Schweiz
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Die Schweizer Identitätskarte ohne biometrische Daten. (Symbolbild) bild: keystone

Bund beerdigt die biometrische Identitätskarte 

Der Bundesrat wollte auf der ID auch Fingerabdrücke speichern. Nun ist klar: Aus dem Chip für biometrische Daten wird vorerst nichts.

10.04.18, 19:12

Sven Altermatt / Nordwestschweiz

Die Ankündigung kam kurz vor Weihnachten 2011, und angesichts ihrer Tragweite griff der Bundesrat zu markigen Worten: Die Rede war von einer «Rundum-Erneuerung». Auf der Identitätskarte sollten künftig auch biometrische Daten gespeichert werden können. Also sensible Merkmale wie Fingerabdrücke und ein automatisch identifizierbares Porträtbild. Die Landesregierung wollte die Ausweise «auf den aktuellsten Stand der Technik bringen». Bis Ende 2016 werde die Identitätskarte umfassend erneuert, verkündete sie.

Der Entscheid war bemerkenswert. Denn zwei Jahre zuvor machten die Schweizer Stimmbürger klar, dass sie gegenüber Reisedokumenten mit eingebauten Chip äusserst kritisch eingestellt sind. 2009 wurde die Einführung des biometrischen Passes mit 50.1 Prozent angenommen. Ein hauchdünnes Ja.

Der Bundesrat liess sich davon nicht beirren. Auch die ID wollte er zügig aufrüsten. Nach seinem Plan sollten die Bürger bald zwischen verschiedenen Modellen wählen können: Nebst dem Standard-Modell waren auch Identitätskarten mit Chips vorgesehen. Diese hätten biometrische Daten enthalten, darüber hinaus waren Kombinationen mit einer elektronischen Identität vorgesehen.

Dann wollte es mit der «Rundum-Erneuerung» jedoch nicht so recht klappen. Das ursprüngliche Ziel, die neue Identitätskarten im Jahr 2016 einzuführen, wurde deutlich verfehlt. Gleichzeitig vollzog die Landesregierung mehrere Rollen rückwärts. Zuletzt gab der Bundesrat im Dezember 2017 bekannt, die elektronische Identität E-ID doch nicht auf der Identitätskarte zu integrieren (siehe Box unten).

Nun sucht der Bund zwar endlich einen Generalunternehmer für die Produktion der Identitätskarten. Doch die neuen Karten kommen voraussichtlich erst Ende 2021 in den Verkehr – mit fünf Jahren Verspätung. Mit biometrischen Daten werden sie vorerst nicht bestückt, wie im Zuge der öffentlichen Ausschreibung publik wird. Der Bund ist somit vollends von seinen ursprünglichen Plänen abgerückt.

Behörden krebsen zurück

«Die neue Identitätskarte wird ohne elektronischen Chip eingeführt werden», bestätigt Niklaus Sarbach vom federführenden Bundesamt für Polizei (Fedpol) gegenüber der «Nordwestschweiz». Ebenso bestünden aktuell keine Pläne mehr, die ID in nächster Zeit biometrisch aufzurüsten. Die Bürger müssen sich also so schnell nicht zwischen einer ID mit Chip und einer ohne solchen entscheiden.

Warum der Rückzieher? Fedpol-Sprecher Sarbach spricht von grundsätzlichen Überlegungen. Eine Karte mit Chip würde «momentan kaum Mehrwert bieten», sagt er. «Zumal der Bundesrat entschieden hat, die E-ID nicht an die Identitätskarte zu koppeln.» Gleichzeitig gebe es zurzeit keine Bedingungen, die einen Chip nötig machen würden.

Dass in der Ausschreibung trotzdem eine Option für die Entwicklung eines elektronischen Speichersystems aufgeführt wird, hängt mit der Langfristigkeit des Auftrags zusammen. Der Bund will sich offenbar ein Hintertürchen offenhalten. Denn gesucht wird ein Generalunternehmer, der mindestens zwölf Jahre lang für die Produktion der Identitätskarten zur Verfügung steht. Sollten etwa aufgrund internationaler Bestimmungen doch einmal biometrische Daten gespeichert werden müssen, will das Fedpol vorbereitet sein.

