Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Andreas Glarner, Gemeindeammann Oberwil-Lieli, posiert eingangs Dorf Lieli vor der Ortstafel in Oberwil-Lieli, Kanton Aargau, am Mittwoch, 23. September 2015. Im Hintergrund links das Gebaeude seines Arbeitgebers, die Careproduct AG. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Andreas Glarner. Bild: KEYSTONE

Andreas Glarner behält Recht: «Berufsrassist» ist üble Nachrede und kostet 2100 Franken 

Ein Rentner, der Andreas Glarner öffentlich des Rassenhasses beschuldigt hatte, muss eine Geldstrafe zahlen. Der Mann erschien nicht zur Gerichtsverhandlung, dafür der SVP-Nationalrat aus Oberwil-Lieli.

Fabian Hägler / Aargauer Zeitung



«Bezirksgericht Aarau: 26.04.2017, 14:00 Uhr (1 Std.), Abteilung Strafgericht, Präsidium 2, Üble Nachrede»: Auf den ersten Blick wirkt der Eintrag auf der Website der Aargauer Gerichte unspektakulär. Doch der Kläger ist prominent: SVP-Nationalrat Andreas Glarner, als Asylchef seiner Partei ein rechter Hardliner, hat einen Mann angezeigt, der ihn als «Berufsrassisten» bezeichnet hatte.

Auslöser war ein E-Mail, in dem Thomas W. (Name geändert) am 29. Januar unter anderem schrieb: «Ja zur erleichterten Einbürgerung! Dass der Berufsrassist Andreas Glarner die direkte Demokratie missbraucht, um seinen Rassenhass zu schüren, müsste gemäss Rassismus-Strafnorm geahndet werden. Aber auch die primitivsten Politiker sind durch ihre Immunität geschützt.»

«Aber es gibt eine ganz klare Schwelle: Wenn mich jemand öffentlich als Rassisten bezeichnet und mir Rassenhass vorwirft, kenne ich kein Pardon.»

Andreas Glarner

Der 74-jährige Rentner aus der Region Aarau schickte das Mail an Glarner selber, an diverse Bundesparlamentarier und weitere Empfänger. Dies ging dem SVP-Politiker zu weit, er zeigte Thomas W. noch am nächsten Tag wegen übler Nachrede bei der Polizei an. Glarner verwies darauf, dass Thomas W. schon mehrfach wegen des gleichen Delikts gegen ihn verurteilt worden sei.

Strafbefehl wird rechtskräftig

Rund einen Monat später erging ein Strafbefehl gegen Thomas W., der Rentner wurde für seine Äusserungen im Mail zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen von jeweils 70 Franken, also insgesamt 2100 Franken, verurteilt. Dies akzeptierte der 74-Jährige nicht: Der Mann, der seit Jahren meist wirre, allerdings juristisch harmlose Mails an zahlreiche Empfänger verschickt, erhob Einsprache gegen den Strafbefehl. Deshalb hätte es gestern Mittwochnachmittag in Aarau zur Gerichtsverhandlung kommen sollen.

Hätte, denn Thomas W. erschien nicht. Dies hatte der Rentner am Montag per Brief an die zuständige Gerichtspräsidentin angekündigt – nicht ohne darin noch festzuhalten, er beantrage in Abwesenheit die Bestätigung seiner Unschuld. Weiter schrieb Thomas W., wegen finanzieller Probleme habe er «das letzte, absolut ungerechte Urteil nicht ans Obergericht und wenn nötig ans Bundesgericht weiterziehen» können. Dies kann er nun auch mit der Geldstrafe von 2100 Franken nicht tun – diese ist seit gestern rechtskräftig. Weil der Beschuldigte nicht zur Verhandlung erschien, gilt die Einsprache gegen den Strafbefehl als zurückgezogen und Thomas W. muss zahlen.

Glarner: «Nicht vergeblich»

Im Gegensatz zum Beschuldigten war Kläger Glarner zum Prozess angereist. Er sei nicht vergeblich nach Aarau gekommen, obwohl die Gerichtsverhandlung nicht stattgefunden habe, sagt der SVP-Nationalrat. «Wichtig ist, dass der Strafbefehl nun rechtskräftig ist und der Mann damit weiss, dass sich so was nicht gehört», kommentierte Glarner.

Er habe Thomas W. angezeigt, weil dieser ihn seit Jahren systematisch beleidige und dabei andere Politiker, die Medien oder Angestellte von Oberwil-Lieli einbeziehe, wo Andreas Glarner als Gemeindeammann tätig ist. «Wenn er nur mich persönlich mit solchen Bezeichnungen eindecken würde, wäre mir das egal», hält Glarner, der selber gerne und oft provoziert, auf Nachfrage fest. «Aber es gibt eine ganz klare Schwelle: Wenn mich jemand öffentlich als Rassisten bezeichnet und mir Rassenhass vorwirft, kenne ich kein Pardon.»

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

19 verbrannte Leichen in Mexiko gefunden

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

In der Schweiz ansässiger Terrorverdächtiger in Türkei festgenommen

Ein 24-jähriger in der Schweiz aufgewachsener und ansässiger Italiener ist in der Türkei unter Terrorverdacht festgenommen worden. Der Mann soll in Syrien und im Irak in einer Al-Kaida-nahen Gruppen gekämpft haben.

Ermittlungen gegen ihn nahm die italienische Anti-Terror-Behörde 2015 auf, wie die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos am Mittwoch berichtete. Der seit 2017 mittels Haftbefehl gesuchte Mann wurde in der syrischen Stadt Idlib dingfest gemacht und in die türkische Grenzprovinz …

Artikel lesen
Link zum Artikel