International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Auch nach dem Brexit wollen Merkel und May enge Beziehungen pflegen



Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und die britische Premierministerin Theresa May haben in Berlin trotz Brexit-Votum Einigkeit demonstriert. Mays erste Auslandreise führte sie nach Deutschland – Tradition für Regierungschefs aus London ist die Visite in Washington.

German Chancellor Angela Merkel greets British Prime Minister Theresa May (L) during a welcoming ceremony at the Chancellery in Berlin, Germany July 20, 2016.  REUTERS/Hannibal Hanschke

Merkel und May auch nach dem Brexit noch enge Handelsbeziehungen führen, wie beide in Berlin bekräftigten. Bild: HANNIBAL HANSCHKE/REUTERS

Unabhängig von der Entscheidung verbinde Deutschland mit Grossbritannien eine sehr enge Partnerschaft, sagte Merkel an einer gemeinsamen Pressekonferenz mit May am Mittwochbend in Berlin.

Beide Länder teilten sehr ähnliche Überzeugungen und gemeinsame Werte. «Das wird die Verhandlungen prägen», sagte Merkel. Auch May sprach von einer starken Partnerschaft und betonte: «Wir haben keineswegs die Absicht, uns von unseren Freunden zu trennen.»

May bekräftigte, Grossbritannien werde nicht vor Ablauf des Jahres den Antrag zum Austritt aus der EU stellen. Merkel erklärte, es sei verständlich, dass Grossbritannien zunächst seine Verhandlungsposition festlegen wolle.

Man werde abwarten und nach dem Antrag die Leitlinien der EU für die Verhandlungen festlegen. «Niemand will eine Hängepartie, aber jeder hat ein Interesse daran, dass die Dinge sorgfältig vorbereitet werden», sagte Merkel.

Beide Regierungschefinnen sagten, man werde bei der Lösung internationaler Probleme wie die Konflikte in der Ukraine oder in Syrien zusammenarbeiten. Auch die guten bilateralen Beziehungen sollten gepflegt und womöglich noch vertieft werden.

Wirtschaftsbeziehungen haben Priorität

May betonte das Interesse ihres Landes an guten wirtschaftlichen Beziehungen zur EU. Deutschland sei der zweitwichtigste Handelspartner ihres Landes. Gleichzeitig sagte sie, die Einwanderung müsse kontrolliert werden. «Wir wollen die richtige Mischung», sagte May. Am Donnerstag wird sie in Paris erwartet.

Eine Begrenzung des Zuzugs von Ausländern ist das wichtigste Anliegen der Brexit-Befürworter. Die EU will allerdings keinen ungehinderten Zugang zu ihrem Binnenmarkt gewähren, wenn die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus EU-Ländern in Grossbritannien nicht gewährleistet ist.

Keine britische EU-Ratspräsidentschaft

Die seit wenigen Tagen amtierende Regierung unter May stellte bereits erste Weichen für den Brexit: Grossbritannien verzichtet auf die EU-Ratspräsidentschaft 2017.

May habe EU-Ratspräsident Donald Tusk darüber informiert, dass man die Austrittsverhandlungen vorrangig behandeln wolle, sagte eine Regierungssprecherin in London. Nach Angaben von Tusks Sprecher einigten sich die Botschafter der EU-Staaten darauf, dass für Grossbritannien Estland einspringt und seine EU-Ratspräsidentschaft um ein halbes Jahr vorzieht.

Spekulationen, dass ein EU-Austritt doch noch verhindert werden könne, erteilte May in Berlin erneut eine Absage: «Ich habe ganz klar gesagt: Brexit heisst Brexit. Und wir wollen daraus einen Erfolg für Grossbritannien machen.» Die Europäer blieben aber dennoch «sehr wichtige Freunde».

Auch internationale Themen im Fokus

May verwies auf gemeinsame internationale Aufgaben wie den Kampf gegen die Terrororganisation «IS», die Flüchtlingskrise und die Lage in der Ukraine. Das Land solle nicht auf den Brexit reduziert werden.

