Es gibt Autos, die man sieht und sofort vergisst – und es gibt den neuen Renault 5 E-Tech Electric, kurz R5. Unser Testwagen leuchtet in Pop Green, einem satten Knallgrün, das als einzige Lackierung keinen Aufpreis kostet. Zufall? Wohl kaum. Renault möchte offenbar sicherstellen, dass der R5 nicht im grauen Einheitsbrei des Strassenverkehrs verschwindet.
Das Design ist eine Mischung aus Retro und Moderne: Die kantige Form, die aufrechte Front, die ausgestellten Radhäuser – all das erinnert an den Ur-R5 aus den 1970er-Jahren. In den Frontscheinwerfern funkelt dezent eine französische Flagge, am kristallartigen Gangwahlhebel prangt auf einer austauschbaren Verkleidung die Jahreszahl «1972» (das Jahr der Premiere des Ur-R5). Für Nostalgiker sind das kleine, aber wirkungsvolle Emotionstreiber – für Jüngere einfach charmante Details.
Und dann ist da noch der Baguettehalter. Ja, wirklich: Im Testwagen hängt das Zubehörteil griffbereit im Innenraum. Das lässt sofort (Klischee-)Bilder im Kopf entstehen – vom kleinen Einkauf im französischen Dorf, vielleicht mit Baskenmütze und Croissant in der Hand. Das klassische deutsche Vollkornbrot passt in den Baguettehalter natürlich nicht rein.
Dass dieses Konzept ankommt, zeigt nicht nur die Reaktion der Mitfahrer («sympathisch», «charmant»), sondern auch der Markt: In mehreren europäischen Ländern ist der R5 aktuell eines der meistverkauften Elektroautos.
Auf den Vordersitzen überrascht der R5 mit grossem Verstellbereich. Selbst grosse Fahrer finden bequem Platz. Die Sitze sind für einen Kleinwagen ordentlich geformt, bieten Seitenhalt, ohne zu straff zu wirken. Wer allerdings den Sitz weit nach hinten schiebt, nimmt den Fondpassagieren fast den gesamten Knieraum.
Der Kofferraum fasst 326 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rücksitze auf 1'106 Liter erweitern. Damit liegt der R5 im guten Klassenschnitt. Renault hat klar entschieden: Lieber eine lässige Fahrposition vorn als einen Zentimeter mehr Beinfreiheit hinten. Bedauerlich ist nur die sehr hohe Ladekante im Kofferraum – man muss schwere Pakete beim Herausnehmen ein gutes Stück nach oben wuchten.
Im Vergleich zum Citroën ë-C3, den wir kürzlich gefahren haben, wirkt der Renault 5 hochwertiger und feiner abgestimmt – schliesslich kostet er in der getesteten Version auch gut 6'000 Franken mehr als der Citroën in der Topversion. Die Assistenzsysteme sind umfangreicher, die Verarbeitung wirkt im Detail sorgfältiger. Trotzdem gibt es auch hier kleine Schwächen: Türbespannungen und Armaturenbrett treffen nicht exakt den gleichen Farbton, die seitlichen Teppichverkleidungen im Kofferraum geben leicht nach, wenn man dagegen drückt. Und auch die Matte, auf der das Handy zum induktiven Laden liegt, ist ein Schmutzfänger und sieht schnell dreckig aus.
Der R5 spielt mit seiner Herkunft, ohne altmodisch zu wirken. Geriffelte Polster, gesteppter Dachhimmel, sichtbare Nähte auf dem Armaturenbrett – alles sauber verarbeitet. Das Armaturenbrett ist im oberen Bereich mit Stoff bezogen und fasst sich angenehm an, unten kommt das übliche Hartplastik. Die weissen Ränder der Lüftungsdüsen zitieren die eckige Leuchtgrafik der Frontscheinwerfer.
