Schweiz
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Alle sollen Organspender sein, ausser sie lehnten dies zu Lebzeiten ausdrücklich ab



Die Bewegung Jeune Chambre Internationale (JCI) Riviera hat eine eidgenössische Volksinitiative zur Förderung der Organspenden in der Schweiz lanciert. Jede verstorbene Person soll automatisch zum Spender werden, wenn sie dies zu Lebzeiten nicht ausdrücklich ablehnt.

Die Unterschriftensammlung wurde am Dienstag mit der Publikation im Bundesblatt gestartet, wie die JCI gleichentags bekanntgab.

Willst du nach deinem Tod Organe spenden?

Derzeit benötigen Organspender in der Schweiz eine Organspendekarte und erklären so ihre Zustimmung zur Entnahme von Organen gegenüber Familienangehörigen. Theoretisch seien damit alle ab dem Augenblick der geäusserten Zustimmung potenzielle Spender.

«Die Spende von Organen einer verstorbenen Person beruht auf dem Grundsatz der vermuteten Zustimmung, es sei denn, die betreffende Person hat zu Lebzeiten ihre Ablehnung geäussert.»

Angehörige wissen selten Bescheid

In der Praxis wende man sich jedoch im Todesfall an die Angehörigen. In über 60 Prozent der Fälle führe dies dann aber zu einer Ablehnung der Organspende. Der wichtigste Grund dafür sei, dass die Angehörigen nur selten über die Wünsche der verstorbenen Person Bescheid wüssten.

Dies will die JCI mit ihrer Volksinitiative ändern. Künftig soll das Gesetz festlegen, dass alle potenzielle Organ- und Gewebespender sind, es sei denn, sie hätten zu Lebzeiten ihre Ablehnung dazu geäussert.

ZUR HEUTE VORGESTELLTEN KAMPAGNE DES BUNDESAMTES FUER GESUNDHEIT «REDE UEBER ORGANSPENDE» STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 6. SEPTEMBER 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Die Box mit dem Spenderherz wird im Operationssaal des Kinderspitals Zuerich aus der Kuehtruhe genommen, aufgenommen am Dezember 2011 in Zuerich. Es ist in der Schweiz die zweite Herztransplantation an einem Kind im ersten Altersjahr. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Box mit dem Spenderherz wird im Operationssaal des Kinderspitals Zürich aus der Kühltruhe genommen. Bild: KEYSTONE

Ablehnung in Register eintragen

Auch wenn eine Person keine Organe spenden möchte, käme der Einhaltung ihres Wunsches mit dem Eintrag in ein nationales amtliches Register eine grössere Bedeutung zu, schreibt der JCI. Angehörige von Personen, die eine Organspende ablehnten und sich in das Register eingetragen hätten, würden vom Spital nicht kontaktiert.

Im Fall der vermuteten Zustimmung zur Organspende ohne Registereintrag wende man sich dennoch an die Angehörigen und bespreche den mutmasslichen Willen der verstorbenen Person, gehe aber klar davon aus, dass diese einer Organspende zugestimmt habe. Denn andernfalls hätte sie sich ins nationale Register eintragen lassen.

Sieben Organe können gespendet werden

In der Schweiz können sieben menschliche Organe gespendet und transplantiert werden. Es sind dies Herz, Lunge, Leber, beide Nieren, Dünndarm und Pankreas. Zu den transplantierbaren Geweben zählen die Hornhaut, fötale Haut und Membranen, kardiovaskuläre Gewebe wie Herzklappen und Blutgefässe sowie Gewebe des Bewegungsapparats wie Knochen, Knorpel, Sehnen und Bänder.

Eine Organspende ist nur dann möglich, wenn der Tod des Spenders durch die Hirntoddiagnose von zwei unabhängigen Fachärzten nach den Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SMW) festgestellt worden ist.

Über 1500 Menschen warten auf Organ

Jedes Jahr sterben in der Schweiz gemäss JCI etwa hundert Menschen, weil es an Spendenorganen fehlt. Aktuell würden über 1500 Menschen auf eine Organspende warten. Mit 14,2 verstorbenen Spendern pro Million Einwohner im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2016 weise die Schweiz eine zwei Mal tiefere Spenderate als Frankreich, Österreich oder Italien auf.

Für die Lancierung der Initiative haben sieben Mitglieder des Projektausschusses, alle aus der JCI Riviera, den Verein «Initiative pour le don d'organes» (Initiative für die Organspende) gegründet. Artikel 119a, Absatz 4 der Bundesverfassung soll demnach neu heissen: «Die Spende von Organen, Geweben und Zellen einer verstorbenen Person zum Zweck der Transplantation beruht auf dem Grundsatz der vermuteten Zustimmung, es sei denn, die betreffende Person hat zu Lebzeiten ihre Ablehnung geäussert.»

