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Renault 5 im Test: So gut ist er bei Platz, Design, Preis und Bedienung

Das Elektroauto Renault 5
Quietschig: Der Renault 5 fällt nicht nur durch seine Form, sondern auch durch seine Lackierung auf.Bild: watson
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Warum dieses Retro-Auto der beliebteste Elektro-Kleinwagen ist

Retrodesign trifft moderne Technik: Der neue Renault 5 E-Tech will mehr sein als nur ein weiteres Elektroauto und überzeugt mit Charme, Fahrspass und Liebe zum Detail.
30.08.2025, 21:2630.08.2025, 22:31
Christopher Clausen / t-online
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Ein Artikel von
t-online

Es gibt Autos, die man sieht und sofort vergisst – und es gibt den neuen Renault 5 E-Tech Electric, kurz R5. Unser Testwagen leuchtet in Pop Green, einem satten Knallgrün, das als einzige Lackierung keinen Aufpreis kostet. Zufall? Wohl kaum. Renault möchte offenbar sicherstellen, dass der R5 nicht im grauen Einheitsbrei des Strassenverkehrs verschwindet.

Unser Testauto in Grün: Den R5 gibt es auch in Gelb, Blau, Schwarz und Weiss.
Unser Testauto in Grün: Den R5 gibt es auch in Gelb, Blau, Schwarz und Weiss. bild: renault

Das Design ist eine Mischung aus Retro und Moderne: Die kantige Form, die aufrechte Front, die ausgestellten Radhäuser – all das erinnert an den Ur-R5 aus den 1970er-Jahren. In den Frontscheinwerfern funkelt dezent eine französische Flagge, am kristallartigen Gangwahlhebel prangt auf einer austauschbaren Verkleidung die Jahreszahl «1972» (das Jahr der Premiere des Ur-R5). Für Nostalgiker sind das kleine, aber wirkungsvolle Emotionstreiber – für Jüngere einfach charmante Details.

Und dann ist da noch der Baguettehalter. Ja, wirklich: Im Testwagen hängt das Zubehörteil griffbereit im Innenraum. Das lässt sofort (Klischee-)Bilder im Kopf entstehen – vom kleinen Einkauf im französischen Dorf, vielleicht mit Baskenmütze und Croissant in der Hand. Das klassische deutsche Vollkornbrot passt in den Baguettehalter natürlich nicht rein.

Putzige Effekthascherei: Der optionale, handgeflochtene und rund 191 Euro teure Baguettehalter auf der Beifahrerseite versprüht Charme, aber dürfte eher den Beifahrer stören.
Putzige Effekthascherei: Der optionale, handgeflochtene und rund 191 Euro teure Baguettehalter auf der Beifahrerseite versprüht Charme, aber dürfte eher den Beifahrer stören. bild: clausen
Alltagstest – was ist das?
Beim Alltagstest nehmen wir neue Fahrzeuge über mehrere Tage oder sogar Wochen unter die Lupe – und zwar im ganz normalen Einsatz: im Stadtverkehr, auf der Autobahn, beim Einkaufen, Pendeln oder auf Reisen. Anders als beim Kurztest auf Herstellerveranstaltungen können wir so auch Details bewerten, die sich erst im täglichen Gebrauch zeigen: Wie komfortabel ist das Fahrwerk wirklich? Wie intuitiv lässt sich das Infotainment bedienen? Wie praxisnah ist die Reichweite? Wie viel passt in den Kofferraum? Ein Alltagstest zeigt, wie gut ein Auto im echten Leben funktioniert.

Dass dieses Konzept ankommt, zeigt nicht nur die Reaktion der Mitfahrer («sympathisch», «charmant»), sondern auch der Markt: In mehreren europäischen Ländern ist der R5 aktuell eines der meistverkauften Elektroautos.

Platzangebot: Vorn grosszügig, hinten knapp

Auf den Vordersitzen überrascht der R5 mit grossem Verstellbereich. Selbst grosse Fahrer finden bequem Platz. Die Sitze sind für einen Kleinwagen ordentlich geformt, bieten Seitenhalt, ohne zu straff zu wirken. Wer allerdings den Sitz weit nach hinten schiebt, nimmt den Fondpassagieren fast den gesamten Knieraum.