Gerade Konsumentenschützer dürften die jüngsten Entwicklungen zufrieden stimmen. Sie kämpften an vorderster Front gegen die Einführung des biometrischen Passes und stellten sich erst recht gegen Identitätskarten mit Chip. Was sie genauso freuen wird: Die künftige ID soll nicht teurer werden als die aktuelle. Der Ausweis kostet für einen Erwachsenen derzeit 65 Franken.

Strenge Vorsichtsmassnahmen

Für die Produktion der neuen Identitätskarten wird ein «Full-Service»-Anbieter gesucht. Der Generalunternehmer muss sowohl Werkstoffe wie Rohkarten als auch Produktionsmaschinen liefern. Bei der Beschaffung gelten strenge Vorsichtsmassnahmen. So würden aus Gründen der Vertraulichkeit «nicht alle Bestandteile der Ausschreibungsunterlagen öffentlich zugänglich gemacht». Beim Prestige-Auftrag dürfte es um eine schöne Stange Geld gehen. Letzten Zahlen zufolge werden jährlich über 825'000 Identitätskarten ausgestellt. Wie viel Geld der Auftragnehmer erhält, zeigt sich erst, wenn der Zuschlag vergeben wird. Die Ausschreibung läuft bis Ende Juli.

Wie die neue Identitätskarte aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Die aktuelle Karte wurde 1994 eingeführt und zuletzt 2003 leicht überarbeitet. Bei Ausweisdokumenten ist es ähnlich wie bei Banknoten: Allein schon aus Sicherheitsgründen müssen sie von Zeit zu Zeit erneuert werden. Der Vorsprung gegenüber Fälschern soll möglichst gross sein. Die ID wird weiterhin mit optischen und physischen Schutzmerkmalen ausgestattet sein.

Produktionsorte geheim

Bisher werden die Identitätskarten von der Gemalto AG im aargauischen Unterentfelden hergestellt. Mit der Produktion der Identitätskarten betraut das Fedpol neu das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), das eng mit dem beauftragten Generalunternehmen zusammenarbeiten wird. Die sogenannte Personalisierung passiert fortan bundesintern. Das heisst: Namen, Geburtsdaten und alle weiteren Angaben werden direkt in den Räumen der Verwaltung aufgedruckt. Dieses Vorgehen ist beim Schweizer Pass bereits heute der Fall.

Die Identitätskarten werden an zwei getrennten Standorten personalisiert; diese werden geheim gehalten. Mit der Aufteilung könne das Risiko eines Ausfalls bei Unwettern oder anderen Schäden vermindert werden, heisst es beim BBL. Oberstes Ziel sei es, die Liefersicherheit zu gewährleisten. Man könnte es auch so formulieren: Kann der Bund keine Ausweise mehr herstellen, sässen manche Schweizer plötzlich im eigenen Land fest.

Warum kommt die elektronische ID nicht auf die Karte?

Ob E-Mail, Webshops, E-Banking oder soziale Medien: Überall sind Login-Daten gefragt – ein wahres Dickicht. Der Bundesrat will, dass die Einwohner der Schweiz bald eine elektronische Identität dafür verwenden können. Die sogenannte E-ID ist quasi das digitale Äquivalent zur physischen Identitätskarte in Kartenform. Sie ist ein staatlich anerkannter Identitätsnachweis für das Internet. Bis im Sommer 2018 wird der Bundesrat ein Gesetz für die E-ID vorlegen. Entwickelt und ausgestellt werden soll sie von privaten Anbietern, überwacht von einer Stelle im eidgenössischen Finanzdepartement. Die Privaten könnten «viel schneller auf technische Veränderungen reagieren und bereits bestehende Trägermittel einsetzen».

Der Vorteil der E-ID für Konsumenten und die Wirtschaft: Personen können im Netz eindeutig identifiziert werden, ohne dass dafür ein eigenes System aufgebaut werden muss. Gemäss den Plänen von Justizministerin Simonetta Sommaruga (SP) ermöglicht die E-ID beispielsweise eindeutige Alterskontrollen beim Kauf von Alkohol oder für Seiten mit pornografischen Inhalt.

