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Warum es positiv ist, dass nach den Sommerferien viele 5. Klässler ein Tablet erhalten

Im neuen Schuljahr wird an zahlreichen Schulen ab der 5. Primarklasse das Fach «Medien und Informatik» unterrichtet. Ein Tablet pro Schüler soll den Unterricht unterstützen. 
Im neuen Schuljahr wird an zahlreichen Schulen ab der 5. Primarklasse das Fach «Medien und Informatik» unterrichtet. Ein Tablet pro Schüler soll den Unterricht unterstützen. bild: shutterstock

Ein Tablet für alle 5.-Klässler – nicht alle finden das gut

Ein eigenes Tablet für alle Fünftklässler? «Unsinnig», sagen die einen, «absolut notwendig», die anderen. Das Fach «Medien und Informatik», das nach den Sommerferien in vielen Schweizer Schulen unterrichtet wird, sorgt für Diskussionen. Dabei ist das Fach laut Fachexperten schon lange fällig. 
21.02.2018, 13:4121.02.2018, 19:56
Helene Obrist
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«Mit dem Befehl ‹forward 100› befiehlst du der Schildkröte 100 Schritte nach vorne zu gehen» – so oder ähnlich klingt es nach den Sommerferien bald in zahlreichen Primarschulen. Denn dann wird der Lehrplan 21 umgesetzt, der das Schulfach «Medien und Informatik» beinhaltet.

Mit einer Schildkröte das Programmieren lernen: Die Programmiersprache Logo wurde speziell für Kinder entwickelt. 
Mit einer Schildkröte das Programmieren lernen: Die Programmiersprache Logo wurde speziell für Kinder entwickelt. bild: screenshot/primalogo.ch

Schüler ab der fünften Primarklasse werden dann in einer Wochenstunde lernen, wie man Suchmaschinen richtig bedient, dass Bilder aus Pixeln bestehen und wie man einer Schildkröte die richtigen Befehle erteilt, damit sie im Kreis läuft. Und dafür werden viele ein eigenes Tablet kriegen, das sie auch mit nach Hause nehmen dürfen. Ein Fakt, der für viel Zündstoff sorgt. 

Die Primarschule als analoge Bastion?

So war letzte Woche im Tages-Anzeiger zu lesen, dass Primarschüler keine Tablets im Unterricht bräuchten. Weil «die Digitalisierung bald jeden Lebensbereich erfasse» und man die Schüler davor bewahren müsse. Die Primarschule also als einzige analoge Bastion bewahren?

«Diese bewahrpädagogische Haltung ist alles andere als zielführend», sagt Peter Holzwarth, Dozent an der Pädagogischen Hochschule Zürich. «Die Kinder müssen früh genug einen kritischen Umgang mit Medien lernen.» Denn in Kontakt damit kämen sie ohnehin, so Holzwarth, vor allem auf dem Pausenhof oder in der Freizeit. 

Dem pflichtet auch Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, bei. Es nütze nichts, einen Schonraum zu kreieren. «Schon Erstklässler haben in den Familien Kontakt mit digitalen Medien. Im Unterricht sollen die Schüler lernen, das Gerät sinnvoll einzusetzen.»

Wichtig sei dabei aber auch, dass Phasen definiert würden, in denen ohne das Tablet gearbeitet wird. «Nur so kann ein verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Geräten gelernt werden», erklärt Süss. 

Schüler
Nach den Sommerferien erhalten viele Fünftklässler mehr als nur Stift und Papier zum arbeiten. Bild: Berner Zeitung

Transparenz bei den Schülerdaten

Ein Knackpunkt stellt sich aber dennoch: Die Frage nach dem Datenschutz. Weil die Schüler die Tablets auch mit nach Hause nehmen und darauf Hausaufgaben lösen, stellt sich die Frage, wie viel davon Lehrer überwachen können und dürfen.  

Dozent Holzwarth setzt dabei auf Transparenz. «Es ist wichtig, dass die Lehrpersonen Kinder und Eltern genau darüber informieren, welche Daten gespeichert und eingesehen werden.» Die Schüler müssten auch lernen, dass sie bei allen Internetaktivitäten digitale Spuren hinterlassen. «Facebook ist schliesslich auch nicht einfach aus Nettigkeit gratis, sondern es geht dem Konzern in erster Linie darum, Daten zu sammeln.»

*Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version hiess es, das Fach sei hinfällig. Das ist nicht korrekt und wurde nun korrigiert. 

Diese Lehrertypen kennt jeder: 

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26 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Madison Pierce
21.02.2018 13:49registriert September 2015
Ich denke man muss unterscheiden zwischen Informatik- und Medienkompetenzunterricht, für den Computer notwendig sind und der "wir sind modern"-Strategie vieler Schulen, die ich kritisiere.

Die Schüler verlieren nichts, wenn sie Aufsätze weiter von Hand schreiben und Mathematikaufgaben ohne lustiges Lernprogramm lösen. Im Gegenteil, sie werden motorisch mehr gefordert.

Habe leider schon erlebt, dass in Schulen ohne Konzept Tablets angeschafft wurden. Dies überfordert die Lehrkräfte und führt nicht zu einem sinnvollen Einsatz. Nur weil etwas modern ist, ist es nicht notwendigerweise sinnvoll.
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pun
21.02.2018 14:51registriert Februar 2014
Bin Primarlehrer mit Ausbildungsschwerpunkt Medienpädagogik. Sehe nicht ganz ein, weshalb jedes Kind ein Tablet braucht, aber vielleicht bin ich da auch zu wenig innovativ. 1-2 Klassensätze pro sechs Klassen würden doch auch reichen. Die dadurch freiwerdenden Ressourcen dann lieber in Lernprogramme die dem Lehrplan entsprechen und wirklich toll sind investieren (was aber wieder nicht geschehen wird, weil wir so lässig föderalistisch unterwegs sind).
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Posersalami
21.02.2018 14:05registriert September 2016
Schwachsinn ^2

Auatralien hat das Experiment gerade beerdigt weil es absolut nichts gebracht hat.

https://www.google.ch/amp/s/www.heise.de/amp/tp/features/Technologie-in-unseren-Schulen-schadet-mehr-als-sie-nuetzt-3766725.html

Gegen Fake News Gedöns würde ein vernünftiger Geschichtsunterricht sehr viel mehr helfen. Steckt das Geld doch lieber in fähige Lehrer, die den Kindern denken beibringen.
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