Blogs
FragFrauFreitag

Kranke auf Facebook nerven!

Bild
FragFrauFreitag

Kranke auf Facebook nerven!

Hoi Kafi. Was tut man mit Menschen, die ihr Kranksein auf Facebook zelebrieren? Ich frage Dich, weil Du kürzlich was in die Richtung gepostet hast. Mich überfordert das sehr und ich bin dann nicht sicher wie ich mich verhalten soll. Bei Menschen, die ich nicht kenne, macht es mir nichts aus. Aber ich habe viele Bekannte, die es tun. Muss ich darauf reagieren? Was denkst du dazu? Regi, 31
12.01.2017, 18:0613.01.2017, 11:07

Liebe Regi

Oh ja, ich weiss, wovon Sie reden!

Darum habe ich kurz darüber nachgedacht ein Sickbook zu gründen für alle, die gern öffentlich krank sind. Es ist mir bekannt, dass die Grippewelle in diesem Jahr besonders fies um sich greift und ich bin auch nicht gern krank. Aber dieses Zelebrieren vom Herumsiechen, das geht mir so arg auf die Nerven!

Und nein, es geht nicht darum, dass man auf Facebook nur eitel Sonnenschein zeigen soll. Ich bin sehr dafür, dass man sich möglichst authentisch zeigt und dazu gehört auch, dass man mal krank ist. Was mir so auf den Sack geht, ist das kindische Um-Aufmerksamkeit-Buhlen bei der Sache. Und dass man Menschen, die wirklich krank sind, damit irgendwie verhöhnt. Und damit meine ich Menschen, die an Krebs leiden oder an sonst öppis, was man nicht mit Neo-Citran in den Griff bekommt. Ich mag Menschen, die Tacheles reden. So habe ich zum Beispiel einen Facebook-Freund, der eines Tages im Spital lag und öffentlich darum bat, dass man ihn doch besuchen möge, weil er sich so einsam fühle. Und eine andere Bekannte hat ihre Bestrahlungserfolge mit den «Freunden» geteilt. Wenn man es auf diese Weise tut, dann ist Facebook – einmal mehr – eine grossartige Sache.

Wenn man aber auf diesem oder anderen Kanälen Spitalbilder postet mit Kanülen im Arm und sich dann von vielen Menschen gute Besserung wünschen lässt ohne zu sagen, was Sache ist, dann ist es nur noch oberpeinlich. Wie ein Kind, das sich vor der Migroskasse auf den Boden wirft, damit es volle Aufmerksamkeit generiert. Wie Sie mit solchen Personen umgehen wollen, müssen Sie letztlich selber wissen. Ich persönlich denke darüber nach, mich von ihnen zu entfreunden. Für mich ist es nicht nur eine sehr infantile Art, sondern auch eine grenzüberschreitende. Man gibt sich die volle Show auf Kosten des Mitgefühls von Anderen. Das geht für mich gar nicht.

Wer Mitgefühl braucht, darf um dieses bitten. Daran ist nichts verkehrt. Aber dann nicht auf diese erbärmliche Art und Weise.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi

PS: Wer auch gern mit einer Grippe auf Facebook showen möchte, aber partout nicht krank wird, ist morgen Abend ganz herzlich zu meiner Winterrede ins Karl der Grosse eingeladen. Dort werde ich morgen Abend aus dem Erkerfenster heraus eine viertelstündige Rede auf den Grossmünsterplatz schmettern, während meine Zuhörer draussen in der Kälte stehen. Dafür gibt's nachher Glühwein ...

FragFrauFreitag

Kafi Freitag - Das Buch

Die 222 besten Fragen und Antworten in einem schön gestalteten und aufwendig hergestellten Geschenkband.

www.fragfraufreitag.ch
www.salisverlag.com

Fragen an Frau Freitag? ​
Hier stellen!

Kafi Freitag (41!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 12-jährigen Sohn in Zürich.

Haben Sie Artikel von FRAG FRAU FREITAG verpasst?
Sälber tschuld! Hier nachlesen!
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wie ein Buchrücken mich daran erinnert, wo ich nie mehr hin will
Die alltägliche Physik des Unglücks.
Das Schwierige beim Ausmisten sind ja immer die Gefühle und Erinnerungen, die an den Sachen haften, von denen man sich trennen soll. In meinem Leben sind die Folgen dieses Umstands nicht nur ein Bestand von aktuell 26 (!?) Pullis, sondern auch zwei proppenvolle Bücherregale, deren Inhalte ich bei jedem Umzug aufs Neue verfluche. Und doch behalte ich sie alle: die Französischromane, die wir in der Schule lesen mussten und die mir aber so gut gefielen, dass sie mich über alle elf Wohnungswechsel meines Lebens begleitet haben, Bücher voller Eselsohren und Notizen, die ich liebte zu lesen, und solche, von denen ich glaube, sie noch lieben zu werden. Aber auch ein paar Klopper, bei denen mich einfach Titel oder Cover überzeugten oder von denen ich denke, sie machen sich besonders gut in einem wohl sortierten Bücherregal (niemand hat doch jede Seite von Ulysses gelesen?).
Zur Story