Nichts für Grosse: Hinten ist wenig Platz, zumindest dann, wenn Fahrer und Beifahrer recht gross sind. Transparenzhinweis: Der Beifahrersitz ist zugunsten des Dackels in der Tasche im Fussraum (nur er ...
Nichts für Grosse: Hinten ist wenig Platz, zumindest dann, wenn Fahrer und Beifahrer recht gross sind. Transparenzhinweis: Der Beifahrersitz ist zugunsten des Dackels in der Tasche im Fussraum (nur erkennbar an der Nase) ganz nach hinten geschoben. bild: clausen

Der Kofferraum fasst 326 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rücksitze auf 1'106 Liter erweitern. Damit liegt der R5 im guten Klassenschnitt. Renault hat klar entschieden: Lieber eine lässige Fahrposition vorn als einen Zentimeter mehr Beinfreiheit hinten. Bedauerlich ist nur die sehr hohe Ladekante im Kofferraum – man muss schwere Pakete beim Herausnehmen ein gutes Stück nach oben wuchten.

Kofferraum: Teilbare Rückbank, aber hohe Ladekante.
Kofferraum: Teilbare Rückbank, aber hohe Ladekante. bild: renault

Im Vergleich zum Citroën ë-C3, den wir kürzlich gefahren haben, wirkt der Renault 5 hochwertiger und feiner abgestimmt – schliesslich kostet er in der getesteten Version auch gut 6'000 Franken mehr als der Citroën in der Topversion. Die Assistenzsysteme sind umfangreicher, die Verarbeitung wirkt im Detail sorgfältiger. Trotzdem gibt es auch hier kleine Schwächen: Türbespannungen und Armaturenbrett treffen nicht exakt den gleichen Farbton, die seitlichen Teppichverkleidungen im Kofferraum geben leicht nach, wenn man dagegen drückt. Und auch die Matte, auf der das Handy zum induktiven Laden liegt, ist ein Schmutzfänger und sieht schnell dreckig aus.

Hübsch gemacht: Stoffbespannung auf dem Armaturen mit Steppnähten in Anlehnung an den Urahn, allerdings etwas abweichender Farbton von der Bespannung der Türtafel.
Hübsch gemacht: Stoffbespannung auf dem Armaturen mit Steppnähten in Anlehnung an den Urahn, allerdings etwas abweichender Farbton von der Bespannung der Türtafel. bild: renault

Innenraum und Bedienung: Retro trifft Moderne

Der R5 spielt mit seiner Herkunft, ohne altmodisch zu wirken. Geriffelte Polster, gesteppter Dachhimmel, sichtbare Nähte auf dem Armaturenbrett – alles sauber verarbeitet. Das Armaturenbrett ist im oberen Bereich mit Stoff bezogen und fasst sich angenehm an, unten kommt das übliche Hartplastik. Die weissen Ränder der Lüftungsdüsen zitieren die eckige Leuchtgrafik der Frontscheinwerfer.

Cockpit des R5: Sauber verarbeitet, übersichtlich und mit den wichtigsten Funktionalitäten auf Knopfdruck.
Cockpit des R5: Sauber verarbeitet, übersichtlich und mit den wichtigsten Funktionalitäten auf Knopfdruck. bild: renault

Das Herzstück der Bedienung ist ein 10,1-Zoll-Touchscreen mit Google-Integration. Navigation, Sprachsteuerung und App-Anbindung funktionieren zuverlässig, dazu gibt es ein 10-Zoll-Digitalcockpit hinter dem Lenkrad. Renault setzt auf eine Mischung aus Tasten und Touchscreen – das erleichtert die Bedienung, ohne dass man sich durch Untermenüs tippen muss. Ein neuer Sprachassistent namens «Reno» in Rhombus-Form reagiert auf Spracheingaben und begeistert mit netten Animationen.

So viele Hebel: Mit etwas Gewöhnung kommt man aber auch damit klar.
So viele Hebel: Mit etwas Gewöhnung kommt man aber auch damit klar. bild: clausen

Ein kleines Manko: Auf der rechten Seite des Lenkrads finden sich gleich drei Hebel – Blinker, Radiofernbedienung und Gangwahlhebel. Das wirkt zunächst unübersichtlich, ist aber nach kurzer Eingewöhnung kein Problem. Genauso wenig, dass es keinen klassischen «P»-Modus zum Parken gibt. Motor ausschalten oder die elektrische Parkbremse ziehen ist hier die Lösung.

So fährt er: Ein bisschen Gokart-Feeling

Unser Testwagen fährt mit 110 kW (150 PS) und 245 Nm Drehmoment vor. Der Antrieb basiert auf dem Motor des grösseren Megane E-Tech, ist aber 3 Zentimeter kürzer und 15 Kilo leichter.

