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Del Curto bei einer von sechs Meisterfeiern als HCD-Trainer. Bild: KEYSTONE

Der Grösste aller Zeiten geht – im Stil des Grössten aller Zeiten

Arno Del Curto (62) ist nicht mehr Trainer in Davos. Eigentlich unvorstellbar. Ein trauriger Tag für unser Hockey? Nein. Arno Del Curto verlässt die Arena als Sieger.

Publiziert: 27.11.18, 12:05 Aktualisiert: 27.11.18, 19:50

Die erste spontane Reaktion kommt von Chris McSorley: «One of the saddest days I've had since 2001».

Der Kanadier, der im Wesen und Wirken Arno Del Curto am nächsten kommt, hat recht und wieder auch nicht. Natürlich ist es hockeytechnisch ein trauriger Tag, wenn Del Curto sein Amt niederlegt. Nun ist McSorley der «Dinosaurier» der Liga. Er arbeitet seit 2001 in Genf und es passt, dass ausgerechnet er am Freitag der nächste Meisterschafts-Gegner der Davoser ist.

Aber es gibt auch eine andere Sichtweise. Arno Del Curto verlässt die grosse Bühne als grösster Schweizer Trainer aller Zeiten im Stil des grössten aller Zeiten. Als Sieger. Nach einem 5:1 im Hallenstadion gegen die mächtigen ZSC Lions. Nach einem Triumph über den Titelverteidiger. Ein würdiger Abgang. Und noch etwas: Dieser Abgang entspricht dem Charakter des charismatischen Feuerkopfes. Von einem Tag auf den anderen. Ohne Vorankündigung. In einem Augenblick, den er selber bestimmt. Ohne grosses Theater. Ein lange angekündigter Abschied mit dem heute üblichen Medien- und sonstigen Zirkus wäre ihm zutiefst in der Seele zuwider gewesen.

Sein letztes Spiel: Am Sonntag gewann Del Curtos Team 5:1 bei den ZSC Lions. Bild: KEYSTONE

Arno Del Curto geht freiwillig. Ob nun unfreiwillig freiwillig oder freiwillig ist völlig unerheblich. Seine Verdienste um unser Hockey und den HC Davos sind so gross, dass er nur selber gehen kann. Eine Entlassung, eine Amtsenthebung von Arno Del Curto wäre eine Stillosigkeit sondergleichen gewesen. Die grösste in der Geschichte unseres Hockeys. HCD-Präsident Gaudenz Domenig ist ein Mann mit Stil.

Arno Del Curto hat den HCD im Sommer 1996 übernommen. Im Sommer 1996! Da sassen Ruth Dreifuss, Moritz Leuenberger, Jean-Pascal Delamuraz, Kaspar Villiger, Arnold Koller, Flavio Cotti und Adolf Ogi im Bundesrat. Die NLA-Trainer hiessen damals Riccardo Fuhrer (La Chaux-de-Fonds), Alexander Jakuschew (Ambri), Bryan Lefley (SC Bern), Kjell Larsson (Fribourg-Gottéron), Wayne Fleming (Kloten), Mats Waltin (Lugano), Pekka Rautakallio (Rapperswil-Jona), Jim Koleff (Zug) und Alpo Suhonen (ZSC).

McSorley und Del Curto im Sommer 2015 bei einem Anlass der Champions Hockey League. Bild: KEYSTONE

Ralph Krueger kannte hierzulande noch niemand. Er war Cheftrainer eines Operettenklubs (Feldkirch) in einer Operettenliga (Alpenliga). Und Chris McSorley Cheftrainer in einer Farmteamliga in Las Vegas und wusste nicht einmal recht, wo auf dem Globus die Schweiz und Genf zu finden sind.

Item, wenn ein Trainer geht (oder gegangen wird), dann ist es eigentlich Chronistenpflicht, zu erklären, warum er gescheitert ist. Und meistens geht es bei einer Analyse des Misserfolges nicht ohne Häme. Und nicht ohne Besserwisserei.

