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Die herkömmliche SIM-Karte aus Plastik ist ein Auslaufmodell.
Die herkömmliche SIM-Karte aus Plastik ist ein Auslaufmodell.
bild: shutterstock

Tschüss SIM-Karte!? Das musst du über die eSIM von Swisscom wissen

Es hat lange gedauert, doch nun soll das Chip-Kärtchen verschwinden: Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die eSIM.
26.05.2016, 16:5703.06.2016, 16:11

Ist die SIM-Karte reif fürs Museum?

Am Montag hat die Swisscom über die Lancierung des ersten «Wearable» mit einer so genannten eSIM informiert.

Und hier steckt sie drin:

Um mit der Samsung Gear S2 Classic 3G am Handgelenk telefonieren zu können, ist weder ein (via Bluetooth gekoppeltes) Smartphone erforderlich, noch muss man vor der Inbetriebnahme ein SIM-Kärtchen aus einem Stück Plastik herausbrechen, um es mühsam ins Gerät zu stecken.

Bei der so genannten eSIM ist der Chip, den es für das Einwählen in ein Mobilfunknetz braucht, fix im Gerät verbaut. Darum steht das «e» für embedded, also eingebettet.

Steht das «e» auch für extrem sinnvoll?

Die ab dem 7. Juni erhältliche Galaxy-Smartwatch ist natürlich nur der Anfang. Irgendwann sollen alle Mobilgeräte ohne herkömmliche SIM-Karte auskommen. 

In der aktuellen Medienmitteilung malt die Swisscom eine rosige Zukunft. Es ist von mehr Freiheit für die Kunden die Rede, von unkomplizierten Gerätewechseln und von einem «entscheidenden Baustein» für das Internet der Dinge.

Doch was bringt die eSIM den Konsumenten wirklich und warum nimmt Swisscom eine Pionier-Rolle ein?

Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche Vorteile bringt die eSIM?

  • Grobmotoriker können aufatmen: Das lästige Hantieren mit umgebogener Heftklammer und SIM-Karte entfällt.
  • Wenn ein Mobilfunk-Vertrag abläuft, muss man nicht auf eine neue SIM-Karte per Post warten, sondern lädt übers Internet ein neues eSIM-Profil herunter.
  • Man wechselt leichter und unkomplizierter zwischen verschiedenen Mobilfunk-Anbietern.
  • Im Ausland lassen sich Roaming-Gebühren sparen, indem man die eSIM bei einem örtlichen Mobilfunk-Anbieter auflädt (Prepaid oder befristetes Abo) und aktiviert.
  • Micro oder Nano? Der Frust mit unterschiedlichen SIM-Karten-Grössen gehört der Vergangenheit an.
Die vor 25 Jahren lancierte SIM-Karte, die Mini-SIM, Micro-SIM und Nano-SIM (von links).
Die vor 25 Jahren lancierte SIM-Karte, die Mini-SIM, Micro-SIM und Nano-SIM (von links).
bild: wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Das klingt ja super. Wo ist der Haken?

Die Mobilfunk-Anbieter haben sich lange gesperrt und die Einführung eines branchenweiten eSIM-Standards mit immer neuen Vorschlägen verzögert.

Denn wenn die eSIM ab Werk im Gerät verbaut ist, geben die Provider die Kontrolle ein Stück weit ab. Apple, Samsung und andere Hardware-Hersteller drängen ins Geschäft.

Wie dies geht, zeigt Apple seit 2014. Die Kalifornier waren Vorreiter mit einer eigenen SIM-Karte fürs iPad.

Die Apple SIM ist eine Zwitter-Lösung. Zwar muss sie wie gehabt als Chip-Kärtchen gekauft und ins Gerät gesteckt werden. Bezüglich Funktionalität ist es aber eine eSIM, weil man über die System-Einstellungen den Provider wechseln kann.

Inzwischen hätten die Netzbetreiber begriffen, dass ihnen keine Alternative bleibe, konstatierte «Die Welt» diesen März. Weil sich das Internet der Dinge (IoT) entwickelt, benötigen immer mehr Geräte eine unkomplizierte ständige Verbindung – sei dies ein Auto, eine Waschmaschine oder auch ein Bürostuhl.

Über die letzten Jahre habe der GSMA-Industrieverband, der weltweit alle Netzbetreiber vertritt, mit den Geräteherstellern die Spielregeln verhandelt. Bis im Sommer solle der branchenweite eSIM-Standard endgültig verabschiedet werden.

Aus Konsumentensicht hat die eSIM den Nachteil, dass man sie nicht einfach wie die herkömmliche SIM herausnehmen kann. Man ist also den Anbietern ein Stück weit ausgeliefert.

Warum braucht's für die eSIM in der Galaxy-Smartwatch eine neue Rufnummer?

