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Tempo 30 auf Velowegen? Mit diesen Massnahmen entschärft Bern den Clash der Biker

Immer mehr Velos, immer mehr Unfälle: Der Verkehrsclub fordert ein Tempolimit für Biker auf Velowegen. Ein Blick nach Bern zeigt, wie die Stadt den Clash der Velokulturen verhindern will. 
06.11.2018, 20:0407.11.2018, 10:17

Jeder Velofahrer kennt die Situation. Man radelt gemütlich auf dem Veloweg. Plötzlich kommt von hinten ein schnelles E-Bike oder ein Rennvelo angebraust und überholt zackig. Das Problem: 375 Unfälle gab es im vergangenen Jahr auf Velowegen. Bei jedem fünften Unfall crashte ein E-Bike-Fahrer mit einem anderen Velo oder E-Bike.

Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) sieht nun Handlungsbedarf. Präsident Ruedi Blumer fordert in der «Aargauer Zeitung» Tempo 30 auf Velowegen: «Das Problem sind die grossen Geschwindigkeitsunterschiede.» Dies besonders auf engen Velowegen in der Stadt, die noch in vielen Schweizer Städten Standard sind. 

Braucht es ein Tempolimit auf Velowegen?

Es geht aber auch anders, wie ein Blick nach Bern zeigt: 

Der Berner XXL-Veloweg

Die Stadt Bern hat 2016 die erste, gut drei Kilometer lange «Velobahn» eröffnet. Diese führt vom Hauptbahnhof Richtung Wankdorf. Bis 9000 Biker verkehren auf dieser bis drei Meter breiten Velospur pro Tag in beide Richtungen. Als Vorbild dienen den Bernern die XXL-Velowege in der dänischen Velo-Metropole Kopenhagen. 

Die erste Berner Velohauptroute führt vom Wankdorf bis zum Hauptbahnhof. Video: YouTube/Stadt Bern

Neben baulichen Massnahmen sorgt eine «grüne Welle» bei den Ampeln dafür, dass Radler ohne Stops bei Kreuzungen möglichst rasch vorwärtskommen. 

Die Vorteile

Ursula Wyss will Bern zur «Velohauptstadt» machen. 
Ursula Wyss will Bern zur «Velohauptstadt» machen. Bild: KEYSTONE

Die Berner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP) treibt die «Velo-Offensive» in Bern voran.  «Bei drei Meter breiten Velowegen entschärft sich der Konflikt zwischen langsamen und schnellen Velos». Denn die Biker könnten einander einfacher überholen.

Für sie ist aber klar: Auch schnelle E-Bike-Fahrer müssten vor dem Verkehr geschützt werden. «Die beste Lösung ist, Velowege baulich von den Hauptstrassen abzutrennen».

Hier sieht sie in allen grossen Schweizer Städten Nachholbedarf. Auch in Bern. Darum plant die Bundesstadt weitere Velohauptrouten nach Köniz und Ostermundigen. «Es braucht in der Schweiz generell eine bessere Infrastruktur für Velos», so Wyss. 

Smide erhöht Tempo

Stromer-Bikes fahren jetzt 45 km/h
Die Velos des E-Bike-Sharing-Dienstes Smide waren zu Beginn auf 35 km/h plombiert. Nach einer zweijährigen Testphase haben die Verantwortlichen nun das Tempolimit der Stromer-Bikes auf 45 km/h erhöht. «Ein Pilotbetrieb, wo ausgewählte Nutzer 45 km/h fahren durften, hat gezeigt, dass geübte Nutzer gar sicherer mit 45 km/h fahren als mit 35 km/h, da sie dann mit dem Verkehrsfluss mithalten können und kein Hindernis für schnellere Autofahrer darstellten», sagt Smide-Mitgründer Raoul Stöckle zu watson. (amü)

Tempo 30 für Autos

Viele Radler fahren in der Mitte der Velospur. 
Viele Radler fahren in der Mitte der Velospur. bild: zvg/bern.ch

Auf der Velohauptroute vom Bahnhof Richtung Wankdorf hat es laut dem Berner Verkehrsplaner Karl Vogel in den letzten zwei Jahren drei schwerere Velounfälle gegeben. Um die Sicherheit für die Velofahrer weiter zu erhöhen, plant die Stadt beim Bahnhof und auf der Lorrainebrücke Tempo 30 für alle – also auch für Autos –  einzuführen. 

«Wo es viele Velos, Autos und Lastwagen hat, macht Tempo 30 aus Sicherheitsgründen Sinn», so Vogel. Auf der Lorrainebrücke will die Stadt zudem eine Autospur opfern, damit Velofahrer mehr Platz erhalten. 

Der Haken

Bern hat sich zwar selbst zur Velohauptstadt erkoren. Wie sich die Biker auf den neuen Velorouten zu verhalten haben, ist aber noch nicht bei allen angekommen.

Michael Sutter, Präsident von Pro Velo Bern, sagt: «Ich sehe immer wieder Radfahrer, die in der Mitte der Velospur statt am rechten Rand fahren. So bleibt es auch bei einer drei Meter breiten Velospur schwierig, zu überholen». 

Insgesamt ziehe er jedoch ein positives Fazit. Von den grünen Wellen profitierten übrigens auch Autofahrer. «Der Verkehrsfluss hat sich insgesamt verbessert», so Sutter. 

Die Unfälle mit E-Bikes haben sich verdreifacht

Video: srf

Von einer Geschwindigkeitsbegrenzung für Velofahrer hält Sutter nichts. «Wenn man genug Platz zum Überholen hat, ist ein Tempolimit nicht nötig.» Es wäre zudem unverhältnismässig, wenn man plötzlich alle Rennvelos und E-Bikes mit einem Tacho ausrüsten müsste.

Auch der Berner Verkehrsplaner Vogel steht einer Tempo-30-Limite auf Velowegen kritisch gegenüber. «Es ist ein grosser Unterschied, ob ein Veloweg übers Land oder durch die Stadt führt. Auf dem Land macht Tempo 30 wenig Sinn».  

Velofahrer sind auch Künstler – zumindest mit GPS

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48 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ast1
06.11.2018 21:19registriert März 2014
Ich verstehe nicht warum viele E-Bikes gerade 45 km/h laufen. Als Autofahrer ist das saublöd; langsamer als andere Autos aber dennoch zu schnell um innerorts sicher überholen zu können. Und als Velofahrer ist es auch gefährlich wenn diese plötzlich herangebraust kommen.
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Ramy
07.11.2018 07:33registriert Mai 2016
Ich fahre Velo und Auto. Das einfachste dabei nennt sich "Respekt vor einander". Sobald man beide Seiten kennt kann man auch dementsprechend handeln. Wenn ich merke dass Autos mich nicht überholen können dann fahr ich halt kurz auf dem freien Trottoir (schon mehrfach so auch von der Polizei überholt worden, noch nie hat einer was gesagt), wenn ich im Auto sitze und kurz vor einem Kreisel einen Velofahrer neben mir hab, bremse ich und lass ihn vor. Sobald man die Bedürfnisse des anderen kennt, funktioniert das auch sehr gut mit dem Respektieren dieser
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Ramy
07.11.2018 07:34registriert Mai 2016
Das Problem an E-Bikes ist doch vor allem, dass viele, die schon lange nicht mehr Velo gefahren sind (teilweise nicht mal Auto) wieder Velo fahren können, nur plötzlich sehr viel schneller.
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