International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Schweizer Augenzeuge in London: «Ich schaltete auf Notfall-Modus»

Timo Hauser* schlenderte gerade über die Westminster Bridge in London, als das Auto des Angreifers wenige Meter von ihm entfernt in eine Gruppe Jugendlicher knallte. Im Interview erzählt Hauser, was er erlebt hat.

23.03.17, 06:54 24.03.17, 07:40


Timo Hauser*, wie geht es dir?
Ganz okay. Der erste Schock ist einigermassen überstanden. Wir sind jetzt in unserem Hotel, das ist ein bisschen ausserhalb der Stadt.

Kannst du mir schildern, was aus deiner Sicht passiert ist?
Ich bin gestern Morgen mit meiner Freundin in London angekommen, wir schlenderten auf der Westminster Bridge herum, gleich beim Big Ben. Wir liefen hin und her, schossen ein paar Fotos. Wir waren bereits auf Höhe Big Ben, als das Auto in die Menge fuhr. Eine Gruppe Jugendlicher befand sich vor uns, vielleicht 15, 20 junge Menschen. Da kam plötzlich das Auto von rechts. Es raste unmittelbar nach einer Absperrung auf das Trottoir, knallte in die Gruppe und dann in den Zaun. Es war absurd!

Das Auto des Angreifers nach dem Angriff. Bild Twitter/claudiascore

Wie habt Ihr reagiert?
Wir beide drehten uns sofort weg, aus Reflex. Dann sahen wir ein Mädchen schreien, es gehörte zu den Jugendlichen, die angefahren wurden. Da hörten wir plötzlich Schüsse. Als ich mich umdrehte und in die Richtung der Schüsse schaute, sah ich mehrere kleine Rauchwolken und fliehende Menschen. Da kamen uns bereits bewaffnete Polizisten entgegen. Es ist ja ein Regierungsviertel, da tragen viele Polizisten Maschinengewehre bei sich, ich weiss also nicht, ob das schon Spezialeinheiten waren. Sie kamen aus der Richtung, aus der auch das Auto gekommen war, und riefen uns zu, dass wir wegrennen sollten. Ich schaltete auf Notfall-Modus.

Wohin seid Ihr gegangen?
Wir liefen auf die Strasse, rannten die Themse runter. Viele Leute taten das gleiche, weil die Polizei sie angewiesen hatte, wegzugehen. Da kamen uns auch grössere Kastenwagen entgegen, Polizisten mit Sturmmasken.

So lief die Amokfahrt gemäss CNN ab

«London bleibe stark, sagte er.»

Hattest du Zeit, darüber nachzudenken, was da gerade passiert war?
Ich sah das Auto ja vor uns in die Wand fahren. Drei, vier Meter von uns entfernt vielleicht. Ich dachte sofort: das ist kein Unfall, weil das Auto auch gar nicht gebremst hatte, bevor es in die Menschenmenge fuhr. Ich denke, auch die anderen Menschen haben das gecheckt. Da lagen ja Leute auf dem Boden, Verletzte.

epa05864447 Emergency response workers continue to work over night following major incidents in Westminster Bridge in central London, Britain, 22 March 2017.. Scotland Yard said on 22 March 2017 the police were called to a firearms incident in the Westminister palace grounds and on Westminster Bridge amid reports of at least four people killed, including the attacker, and several other people injured in central London.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Polizeipräsenz auf der Westminster-Brücke nach dem Anschlag. Bild: FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA/KEYSTONE

Habt Ihr mit anderen Menschen gesprochen?
Als wir die Themse runterliefen, haben wir zunächst allen, die uns entgegenkamen, gesagt, sie sollen umdrehen. Aber es waren so viele Leute und einige zeigten sich schlicht unbeeindruckt, obwohl ständig Polizeiautos und Krankenwagen an uns vorbeifuhren. Also hörten wir irgendwann auf. Wir liefen ewig, wollten eigentlich zu Fuss bis zum Hotel. Doch das wäre zu weit gewesen. Dann sprach uns ein dänisches Pärchen an, mit ihnen teilten wir uns ein Taxi.

