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#VerpfeifDeinSchwein und #MeToo – das riskierst du, wenn du den Grüsel auf Twitter outest

Nach dem Weinstein-Skandal berichten auf den sozialen Medien Tausende Frauen von sexueller Belästigung und Übergriffen. Gewisse nennen auch den Namen des Täters – und müssen dabei mit Konsequenzen rechnen.



«Ein Chefredaktor, grosser Radiosender, schmaler Flur, packt mich am Hals: ‹Einmal werde ich dich ficken, ob du es willst oder nicht›.» Erlebnisberichte wie dieser der französischen Radio-Journalistin Giulia Foïs liest man zurzeit überall auf den sozialen Netzwerken. 

Ausgelöst hat die Welle der Entrüstung der Skandal um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein, der über Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell belästigte und damit davon kam – bis jetzt. 

Weinstein ist lange kein Einzelfall. Frauen auf der ganzen Welt werden von Männern begrapscht oder unflätig angemacht.

Unter den Hashtags «MeToo» und «VerpfeifDeinSchwein» nennen manche Frauen nun auch die Namen der Belästiger.

Angefangen hat alles mit der französischen Journalistin Sandra Mueller. Von ihr stammt die wenig vornehme Verschlagwortung «balancetonporc»

#Balancetonporc, Verpfeif dein Schwein! Erzähl auch du detailliert, wie du an deinem Arbeitsplatz sexuell belästigt wurdest und oute deinen Belästiger mit Namen. 

Nur wenige Stunden nach diesem Tweet erzählt Muller selbst, wie ihr früherer Vorgesetzter ihr zugeraunt habe: «Du hast grosse Brüste, du bist mein Typ. Ich werd's dir die ganze Nacht besorgen.» Dabei nennt die Journalistin den vollen Namen des Täters. 

In der Schweiz spricht sich unter anderem die «Tages-Anzeiger»-Journalistin Michèle Binswanger für ein «Outing» der Täter aus.

Es klingt einleuchtend: Der ehemalige Chef, Lehrer oder Partykollege könnte so seine verdiente Strafe erhalten und müsste sich in aller Öffentlichkeit in Grund und Boden schämen. Oder wichtiger: Andere Frauen wären vor ihm gewarnt. 

Doch was riskiert man in der Schweiz, wenn man jemanden auf Twitter und Co. namentlich der sexuellen Belästigung beschuldigt?

Medienanwalt Andreas Meili erklärt auf Anfrage: «Wenn die Person nicht beweisen kann, dass ihre Anschuldigung wahr ist oder sie zumindest ernsthafte Gründe hatte, sie in guten Treuen für wahr zu halten, riskiert sie, sich der üblen Nachrede strafbar zu machen.» Ein solches Vergehen könne mit einer Geldstrafe von bis zu 540'000 Franken bestraft werden. 

Die beschuldigte Person könnte in einem solchen Fall auch Anklage wegen Persönlichkeitsverletzung erheben, sagt Meili. Hier drohen zusätzlich Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen. Dasselbe gelte für Anschuldigungen, in denen die Person nicht namentlich gennant wird, Dritte sie jedoch aufgrund anderer Merkmale erkennen können.

Selbst wenn man das auf der sozialen Plattform beschriebene Verhalten beweisen kann oder der Täter dafür verurteilt wurde, darf man ihn grundsätzlich nicht online an den Pranger stellen. «Das hängt davon ab, ob es sich um einen schweren oder leichten Fall handelt und wie bekannt die beschuldigte Person ist», sagt Meili. Je schwerer der Fall oder bekannter die Person, umso mehr müsse sie sich Eingriffe in ihre Persönlichkeitsrechte gefallen lassen.

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30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Statler 20.10.2017 13:54
    Highlight Highlight Irgendwie werd' ich grad schaurig an das hier erinnert...

    Play Icon
  • Ehringer 20.10.2017 11:48
    Highlight Highlight Eeeeehm hat auch schon mal jemand daran gedacht, dass man auch zur Polizei gehen könnte?