Das Volksbegehren wird von verschiedenen Akteuren unterstützt, darunter dem Waadtländer Gesundheitsminister Pierre-Yves Maillard (SP), dem Chef von Swisstransplant, Franz Immer, sowie dem Stiftungsrat von Swisstransplant. (whr/sda)

Weniger Organspenden als im Vorjahr – das soll sich ändern

Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • pedrinho 17.10.2017 14:33
    Highlight Highlight nun, mich koennten sie gegebenenfalls ausweiden, sofern da noch was zu gebrauchen waere. Allerdings bin ich gegen eine "verstaatlichung" bzw. automatisierten spendens. Es ist gut so wie es ist, wer bereit ist sollte das kundgeben und nicht umgekehrt. Einfacher und mit minimalem aufwand waers in den ausweisen ein zusatzfeld zu schaffen.

    btw: angst nicht doch ganz tot zu sein haben viele, ich nicht, nach dem "spenden" bin ichs mit sicherheit ;)
  • Miicha 17.10.2017 13:48
    Highlight Highlight Diese ganze Diskussion ist echt abartig. Jeder wäre für Organspende, wenn er einen geliebten Menschen hätte, der darauf angewiesen ist, bzw. ohne neues Organ sterben würde.

    Organhandel, ausschlachten, echt jetzt? Ihr seid dann TOT, es könnte euch dann nicht weniger interessieren, was mit euren Organen geschieht. Aber jemand anders kann damit überleben.
    • Chääschueche 17.10.2017 16:31
      Highlight Highlight Ich entscheide noch immer selbst was mit meinem Organen mache.

    • Miicha 17.10.2017 21:35
      Highlight Highlight Ne eben nicht, du entscheidest dann gar nichts mehr...
    • wipix 18.10.2017 12:33
      Highlight Highlight @chääschueche
      Du entscheidest so oder so! Entweder lehnst Du eine Organspende ab (hoffentlich in Zukunft) wenn Du nicht bereit dazu bist, oder Du sagst ja dazu, dass jemandem Leben gerettet werden kann (heutige Situation mit Spende Ausweis).
      Niemand zwingt jemanden zu was ausser zu einer klaren Entscheidung! Falls Dich jetzt also die eigentlich Entscheidung schon zu sehr belastet, dann ist natürlich für Dich die jetzige Situation am bequemsten.
  • Hansli5555 17.10.2017 13:42
    Highlight Highlight Man muss schon ein sehr gestörtes Verhältnis zu seiner eigenen Persönlichkeit haben, wenn einem die eigene Endlichkeit dermassen Angst zu machen scheint.
  • Gavi 17.10.2017 13:42
    Highlight Highlight Ich trage, zusammen mit meinem Fahrausweis, ein Dokument, das aussagt, dass man mir alle brauchbaren Organe entnehmen kann. Dabei liegt auch ein Organspendeausweis (lieber doppelt, sicher ist sicher). Meine Familie ist ebenfalls informiert.
    Trotzdem bin ich der Meinung, dass es freiwillig bleiben sollte, ohne dass man irgendwelche Formulare ausfüllt, weil man nicht "ausgenommen" werden möchte. Es soll so bleiben wie es ist.
    Die wenigsten wissen, dass die Organe VOR und nicht NACH dem Tod entnommen werden. Das ist ein wichtiges Kriterium für ein JA oder NEIN.
  • Ehringer 17.10.2017 13:41
    Highlight Highlight Finde ich sehr bedenklich. Ich habe selber den Ausweis, aber mir gefällt die Idee nicht wirklich, dass man gezwungen wird, aktiv nein zu sagen. Aktiv ja (wie bisher) finde ich die bessere Lösung.

    Würde es eher begrüssen, wenn eine grosse Kampagne gefahren wird, bei Hausärzten die Organspendeausweise auflegen, in Schule verteilen, ev. Standaktionen etc.

    Oder wie ich es mache: Immer zwei leere Ausweise dabei. Trifft man dann auf jemanden der sagt "ich würde ja, aber wie?" kann man dem einfach einen Ausweis in die Hand drücken. Habe so im letzten Jahr sieben neue Spender rekrutiert.
  • Sir Konterbier 17.10.2017 13:11
    Highlight Highlight Ich glaube die meisten Menschen (Ja ich auch) sind zu träge sich da einzutragen etc. deshalb finde ich die Änderung sinnvoll. Die die das auf keinen Fall wollen können das ja weiterhin verhindern.