Wusste der Taxifahrer, was los war?
Der ganze Verkehr ist zusammengebrochen, überall war Stau. Ich fragte ihn, ob das auch sonst so sei. Er sagte dann, nein, ob ich denn nicht wisse, was gerade passiert sei. Die Leute wussten das also schon. Auch der Barkeeper, mit dem wir später in der Hotellobby sprachen, wusste natürlich Bescheid.

epa05863527 (FILE) - A file photograph showing the Houses of Parliament from the London Eye in London  31 January 2012. Scotland Yard said on 22 March 21017 the police were called to a firearms incident in the Westminister palace grounds and on Westminster Bridge amid reports of several people injured in central London.  EPA/ANDY RAIN *** Local Caption *** 50969466

Das Parlamentsgebäude und die Westminster-Bridge in London. Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

Wie hat er reagiert?
London bleibe stark, hat er gesagt. Es schien mir ohnehin, dass die Leute recht gelassen einfach das weitermachten, woran sie gerade waren. Die Restaurants, die ich vom Taxi aus gesehen habe, waren pumpenvoll, die Menschen liefen herum, die Stadt war überhaupt nicht leergefegt, wie man das vielleicht erwarten würde.

Und was macht Ihr? Brecht Ihr eure Ferien ab?
Nein. Klar, es ist ein komisches Gefühl, hier zu sein. Aber es ist ja jetzt nicht gefährlicher als sonst, nur weil etwas passiert ist. Wir haben schon ein Rückreiseticket gebucht, das können und wollen wir nicht so kurzfristig umbuchen. Wir bleiben hier. Und jetzt müssen wir los, wir wollen noch rausgehen und ein Restaurant suchen.

*Name der Redaktion bekannt

Ist Trump nun ein Faschist oder nicht?

Die 7 schlimmsten Momente, die du an einer Prüfung erleben kannst

Die Grünen sind die unverbrauchten Linken

Norilsk – no fun. Das ist Russlands härteste Stadt

«In einer idealen Welt wären Solarien verboten»

Diese Nachricht lässt jede Playstation 4 sofort abstürzen – so schützt du dich

30 Millionen Facebook-Profile gehackt. User-Daten weg. So merkst du, ob du betroffen bist

Diese Inder löschen Pornos und Gräuel-Bilder aus dem Netz – und leiden dabei Höllenqualen

Warum Tabubrecher triumphieren und was die Schweiz damit zu tun hat

Swisscom erhöht Abopreise um 191%: So reagieren die Kunden auf den erzwungenen Abowechsel

Mit diesen 10 Tricks und Tipps holst du das Beste aus Spotify raus

Wir haben die Kantonsgrenzen neu gezogen – so sieht die Schweiz jetzt aus

Diese 7 Frauen hätten einen Nobelpreis verdient – nur eine könnte ihn noch bekommen

GoT-Star Natalie Dormer meint: «MeToo war absolut notwendig!»

Alpentourismus kämpft mit Gigantismus um Gäste: Kann das gut gehen?

Der Staat soll Stillpausen für berufstätige Mütter bezahlen

Wie AfD-Weidel mit falschen Schweizer Asylzahlen Hetze gegen Ausländer macht

Diese Tweets zeigen dir, was mit Menschen passiert, wenn sie zu lange keinen Sex haben 😂

Sorry, Bundesrat Berset, aber es ist Freitag und wir hatten nichts Besseres zu tun ...

«Einmal Betrüger, immer Betrüger» – 7 Leute erzählen von ihrem Beziehungsende

11 Schritte für mehr Nachhaltigkeit in deinem Alltag

präsentiert von

Du denkst, du kennst die Kommaregeln? Ha!