Das Ergebnis ist spürbar: Der R5 hängt willig am «Gas», beschleunigt flott und wirkt jederzeit agil. In der Stadt wieselt er mühelos durch enge Gassen, auf der Landstrasse wechselt er Kurven mit einer Präzision, die an ein leichtes Gokart erinnert. Die Lenkung gibt gute Rückmeldung und ist in höheren Varianten in drei Modi einstellbar, das Fahrwerk ist straff genug für Stabilität, aber komfortabel genug für den Alltag. Gut ist der lange Radstand, der ein gutes Fahrverhalten sichert.

Gut dabei: Der R5 lässt sich behände durch die Stadt steuern.
Gut dabei: Der R5 lässt sich behände durch die Stadt steuern. bild: renault

Die Mehrlenker-Hinterachse trägt zur Stabilität bei, auch bei höheren Geschwindigkeiten. Auf der Autobahn reicht die Kraft locker bis zur elektronisch begrenzten Spitze von 150 km/h.

Renault gibt 406 km WLTP-Reichweite an. Bei normaler Fahrweise im Testalltag lagen wir bei etwa 300 km. Mit zurückhaltendem Fahrstil waren sogar 380 km drin. Verbrauch in der Stadt: rund 12 kWh, mit vielen Autobahnfahrten liegt er bei rund 18 kWh. Geladen wird mit bis zu 100 kW DC. In etwa 30 Minuten sind 200 km nachgeladen. An der Wallbox fliessen 11 kW. Das sind gute Leistungen und reichen für das Einsatzgebiet des R5 vollkommen aus.

Technische Daten Renault 5 (Testwagen)

  • Motor 110 kW (150 PS), E-Motor, 245 Nm
  • Akku 52 kWh
  • Reichweite (WLTP) 406 km
  • 0–100 km/h 8,0 s
  • Höchstgeschwindigkeit 150 km/h
  • Abmessungen (L/B/H) 3,92 m/1,77 m/1,50 m
  • Kofferraum 326-1'106 Liter
  • Ladeleistung AC/DC 11 kW/100 kW
  • Wendekreis 10,3 m
  • Leergewicht 1454 kg
Nettes Detail: Die Ladeanzeige auf der Fronthaube gibt es ab der mittleren Ausstattungsversion.
Nettes Detail: Die Ladeanzeige auf der Fronthaube gibt es ab der mittleren Ausstattungsversion. bild: renault

Der Preis: Nicht ohne, aber ...

Der Renault 5 E-Tech startet in der Basis mit kleiner Batterie (40 kWh) bei aktuell 25'000 Franken. Unser Testwagen in der gut ausgestatteten Techno-Version, mit grossem Akku und zusätzlichen Extras wie Harman Kardon Sound, Advanced Driving Assist und sinnvollem Winterpaket liegt bei rund 35'000 Franken. Kein Schnäppchen, aber angesichts des Gesamtpakets und der Preise der Konkurrenz ein faires Angebot.

Das Fazit

Am Steuer: Redaktor Christopher Clausen ist den R5 für einige Tage gefahren.
Am Steuer: Redaktor Christopher Clausen ist den R5 für einige Tage gefahren.bild: Marcel Horzenek

Der Renault 5 E-Tech ist ein Auto, das man nicht nur kauft, weil es elektrisch fährt – sondern weil es Freude macht. Er ist charmant, sympathisch, mit Liebe zum Detail gestaltet, fährt sich agil und hat einen eigenständigen Charakter.

Elektroauto

Seine Schwächen beim Platz im Fond und andere Eigenheiten verzeiht man ihm schnell – weil er auffällt, weil er Spass macht, weil er mehr Lebensfreude als Laderaum bietet. Und weil er zeigt, dass ein E-Auto nicht nur vernünftig, sondern auch verführerisch sein kann.

Verwendete Quellen:

Lieber ein anderes kleines E-Auto? Das sind die Alternativen zum Renault 5

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Die beliebtesten Kommentare
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goschi
30.08.2025 22:18registriert Januar 2014
der Platz Hinten ist natürlich auch begrenzt, weil der Renault ein echter Kleinwagen ist und unter 4m Länge bleibt

man kann nicht alles haben, es ist ein kleinwagen und das ist auch toll an ihm, er sieht zudem einfach sexy aus, wie die R5 Turbo, mit vielen kleinen Anleihen am ur-R5 und dabei sieht er doch modern aus.
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dmark
30.08.2025 22:05registriert Juli 2016
Fahre den sehr gerne und obwohl ich den eigentlich hauptsächlich für Kurzstrecken haben wollte, war ich vor kurzem auch mal in Frankreich unterwegs.
Und ja, er macht auch auf der Autobahn Spass und klebt wie ein Kaugummi auf der Strasse.
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