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Todd Elik. Wie könnten wir ihn je vergessen. bild: screenshot

Ein alternder Hockey-Popstar auf Jobsuche – Todd Elik jetzt im Doppelpack zu haben

Er war jahrelang der charismatischste Spieler der Liga. Aber die Zeit meint es nicht gut mit Todd Elik (51). Es gelingt ihm einfach nicht, einen Job im Hockey zu finden.

08.12.17, 07:56 08.12.17, 13:53

Was macht eigentlich Todd Elik? Der ehemalige NHL-Profi und Mitspieler von Wayne Gretzky hat sich zwischen 1997 und 2009 in der Schweiz vor allem in Lugano, Langnau, Davos und Langenthal Kultstatus erspielt. Durch seine Leistungen auf dem Eis und viel mehr noch durch seine Eskapaden neben dem Eis.

Zeitweise war der grösste Rock’n’Roller der helvetischen Hockeygeschichte nicht nur der beste Einzelspieler der höchsten Liga – er war darüber hinaus der «fünfte Beatle» unseres Hockeys.

So feierte Todd Elik 2000 den Ligaerhalt mit Langnau. Bild: KEYSTONE

Seit seinem Rücktritt im Frühjahr 2011 – die letzte Station war Graz – versucht Todd Elik als Trainer im Hockey-Business Fuss zu fassen. Und es will ihm einfach nicht gelingen.

Vielversprechendes, aber kaum beachtetes Debüt

Sein Debüt in der Schweiz war zwar vielversprechend – aber kaum jemand hat davon Notiz genommen. 2014/15 coachte er den Erstligisten St-Imier zum sensationellen Ligaerhalt – und wurde in der darauffolgenden Saison gefeuert. Er machte seine Arbeit für knapp 30'000 Franken pro Saison, kümmerte sich fast rund um die Uhr in diesem Amateurclub um alles, rastete an der Bande nie aus und war in allem ein Vorbild.

Doch er hat seither keinen neuen Job mehr bekommen. Obwohl er bereit wäre, erneut für ein bescheidenes Salär zu arbeiten.

St-Imier 2017. Da war Todd Elik längst wieder weg. Bild: KEYSTONE

Elik kämpft um seine Existenz

Warum tut sich Todd Elik das an? Warum kehrt er dem Eishockey nicht den Rücken? Weil er um seine Existenz kämpfen muss. Er kam ein paar Jahre zu früh in die NHL. Zu Beginn der 1990er Jahre war es für einen Spieler seiner Klasse noch nicht möglich, zweistelliger Dollarmillionär zu werden wie heute.

Er bestritt zwar zwischen 1990 und 1997 exakt 500 NHL-Partien (371 Punkte!), stürmte in Los Angeles zeitweise neben Wayne Gretzky und hatte in der wichtigsten Liga der Welt Star-Status. Aber konnte nicht genug verdienen, um bis ans Ende seiner Tage abgesichert zu sein wie es Martin Gerber oder Mark Streit heute sind. Und auch in der Schweiz reichte das Salär nicht aus, um so viel beiseite zu legen, dass es für ein sorgenfreies Leben nach dem Eishockey reicht.

Lugano glaubte 1997 weiterhin an Todd Elik, als er zuvor der Curva Nord den Stinkefinger zeigte. Bild: KEYSTONE

Todd Elik muss weiterhin Geld verdienen. Im Berufsleben ist es ihm mangels einer hoch qualifizierten Ausbildung in der Heimat nicht gelungen, richtig Fuss zu fassen. Die Arbeit in Stahlwerken und Baufirmen ist in Nordamerika noch schlechter bezahlt als bei uns.

Der Spieler-Agent Ludwig Lemmenmeier (55) – ein ehemaliger Torhüter – versucht alles um für Todd in der Schweiz einen Job zu finden. Er sagt: «Todd würde sehr gerne auch als Juniorentrainer oder als Assistent arbeiten und wäre mit einem äusserst bescheidenen Salär zufrieden.» Aber er sei bisher mit allen Bemühungen gescheitert. «Todd geniesst einen Ruf, der unsere Klubs offenbar abschreckt …»

Todd Elik erhielt mit Stefan Grogg 2003 einen «Bodyguard». Jetzt braucht er einen Job. Bild: KEYSTONE

Jetzt gibt's den Sohn dazu

Es sind die bitteren Früchte des Ruhmes aus der wilden Zeit in der Schweiz. Der «King of Rock’n’Roll» ist längst geläutert und ein freundlicher, fast ein wenig melancholischer «Altstar» geworden. Noch immer blitzt seine Leidenschaft fürs Eishockey auf, sein Charisma ist keineswegs erloschen. Er mahnt ein wenig an einen alternden, weise gewordenen Popstar. Aber eben: niemand will ihm eine Chance geben.

Doch nun hausiert Ludwig Lemmenmeier – auch er ein sanfter Rock’n’Roller und irgendwie seelenverwandt mit Todd Elik – seit kurzem mit einem neuen Angebot: Vater und Sohn Elik. Jacob Elik ist im März 18 geworden und hat in der Zeit, als sein Vater noch in der Schweiz spielte, die ersten Gehversuche auf dem Eis gemacht und aus dieser Zeit eine eidgenössische Lizenz. Er gilt also nicht als Ausländer. Ludwig Lemmenmeier sagt: «Wer Todd Elik als Juniorentrainer eine Chance gibt, bekommt dazu seinen Sohn als Spieler.» Sozusagen Todd Elik im Doppelpack.