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Charlie Runkle 23.03.2017 14:15
    Highlight Ziemlich dumm, genau da anzugreifen wo die Bullen Waffen in London tragen.... . Waren wohl wieder mal nicht die hellsten Sterne am Himmel....
    11 1 Melden
  • teha drey 23.03.2017 11:23
    Highlight "Und jetzt müssen wir los, wir wollen noch rausgehen und ein Restaurant suchen...." - Wenn man dazu in der Lage ist und es auch möglich ist, dann ist dieser Satz die vielleicht beste Antwort auf den Terrorismus. Allerdings wüsste ich nicht, wie ich ticken würde, wenn drei Meter vor mir Menschen umgemäht werden. Carpe Diem!
    24 1 Melden
  • Harterkaempfer 23.03.2017 09:57
    Highlight Fromme Männer töten Ungläubige. Begründung: weil es in den heiligen Schriften so steht! Eine widerliche Ideologie!
    35 2 Melden
  • paesu57 23.03.2017 07:40
    Highlight Ist ja alles schlimm, wirklich! trotzdem immer wieder erstaunlich wie heuchlerisch die westliche welt manchmal ist... reihenfolge der schlagzeilen: 1. TERROR IN LONDON #prayforlondon..... 2. Kanye West hat ne knackwurst geschissen.... 3. Justin Bieber ist ein Mädchen... 4. Donald Trump Eierkopf.... 5. Boko Haram tötet 100 Frauen und Kinder in Nigeria.
    75 19 Melden
    • Steampunk 23.03.2017 09:42
      Highlight Mag ja sein.. Aber wahrscheinlich ist die Berichterstattung in Nigeria genau umgekehrt. Ich bezweifle, dass diese London Geschichte in Nigeria auf der Titelseite steht. Es ist nun mal Fakt, dass wir uns eher für Geschichten interessieren, welche in unsere Nähe passieren und bei denen man sich denkt: "Shit, dass hätte auch ich sein können".
      Mag zwar heuchlerisch sein, ist aber wohl schon seit Ewigkeiten so und wird sich käumlich ändern.
      31 4 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 23.03.2017 12:03
      Highlight Zur Berichterstattung in Nigeria:
      Steampunk. Deine Zweifel sind unberechtigt.
      Sonst, ohne weiteren Kommentar... :-(
      http://nigeriantimes.ng/

      Aktuelle Schlagzeilen, die fehlen oder untergehen:

      "Damaskus: 33 Zivilisten in Schule, 40 Zivilisten in Moschee getötet" (http://bit.ly/2nEtlUD)

      "Rakka: 116 Zivilisten, darunter 18 Kinder durch Bombenangriffe der US-Koalition getötet" (https://airwars.org/)

      "Afrika und Jemen: 1,4 MILLIONEN KINDER DROHT HUNGERTOD" (http://bit.ly/2luuCdl)

      "Sieben Millionen Menschen im Jemen von Hungersnot bedroht" (http://www.watson.ch/!271050292)
      12 1 Melden
    • Alnothur 23.03.2017 13:31
      Highlight Reihenfolge der Schlagzeilen continued:

      30. Terroranschlag ausserhalb Europa/USA fordert 80 Tote.

      595. Boko Haram sperrt hunderte Schuljungen in ihren Schulen ein und zündet diese an.
      5 0 Melden

SP-Nationalrat wollte in der Türkei Prozess beobachten und musste Flucht ergreifen

Um sich ein Bild vor Ort zu machen, bereiste der SP-Nationalrat Fabian Molina die Osttürkei. Sein Versuch als Beobachter an einem Gerichtsprozess teilzunehmen, scheiterte.

Gemeinsam mit dem emeritierten Soziologie-Professor Ueli Mäder und dem Präsidenten des Schweizerischen Friedensrats Ruedi Tobler bereiste der SP-Nationalrat Fabian Molina anfangs Oktober die Osttürkei. Fünf Tage war die kleine Reisegruppe unterwegs. Zurückgekommen ist sie mit einem Strauss voller intensiver Erfahrungen. 

Die Mission sei gewesen, sich ein Bild der aktuellen Situation in der Türkei und speziell von derjenigen der ethnischen Minderheiten zu verschaffen. Seit seinem …

Artikel lesen