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E-Autos senken den weltweiten Ölbedarf – aber das ist erst der Anfang
«Diesel kostet erstmals seit Kriegsausbruch mehr als 2 Franken.»
«Teile von Ölraffinerie in Kuwait nach Drohnenangriff abgeschaltet.»
«Drohne stürzt über Ölraffinerie in Saudi-Arabien ab.»
«Vergeltung Irans gegen Golfstaaten – Sorge vor Energiekrieg.»
Für Fahrer von Benzin- und Dieselautos sind die Schlagzeilen dieser Tage wenig erbaulich.
Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die weltweit zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen half im Jahr 2025 den Verbrauch von rund 2,3 Millionen Barrel Öl pro Tag zu vermeiden. Das entspricht ungefähr 70 Prozent der Ölexporte des Iran. Bis 2030 soll sich die Einsparung auf 5,25 Millionen Barrel Öl pro Tag mehr als verdoppeln. Dies zeigen Modellberechnungen von BloombergNEF, einem Forschungsdienst, der auf die Analyse der globalen Energiewende spezialisiert ist. Der Anteil des durch E-Roller, E-Autos und E-Lastwagen vermiedenen Ölverbrauchs wird demnach in diesem Jahrzehnt rapide ansteigen.
Elektrofahrzeuge senken den Ölbedarf
Elektrofahrzeuge dämpfen Öl-Schock
Ein ebenfalls in dieser Woche veröffentlichter Bericht des britischen Energie-Thinktanks Ember spricht von 1,7 Millionen Barrel Öl, die täglich durch Elektrofahrzeuge vermieden werden. Die Differenz ergibt sich teils durch konservativere Annahmen, wie oft Plug-in-Hybridfahrzeuge tatsächlich elektrisch fahren.
Die Analyse kommt zum Schluss, dass durch den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der Verbreitung von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen der Öl-Schock spürbar abgefedert werde.
Zum Vergleich: 2025 wurden täglich durchschnittlich rund 13 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Rohöl durch die Strasse von Hormus zwischen dem Iran und Saudi-Arabien transportiert. Diese Hauptader der weltweiten Ölversorgung machte im vergangenen Jahr etwa 31 Prozent des weltweiten Seetransports von Rohöl aus.
Elektrische Motorroller > E-Autos
Die heute schon wahrnehmbaren Einsparungen bei fossilen Brennstoffen durch Elektrofahrzeuge dürften sich im Laufe des Jahrzehnts stetig erhöhen, da immer mehr Autofahrer auf batteriebetriebene Fahrzeuge umsteigen, sagt Claudio Lubis, Ölanalyst bei BloombergNEF.
Den Grossteil des eingesparten Kraftstoffverbrauchs im Strassenverkehr machen derzeit elektrische Motorroller und elektrische Dreirad-Fahrzeuge aus, die insbesondere in Entwicklungsländern stark verbreitet sind.
Der Iran-Krieg und steigende Spritpreise steigern das Interesse an Stromern: «Elektrofahrzeuge werden preislich immer wettbewerbsfähiger gegenüber Benzinfahrzeugen», sagt Daan Walter, Energieexperte beim Thinktank Ember. «Angesichts der Schwankungen auf dem Ölmarkt sind Elektrofahrzeuge eine naheliegende Wahl für Länder, die sich vor künftigen Schocks schützen wollen», so Walter.
Insbesondere der asiatische Elektroauto-Boom dürfte die Nachfrage nach Öl in den kommenden Jahren dämpfen. E-Autos und teilelektrische Plug-in-Hybride, die ebenfalls an der Steckdose geladen werden können, erreichten 2025 in China einen Marktanteil von über 50 Prozent an den neu eingelösten Personenwagen.
Rund 8 Millionen Autos oder jede dritte Neuzulassung war ein vollelektrisches E-Auto. Damit kamen in China mehr neue Stromer als in Europa und den USA zusammen auf die Strassen.
Im Schatten Chinas legen Elektrofahrzeuge auch in Singapur, Vietnam, Thailand und Indonesien rasant zu.
Nun kommen die elektrischen Liefer- und Lastwagen
Es sind aber nicht nur E-Autos und elektrische Motorroller, die den Ölverbrauch reduzieren. Bei den Nutzfahrzeugen kommt der Elektroantrieb ebenfalls in Fahrt. In China haben elektrische Nutzfahrzeuge einen Marktanteil von 29 Prozent erobert, in Europa sind es erst 4 Prozent.
In der Schweiz kamen elektrische Lieferwagen 2025 auf einen Anteil von 15 Prozent an den Neuzulassungen, was nahezu einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Dezember 2025 erreichten elektrische Lieferwagen mit einem Marktanteil von 26,5 Prozent einen neuen Höchstwert. Bei den schweren Nutzfahrzeugen haben elektrische Lastwagen hierzulande einen Marktanteil von knapp 21 Prozent. Im Dezember erreichten sie einen Rekordanteil von 34,8 Prozent. Laut des Verbands Swiss E-Mobility hat kein anderes Land in Europa einen höheren Elektro-Anteil.
Elektrische Busse kommen hierzulande auf einen Anteil von 41 Prozent und dürften Diesel-Busse bei den Neuzulassungen bald überholen.
Es scheint, dass bei Nutzfahrzeugen der Wechsel zum E-Antrieb schneller als bei Personenwagen verlaufen könnte. Denn: Unternehmen handeln primär ökonomisch, während bei Privatkunden teils ideologische und irrationale Argumente gegen E-Autos vorgebracht werden. Nebst dem Anschaffungspreis stellen die sogenannte Reichweitenangst und unterschiedliche Vorurteile hohe Hürden dar.
Grosse Unternehmen unterhalten dagegen Flotten aus Verbrenner- und Elektrofahrzeugen und beobachten sehr genau, welcher Antrieb über den gesamten Lebenszyklus wirtschaftlicher ist. E-Lastwagen sind zwar in der Anschaffung noch teurer als Diesel-Lastwagen, aber dank der bisherigen Befreiung von der Schwerverkehrsabgabe LSVA trotzdem finanziell oft die klügere Wahl.