    Bei mir gesellt sich noch eine kleine Portion Aberglaube dazu, da sie ja eigentlich die Organe von jungen Menschen benötigen, die bei einem Autounfall oder so sterben. Das heisst ich sehe für den Fall vor, dass ich viel zu früh das Zeitliche segne. Soll keine Ausrede sein aber ein mulmiges Gefühl ist es halt schon🙈
  • Passierschein A38 17.10.2017 12:53
    Highlight Highlight Meiner Meinung nach, sollte man entscheiden können: Will man Organspender sein und bei Bedarf auch eines erhalten, oder will man dies beides nicht. Hottehü, dann gäbs plötzlich viele Spender!
  • Passierschein A38 17.10.2017 12:51
    Highlight Highlight An alle iPhone-Nutzer: im Notfallpass könnt ihr einfach ein Häkchen setzen, schon habt ihr einen Spenderausweis. Bei Android gibt‘s sicher was Vergleichbares (die kopieren ja alles 😬).
  • sven_meye 17.10.2017 12:51
    Highlight Highlight Sehr gute Idee! Ich kenne so viele Leute die das ebenfalls positiv sehen, aber es vergessen oder zu faul sind den Ausweis auszufüllen. Warum also nicht standardmässig Organspender? Die Mehrheit ist ja klar dafür und es ist etwas sinnvolles. Und die die glauben, dass ihnen die Organe geklaut werden bzw. Sie frühzeitig für tot erklärt werden ... bitte schaut weniger Horrorfilme und nehmt die Aluhüte ab 😂 Wir sind hier in der Schweiz!
  • Uroly 17.10.2017 12:38
    Highlight Highlight Recycling Tanks:

    Die letzte Pflicht jedes Bürgers ist es, in die Tanks zu steigen und eins zu werden mit dem ganzen Volke.

    Vorsitzender Sheng-ji Yang,
    Ethik der Zukunft
  • Alice36 17.10.2017 12:24
    Highlight Highlight Laut Umfrage wollen 80% nur tun tut es nur ein Bruchteil. Komisch. Ihr 80% Spender bitte besorgt euch einen Ausweis und informiert eure Verwandtschaft was in eurem Todesfall zu geschehen hat. Ich für meinen Teil brauche und will keinen staatlichen Druck was meine Organe betrifft. Ich würde im Gegenzug auch nie ein Spenderorgan annehmen. Das Leben ist endlich für die Einen früher für die Anderen später. Mein Körper gehört mir da muss kein Staat mitmischen.
    • PaLve! 17.10.2017 12:39
      Highlight Highlight Dann musst du dich ja auch nicht medizinisch versorgen lassen, wenn das Leben mal "entscheidet", für dich endlich zu sein.
    • El Vals del Obrero 17.10.2017 13:09
      Highlight Highlight Es will halt viele nicht gerne an den eigenen Tod denken und dann noch ein ständig ein entsprechendes Kärtchen im Portemonnaie haben müssen, dass einem daran erinnert. Vernüftig ist das natürlich nicht, aber so ist der Mensch.

      Zumindest mir geht es so. Von dem her fände ich es wirklich eine gute Idee, dass man aktiv was tun müsste und ein Kärtchen haben muss, wenn man *nicht* Organspender sein will.
  • raphe qwe 17.10.2017 10:35
    Highlight Highlight Viele Kollegen in meinem Umkreis würden Organe spenden wollen. Sie haben aber keine offiziellen Dokumente und ob das ihre nächsten Angehörigen wissen bin ich mir nicht sicher. Klar ist das anektotisch, gehe aber davon aus, dass das bei vielen so ist.
  • Gapunsa 17.10.2017 10:33
    Highlight Highlight Die frage die sich mir einfach aufdrängt ist folgende; wird der Tot einfach eher leichtfärtiger festgestellt, um an die Organe zukommen?
  • wipix 17.10.2017 10:27
    Highlight Highlight Das sollte genau so umgesetzt werden!
  • Asmodeus 17.10.2017 10:22
    Highlight Highlight Ich bin zwiegespalten.

    Wenn ich tot bin, sollen meine Organe gespendet werden. Aber ich will nicht frühzeitig für Tot erklärt werden, bloss damit ich geschlachtet werden kann.

    Und nach jahrelangen negativen Erfahrungen in Krankenhäusern, lässt sich diese Befürchtung leider nicht ausblenden. Das Vertrauen in die Ärzteschaft ist nachhaltig gestört.
  • phreko 17.10.2017 10:13
    Highlight Highlight Hätte man nichr gleich noch einen Link zu den Unterschriftenbögen platzieren können? (So als weiteres kleines "nudging"...)

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