Thema der Gespräche zwischen Merkel und May war auch die Lage in der Türkei nach dem gescheiterten Militärputsch. Ungeachtet des harten Vorgehens des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen innenpolitische Gegner hielt Merkel am Flüchtlingspakt der EU mit Ankara fest. (sda/reu/afp/dpa)

Weitere Artikel zum Brexit

Was Boris Johnsons «Einknicken» beim Brexit für die Schweiz bedeutet

Link zum Artikel

Schottische Regierungs-Chefin will Unabhängigkeit – 2020 soll Referendum kommen

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

Warum britische Banker ihre Liebe zu einem Sozialisten entdecken

Link zum Artikel

Brexit, Sex und Korruption: Diese Affären verfolgen Boris Johnson

Link zum Artikel

Diese 5 Politiker bestimmen jetzt über Grossbritanniens Zukunft

Link zum Artikel

Boris Johnson verliert wegen eines Überläufers die Mehrheit und ist jetzt in argen Nöten

Link zum Artikel

Brexit: Noch gibt es Auswege aus dem No-Deal-Albtraum

Link zum Artikel

Johnson will britisches Parlament beurlauben, Queen gibt Okay

Link zum Artikel

Brexit: Boris Johnsons grosser No-Deal-Bluff

Link zum Artikel

Chaos in London – so könnte es jetzt mit dem Brexit weitergehen

Link zum Artikel

Juncker zum Brexit: «Es reicht jetzt mit dem langen Schweigen»

Link zum Artikel

Politiker schmeisst genervt den Bettel hin: Was nach dem Brexit-Votum sonst noch passierte

Link zum Artikel

Diese Grafik verschafft dir im Brexit-Chaos den Überblick 

Link zum Artikel

So könnte ein Ausweg aus dem Brexit-Chaos aussehen

Link zum Artikel

Warum die Briten nochmals über den Brexit abstimmen müssen

Link zum Artikel

«The Uncivil War»: Ein Dokudrama erzählt die wahre Geschichte des Brexit

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 21.07.2016 08:03
    Highlight Highlight Eine solcher konstruktive und pragmatische Trennung schafft Berechenbarkeit für die Wirtschafts-Akteure und sorgt für eine Bruhigung der Gemüter in den Affenhäusern der Börsen.
    Auch nach ihrer Trennung können die EU und Gross Britanien miteinander befreundet bleiben!
    Auch wir SchweizerInnen vom "Europa en miniature" haben nichts dagegen, wenn "La grande Europe" gedeiht und sich von unserem föderalistischen, mehrsprachigen, direktdemokratischen Modell beeinflussen und inspirieren lässt!
    Umgekehrt können wir von der EU auch lernen, wie eine Staatengemeinschaft den Grossmächten trotzen kann...
  • Wilhelm Dingo 21.07.2016 06:20
    Highlight Highlight "Eine Begrenzung des Zuzugs von Ausländern ist das wichtigste Anliegen der Brexit-Befürworter." Man muss sich das Ausmass der Probleme mit Migration vorstellen wenn GB deshalb sogar aus der EU austritt. Die EU und die CH sollten daraus lernen. Wer hat den eigentlich am meisten vom freien Personenverkehr? Es sind die Konzerne mit unbegrenztem Arbeiterpool.

Deutschland nimmt über 2000 Flüchtende auf – Merkel spricht Klartext

Deutschland will insgesamt 2750 Geflüchtete von den griechischen Inseln aufnehmen. Das gab Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag in einer Mitteilung bekannt. Aufgenommen werden demnach 1553 Menschen aus 408 Familien, die durch Griechenland bereits als Schutzberechtigte anerkannt worden sind. Ebenso werde Deutschland bis zu 150 unbegleitete minderjährige Asylsuchende aufnehmen.

«Bereits erfolgt ist die Aufnahme von 53 unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden», so Seibert weiter. Die …

Artikel lesen
Link zum Artikel