Vielleicht hat's ja in Davos einen Platz für ihre ehemalige Nummer 12? Bild: KEYSTONE

Die Frage ist natürlich: Wie gut ist Elik junior? Er stürmt zurzeit in der Western States Hockey League (WSHL). Es handelt sich um eine Junioren-Liga mit insgesamt 23 Teams, die in 14 verschiedenen US-Staaten beheimatet sind. Das Niveau dürfte mehr oder weniger unseren Elite-Junioren entsprechen. Letzte Saison kam Jacob Elik in 45 Partien auf 38 Punkte. Diese Saison steht er nach 16 Spielen bei 12 Punkten. Er ist nicht gut genug für einen NHL-Draft – aber er könnte möglicherweise gut genug sein für eine vierte Linie in der NLA.

Es ist noch nicht aller Hockey-Tage Abend für Vater und Sohn Elik.

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Martin68 09.12.2017 08:35
    Highlight Spielervermittler Zaugg: Es hat in den Elite-Teams bereits genügend Spieler für die 4. Linie...es braucht nur den Mut sie spielen zu lassen!
    Arno lässt grüssen...
    2 1 Melden
  • Pana 08.12.2017 17:58
    Highlight Was jetzt, Pop-Star oder Rock 'n Roller?
    8 3 Melden
  • Blacky1973 08.12.2017 14:27
    Highlight Wer wie ich 1999 beim Spiel gegen Chur dabei war, kann nicht neutral sein: Er darf jederzeit ins Emmental kommen.

    Ich wünsche Todd viel Erfolg. Auch wir werden älter (und weiser?) und den "Däntsch" gibt es ja auch nicht mehr....
    33 2 Melden
  • Der müde Joe 08.12.2017 12:01
    Highlight Kloten braucht noch einen 4. Ausländer ...schlechter als die jetztigen ist fast nicht möglich (Santala ausgeschlossen!)🙄
    28 1 Melden
  • Nummelin 08.12.2017 11:24
    Highlight Biel sucht doch noch einen neuen Headcoach :-). Lausanne vielleicht auch schon bald und Kloten möchte doch auch weiter sparen. Also los gebt Ihm eine Chance!
    44 2 Melden
  • supi 08.12.2017 11:01
    Highlight Ich war nie ein grosser Fan von ihm ... Doch er scheint bewiesen zu haben, dass er ruhiger geworden ist .. SPannendes Paket zusammen mit seinem Sohn ..
    32 5 Melden
  • Hockrates 08.12.2017 10:46
    Highlight Stellenvermittlungsagentur Zaugg :-)

    Nachdem Schläpfer erfolgreich platziert wurde, widmet er sich nun seinem nächsten Kunden.
    94 5 Melden
  • RoJo 08.12.2017 10:17
    Highlight Danke Chlöisu für den Bericht über die #12!👍🏻💪🏻 Für mich einer der grössten Spieler, welcher jemals in der Schweiz gespielt hatte. Sein Spielverständnis und seine Pässe einfach genial. Und so wie Todd auf dem Eis war, so war er auch neben dem Eis: Immer vollgas und mit Leidenschaft. Der letzte, der den "Täntsch" verliess und ein paar Stunden der erste in der Garderobe.....✌🏻😎 Der Serviertochter unbemerkt aller Anwesenden 50 Stutz Trinkgeld zugestanden und 2 Minuten später ausgerastet...dem Eismeister im Vorbeigehen 200 Fr. in die Hosentasche gesteckt... Thanks for all Todd!✌🏻👍🏻🎉
    95 5 Melden
  • banda69 08.12.2017 10:15
    Highlight Irgendwann mal Nachfolger von AdC in Davos.
    35 4 Melden
  • Myk38 08.12.2017 09:26
    Highlight Habt ihr Kontaktdaten?
    69 2 Melden
    • Mia_san_mia 08.12.2017 10:26
      Highlight Wäre cool, wenn Du ihm helfen kannst 👍
      35 3 Melden
    • Deleted93 08.12.2017 11:30
      Highlight http://www.tophockey.ch/?s=d&id=impr

      Ludwig Lemmenmeier
      E-mail: topok@bluewin.ch
      T�l: +41 21 963 24 62
      Fax: +41 22 797 52 17
      14 2 Melden
    • stubi 09.12.2017 12:49
      Highlight bei Rappi würde er gut 😊 passen.
      0 1 Melden

ZSC und Bern versagen in der CHL – wie der Schweizer Cup, nur ein bisschen seriöser

Die letzten beiden Schweizer Vertreter sind in der Champions Hockey League in den Viertelfinals gescheitert. Weil sie den Wettbewerb nicht ernst nehmen.

Beginnen wir mit dem Hauptgrund für das frühe Scheitern. Sozusagen den Wurzeln allen Übels. Die Champions Hockey League ist und bleibt für die Schweizer Clubs ein Operetten-Wettbewerb. Ein bisschen seriöser als der auf die Saison 2014/15 wieder eingeführte Cup. Aber nicht viel.

Gegen diese Behauptung gibt es natürlich vehementen Widerspruch. Erklärungen, wie ernst man diesen Wettbewerb nehme. Wie toll die internationale Herausforderung sei.

Alles nur Lippenbekenntnisse. Hat denn je irgendjemand …

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