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Scheinbar endloser Optimismus: Brexit-Vorkämpfer Boris Johnson zeigt sich überzeugt, dass Grossbritannien aus dem EU-Austritt eigentlich nur Vorteile erwachsen.
Scheinbar endloser Optimismus: Brexit-Vorkämpfer Boris Johnson zeigt sich überzeugt, dass Grossbritannien aus dem EU-Austritt eigentlich nur Vorteile erwachsen.Bild: POOL/REUTERS

Boris verspricht den Briten, dass (fast) alles so bleibt, wie es ist – und Social Media lacht

Boris Johnson, prominentester Verfechter des Brexit und Favorit als nächster Premierminister Grossbritanniens, hat sich erstmals seit dem Brexit-Votum zu Wort gemeldet. In seiner wöchentlichen Kolumne im «Daily Telegraph» zeigt er sich überzeugt, dass das Land alle Vorteile der EU-Mitgliedschaft behalten wird.
27.06.2016, 05:4027.06.2016, 06:45

Boris Johnson, der führende Kopf des Brexit-Lagers benötigte nach dem Votum der Briten vom Freitag einige Tage, um sich detailliert dazu zu äussern, was gerade passiert ist. Wie er zur Zukunft Grossbritanniens in Europa denkt, ist wichtig, denn der Mann mit dem wirren Blondschopf gilt als aussichtsreichster Anwärter auf die Nachfolge von Premier David Cameron. Auf diesem Posten würde er die Scheidung mit der EU aushandeln.

Jetzt hat Boris – in der britischen Politik ist er vorab unter seinem Vornamen bekannt – seine Gedanken in seiner wöchentlichen Kolumne gewohnt eloquent ausgebreitet. Und er zeigt sich überaus optimistisch: Ob freier Zugang für britische Unternehmen zum EU-Markt, ob arbeiten, studieren, reisen, leben und investieren in der EU für britische Bürger – all das werde weiterhin gewährleistet sein, schreibt er.

Wie er all das anstellen würde – sollte er denn neuer Premier werden – dazu verliert Boris allerdings kein Wort.

Dafür gibt sich der möglicherweise neue starke Mann Grossbritanniens überaus staatsmännisch: Er anerkenne, dass die Mehrheit für den Austritt keine überwältigende gewesen sei. Nun gelte es, «Brücken zu bauen» und sich mit dem Lager der Brexit-Gegner zu versöhnen. Unter dem Motto «Zusammen sind wir stark» ruft er die Schotten auf, auf eine neuerliche Unabhängigkeits-Abstimmung zu verzichten. Gemeinsam seien die vier Nationen Grossbritanniens stärker, eine neue und bessere Partnerschaft mit der EU aufzubauen. Schliesslich preist er auch mehrmals die Leistung seines möglichen Vorgängers und einstigen Schulkollegen Cameron sowie anderer Brexit-Gegner.

Er widersprach zudem der weit verbreiteten Meinung, wonach die Migrationsfrage entscheidend zum Austrittsvotum geführt habe. Diesen Eindruck habe er nicht. Auf Twitter und Facebook erntet ihm dies einige hämische Bemerkungen ein: Er wolle damit die Erwartungen im Brexit-Lager dämpfen; Migration war immerhin eines der am heissesten diskutierten Themen im Abstimmungskampf. 

«Keine Eile» für Austritt

Was sich verändert, wenn Grossbritannien denn aus der EU austritt – wofür übrigens «keine Eile» bestehe –, umschreibt Boris mit dem Wort «Kontrolle». Das sei der wichtigste Treiber unter den Wählern gewesen, der zum Brexit-Votum geführt habe. Die Leute hätten den Eindruck, die EU unterwandere die britische Demokratie. Nun hätten sie sich vom undurchsichtigen Gesetzgebungsprozess der EU befreit und könnten jene Gesetze und Steuern beschliessen, die Grossbritannien benötige.

Ein Brief an den «Samichlaus»

Dass Boris vor allem mit Optimismus und weniger mit konkreten Details trumpfte, brachte ihm auf Twitter bissige Kommentare ein. Eine kleine Auswahl:

(trs)

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49 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bongalicius
27.06.2016 07:18registriert Januar 2016
Nei Boris, you dreamer du...
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icarius
27.06.2016 07:28registriert Juli 2015
Boris hat sich das wohl etwas anders vorgestellt hat. Es ist halt einfacher wenn man keine Verantwortung hat und allen erzählen kann was sie hören wollen. Leider lösen sich die Widersprüche nicht von selbst auf.
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DailyGuy
27.06.2016 07:43registriert Dezember 2015
Ich nehme mal an, dass sich die Briten ziemlich die Zähne ausbeissen werden beim Verhandeln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die EU auf einen guten Deal einlässt. Das wäre ja ein Freipass für alle anderen EU-Staaten. Ich kann mir vorstellen, dass die UK ziemlich abgestraft wird und so ein Exempel statuiert werden soll. Junker muss jetzt den Leuten in inner- und ausserhalb der EU zeigen, was die Vorteile sind und wie jeder von der EU profitiert. Und was passiert wenn man nicht mehr dabei sein will.
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