Schweiz
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Analyse

SVP-Fischer und SP-Molina erklären in der Trump-«Arena», wieso sie manchmal provozieren

In der SRF-«Arena» ging es drei Wochen vor der US-Wahl um den Politikstil von Donald Trump. Zwei Jungpolitiker erklärten dabei, wieso sie auch mal provozieren.



Kein Rahmenvertrag, kein Corona und nichts aus den Politmühlen der Schweiz: Das SRF-«Arena»-Team um Sandro Brotz wagte sich am Freitag für die allwöchentliche Diskussionssendung an ein Thema, das zwar in aller Munde ist – aber sich weder zeitlich, noch geografisch aufdrängte. Es ging um den US-Präsidenten Donald Trump und die Frage, was sein Politstil mit der Schweiz zu tun hat.

Brotz versuchte fast alles, um dem Freitagabend-Publikum vor dem Fernseher eine Diskussion zu bieten, von der man etwas Inhaltliches mitnehmen kann. Er verzichtete auf eine Aufzeichnung der Sendung – sie wurde ausnahmsweise live ausgestrahlt. Und er liess sich gar mit Trump-Maske filmen, um auf Twitter und Co. nach Zuschauer-Stimmen zu suchen.

Gekommen sind dann auch zwei Herren aus dem Volk (dazu aber später). Die Kamera richtete sich in den 75 Minuten vor allem auf die vier eingeladenen Gäste; auf Brotz' rechter Seite standen der Zürcher SVP-Präsident Benjamin Fischer und der ehemalige «BaZ»-Journalist Markus Somm. Links von ihnen waren CVP-Nationalrätin Marianne Binder und SP-Nationalrat Fabian Molina.

Zu Beginn der Sendung wurden Meinungen ausgetauscht, die fast einem Konsens glichen. Ja, Trump sei bizarr, hörte man. Die Rolle der Medien wurde angesprochen und man einigte sich darauf, dass Trumps «Show» Mittel zum Zweck sei und die politischen Inhalte dahinter viel wichtiger seien. Die Meinungsäusserungen, die danach kamen, boten dem Publikum einen ungewohnt transparenten Einblick in die Mechanismen, wie Parteien Meinungen machen wollen.

Das hatte auch mit den beiden Gästen Fischer und Molina zu tun. Sie beide waren in früheren Jahren Chefs der Jungparteien JSVP und Juso und konnten nüchtern eigene Provokationen reflektieren und erklären.

Video: srf

Beispielhaft dafür war das Eins-zu-eins-Gespräch zwischen Molina und Brotz. Der Ex-Juso Molina verneinte, dass er Provokationen von damals heute wiederholen würde: «Ja wissen Sie, ich wurde heuer 30 Jahre alt. Da wird man vielleicht ein bisschen zu bequem dafür.» Ziemlich rasch gab er dann aber ehrlich zu, dass es um die «Message» gehe. Um diese rüber zu bringen, müsse man auch provozieren.

«Man schrieb, dass SVPler irgendwelche Sauhunde sind. Unten dran konnte Albert Rösti aber unsere Positionen klarstellen.»

Benjamin Fischer

Einen ähnlich transparenten Einblick in die politische Arbeit gab's auch von Ex-JSVPler Fischer. Er bezeichnete die Provokation als «Träger» der politischen Botschaft. Das umstrittene Wurm-Wahlplakat der SVP fand er zwar nicht so gut. Dieses habe aber den provokativen Zweck erfüllt: «Man schrieb, dass SVPler irgendwelche Sauhunde sind. Unten dran konnte Albert Rösti aber unsere Positionen klarstellen.» Das sei halt wie in der Wirtschaft: Auch das beste Produkt bringe nichts, wenn man es nicht an den «Mann» bringen könne.

Video: srf

Auffällig war auch die Rolle des dritten Mannes in der Runde. Markus Somm, der zwar FDP-Mitglied ist, präsentierte sich einmal mehr als Trump-Erklärer und Politanalyst mit Nähe zur SVP. In dieser Eigenschaft tendierte der Journalist jedoch mehr zum Politaktivisten.

So behauptete er, Trumps Politik sei viel beliebter als man denke. Die US-Demokraten schimpfte er als «linker als die Juso», das werde sich auch beim Mittepolitiker Joe Biden auswirken. Zur verbalen «Arschlan»-Entgleisung von Andreas Glarner lieferte Somm zudem nur ein paar milde kritische und verständnisvolle Worte. Rhetorisch geschickt drehte er in Sekundenschnelle den Spiess um, und bombardierte ohne gegebenen Anlass Molinas Partei und die US-Demokraten mit Pauschalkritik.

Video: srf

Unter Somms Räder kam auch CVP-Nationalrätin Binder. Sie sorgte für Gelächter im Studio, als sie den schweizerischen Bezug einer Umfrage ironisch anzweifelte, in der ein hohes Misstrauen der Bevölkerung in Politikerinnen und Politiker attestiert wurde.

«Ist das eine Studie, die in der Schweiz gemacht worden ist?»

Marianne Binder-Keller

Die Ironie wurde nur so halb verstanden. Binder erwiderte darauf, dass das Volk gleichzeitig auch ein hohes Vertrauen in die politischen Institutionen hätte. Dies hätte damit zu tun, dass die Schweiz keine Regierungs- und Oppositions-Demokratie sei.

Video: srf

Sie warnte jedoch, dass sich dies wegen der politischen Pole ändern könnte. Ihr Appell lautete: «Es braucht die lösungsorientierte Politik!» Und Somm? Der griff lehrbuchmässig zum Zynismus-Hammer und stellte die CVP als schwache Partei dar. Mit diesem spöttischen Argument wollte er unterstreichen, dass er das Misstrauen gegenüber der Politik gut finde.

«Führungsqualitäten zeigen sich nicht im courant normal, sondern in der Krise.»

Hans Säuberli

Das Volk, repräsentiert von zwei älteren Herren im Publikum, durfte sich zu dieser Diskussion selbstverständlich auch äussern. Von den beiden Herren fiel vor allem Hans Säuberli, ehemaliger Arzt mit Jahrgang 1938, auf. Er erklärte, dass er Trump in den ersten beiden Amtsjahren stets befürwortet und verteidigt habe. Das habe sich aber nun geändert. Säuberlis Grund: «Führungsqualitäten zeigen sich nicht im courant normal, sondern in der Krise.»

Video: srf

Wer hatte in der SRF-«Arena» am 9. Oktober 2020 den besten Auftritt?

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
rodolofo
10.10.2020 14:37registriert February 2016
"Trump-Versteher" Somm prophezeite also der Schweiz, dass es für sie ganz übel kommen würde, wenn Biden anstelle von Trump gewählt würde.
Die Wette gilt!
DAS will ich sehen!
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smartash
10.10.2020 16:38registriert December 2016
Soso... Die Us-Demokraten sind also linker als die Juso?
🤣
Trumpanhänger reden ja scho lustiges Zeugs. Irr, aber lustig 😂
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actualscientist
10.10.2020 15:18registriert January 2019
Ja der Somm ist wirklich in der falschen Partei. Biden links lol. Jeder linke in den USA wähl Biden nur weil er nicht Trump ist. Die (wir) linken sind sind definitiv kein Freund von Biden.
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