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#afterseptember11: Muslime erzählen über die erhöhte Islamophobie seit den Anschlägen von 9/11

Zum gestrigen Gedenktag an die Ereignisse vom 11. September machten in Amerika lebende Muslime und Musliminnen unter dem Hashtag #afterseptember11 auf ihre tagtägliche Diskriminierung nach den Anschlägen aufmerksam. 



Es gibt zwei Arten von 9/11-Opfern. Solche, die an diesem Tag getötet wurden und andere, die noch heute für eine Tat geschmäht werden, für die sie keine Verantwortung tragen. 

Die Anschläge vom 11. September 2001 forderten das Leben von über 3000 Menschen. Am gestrigen 15. Jubiläumsgedenktag wurde um diese Opfer getrauert. 9/11 gilt als terroristischer Massenmord, doch der Terror endet nicht beim Tod und den körperlichen Verletzungen zahlreicher Menschen.  

Die Anschläge auf die Twintowers des World Trade Centers in New York versetzte die Bevölkerung in einen Schrecken, der die gesellschaftliche Haltung der Amerikanerinnen und Amerikaner gegenüber dem Fremden grundlegend veränderte. So wurden die Einreisebedingungen für die USA erheblich erschwert und die Sicherheitslinien an Flughäfen und Bahnhöfen massiv verschärft.

Es verbreitete sich eine Angst, die sich seither tief in den zwischenmenschlichen Austausch der amerikanischen Gesellschaft eingenistet hat und keinen Halt vor Arbeitsplätzen, Schulzimmern, Spielplätzen und öffentlichen Einrichtungen macht.

«Vor 9/11 wurden Muslime wegen ihrer Ethnie und deren Fremdartigkeit diskriminiert. Doch seit den Anschlägen passiert diese Diffamierung aufgrund ihres Glaubens und ihrer Religion.»     

Umama Shah in ihrer Arbeit «9/11: Stereotypisierung, Xenophobie und Fiktion» 

Der Angst und ihren Folgen für muslimische Menschen wurde in den letzten Tagen über den Hashtag #afterseptember11 Stimme verleiht. 

Nach 9/11 hörte mein Vater damit auf, seinen Vollbart wachsen zu lassen. Erst als ich älter war, wurde mir klar, dass er damit verhindern wollte, als Muslim wahrgenommen zu werden.  

Am 11. September letzen Jahres startete Jess Talwar aus Chicago eine Twitter-Bewegung, die Leute – vor allem solche mit muslimischem Hintergrund — dazu motivierte ihre Erlebnisse zu schildern. Es erzählen gemobbte Teenager, Menschen, die ihr Aussehen aus Angst vor Angriffen, verändern und andere, die wegen des Hasses Familienmitglieder verloren.  

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#afterseptember11: Das sind die Folgen der Terroranschläge für in Amerika lebende Muslime
quelle: twitter
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Auch dieses Jahr ging der Hashtag zur Zeit der Gedenkfeier wieder viral. Die Tweets unter #afterseptember11 stammen mehrheitlich von US-amerikanischen Musliminnen und Muslimen.

Als ich 14 Jahre alt war, wurde ich zu Unrecht bezichtigt, gedemütigt und mein Fingerscan wurde registriert.  

Nach dem 11. September wurde mein Urgrossvater auf dem Weg in die Moschee ermordet. Er wollte dorthin, um für seine verlorenen Familienmitglieder zu beten. 

Wenn alle Muslime an 9/11 schuld sind, dann müssen auch alle weissen Menschen für die Sklaverei verantwortlich gemacht werden. 

Der 11. September 2001 traf in seiner Wirkung nicht nur die USA, sondern den gesamten weissdominierten Westen. Der erlittene Schrecken wurde zur Rechtfertigung für Rassismus und Xenophobie. Muslimische Minderheiten wurden pauschal mit dem Megaverbrechen in Verbindung gesetzt – und dienen noch heute als Ventil für Frustration und Angst. 

Ein Junge schrie mich an, bis ich in Tränen ausbrach. Er behauptete, meine Familie sei eventuell für die Anschläge verantwortlich.

Was am 11. September 2001 geschah, ist zweifelsfrei ein zutiefst trauriges und grauenhaftes Ereignis. Die Mörder von 9/11 sind Terroristen. Mit ihrer Tat haben sie nicht nur tausenden Menschen das Leben genommen, sondern auch Angst und Schrecken in einer der grössten und relevantesten Nationen der Welt gezüchtet. Angst und Schrecken – die zu Xenophobie, oder spezifischer zu Islamophobie mutierten.   

So sah es am 11.9.2001 in New York aus

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Der Tag, der die Welt veränderte
quelle: epa/the new york times pool/epa file / keith meyers / pool
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