Das Herzstück der Bedienung ist ein 10,1-Zoll-Touchscreen mit Google-Integration. Navigation, Sprachsteuerung und App-Anbindung funktionieren zuverlässig, dazu gibt es ein 10-Zoll-Digitalcockpit hinter dem Lenkrad. Renault setzt auf eine Mischung aus Tasten und Touchscreen – das erleichtert die Bedienung, ohne dass man sich durch Untermenüs tippen muss. Ein neuer Sprachassistent namens «Reno» in Rhombus-Form reagiert auf Spracheingaben und begeistert mit netten Animationen.
Ein kleines Manko: Auf der rechten Seite des Lenkrads finden sich gleich drei Hebel – Blinker, Radiofernbedienung und Gangwahlhebel. Das wirkt zunächst unübersichtlich, ist aber nach kurzer Eingewöhnung kein Problem. Genauso wenig, dass es keinen klassischen «P»-Modus zum Parken gibt. Motor ausschalten oder die elektrische Parkbremse ziehen ist hier die Lösung.
Unser Testwagen fährt mit 110 kW (150 PS) und 245 Nm Drehmoment vor. Der Antrieb basiert auf dem Motor des grösseren Megane E-Tech, ist aber 3 Zentimeter kürzer und 15 Kilo leichter.
Das Ergebnis ist spürbar: Der R5 hängt willig am «Gas», beschleunigt flott und wirkt jederzeit agil. In der Stadt wieselt er mühelos durch enge Gassen, auf der Landstrasse wechselt er Kurven mit einer Präzision, die an ein leichtes Gokart erinnert. Die Lenkung gibt gute Rückmeldung und ist in höheren Varianten in drei Modi einstellbar, das Fahrwerk ist straff genug für Stabilität, aber komfortabel genug für den Alltag. Gut ist der lange Radstand, der ein gutes Fahrverhalten sichert.
Die Mehrlenker-Hinterachse trägt zur Stabilität bei, auch bei höheren Geschwindigkeiten. Auf der Autobahn reicht die Kraft locker bis zur elektronisch begrenzten Spitze von 150 km/h.
Renault gibt 406 km WLTP-Reichweite an. Bei normaler Fahrweise im Testalltag lagen wir bei etwa 300 km. Mit zurückhaltendem Fahrstil waren sogar 380 km drin. Verbrauch in der Stadt: rund 12 kWh, mit vielen Autobahnfahrten liegt er bei rund 18 kWh. Geladen wird mit bis zu 100 kW DC. In etwa 30 Minuten sind 200 km nachgeladen. An der Wallbox fliessen 11 kW. Das sind gute Leistungen und reichen für das Einsatzgebiet des R5 vollkommen aus.
Der Renault 5 E-Tech startet in der Basis mit kleiner Batterie (40 kWh) bei aktuell 25'000 Franken. Unser Testwagen in der gut ausgestatteten Techno-Version, mit grossem Akku und zusätzlichen Extras wie Harman Kardon Sound, Advanced Driving Assist und sinnvollem Winterpaket liegt bei rund 35'000 Franken. Kein Schnäppchen, aber angesichts des Gesamtpakets und der Preise der Konkurrenz ein faires Angebot.
Der Renault 5 E-Tech ist ein Auto, das man nicht nur kauft, weil es elektrisch fährt – sondern weil es Freude macht. Er ist charmant, sympathisch, mit Liebe zum Detail gestaltet, fährt sich agil und hat einen eigenständigen Charakter.
Seine Schwächen beim Platz im Fond und andere Eigenheiten verzeiht man ihm schnell – weil er auffällt, weil er Spass macht, weil er mehr Lebensfreude als Laderaum bietet. Und weil er zeigt, dass ein E-Auto nicht nur vernünftig, sondern auch verführerisch sein kann.
Verwendete Quellen:
man kann nicht alles haben, es ist ein kleinwagen und das ist auch toll an ihm, er sieht zudem einfach sexy aus, wie die R5 Turbo, mit vielen kleinen Anleihen am ur-R5 und dabei sieht er doch modern aus.
Und ja, er macht auch auf der Autobahn Spass und klebt wie ein Kaugummi auf der Strasse.