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Happy Birthday, Schreibmaschine! Nanu, was ist denn das fĂŒr ein Sonderzeichen?

Q W E R T Z 😍 Die Schreibmaschine ist 150 – hier sind 10 ĂŒberraschende Fakten

Die Schreibmaschine war fĂŒrs 20. Jahrhundert eine der wichtigsten Erfindungen. Heute schĂ€tzen Geheimagenten ihre Vorteile.



Hier sind 10 ĂŒberraschende und kaum bekannte Fakten zum SchreibgerĂ€t, das in heutigen PCs weiterlebt ...

Die Schreibmaschine ist mit dem Revolver verwandt

Sie heissen Erika, Gabriele, Olympia oder Valentine: Schreibmaschinen gehören zum 20. Jahrhundert wie der Röhrenfernseher und der Plattenspieler. 48 Tasten und ein Ratschen, HĂ€mmern und Klicken, wie es keine lichtgraue Computertastatur erzeugen kann. Vor genau 150 Jahren – am 23. Juni 1868 – meldete die US-RĂŒstungsfirma Remington die erste industriell gefertigte Maschine, wie wir sie kennen, zum Patent an.

Zum Produkte-Portfolio gehören BĂŒchsen, Flinten, Handfeuerwaffen und Munition. Eines der ersten erfolgreichen Modelle war der Remington New Model Army, ein Revolver, der in grossen StĂŒckzahlen an die US-Unionstruppen verkauft wurde.

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bild: wikimedia cc by-sa 2.0

Die Tastatur ist seit 150 Jahren unverÀndert

Im Gegensatz zu ihren VorlĂ€ufern hatte die «Sholes-Glidden» die bis heute auch fĂŒr Computer gĂŒltige Tastatur.

«Zuerst haben die Erfinder es mit einer alphabetisch angeordneten Tastatur versucht, dann aber gemerkt: Sie mĂŒssen die AnschlĂ€ge gleichmĂ€ssig auf die linke und rechte Hand verteilen», erlĂ€utert Winfrid Glocker. Er ist am Deutschen Museum Konservator fĂŒr Papier-, Druck, Textil- und BĂŒrotechnik.

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bild: wikimedia / plenuska cc 4.0

Unter der Zahlenreihe stehen darum die Buchstaben Q, W, E, R, T, Z – das ist die sogenannte QWERTZ-Tastatur. Im englischen Sprachraum tauschen das Z und das Y den Platz.

Sie war ursprĂŒnglich fĂŒr Blinde gedacht

UrsprĂŒnglich war die Schreibmaschine als Hilfsmittel fĂŒr extrem kurzsichtige oder blinde Menschen gedacht. Technische Verbesserungen um die Jahrhundertwende machten den weltweiten Siegeszug möglich. Die Vorteile: Alles war gut lesbar und eine Kopie war dank Durchschlag inbegriffen.

Die Nazis hatten eine SS-Sonderzeichentaste

GerÀte wurden in unzÀhligen Versionen produziert, auch in fremden Schriften. Die Nazi-Organisation SS liess eine eigene Taste mit ihren Runen belegen.

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screenshot: usmbooks.com

Tolkien selbst tippte «Herr der Ringe» dreimal ab

Schreibmaschinen waren weltweit omniprĂ€sent. Die Kugelkopfmaschine löste mit eigener Korrekturtaste die letzte TĂŒcke. Dennoch blieb das Bedienen der Maschine fĂŒr viele Menschen Plackerei. Studenten schwitzten ĂŒber Typoskripten, und auch Autoren. Glocker: «J.R.R. Tolkien war Professor fĂŒr ein vergleichsweise exotisches Fach und er hatte nicht das Geld, eine gelernte Schreibkraft »Herr der Ringe« tippen zu lassen. Er hat das Riesending dreifach abgetippt.»

Eine Umfrage bei grossen deutschsprachigen Verlagen ergab, dass etwa John Irving, Patrick SĂŒskind und Frederick Forsyth bis heute Schreibmaschinenseiten bei ihren Lektoren abliefern.

Zu Spitzenzeiten wurden eine Million Schreibmaschinen verkauft. Pro Jahr.

Klaus Neudeck war 16 Jahre alt, als er 1960 bei dem deutschen Schreibmaschinenriesen Olympia als Lehrling anfing. «Wir haben in den Spitzenzeiten zwischen 1960 und 1970 pro Jahr eine Million Maschinen weltweit verkauft. Wir hatten 17 Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt. Wir waren ja einer der fĂŒhrenden Anbieter ĂŒberhaupt in allen LĂ€ndern.» Neudeck, heute 74, stieg in diesen Glanzzeiten Stufe um Stufe auf. «Zuletzt war ich GeschĂ€ftsfĂŒhrer. Dann wurde Olympia an ein chinesisches Unternehmen verkauft.» Da sei er ausgeschieden.

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bild: wikimedia cc by-sa 2.5

Sie lebt dank «CC» in modernen Computern weiter

Von den 1970ern an machten Computer nach und nach der Schreibmaschine den Garaus, das Internet tat sein Übriges. Allein in der AbkĂŒrzung «CC» fĂŒr den zweiten E-Mail-EmpfĂ€nger lebt die Schreibmaschine im Netz noch ganz praktisch fort. «CC» kommt von «Carbon Copy» (Durchschlag mit Kohlepapier).

Schön anzusehen sind die alten Maschinen noch immer. Viele stellten sie sich zur Dekoration in die Wohnung, «wie eine alte Singer-NÀhmaschine», so der Museumsmann.

Diese Website gibt den «Sound» beim Tippen wieder

Auf der Website «Conserve the Sound» ist zu hören, wie alte Schreibmaschinen klingen, etwa eine Adler Gabriele 2000.

Beliebt bei YouTube ist bis heute auch ein Konzert des US-Komikers Jerry Lewis an einer unsichtbaren Maschine.

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Die Schreibmaschine ist nicht tot, im Gegenteil!

Wer denkt, diese Technik sei heute nur noch museumsreif, der irrt. Olympia etwa vertreibt in Europa und im Nahen Osten weiterhin Maschinen, nur dass sie heute aus KostengrĂŒnden in Asien hergestellt werden. 6000 bis 8000 Maschinen werden Jahr fĂŒr Jahr neu abgesetzt, jede fĂŒnfte Maschine wird in Deutschland verkauft.

Denn es gibt Aufgaben, bei denen ein Computer versagt, wie der frĂŒhere Olympia-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Klaus Neudeck erzĂ€hlt: «Wenn Sie Formulare ausfĂŒllen mĂŒssen, mĂŒssen Sie ja schon genau treffen. Die Schreibmaschine ist da immer noch das bessere und schnellere Mittel.» Abnehmer seien aber eher kleinere Firmen.

Geheimdienste sind daran interessiert

Der Olympia-Mann ist im Lizenzvertrieb weiter tÀtig geblieben: «Wir hatten aus Russland vor ein paar Monaten eine Anfrage einer Behörde: Sie brÀuchten Schreibmaschinen, um »abhörsichere« Protokolle zu schreiben.» Ein Auftrag kam in diesem Fall aber bisher nicht zustande.

Offensichtlich gibt es seit dem Aufkommen von Wikileaks ein gesteigertes Interesse im russischen Markt. Glaubt man einem Àlteren Bericht der russischen Zeitung «Iswestija», waren in den vergangenen Jahren nicht nur russische Zivilschutzbehörden an den vor Hackern sicheren Maschinen interessiert, sondern auch der Geheimdienst FSB.

(dsc/sda/dpa)

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