Es wäre natürlich praktisch, wenn man als Besitzer einer nigelnagelneuen Gear S2 Classic 3G über die eigene Handynummer zu erreichen wäre, wenn man das Smartphone etwa zum Joggen zuhause lässt. Doch scheint dies zum heutigen Zeitpunkt aus technischen Gründen nicht möglich.

Swisscom-Sprecher Armin Schädeli:

«Da die Samsung Gear S2 Classic 3G eine der ersten Smartwatches ist, die ohne Bluetooth-Verbindung zu einem Smartphone auch Sprachtelefonie ermöglicht, muss dem Kunden ein Abo angeboten werden, welches auch Telefonieren ermöglicht. Dies hat für den Kunden zur Folge, dass er eine zusätzliche Telefonnummer erhält. Er hat somit eine separate Telefonnummer für die Smartwatch.»

Sprich: Wer beim Joggen mit der Smartwatch über die eigene Handy-Nummer erreichbar sein will, muss eine temporäre Rufumleitung einrichten (siehe Swisscom-Website).

Funktioniert die eSIM auch mit einer bestehenden Handy-Nummer?

Nope. Derzeit nicht.

Der Swisscom-Sprecher: «Für die Smartwatch erhält der Kunde eine separate Rufnummer. Für das Smartphone verwendet der Kunde seine bestehende.»

Eine Zweit-SIM, wie sie Swisscom ihren Kunden gegen Aufpreis anbietet, um die eigene Telefonnummer mit mehreren Geräten zu nutzen, macht keinen Sinn. Denn dafür müsste man die Zusatz-Karte ja in die Smartwatch stecken können.

Was kostet die eSIM und wer kann sie nutzen?

Ausschliesslich Swisscom-Kunden mit einem «infinity»-Handyabo – das Günstigste kostet 69 Franken pro Monat. 

Hinzu kommen 15 Franken, die die Swisscom als monatliche Gebühr für die eSIM in der Galaxy-Smartwatch verlangt.

Präzisierung: Laut Swisscom sind die 15 Franken nicht für die eSIM-Karte, «sondern für den Service, dass der Kunde telefonieren, SMS-Verschicken und mobil Daten nutzen kann».

Update: Hinzu kommen auch noch einmalige Kosten von 40 Franken:  «Für die Aufschaltung des eSIM Profils fallen Kosten wie bei der klassischen SIM Karte an, deshalb kostet die Aufschaltung der eSIM 40 Franken», heisst es.

Was passiert, wenn man den Mobilfunk-Provider wechselt? (Wird die eSIM ungültig?)

Das eSIM-Profil des Kunden (eine Software-Einstellung) wird ungültig, wenn der Vertrag mit der Swisscom endet. Weil zurzeit kein anderer Schweizer Provider eine eSIM anbietet, kann man die Smartwatch nicht mehr wie gewünscht nutzen.

Der Swisscom-Sprecher:

Die eSIM ist der eingebaute Chip, faktisch eine leere SIM-Karte. Der Kunde erhält vom Mobilfunkanbieter ein eSIM-Profil. Dieses eSIM-Profil ist nur mit dem jeweiligen Anbieter gültig. Vom Mobilfunkanbieter erhält der Kunde einen Zugang zu einem eSIM-Profil zum Download auf seine eSIM (eingebauter Chip). Dieses eSIM-Profil bekommt er aufgrund einer vertraglichen Beziehung mit dem Provider. Wenn der Kunde zu einem anderen Anbieter wechselt, erhält er von diesem ein neues eSIM-Profil.

Es bleibt also zu hoffen, dass Salt (ehemals Orange) und Sunrise schon bald mit eigenen eSIM-Angeboten nachziehen.

Was passiert, wenn man mit der eSIM-Smartwatch ins Ausland reist? 

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, während eines Ausland-Aufenthalts zu einem lokalen (günstigen) Mobilfunk-Provider zu wechseln. Dazu muss man keine SIM-Karte mehr erwerben und ins eigene Gerät einsetzen, sondern nur die Software-Einstellungen ändern. Das Problem: Man hat nicht mehr die eigene Rufnummer.

Der Swisscom-Sprecher bestätigt. Selbstverständlich könnten die Kunden ein eSIM-Profil eines anderen Anbieters auf die Uhr laden – sofern dieser Anbieter eSIM unterstütze. «Damit erhält er von diesem lokalen Mobilfunkanbieter eine lokale Rufnummer (entspricht einem heutigen SIM-Kartenwechsel).»

Ausserdem sei auch Roaming möglich, also die Nutzung von fremden Mobilfunknetzen über das eigene Handy-Abo. Dies stehe im Leistungsbeschrieb zur eSIM (15 Fr./Monat).

Fazit: Dies dürfte das häufigste Szenario sein, weil weltweit die wenigsten Provider bislang eSIM-Angebote lanciert haben.

Wird es einen eSIM-Lock geben oder kann man Profile von mehreren Providern auf einem Gerät haben (so wie dies bei Dual-SIM-Geräten möglich ist)?

