Schweiz
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Aargauer Logik: Amman von Wettingen verdient etwa so viel, wie der von Genf, aber weniger als der von Baden

Ein Vergleich der 133 grössten Städte und Gemeinden zeigt: Aargauer Gemeindeammänner sind gut bezahlt – allen voran Geri Müller und Markus Dieth. Laut Professor sind deren Löhne aus nachvollziehbaren Gründen so hoch.

Pirmin Kramer / Aargauer Zeitung



Der Lohn des Badener Stadtammanns ist Anfang Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil bürgerliche Politiker angesichts der finanziell angespannten Situation der Stadt einen Lohndeckel fordern. «No comment», lautete in den vergangenen Wochen Geri Müllers Kommentar bei Medienanfragen zu seinem Lohn.

ARCHIV - Stadtammann Geri Mueller verlaesst auf seinem Fahrrad am Montag, 8. September 2014, das Stadthaus in Baden. Heute beraet der Badener Stadtrat an einer Sitzung ueber die Neuverteilung der Dossiers des Stadtammanns. - Geri Mueller, Badener Stadtammann und Nationalrat der Gruenen, erhaelt zwei seiner drei Ressorts im Badener Stadtrat zurueck. Das hat die Stadtregierung entschieden. Sie habe nach Abklaerungen und einer Mediation den pragmatischen Weg gewaehlt, schrieb sie am Freitag. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Geri Müller, Baden, Platz 5 in der Lohnrangliste.
Bild: KEYSTONE

Gegenüber der «SonntagsZeitung» liess er nun verlauten: «Es ist okay, ihn zu hinterfragen. Er muss gerechtfertigt sein, gerade auch im Vergleich mit anderen Gemeinden.» In der Tat stimme das Gleichgewicht bei den Präsidentenlöhnen angesichts der teilweise beträchtlichen Unterschiede wohl nicht in jedem Fall.

Eine Umfrage der Zeitung bei den 133 Schweizer Städten und Gemeinden mit mehr als 10'000 Einwohnern zeigt: Die Löhne der Ammänner gehen weit auseinander. Am meisten verdient Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (294'834 Franken), wobei das Verwaltungsratsmandat bei der Flughafen Zürich AG miteinberechnet ist, das ihr 30'000 Franken einbringt. Auf den weiteren Spitzenplätzen landen Lausanne (275'976 Franken), St. Gallen (272'841 Franken) und Genf (272'423 Franken), gefolgt von Baden auf Platz 5 (270'116 Franken). Gemessen an der Einwohnerzahl verdient der Badener Ammann schweizweit am meisten.

In die Top 10 der bestbezahlten Gemeindeammänner schafft es auch der Wettinger Markus Dieth (Platz 9, 259 400 Franken). Er sei oft von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends im Büro und arbeite auch an den Wochenenden. Ohnehin sei der Lohn nicht der entscheidende Antrieb, um ein solches politisches Amt zu bekleiden. Als Anwalt mit eigener Kanzlei habe er nicht wegen des Verdienstes in die Politik gewechselt, hält er fest.

Dass die Gemeindeammänner im Kanton Aargau in der Lohnrangliste weit vorne vertreten sind, hängt laut «SonntagsZeitung» auch damit zusammen, dass sie beispielsweise anders als ihre Kollegen im Kanton Zürich auch für die Führung der Gemeindeverwaltung zuständig sind. «Mein Job ist mit dem des Chefs eines mittelgrossen Unternehmens mit 250 Angestellten vergleichbar», sagt Dieth.

Zürcher Gemeinden eher unten auf der Liste

Am unteren Ende des Rankings befinden sich auffällig viele Zürcher Gemeinden. In Regensdorf (17'500 Einwohner) verdient der Gemeindepräsident Max Walter mit einem 70-Prozent-Pensum nur 52'000 Franken im Jahr. Die Diskussion über seinen Lohn werde wohl bald geführt, sagt er. Das Gehalt sollte eine faire Entschädigung, aber nicht der Anreiz sein: «Ansonsten könnte es die falschen Leute anziehen.» Denn für das Amt des Gemeindepräsidenten brauche es eine gute Portion Idealismus.