Wer die E-ID herausgegeben wird, ist noch nicht bekannt. Denkbar sind Angebote wie Suisse-ID oder Apple-ID. Ebenso könnte der Swiss-Pass des öffentlichen Verkehrs um eine E-ID erweitert werden. Als Träger sind etwa auch Smartphones oder Bankkarten denkbar. Warum aber wird die E-ID nicht auf der physischen Identitätskarte integriert? Die Idee wurde verworfen. Zum einen würden nur Schweizer Bürger die Identitätskarte erhalten, hält das zuständige Bundesamt für Polizei (Fedpol) dazu fest. «Die E-ID soll aber für alle Einwohner der Schweiz ausgestellt werden können.» Zum anderen ist die Identitätskarte 10 Jahre gültig – bei der Einführung neuer Technologien müsste die dann veraltete Lösung weitergepflegt werden, gibt das Fedpol zu bedenken. «Das ist teuer und unflexibel.» (az)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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25
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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gregor Hast 11.04.2018 13:53
    Highlight Der RFID- Chip soll bald eingeführt werden. Das soll natürlich ein Geheimnis bleiben, damit die Bürger einen Schrecken bekommen und sich dieses verdammte Ding freiwillig einpflanzen lassen. Die Bilderbergtruppe darf natürlich darüber nicht reden...
    5 4 Melden
  • Gregor Hast 11.04.2018 13:49
    Highlight Nehmen wir das Kind doch beim Namen, liebe Watson. Der Name des Kindes ist RFID, und wird weltweit eingeführt....
    5 4 Melden
  • CasRas 10.04.2018 20:45
    Highlight "[...] ermöglicht die E-ID beispielsweise eindeutige Alterskontrollen beim Kauf von Alkohol oder für Seiten mit pornografischen Inhalt."

    Ja genau, ich will meinen Pornokonsum mit meinen Personalien verknüpft haben. Was kann da schon schief gehen?
    219 2 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 10.04.2018 22:14
      Highlight Mein Vorschlag ist, dass Alkohol und Zigaretten und allfällig zukünftig legale Rauschmittel nur noch mit der Krankenkassenkarte gekauft werden können. Je mehr man von dem Zeug kauft, umso mehr steigen die persönlichen KK-Prämien. Werden die KK-Prämien nicht mehr einbezahlt, ist finito mit Bezug dieser "schönen" Dinge.

      So geht Prävention. Effektiv und zielgerichtet.
      16 75 Melden
    • sebi25 10.04.2018 22:36
      Highlight Black Mirror "Crocodile Rock" ;)
      17 0 Melden
    • WHU89 11.04.2018 00:07
      Highlight @silent speaker: also sind alle solche sachen schlecht? ich fordere also: du hast einen chip in deinem körper und wehe du überquerst die strasse bei rot!
      34 5 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 11.04.2018 01:24
      Highlight @WHU89: Was hat jetzt die Strasse bei rot überqueren mit Suchtmittel zu tun?

      Egal, ich überquere die Strasse nicht bei rot. Ich verhalte mich da ganz japanisch.

      Was du übrigens verlangst ist invasiv und somit Körperverletzung. Du darfst dir aber gerne einen Chip einpflegen lassen.
      5 23 Melden
    • lilie 11.04.2018 10:57
      Highlight @Silent Speaker: Ich glaube nicht, dass die Leute sich so überwachen lassen würden. Ein starker Raucher würde einfach seine nichtrauchenden Freunde bitten, ihm Zigis zu kaufen (die er ihnen natürlich zurückerstattet). Da es mit Sicherheit einen Freibetrag gäbe, wäre er so fein raus.

      Prävention geht über Aufklärung. Und über das Aufzeigen von Alternativen für stark Süchtige.
      4 3 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 12.04.2018 06:22
      Highlight @lilie: Das würde heissen, die Freunde hätten teurere Prämien. Ich weiss nicht, ob nichtrauchende Freunde das so toll finden würden. Weiterhin würden sie bei ihrer KK dann als Raucher registriert. Risikopatient: Zusatzversicherungen werden gestrichen.

      Kannst mal das nächste "Schlupfloch" vorlegen. Ich hab alles schon durchgedacht und die passende Lösung bereit... ;)
      4 2 Melden
    • lilie 12.04.2018 07:25
      Highlight Die Leute würden wahrscheindlich ihre Suchtmittel einfach im Ausland besorgen, wo sie das Zeug ohne KK-Karte bekommen. Oder auf dem Schwarzmarkt. Oder selber anpflanzen. 😜
      2 3 Melden
    • Alex_Steiner 12.04.2018 12:59
      Highlight @Silent Speaker: Und was machen wir mit der AHV? Wenn die Raucher nicht mehr früher sterben reicht das Geld ja niergens mehr hin.
      1 3 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 12.04.2018 13:26
      Highlight @lilie: Müssten sie Verzollen und beim Verzollen auch noch doppelte KK-Gebühr entrichten...