Natürlich ist es in letzter Konsequenz ein Scheitern. Und wenn es eine Analyse braucht, dann können wir die in einem Satz machen: Er hatte nicht mehr die Spieler mit dem Talent und der Persönlichkeit, um «sein» Hockey zu spielen.

2003 werden Del Curto und sein Mastermind Reto von Arx als Trainer des Jahres bzw. als MVP ausgezeichnet. Bild: KEYSTONE

Aber wer mehr als 20 Jahre ein Team mit so viel Erfolg geführt, gecoacht, trainiert und betreut hat, wer so viel Erfolg hatte, wer ein Trendsetter in seinem Sport war, scheitert nicht. Er ist über Erfolg und Misserfolg erhaben.

Eher ist es so, dass Arno Del Curto nun in Pension geht. Mit hoch erhobenem Haupt. Als grosser Sieger über die ZSC Lions. Als «ewiger» Trainer. Als einer, der nicht nur so viele gegnerische Mannschaften besiegt hat.

Er hat auch die Zeit besiegt.

Auch das gab's tatsächlich einmal: Del Curto mit (vom Funktionär geliehener) Krawatte.

Die Karriere von Arno Del Curto

Arno Del Curto war der «ewige» Trainer beim HC Davos. Er unterschrieb auf die Saison 1996/1997 und amtete 22 Jahre als Cheftrainer. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
Ja, es gab auch einen Arno Del Curto vor seinem Engagement beim HC Davos. 1990 begann er seine Profi-Trainer-Karriere beim SC Herisau und wechselte anschliessend zu den ZSC Lions, wo er drei Jahre blieb. Danach coachte er den EHC Bülach, den HC Luzern und die Schweizer U20-Nationalmannschaft. KEYSTONE / KARL MATHIS
2002 gewann Del Curto mit dem HC Davos seinen ersten von insgesamt sechs Meistertiteln und wurde zum besten Cheftrainer der Nationalliga A ausgezeichnet. KEYSTONE / FRANCO GRECO
Arno Del Curto feiert zwischen Niklas Hagman (links) und Joe Thornton den Meistertitel im Jahr 2005. PHOTOPRESS / ARNO BALZARINI
Ein Mann des Volkes: Arno Del Curto winkt während der Kutschenfahrt durch Davos im April 2007 an der Meisterfeier des HC Davos gutgelaunt seinen Fans zu. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
2007 wurde Arno del Curto bei den Credit Suisse Sports Awards zum Trainer des Jahres gewählt. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Die ungeraden Jahre brachten Del Curto und dem HCD Glück: Hier die Meisterfeier im Jahr 2009. PHOTOPRESS / PATRICK B. KRAEMER
Nicht nur an Meisterschaften hatte Arno Del Curto Grund zum feiern: Er gewann auch 5 Mal den Spengler Cup. KEYSTONE / JUERGEN STAIGER
Arno Del Curto wurde auch gerne mal laut – wie hier im Playoff-Final 2011, welchen der HC Davos gegen Kloten gewann. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
Arno Del Curto präsentiert 2015 den Davoser Fans zum letzten Mal den Meisterkübel. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
In der Saison 2017/18 droht Del Curto mit dem HC Davos zum ersten Mal die Playoffs zu verpassen. Nach 21 Spielen lag der HCD 12 Punkte hinter dem Playoffstrich auf dem zweitletzten Rang. Doch die Davoser schaffen den Turnaround noch. KEYSTONE / EDDY RISCH
Eine Saison später sitzt der HCD wieder im Playout-Sumpf: Im Herbst zieht Del Curto schliesslich selbst die Reissleine und tritt am 27. November 2018 nach 22 Jahren als Trainer des HC Davos zurück. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
Lange kommt Del Curto nicht ohne Hockey sein: Bereits am 14. Januar 2019 wird er als neuer Trainer der ZSC Lions vorgestellt. Doch sein zweites Engagement in Zürich ist nur von kurzer Dauer. Nach dem Verpassen der Playoffs erhält er keinen neuen Vertrag mehr. KEYSTONE / ENNIO LEANZA

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Video: watson/nfr

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