    Versteht mich nicht falsch: Ich finde den Aufschrei völlig erichtif. Aber falls man den Namen ja kennt, kann man damit auch zur Polizei gehen. Empfehlenswert. Selbstjustiz bringt Keinem was.
  • Dinolino 20.10.2017 11:27
    Highlight Highlight war ja sowas von klar, dass das ganze hier in der Schweiz auf heftige Resonanz stösst, im Land der unzufriedenen Ü30. #couldntcareless
  • Citation Needed 20.10.2017 08:28
    Highlight Highlight Richtig ist, dass man nicht schweigen soll.
    Ob Veröffentlichung der richtige Weg ist? Ich würde schon erst zu Personaldienst, Polizei, Freunden, Bekannten...
    • Eine_win_ig 20.10.2017 19:36
      Highlight Highlight Adrian: ernsthafte Frage:
      Wenn ich also mit dem HR spreche, dass ich von einem Miarbeiter sexuell beöästigt werde, gilt died laut Gesetz als üble Nachrede? Oder wie wird das gehandhabt, resp. gibts da Sonderklauseln?
    • Citation Needed 20.10.2017 21:06
      Highlight Highlight Macht Sinn, wenn man genau überlegt (jedeR könnte sonst jedeN nach Gusto verunglimpfen/anschwärzen). Bis zum Rufmord.
      Ist aber schon krass, dass nur Polizei in Frage kommt oder 'Notwehr'.
    • Eine_win_ig 20.10.2017 23:42
      Highlight Highlight Super, danke für die Ausführungen :)
  • John Smith (2) 19.10.2017 20:55
    Highlight Highlight Es fehlt der wichtige Hinweis, dass man nur dann zum Wahrheitsbeweis zugelassen wird, wenn die «Üble Nachrede» im öffentlichen Interesse geschah. Wer mit der öffentlichen Anprangerung einfach nur seine privaten Rachegelüste befriedigen will, wird vermutlich gar nicht zum Wahrheitsbeweis zugelassen werden.
  • Wehrli 19.10.2017 20:29
    Highlight Highlight Ich hoffe die Damen werden in den Orbit verklagt.
    • Swooot 19.10.2017 23:09
      Highlight Highlight chill bruh
      Benutzer Bild
    • Funny 20.10.2017 04:05
      Highlight Highlight Ich hoffe dass du mal deinen namen nennst!
    • Wehrli 20.10.2017 09:32
      Highlight Highlight John Doe
    Weitere Antworten anzeigen
  • mein Lieber 19.10.2017 20:17
    Highlight Highlight Diese hohen Bussen dienen bloss der Einschüchterung. Diejenigen die solche Zahlen nennen haben die Hosen voll weil sie wohl Dreck am Stecken haben. Ich finde diese Verpfeiffaktion super, die Scheisstypen sollen mit ihren Namen zu ihren Taten stehen! Und die Frauen die das nun ausnützen sollen auch gleich ihre Namen und Gesichter zeigen.
    • Swooot 19.10.2017 23:24
      Highlight Highlight Ich denke nicht das unbedingt diejenigen die solche Zahlen nennen „Dreck am Stecken“ haben. Es steht ausser Frage dass die Täter unbedingt für ihre Aktionen zur rechenschaft gezogen weden müssen. Jedoch halte ich es nicht für korrekt diese über eine solche Aktion anzuprangern, denn dies ist auch mit grossen Gefahren verbunden. Es ist ein leichtes eine Person über eine solche anschuldigung ins verderben zu stürzen und solch ein „Trend“ kann schnell missbraucht werden in denn SocialMedia Kanälen. Die Vorwürfe sind mit Vorsicht zu geniessen und sollte eigentlich über eine Anzeige geregelt werden.
    • Funny 20.10.2017 04:13
      Highlight Highlight Stell dir vor, du wirst vergewaltigt. Du stellst den täter an den Pranger, aber nach deiner Meinung musst du dich auch zeigen. Ist zwar ein extremes Szenario, aber momentan leider im möglichen. Also, versetz dich zuerst in diese Lage
    • mein Lieber 20.10.2017 08:56
      Highlight Highlight Natürlich zeige ich mich auch, alles andere ist feige.
  • goldmandli 19.10.2017 19:54
    Highlight Highlight Täter sexueller Übergriffe zur Rechenschaft ziehen. Darüber sind wir uns alle einig. Wenn aber öffentlich möglicherweise Unschuldige diffarmiert werden, wie in dem einen tweet: "Basti aus Kiehl hatte wohl Kaotropfen dabei", dann erschliesst sich mir der positive Effekt nicht. Unrecht mit Unrecht bekämpfen oder so.
  • Thinkdeeper 19.10.2017 19:49
    Highlight Highlight Es gibt auch Frauen die Korrupt sind und die Ihr anvertraute Machtposition zu eigene private Zwecke missbrauchen.
    Viele Männer, welcher eine ernsthafte Karrierekonkurrenz darstellen könnten, werden von diesen in die Belästigungs und Grüselecke geschoben um sie los zu werden.

    Solange wir solche Menschen und Unternehmen mit Supremacy Gedankengut an solche Positionen lassen und teilweise gar bewundern, solange wird es entwürdigende und abwertendes Verhaltensweise und verbale und physische Gewalt geben.

    Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung ist absolut unterste Schublade.
  • Blutgrätscher 19.10.2017 19:38
    Highlight Highlight Die Aussage

    " Ein solches Vergehen könne mit einer Geldstrafe von bis zu 540'000 Franken bestraft werden. "

    finde ich schon ein wenig irreführend.