      Schwarzmarkt gibt es immer. Aber die Strafen wären horrend.
      2 2 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 12.04.2018 14:25
      Highlight Ich könnte heulen... immer kommen die Raucher mit der AHV. Die AHV ist ein System, das sich sowieso von selbst killt, weil's nach einem Schneeballprinzip funktioniert. Darum holt man ja auch viele Ausländer, die die AHV finanzieren. Mit fatalen Folgen.
      Es ist ganz leicht, die MwSt. auf 20% zu erhöhen. Damit wäre man auf europäischem Level und der vermeintliche Ausfall wäre kompensiert. Die anderen Länder überleben die höhere MwSt. ja auch.
      2 1 Melden
    • Alex_Steiner 12.04.2018 16:46
      Highlight @Silent Speaker: Ich bin kein Raucher. Ich nehme mir nur kein Vorbild an Deutschland/Japan um 1940.
      1 4 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 12.04.2018 19:54
      Highlight @Steiner: Wenn einem keine Argumente mehr einfallen, holt man kurzerhand die Nazikeule und glaubt, man hätten den K.O.-Schlag gemacht.

      Du vergleichst also Judenvergasung mit dem Schutz der Allgemeinheit vor Sucht und Passivrauch? Merci. Adie.
      0 2 Melden
  • Silent Speaker サイレントスピーカー 10.04.2018 20:02
    Highlight Und bitte beim Pass der nächsten Generation auch wieder entfernen. Den Amidreck muss man jetzt echt nicht unterstützen. Die EU soll mal aus den Kinderschuhen entwachsen und sich gegen die einst geflüchteten Kriminellen aus Europa wehren. Die Schweiz kann ja mal auf Vorbild machen und vorangehen. So wird das sonst nichts mit uns hier in der alten Welt.
    109 49 Melden
    • Chääschueche 10.04.2018 21:14
      Highlight @Silent
      Geh das ch einfach nicht aus Europa raus. Dann brauchst du keinen Pass? 🤔

      Btw.
      Auch ohne den Biometrischen Pass musst du ausserhalb von fast jedem EU Land Fingerabdrücke und Foto bei der Passkontrolle machen.
      23 30 Melden
    • The Destiny 10.04.2018 21:16
      Highlight Demnächst alternativ mit Facebook Konto Immigrieren am Flughafen...
      51 1 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 10.04.2018 22:16
      Highlight @Chääschueche: Ein One-Way-Flug nach Japan schwebt mir schon noch vor. Muss aber erst noch zusehen, wie ich bewerkstelligen kann, dass es beim "one way" bleibt...
      6 5 Melden
    • Bonzino 10.04.2018 22:42
      Highlight Chääschueche: Ich bin schon aus Europa raus, also Fingerabdrücke und Fotos wollte noch niemand von mir. Wo waren Sie denn?
      18 5 Melden
    • Azrag 10.04.2018 23:27
      Highlight Pässe sind nun mal zur Identifikation gedacht. Deshalb sind biometrische Pässe berechtigt.
      Aber wenn du Spass dran hast, überall Visapflicht zu haben, dann ists toll.
      11 12 Melden
    • Pakart 10.04.2018 23:59
      Highlight Bin selten mit deinen Äusserungen einverstanden; aber hier- chapeau!
      5 2 Melden
    • kleiner_Schurke 11.04.2018 00:08
      Highlight Israel, China, Japan, Indien, Arabische Emirate und neulich in der Lonza (nur Bild ohne Fingerabdrücke)
      8 0 Melden
  • Oberon 10.04.2018 19:38
    Highlight Hmm, ich dachte die nächste Generation wäre der Chip für den Menschen...
    50 4 Melden
    • Gregor Hast 11.04.2018 13:47
      Highlight Keine Sorge - irgendwann werden alle einen solchen Chip RFID verpasst bekommen. Auch Säugline. In Deutschland gibt es eine Firma, da können Sie sich einen solchen Chip freiwillig verpassen lassen.
      1 2 Melden

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