DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Vorwiegend junge YouTube-Nutzer glauben, die Video-Plattform werde 2019 gelöscht.  
Vorwiegend junge YouTube-Nutzer glauben, die Video-Plattform werde 2019 gelöscht.  screenshot: youtube

Wird YouTube gelöscht? Dieses Video versetzt Hunderttausende Jugendliche in Panik

05.11.2018, 13:3806.11.2018, 10:18

Seit dem Wochenende schieben Hunderttausende, meist sehr junge YouTube-Fans Panik. Grund ist ein Video mit dem Titel «Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt». Es wurde am 2. November vom YouTube-Kanal «Wissenswert» veröffentlicht und macht nun die Runde.

Im Video, das in drei Tagen rund 2,5 Millionen Mal geschaut wurde, erzählt eine Männerstimme in besorgtem Tonfall:

«In einigen Monaten werden fast alle Kanäle, die wir kennen, lieben und immer wieder gucken, gelöscht werden. Egal wie gross und beliebt, niemand wird übrig bleiben.»

YouTube plane, alle europäischen Kanäle, die nicht zu grossen Firmen gehören, zu löschen, erzählt die Stimme im Video weiter. Das gehe aus einem Brief der YouTube-Chefin hervor.

Solche Worte sorgen natürlich bei den oft sehr jungen Fans der YouTube-Stars für grosse Unruhe. In den Kommentaren des deutschen YouTube-Kanals BibisBeautyPalace dreht sich beispielsweise alles nur noch um das angebliche YouTube-Aus: «😭😭😭😭 ich will nicht, dass ihr gelöscht werdet» oder «YouTube soll bleiben!!!!», schreiben Hunderte besorgte Fans der deutschen YouTube-Queen Bibi, die über fünf Millionen Abonnenten hat.

Grund für das YouTube-Ende sei der Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform, erklärt das Video, das die Massenpanik ausgelöst hat. Das neue Gesetz sieht in der Tat vor, dass Onlineplattformen wie YouTube und Facebook künftig für die hochgeladenen Inhalte haftbar sind. Das heisst aber noch lange nicht, dass YouTube (oder Facebook, Instagram etc.) deswegen verschwinden werden, wie das Video im Titel suggeriert – und erst im weiteren Verlauf des Videos wieder etwas relativiert.

Dieses Video versetzt YouTube-Nutzer in Panik

«Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt.»Video: YouTube/Wissenswert

YouTube-Star Simon Unge hat auf das Video reagiert und klare Worte gefunden:

«Artikel 13 ist absoluter Dreck und ich bin absolut dagegen, ja. Aber es werden nicht einfach Kanäle gelöscht. […] Ich hab den gleichen Brief bekommen und da steht nicht drin, YouTube plane die alle zu löschen. So ein Quatsch. […] Das ist einfach ne Falschaussage.»
YouTube-Star Simon Ungenewsbuzzters

Fakt ist: Die Macher des Videos sorgen bei YouTube-Fans für Angst und Unruhe – und das ist vermutlich so gewollt. Denn unter dem Video ist die Online-Petition «Stoppt die Zensurmaschine – rettet das Internet!» verlinkt. Netzaktivisten sammeln so Unterschriften gegen die Urheberrechtsreform.

Die Petition soll die EU-Parlamentarier wachrütteln, damit der umstrittene Artikel 13 doch noch gestrichen wird. Das plakative Video treibt nun Scharen von YouTube-Nutzern dazu, die Petition zu unterzeichnen.

Copyright-Verstösse

Die EU-Urheberrechtsreform wird von Netzaktivisten, IT-Koryphäen und Bürgerrechtsorganisationen abgelehnt, die sich um das freie Internet sorgen. Ihre Sorge ist nicht unbegründet: Kritiker der Urheberrechtsreform bzw. des Artikel 13 erwarten, dass YouTube, Facebook und Co. alles tun werden, um künftig keine Urheberrechte zu verletzen – und deshalb immer mehr Online-Plattformen automatische Upload-Filter einführen werden.

Konkret werden YouTube und Co. verstärkt Filter-Software einsetzen (sogenannte Upload-Filter), die alle Inhalte bereits beim Hochladen automatisch auf Copyright-Verstösse prüfen. Zahlreiche Videos, die Ausschnitte von Sportevents, Games etc. enthalten, könnten so aus dem Netz verschwinden.

