Steigende Benzinpreise: Diese E-Autos lohnen sich jetzt
Wer einen Benziner oder Diesel fährt, erlebt an Schweizer Tankstellen derzeit eine böse Überraschung: Die Preise für Kraftstoffe sind infolge des Konflikts im Iran spürbar angezogen. Diesel um 22 Prozent, Bleifrei 95 um 11 Prozent – eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Autofahren wird immer mehr zur Kostenfrage – und führt zu einem Umdenken.
Der Grund ist klar:
Eine Auswertung der Plattform Carwow zeigt, dass sich die Nachfrage im Netz deutlich verschiebt. Während der Anteil von Benzinern und Dieseln bei Konfigurationen sinkt, legen Elektroautos spürbar zu. Wichtig dabei: Es handelt sich um Such- und Konfigurationsdaten, nicht um tatsächliche Kaufabschlüsse.
Auch andere Anbieter beobachten diesen Trend. Gleichzeitig zögern viele beim Kauf und warten ab, wie sich die Energiepreise und die geopolitische Lage entwickeln. Ein ähnliches Muster war bereits 2022 zu beobachten, als nach Beginn des Ukraine-Kriegs steigende Spritpreise die Nachfrage verschoben.
Neben den Spritkosten spielen weitere Faktoren eine Rolle beim steigenden Interesse an Stromern: insbesondere ein wachsendes Angebot an Modellen und die geringeren laufenden Kosten. Eine Beispielrechnung des Touring Club Schweiz (TCS) zeigt, «dass Fahren mit Strom pro Kilometer ungefähr halb so teuer ist wie Fahren mit Benzin», schreibt der Tages-Anzeiger.
Zu Hause laden ist nicht nur bequem, sondern auch günstig. Wer den Strom vom eigenen Dach bezieht, profitiert speziell. Wer umgekehrt ständig an teils teuren, öffentlichen Schnellladesäulen lädt, spart weniger.
Neue E-Autos: Diese Modelle sind sparsam
Wer aktuell neu kauft, hat deutlich mehr Auswahl als noch vor wenigen Jahren – eine nicht abschliessende Übersicht.
Für die Stadt und kurze Strecken eignen sich vor allem kleine, effiziente Fahrzeuge. Ein Beispiel ist der Fiat 500e, der laut «Spiegel» und ADAC-Daten mit rund 13 kWh pro 100 Kilometer auskommt. Die Reichweite liegt je nach Batterie bei etwa 190 bis 320 Kilometern – ausreichend für den Alltag, aber weniger für längere Fahrten. Als sparsame Alternativen gelten in diesem Segment auch Modelle wie der knuffige Renault Twingo, der sehr günstige Dacia Spring, der luxuriösere Mini Cooper E oder der pragmatische Peugeot E-208. Der kleine Franzose war der Gewinner des ADAC-Ecotests 2024, verursacht also wenig Emissionen.
Dazu sind weitere günstige E-Autos bereits auf dem Markt (zum Beispiel Hyundai Inster, Renault 5, BYD Dolphin Surf) oder kommen in den nächsten Monaten auf den Markt – zum Beispiel Kia EV2, VW ID. Polo und ID. Cross sowie Skoda Epiq oder Cupra Raval.
In der Kompaktklasse, einem der wichtigsten Segmente in Europa, ist der VW ID.3 ein typischer Vertreter. Je nach Version sind hier Reichweiten von bis zu 600 Kilometern möglich. Gut zu wissen: Er bekommt ebenso wie sein Zwilling Cupra Born in diesem Jahr ein Facelift. Weitere effiziente Modelle sind hier etwa der Kia EV3, der Opel Astra Electric und der Renault Mégane E-Tech. Eine beliebte Wahl ist auch Volvos EX30.
Wer mehr Platz oder Reichweite sucht, findet in der (oberen) Mittelklasse Alternativen wie den Mercedes CLA, der auch als CLA Shooting Brake (Kombi) verfügbar ist. Mit einem geringen Verbrauch von 12,3 kWh pro 100 Kilometer und Reichweiten von bis zu 792 Kilometern gehört der CLA laut «Spiegel» zu den effizienteren Modellen – und eignet sich damit auch für lange Strecken. Als weitere sparsame Vertreter nennt der ADAC unter anderem das Tesla Model 3, den Hyundai Ioniq 6, den Audi A6 E-Tron oder den VW ID.7. A6 und ID.7 gibt es jeweils als Limousine und Kombi.
Bei den SUVs und Crossover-SUVs, die in der Schweiz besonders gefragt sind, steht etwa das Tesla Model Y hoch im Kurs. Es bietet viel Platz, Reichweiten von über 600 Kilometern und gilt als vielseitig einsetzbar. Auch hier gibt es effiziente Alternativen wie den brandneuen BMW iX3 mit über 800 Kilometer Reichweite, den seit Jahren beliebten Skoda Enyaq (oder den kleineren Skoda Elroq) sowie den überarbeiteten Toyota bZ4x (kommt auch als Kombi). Hierzulande populär ist auch seit langem Audis mittelgrosser SUV Q4.
Deutlich kleinere Elektro-SUVs sind etwa der Renault 4 oder seine technischen Zwillinge Fiat Grande Panda und Citroen E-C3.
