bild: AP dapd

Der Unbehelligte

Ende 2012 und Anfang 2013 musste Ralf Marschner im Beisein zweier Beamten des Deutschen Bundeskriminalamtes bei der Staatsanwaltschaft Graubünden antreten. Er wurde zu den Vorwürfen befragt, Uwe Mundlos für seine Baufirme engagiert zu haben. Marschner bestritt dies. Akten zum V-Mann «Primus» wurden plötzlich nicht mehr gefunden. Auch der ehemalige V-Mann-Führer, der Marschner angeheuert hatte, erinnerte sich nicht mehr an ihn. Überdies läuft seit mehreren Jahren einen Haftbefehl gegen Marschner, weil er versäumt hatte Insolvenz anzumelden, nachdem seine Firma pleite ging. Deutschland stellte diesbezüglich ein Auslieferungsgesuch an die Schweiz. Doch die Behörden hierzulande antworteten, «Insolvenzverschleppung» sei in der Schweiz nicht strafbar. Darum würde Marschner nicht ausgeliefert.

Sieg Fail: So doof sind Nazis

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 09.05.2017 06:38
    Highlight Diese widerlichen "Fressen" und "Glatzköpfe" noch abzubilden - muss das denn sein?
    Warum nicht einfach ein Symbolbild oder Icoon (z.Bsp. 💩)?
    Medienprässenz das ist doch genau das was die wollen!
    19 7 Melden
  • Selbstdenker97 08.05.2017 23:19
    20 1 Melden
  • Lowend 08.05.2017 19:21
    Highlight Ein gesuchter deutscher Nazi mit direkten Verbindungen zum rechten Terror, geniesst also in der Schweiz Immunität vor Strafverfolgung und deutsche Nazis feiern fröhliche Feste und Saufgelage in Teilen des Landes und ihre Gesinnungsgenossen hier in der Schweiz machen paramilitärische Übungen unter Leitung russischer Rechtsextremisten und weder Politik noch Behörden finden, dass wir ein Problem mit organisiertem Rechtsextremismus in der Schweiz haben?

    Das klingt fast wie eine Einladung an die rechtsradikale Pest Europas, die Schweiz als Rückzugsort und sicheren Hafen zu wählen. Echt extrem!
    205 45 Melden
    • 7immi 08.05.2017 20:40
      Highlight gemäss meinem textverständnis wird manschner nicht ausgeliefert, da er gemäss schweizer gesetz nichts strafbares gemacht hat ("Insolvenzverschleppung ist hierzulande nicht strafbar") und daher kein strafbestand vorliegt. also geniesst er nicht immunität sondern ist diesbezüglich unschuldig.
      betreffend rechtsextremismus fehlen (vorerst) die beweise und daher kann da auch nichts unternommen werden. das ist aber legitim, da man halt beweise braucht. sonst wärs ja willkür. ist ärgerlich, dennoch aber wichtig in einem rechtstaat. wenn die beweislage steht gehts dann vorwärts.
      103 11 Melden
    • John Smith (2) 08.05.2017 22:26
      Highlight @7immi: Und sogar wenn es bewiesen wäre: Auch Rechtsextremist zu sein, ist in der Schweiz nicht strafbar. In der Schweiz sind zum Glück nur Taten strafbar und nicht die Gesinnung, so widerlich sie auch sein mag. Man müsste dem Mann also schon eine konkrete Tat nachweisen. (Bzw. für eine Auslieferung genügen stichhaltige Indizien und die Garantie eines fairen Prozesses.)
      14 0 Melden
    • Lowend 09.05.2017 08:31
      Highlight Alles richtig und dennoch krass, wie kriminelle Ausländer mit terroristischem Hintergrund hier bei uns verhätschelt werden.

      Jeder echte rechte Eidgenosse müsste eigentlich vor Empörung laut aufschreien!

      Ein Beweis mehr, dass sich die Schweiz, was die Bekämpfung von Wirtschafts- und Steuerkriminalität angeht endlich an internationale Standards anpassen sollte!
      14 7 Melden
    • 7immi 09.05.2017 10:33
      Highlight @lowend
      das hat nichts mit schutz zu tun, sondern mit mangelnden beweisen und dass bisher noch keinem auslieferungsgesuch diesbezüglich gestellt wurde. die schweiz hat damit also nichts zu tun. er ist solange unschuldig bis das gegenteil bewiesen ist. das hat nichts mit verhätscheln zu tun, es sind geltende gesetze.

      es ist ein beweis dafür, dass unser staat funktioniert und geltendes recht anwendet und sich politisch neutral verhält.
      3 0 Melden
    • 7immi 09.05.2017 10:35
      Highlight @smith
      richtig, man müsste ihm ein verbrechen oder terroristische tätigkeiten nachweisen können...
      2 0 Melden
  • Gummibär 08.05.2017 19:12
    Highlight Hoffentlich klappt es diesmal mit den Schweizer Behörden, wenn jetzt ein internationaler Haftbefehl wegen Beihilfe zu Terrorismus ausgestellt wird. Hoffen wir auch dass die hiesigen Behörden den Mann nicht "versehentlich" aus den Augen verlieren
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