Ein weiteres Problem: Upload-Filter sind technisch noch sehr weit davon entfernt, zuverlässig zu erkennen, ob ein Werk legal verwendet werden darf oder nicht. Somit kann es passieren, dass Bilder, Videos oder Texte gelöscht werden, die eigentlich gegen kein Copyright verstossen. Grosse Konzerne wie Google oder Facebook setzen bereits jetzt Upload-Filter ein und haben damit gezeigt, wie unzuverlässig diese sind.

Bleibt zu sagen: Die EU-Urheberrechtsreform hat ihre Fehler, YouTube wird es deswegen 2019 garantiert weiter geben.

Warum Youtube 2019 NICHT tot ist

Der Kommentar des Autors
Die Kritik an der EU-Urheberrechtsreform ist berechtigt und insbesondere beim Artikel 13 braucht es Änderungen, die derzeit in der EU auch diskutiert werden. Ein Memes-Verbot wird es beispielsweise mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht geben und auch YouTube oder Facebook sind nicht wirklich bedroht. Wenn YouTube nun aber sagt, mit Artikel 13 wären nur noch Videos von grossen Firmen möglich und Clips von kleinen Video-Kanälen würden für sie zu riskant, steckt dahinter primär eine politische Botschaft an die EU. YouTube bzw. Google üben so Druck auf die EU aus, um das geplante Gesetz in ihrem Sinne zu ändern. Google, Facebook und Amazon, die derzeit gegen Artikel 13 lobbyieren, geht es nicht um das freie Internet, sondern darum, weiterhin möglichst ungestört Geld verdienen zu können.

Das Video «Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt», ist gut gemeint. Letzten Endes führt es aber dazu, dass aufgeschreckte Teenager die Arbeit für die Tech-Konzerne übernehmen, indem sie Stimmung gegen Artikel 13 machen. Google und Co. sparen so Geld für Lobbying. Google nutzt also uns, die Community, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Das sollte man stets im Hinterkopf behalten. (oli)

Einige der erfolgreichsten Schweizer YouTuber

1 / 15
Einige der erfolgreichsten Schweizer YouTuber
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Banksy zerstört per Knopfdruck – und das sogar regelmässig

Video: watson/Emily Engkent
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Abonniere unseren Newsletter

61 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Milhouse
05.11.2018 14:33registriert Oktober 2017
Eines habe ich nach dem Lesen des Artikels begriffen: Die meist sehr jungen Nutzer von YouTube sind meist sehr jung.
5804
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gipfeligeist
05.11.2018 14:23registriert Januar 2016
YT gibt es schon jetzt nicht mehr. Grosse Youtuber verdienen Millionenbeträge, und kleinen Kanälen wird die Monetarisierung entzogen sobald sie kritisch berichten.

Jedes Video welches nicht "Werbefreundlich" ist, verdient kein Geld. Dazu zählen Reportagen in Kriegsländern oder kritische Berichte über Nestles Wasser.
Lieber Fortnite und Titten und die 10 unglaublichen Methoden für Clicks, Clicks, Clicks...
36811
Melden
Zum Kommentar
avatar
Clark Kent
05.11.2018 15:10registriert Januar 2014
ich weiss aus zuverlässiger quelle, dass sogar das internet gelöscht wird, nicht nur youtube.
1693
Melden
Zum Kommentar
61
«Digitales Münchhausen» – Wenn Jugendliche sich selbst im Netz beleidigen
«Die ist so hässlich», «Der ist so überflüssig», «Gibt's dich auch in witzig?» – Was nach typischen Mobbing-Sätzen klingt, kann auch einen ganz anderen Hintergrund haben. Denn nicht immer sind es andere, die über einen Jugendlichen verletzende Sätze im Internet verbreiten.

Manchmal ist es das vermeintliche Mobbing-Opfer selbst, das die Gemeinheiten verfasst. Dieses Phänomen wird als digitales Selbstmobbing bezeichnet, im amerikanischen Sprachraum heisst es «cyber self-harm». Dabei posten Jugendliche gemeine Dinge über sich selbst in sozialen Netzwerken.

Zur Story