In der Oberklasse erreicht die ab Herbst 2026 verfügbare Elektrolimousine BMW i3 (kommt ebenfalls als i3-Kombi) Reichweiten bis 900 Kilometer. Mercedes kontert mit der elektrischen C-Klasse. Die Limousine fährt ohne Ladestopp 750 Kilometer und kann in zehn Minuten Strom für 300 Kilometer nachladen.
Das ist beim E-Auto-Kauf wichtig
Unabhängig vom Modell gilt: Laut ADAC sollten Käufer vor allem auf Akkugrösse, Ladeleistung und Alltagstauglichkeit achten. Wer regelmässig lange Strecken fährt, braucht ein anderes Fahrzeug als jemand, der überwiegend in der Stadt unterwegs ist. Auch die Lademöglichkeiten zu Hause oder am Arbeitsplatz entscheiden darüber, wie praktikabel ein Elektroauto im Alltag ist.
Gebrauchte Elektroautos: Tipps für Schnäppchen
Noch dynamischer entwickelt sich derzeit der Gebrauchtwagenmarkt. Der schnelle Wertverlust von E-Autos führt dazu, dass vergleichsweise junge Fahrzeuge deutlich günstiger angeboten werden. Für Verkäufer ist das schlecht, für Käufer umso besser.
Ein Beispiel ist der seit Jahren beliebte VW ID.3: Frühe Modelle von 2020 und 2021 mit 58-kWh-Batterie sind schon für unter 15'000 Franken zu finden. Damit wird ein modernes Elektroauto preislich mit Verbrennern vergleichbar. Ein ADAC-Test zeigte, dass ein ID.3 mit 170'000 Kilometern auf dem Tacho noch eine Akku-Restkapazität von 91 Prozent hatte. Allgemein zeigt sich inzwischen, dass E-Auto-Akkus viel länger halten, als früher gedacht wurde. 300'000 Kilometer und teils weit mehr, sind völlig normal.
Auch das Tesla Model 3 ist deutlich günstiger geworden. Fahrzeuge aus den Baujahren bis 2021 starten bei etwa 15'000 Franken. Dafür bekommen Käufer ein effizientes Fahrzeug mit durchdachter Software und integrierter Ladeplanung. Dafür sollten Gebrauchtkäufer beachten, dass das Model 3 häufig Probleme bei der Hauptuntersuchung hat.
Wer häufig längere Strecken fährt und extern an Schnellladesäulen lädt, könnte sich den Hyundai Ioniq 5 ansehen. Das Modell bietet besonders kurze Ladezeiten dank 800-Volt-Technik – unter optimalen Bedingungen lässt sich der Akku in rund 18 Minuten von zehn auf 80 Prozent laden. Gebraucht beginnt er bei etwa 25'000 Franken.
Auch kleinere, ältere Modelle bleiben interessant. Ein VW e-Up ist ab etwa 12'000 Franken erhältlich und eignet sich vor allem für den Stadtverkehr. Der alte BMW i3 der ersten Generation punktet mit seinem Leichtbau und effizientem Verbrauch, während ein Hyundai Kona Elektro als kompakter SUV auch für längere Strecken infrage kommt.
Gebrauchtes E-Auto kaufen: Das ist entscheidend
Beim Kauf sollten Interessenten jedoch genau hinsehen. Entscheidend ist der Zustand der Batterie. Der sogenannte State of Health (SoH) zeigt, wie leistungsfähig der Akku noch ist. Liegt dieser Wert über 80 Prozent, gilt er in der Regel als solide.
Auch Reichweite und Ladeleistung unterscheiden sich je nach Baujahr deutlich. Ältere Modelle schaffen oft nur 120 bis 200 Kilometer und laden langsamer. Wer regelmässig längere Strecken fährt, sollte gezielt nach Fahrzeugen mit Schnellladefunktion und einer möglichst hohen Ladeleistung suchen. Entscheidend ist aber nicht die maximale Ladeleistung, sondern die durchschnittliche Ladeleistung. Diese bestimmt, wie viel Strom und somit Reichweite in einer bestimmten Zeit nachgeladen wird. Dies ist aber nur dann wichtig, wenn man wirklich oft am Schnelllader steht. In der Praxis laden die meisten E-Autos langsam an der Steckdose oder Wallbox.
Ein weiterer Blick lohnt sich auf typische Schwachstellen. Laut TÜV-Report zeigen sich bei einigen Modellen Auffälligkeiten, etwa beim Fahrwerk, den Bremsen oder der Beleuchtung. Eine Probefahrt und ein genauer Blick auf Wartung und Historie sind deshalb wichtig.
Verwendete Quellen:
- spiegel.de: "Elektroauto kaufen: Mit diesen Modellen sparen Sie besonders viel" (kostenpflichtig)
- auto-motor-und-sport.de: "Drei gebrauchte E-Auto-Schnäppchen: Billige Stromparty statt hoher Spritkosten"
- adac.de: "Elektroauto: Tipps für Einsteiger"
- automobilwoche.de: Neuwagen: Hohe Spritpreise lassen Verbrenner-Nachfrage sinken
- Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und afp
- Verivox-Pressemitteilung
- TÜV-Report 2026