    Die Höchststrafe sind in diesem Fall 180 Tagessätze, die je nach Einkommen berechnet werden, wobei 3000 CHF die gesetzliche Obergrenze bilden.

    Von demher kann es wirklich eine 540k-Busse geben, dass jedoch nur falls die Frau 1'000'000+ pro Jahr verdient. Wobei einer "normalen" Frau nie im Leben so eine Höchststrafe droht.
    • John Smith (2) 19.10.2017 21:26
      Highlight Highlight Es widerspricht sowieso dem Grundgedanken der Geldstrafe, die Gesamtsumme zu nennen. Bei einer Geldstrafe ist die Anzahl Tagessätze wichtig. Aber versuch mal, das einem Journalisten klar zu machen. (Und man sollte auch die Begriffe Geldstrafe und Busse klar auseinanderhalten.)
    • Swooot 19.10.2017 23:29
      Highlight Highlight #JustLawyerThings :‘D
      Aber recht habt ihr schon, denn wenn es ums Recht geht muss man genau sein.
  • Lagertha 19.10.2017 19:33
    Highlight Highlight Und zum Thema Journalisten: passt auf, mit wem ihr sprecht, wenn ihr sprechen wollt. Bei mir meldete sich der Blick und ging schon in der Initiativanfrage meilenweit am eigentlichen Thema, über das ich schrieb, vorbei. Und ob man deren Stammklientel zum Frass vorgeworfen werden will ist nochmal eine ganz andere Frage.
    • Mia_san_mia 20.10.2017 04:42
      Highlight Highlight Wow Du bist ja krass 😎
  • Palatino 19.10.2017 19:22
    Highlight Highlight Dazu kann ich nur sagen, es gab einen guten Grund, den öffentlichen Pranger vor langer Zeit abzuschaffen. Wer Opfer sexueller Übergriffe wurde, soll sich mit den Mitteln wehren, die vom Rechtsstaat zur Verfügung gestellt werden. Auch wenn diesbezüglich noch Verbesserungsbedarf besteht, gab es doch in den letzten Jahren entscheidende Verbesserungen (etwa dass Frauen von Frauen befragt werden).
    Die öffentliche Abstrafung eines (möglicherweise unschuldigen) Mitmenschen in den sozialen Medien bedarf nur eines Mausklicks, aber es kann das reale Leben für alle Beteiligten zur Hölle machen
    • Damon 20.10.2017 07:51
      Highlight Highlight Vielen Dank! Stimme dir 100% zu.
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 19.10.2017 19:14
    Highlight Highlight Jaaaa, wer will schon in einem Rechtsstaat leben, wenn es auch wie im Mittelalter geht.
    Wetzt die Heugabeln, entzündet die Fackeln, der Mob ist los und der Mob will Blut sehen.
    An den digitalen Pranger mit ihnen.

    Meine Güte, fällt denen nicht auf, dass hier auch total unbescholtene Personen einfach angeklagt und öffentlich diskreditiert werden könnten? Medienkompetenz und so? Aber nein, es geht ja um eine gute Sache und sie stehen ja auf der richtigen Seite!
  • Menel 19.10.2017 19:13
    Highlight Highlight Schutz der Persönlichkeitsrechte ist richtig und wichtig. Unser Rechtsstaat ermöglicht jedem auf dem Rechtsweg gegen Angriffe auf die eigenen Persönlichkeit vorzugehen. Pranger war im Mittelalter und nur weil er jetzt digital ist, heisst das nicht, dass man ihn wieder hervor holen soll.
  • DerRabe 19.10.2017 19:10
    Highlight Highlight Ich will niemandem etwas unterstellen, aber ist allen Twitter-Lesern eigentlich auch klar, dass nun jeder Name genannt werden kann und evtl. nichts dahintersteckt? So können innerhalb von wenigen Minuten ganze Existenzen zerstört werden.
    Es ist mir durchaus bewusst, was viele Frauen durchmachen mussten/müssen und dass die Bewältigung dieses Traumas nicht einfach ist. Man soll hinstehen und sagen was passiert ist. Aber bitte tut dies vor Gericht, wo die blinde Justizia entscheiden kann und nicht auf Social Media Plattformen wo alles ungeprüft übernommen wird.
  • zombie woof 19.10.2017 19:05
    Highlight Highlight Solche Aktionen können böse Folgen für alle Beteiligten haben. Die Frage ist doch, wo fängt sexuelle Belästigung an? Wenn mir eine Frau auf den Schritt schaut, ist das nun eine Belästigung, ein Kompliment oder bloss ein Versehen ihrerseits? Fakt ist, ich bestimme dann, was es ist und nicht sie. Gilt natürlich auch im umgekehrten Fall. So ein Outing, wie von Binswanger gefordert, kann auch missbräuchlich angewendet werden, also Vorsicht mit dem Ganzen.

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