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In Biel sorgen derzeit ein Dutzend Masern-Fälle für Unmut.
In Biel sorgen derzeit ein Dutzend Masern-Fälle für Unmut.bild: shutterstock

Masern-Impfpflicht in Kitas? Expertin sagt, was die fehlende Elternzeit damit zu tun hat

Ein Masern-Ausbruch an einer Steiner-Schule bringt Schweizer Eltern derzeit ins Impf-Dilemma. In Deutschland greift eine Kita derweil hart gegen Masern, Mumps und Co. durch. Eine Expertin erklärt, warum eine Impfpflicht bei den ganz Kleinen hierzulande heikel ist.
22.02.2019, 13:2522.02.2019, 14:51

Rote Punkte überall: 12 Masern-Fälle (Stand Montag) an einer Steiner-Schule in Biel haben die Debatte ums Impfen neu entfacht. In Deutschland greift derweil eine Kita bei den Jüngeren durch – und nimmt neu nur noch geimpfte Kinder auf.

Die Weisung gelte für Neuanmeldungen und Impfungen gegen die gängigen Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln, sagte Jule Behrwind, Leiterin der Essner Kita kürzlich dem Fernsehsender WDR.

In der Schweiz kann jede Kita ihre Aufnahmebedingungen selbst festlegen. Die Geschäftsführerin des Verbandes kibesuisse, Kinderbetreuung Schweiz, Nadine Hoch, sagt auf Anfrage, sie habe keine Kenntnis von Schweizer Kitas mit Impfpflicht. Würde Sie den Kitas eine entsprechende Weisung empfehlen? Es sei nicht am Verband, eine Weisung zu geben, sondern Sache der Aufsichts- und Bewilligungsbehörden der Kantone, respektive je nach Kanton der Gemeinden, antwortet Hoch.

Fehlende Elternzeit als Problem

Sie weist auf einen kritischen Punkt hin: In Deutschland gibt es eine mehrmonatige Elternzeit, in der Schweiz nur 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Das spielt auch in diesem Belangen eine Rolle, denn Babys können frühestens mit 9 Monaten die erste Impfung erhalten, 3 bis 6 Monate danach die zweite. «Wenn Kitas eine Impfpflicht einführen, müssten somit Säuglinge ausgeschlossen werden – und die Eltern hätten möglicherweise keine andere Betreuungsmöglichkeit.»

Bist du gegen Masern geimpft?

In gewissen Ländern herrscht für alle Kinder eine Impfpflicht für geläufige Krankheiten. So beispielsweise in Frankreich. Laut Umfragen sind über 40 Prozent der Franzosen aber eigentlich impfkritisch eingestellt. Die Zahl der Impfgegner ist in den letzten Jahren gestiegen, auch hierzulande. Sie argumentieren, Impfungen könnten schädlich sein oder gar nichts bewirken. Oft halten sie das Durchmachen der Kinderkrankheiten für wertvoll für die Entwicklung des Kindes.

Die WHO indes erklärte Anfang Jahr Impfgegner zur globalen Bedrohung. Sie liess weiter verlauten, dass die Zahl der Masern-Fälle im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 30 Prozent gestiegen ist. Auch in einigen Ländern, die bereits kurz vor der Ausrottung der Krankheit standen, gebe es wieder mehr Fälle.

Fakt ist: Unkomplizierte Masern-Fälle heilen zwar ziemlich rasch und ohne bleibende Folgen ab. Kommt es zu Komplikationen, können sie aber zum Tod führen. Das BAG empfiehlt deshalb eine Masern-Impfung.

Masernepidemie wieder aufgeflammt

Video: srf/SDA SRF
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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Uslandschwiizer
22.02.2019 13:39registriert Mai 2017
Man kann auch Probleme sehen, wo es keine gibt: Die Kitas in der Schweiz koennen problemlos eine Impfpflicht vorschreiben, dies bedeutet dann einfach das unter 9-Monatige dann mit 9 Monaten gemaess Impfplan geimpft werden.

Im 'oeffentlichen Raum' bedarf es eine klare Haltung zum Schutz aller Kinder.
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bisch debii
22.02.2019 15:17registriert Februar 2019
@Camille: man kann in der Schweiz Kinder schon ab 4 Monaten impfen. Imfall. Was die Frau Hoch sagt ist leider falsch. Siehe Impfempfehlungen BAG; „Beschleunigtes Impfschema“. 👋👍
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HowTequilaMockingbird
22.02.2019 22:24registriert Januar 2019
Wenn alle Kinder in einer Kita nach Standard Impfplan geimpft werden, sind auch die gegen Masern noch nicht geimpften unter 9 Monate alten Kinder geschützt. Das nennt sich Herdenschutz und genau deswegen wäre es so wichtig, eine gute Durchimpfungsrate in der Gesamtbevölkerung zu haben, damit man die noch zu kleinen oder auch die kranken Menschen schützt, die sich nicht impfen lassen können.
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