Die deutlichen Lohnunterschiede unter anderem zwischen Ammännern in Aargauer und Zürcher Gemeinden liessen sich nicht alleine durch das unterschiedliche Pflichtenheft erklären, sagt Gemeindeforscher Reto Steiner von der Universität Bern. Teilweise seien sie schlicht historisch bedingt. So seien etwa viele Gemeinden rund um Zürich in den letzten Jahren stark gewachsen und als Agglomerationsstädte deutlich komplexer zu führen geworden, ohne dass der Lohn der Ammänner angepasst worden wäre.

Die weiteren Plätze von Aargauer Gemeinden in der schweizweiten Ammannlohn-Rangliste, teilweise hochgerechnet auf ein Vollzeitpensum: Aarau (Platz 22, 237'256 Franken), Brugg (Platz 38, 220'000 Franken), Rheinfelden (Platz 50, 210'000 Franken), Möhlin (Platz 51, 207'143 Franken), Zofingen (Platz 60, 200'000 Franken), Wohlen (Platz 73, 193'770 Franken), Spreitenbach (Platz 79, 189'000 Franken) und Oftringen (Platz 87, 184'108 Franken).

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • wunderfitz 22.02.2016 11:59
    Highlight Highlight Ich finde es einfach unverschämt, wie sich ein Selbstdarsteller wie Müller, der offenbar während seiner 270 116 Franken teuren Arbeitszeit Zeit hat Nackt Selfies zu machen und zu versenden noch immer im Amt ist. Ich weiss, dass vor allem höhere Beamte unendlich viel freie Zeit haben. Da werden zuerst alle Zeitungen durchgelesen, Kaffee getrunken, dann hat man eine Sitzung. Aber die Nackt Selfies stellen doch eine ganz neue Dimension des Nichtstuns dar.
  • Randen 22.02.2016 09:22
    Highlight Highlight Am besten nur noch Frauen anstellen und/oder wählen. Ich hab gelesen, dass die viel weniger Lohn erhalten.
    • Fumo 22.02.2016 10:01
      Highlight Highlight Platz 1 in der Liste ist eine Frau, falls dir das entgangen ist.
  • kaiser 22.02.2016 08:40
    Highlight Highlight Feststellung am Rande: Nicht alle Steuergünstigen Kantone sind in einen Topf zu werfen. In Sarnen OW wird 66'667 Fr. verdient während bei beinahe gleicher Anzahl der Bevölkerung in Risch ZG 180'538 Fr. verdient wird.


  • Yes. 22.02.2016 08:14
    Highlight Highlight Es gibt Gemeindeforscher?😳
  • Mehmed 22.02.2016 07:51
    Highlight Highlight es ist recht perfide, wie diese staatsangestellten sich immer mit den firmenkader vergleichen, welche ihre löhne in den letzten jahren massiv erhöht haben. stichtwort lohnschere. und bezeichnend, dass da auch linke politiker und politikerinnen ganz schön ungeniert mitmachen. wasser predigen, wein trinken.
    • phreko 22.02.2016 08:40
      Highlight Highlight Mit was sollen sie sich denn sonst vergleichen?
    • sebjseb 22.02.2016 09:52
      Highlight Highlight Leider ist es so, dass sich fast keine Leute mehr finden für diesen (undankbaren) Job. Wie soll man den mit kläglichen Löhnen gute Leute finden? Dann finden sich nur noch Leute, welche von den Beziehungen privat profitieren können: Bauunternehmer, Treuhändler, etc.
      Mir persönlich ist gute Gemeindeführung etwas wert. Wenn es diesen Leuten nur noch um das Geld gehen würde, so wären sie in der Privatwirtschaft tatsächlich besser aufgehoben.
    • Fumo 22.02.2016 10:00
      Highlight Highlight Mit niemand. Politiker sollten im Dienste des Volkes arbeiten und sich dessen bewusst sein, sich mit der Privatwirtschaft zu vergleichen ist so ziemlich daneben.
    Weitere Antworten anzeigen

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