Der Swisscom-Sprecher:

«Die eSIM unterstützt technisch einen SIM-Lock. Ob und in welchen Fällen dieser angewendet wird, hängt von der Vertragsbeziehung ab. Die eSIM ändert daran nichts. eSIM unterstützt technisch auch den Download mehrerer eSIM-Profile. Es ist jedoch immer nur ein Profil aktiv. Ob und wie viele eSIM-Profile auf einem Gerät gespeichert werden können, wird vom Gerätehersteller definiert.»

Stichwort Datenschutz: Wie sicher ist die eSIM?

Der Swisscom-Sprecher: «Eine eSIM ist genau so sicher wie die herkömmliche physische SIM-Karte. Die Profildaten werden end-to-end verschlüsselt auf die eSIM übertragen.»

Sollte ein eSIM-Gerät Kriminellen in die Hände fallen, brauchen sie auch den PIN-Code, um es freizuschalten.

Was bringt die eSIM der Swisscom?

Die Swisscom kann als Mobilfunk-Providerin ihre Kosten senken, wenn immer weniger herkömmliche SIM-Karten verwaltet und an die Kunden ausgeliefert werden müssen.

Profitieren kann das halbstaatliche Telekom-Unternehmen auch, weil das Internet der Dinge (IoT) wächst. Wenn immer mehr Geräte vernetzt werden, verdienen die Netzbetreiber.

Mediensprecher Armin Schädeli:

«Swisscom sieht grosses Potenzial in der eSIM. Diese Technologie ermöglicht eine Vereinfachung der Kunden- als auch der Aufschaltprozesse und wird in Zukunft die herkömmliche physische SIM-Karte ablösen. Der Kunde kann das Gerät einschalten, sein eSIM-Profil downloaden und los geht’s. Das führt zur Digitalisierung von bisher physischen Prozessen. Vor allem aber ermöglicht die eSIM, Dinge zu vernetzen, die bislang nur offline oder mittels einem zweiten Gerät vernetzt werden konnten. Sie ist der Schlüssel zum Internet der Dinge. Mit der eSIM und dem damit einhergehenden Technologiewandel eröffnen sich neue Möglichkeiten für Kunden und Telekomanbieter.»

Dazu der Swisscom-Manager Dirk Wierzbitzki:

«Die eSIM ist ein entscheidender Baustein für das ‹Internet der Dinge›, denn sie ermöglicht kleine, autonom vernetzte Geräte und Sensoren. Smart Watches, Wearables, Kameras, Fitness-Tracker, Gesundheits- oder Notrufsensoren, eBikes und viele weitere Geräte müssen nicht mehr mit einer physischen SIM-Karte ausgestattet werden und bleiben permanent über das Mobilfunknetz in Verbindung.»

Laut Swisscom folgen noch in diesem Jahr «weitere Geräte mit eSIM». Welche?

Armin Schädeli formuliert vorsichtig: «Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr weitere eSIM-Geräte auf den Markt kommen. Dabei wird es sich vermutlich um Smartwatches, Fitness-Armbänder, Tablets oder andere Zusatzgeräte handeln.»

Man merke: Von Smartphones ist (noch) keine Rede.

Bleibt die Frage, ob Apple mit dem für Herbst 2016 erwarteten iPhone 7 weiterhin die eigene technische Lösung (Apple SIM) favorisiert und das erste Smartphone mit eSIM lanciert.

Zukunftsmusik: Mobilfunk-Vertrag für fünf Geräte

Wie aktiviert man die in die Galaxy-Smartwatch integrierte eSIM?

  1. Zuerst gilt es die Samsung-Gear-App auf das Android-Smartphone herunterzuladen.
  2. Nun scannt man den QR-Code auf dem eSIM-Voucher (Bild) mithilfe der App ein. Daraufhin wird automatisch das eSIM-Profil vom Swisscom-Server heruntergeladen und via Bluetooth auf die Smartwatch übertragen.
  3. Nach dem Neustarten der Smartwatch wird man aufgefordert, den PIN für die eSIM einzugeben.
bild: swisscom

Warum unterstützt die Swisscom (im Gegensatz zur deutschen Telekom) nicht die «Apple SIM», die bereits mit iPads funktioniert?

Der Swisscom-Sprecher:

«Die iPad-Geräte von Apple können weiterhin mit einer normalen SIM-Karte genutzt werden. Die ‹Apple SIM› ist eine proprietäre Lösung von Apple und entspricht nicht dem GSMA-Standard, welcher von der Swisscom und allen anderen Mobilfunkanbietern unterstützt wird.»

Angenommen, das iPhone 7 kommt mit einer eSIM respektive «Apple SIM» auf den Markt. Was bedeutet das für die Swisscom?

Armin Schädeli: «Wenn das iPhone 7 eine eSIM nach GSMA-Standard unterstützt, sind alle zufrieden. Swisscom kennt keine Pläne oder Spezifikationen von Apple und nimmt dazu keine Stellung.»

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