Schweiz
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Switzerland's goalie Leonardo Genoni makes a save against Sweden's Adrian Kempe during the Ice Hockey World Championships final match between Sweden and Switzerland at the Royal arena in Copenhagen, Denmark, Sunday, May 20, 2018. (AP Photo/Petr David Josek)

Leonardo Genoni wehrt im Final gegen den Schweden Adrian Kempe. Die Leistung der Schweizer Nationalmannschaft wird nun in der Ja-Kampagne zum Geldspielgesetz thematisiert. Bild: AP/AP

«Politischer Missbrauch» – Hockey-Verband nutzt WM-Erfolg im Kampf für das Geldspielgesetz

Die «Eisgenossen» sind trotz bitterer Finalniederlage gegen Schweden die Helden der Stunde. Der Verband nutzt das, um auf Facebook für ein Ja zum umstrittenen Geldspielgesetz am 10. Juni zu werben. Das sorgt für harsche Kritik – Swiss Ice Hockey wehrt sich.



Haarscharf schrammte die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft am Sonntag in Dänemark an der Sensation vorbei. Erst im Penaltyschiessen konnte sich Schweden durchsetzen und den WM-Final für sich entscheiden. Doch allein der Finaleinzug war schon ein riesiger Erfolg. Das weiss auch der Eishockeyverband: Wenige Stunden vor Spielbeginn veröffentlichte Swiss Ice Hockey auf seiner Facebook-Seite folgenden Post:

Der Einzug ins WM-Finale sei unter anderem durch die finanzielle Unterstützung aus Lotteriefonds und der Sport-Toto-Gesellschaft möglich geworden, heisst es da. Am Ende des Posts wird auf die Website des Komitees verlinkt, das sich für ein Ja zum neuen Geldspielgesetz einsetzt.

Die Meldung mit dem Jubelbild wird zwar fleissig geteilt und erhält bei 519 Likes und Herzchen bloss 13 Wut-Emojis. Doch in der Kommentaren überwiegen die negativen Reaktionen: «Bin zwar begeistert von der Nati - das so für Politik zu nutzen finde ich aber daneben. Schade.» schreibt ein User. Ein anderer meint: «Stimme trotzdem NEIN! Hier politische Werbung zur Abstimmung zu machen, finde ich echt daneben. 👎»

WM-Silberhelden in Kloten von Tausenden gefeiert

«Grossartige Leistung der Spieler»

Auch Andri Silberschmidt zeigt sich verärgert über den Post. Der 24-jährige Zürcher ist Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz (JFS). Zusammen mit anderen Jungparteien von links bis rechts und weiteren Organisationen haben sie die Unterschriften für das Referendum gegen das neue Geldspielgesetz gesammelt. Der zweite Platz an der WM sei eine grossartige Leistung der Spieler, welche nicht für politische Zwecke eingesetzt werden sollte: «Ich finde es stossend, dass sportliche Erfolge für den Abstimmungskampf missbraucht werden.»

Dagegen wehrt sich der Eishockey-Verband: «Swiss Ice Hockey ist generell sehr zurückhaltend, was Stellungnahmen zu politischen Themen angeht», heisst es auf Anfrage von watson. Im Fall des Geldspielgesetzes seien die sportlichen Interessen des Verbandes so stark tangiert, dass man sich entschlossen habe, Stellung zu beziehen.

Auf die Frage, ob es richtig sei, die Leistung der Nationalmannschaft für politische Zwecke zu benutzen, heisst es beim Verband lediglich: «Es ist unsere Aufgabe, uns für die Interessen des Schweizer Eishockeysports einzusetzen.» Diese Interessen seien bei dieser Abstimmung direkt betroffen, «insbesondere was die Förderung des Nachwuchssports und die Aus- und Weiterbildung der Schiedsrichter und Trainer betrifft».

Die Werbeträger für ein Ja zum Geldspielgesetz, die WM-Finalhelden von Kopenhagen, wurden in diesem konkreten Fall offenbar nicht nach ihrer Meinung gefragt. Der Verband räumt auf Nachfrage von watson ein, den umstrittenen Post nicht mit der Nationalmannschaft abgesprochen zu haben: «Er gibt die Haltung von Swiss Ice Hockey wieder.»

Nicht nur Swiss Ice Hockey setzt sich für das neue Geldspielgesetz ein. Für die Ja-Kampagne engagieren sich unter anderem Aushängeschilder des Schweizerischen Turnverbands, des Schiessverbands sowie von Swiss Paralympic. Mit Video-Testimonials werben etwa die Kunstturnerin Giulia Steingruber, die Pistolenschützin Heidi Diethelm Gerber oder Rollstuhlsportler Heinz Frei für ein Ja.

«Das hat nichts mit Sport zu tun»

Sie folgen damit dem Aufruf von Swiss Olympic, der Dachorganisation der Schweizer Sportverbände. Diese forderte seine Mitglieder bereits im April via Positionspapier dazu auf, sich für das neue Geldspielgesetz einzusetzen. Dieses stelle sicher, dass Erträge aus Geldspielen auch in Zukunft gemeinnützigen Zwecken in der Schweiz zufliessen würden, heisst es in einem Positionspapier. Der Schweizer Sport profitiere jährlich von Beiträgen in der Höhe von rund 160 Millionen Franken, welche via kantonale Sportfonds und die Sport-Toto-Gesellschaft den Sportverbänden, Sportvereinen, den Athleten und der Infrastruktur zugute komme.

Für den Jungfreisinnigen Andri Silberschmidt hingegen illustriert der Beitrag von Swiss Ice Hockey und der Rückgriff auf Spitzensportler die Hilflosigkeit der Befürworter, denen es an sachlichen Argumenten mangle. Das neue Gesetz privilegiere die einheimische Casino-Industrie gegenüber ausländischen Anbietern. In Punkto Sportförderung via Lotteriefonds würde sich hingegen gar nichts ändern. Denn Schweizer Casinos müssten sowohl bei einem Ja als auch bei einem Nein mit ihren Gewinnen lediglich einen Beitrag an die AHV leisten, nicht für andere Zwecke: «Das hat nichts mit Sport zu tun».

Das musst du über das Geldspielgesetz wissen

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Video: watson/Helen Obrist, Angelina Graf

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • bebra 24.05.2018 17:51
    Highlight Highlight Nach den Kasinos kommen dann die Buchhändler, die eine Netzsperre für Auslandeinkäufe wollen. Dann die Kleiderläden usw.
    Ueberhaupt, was wollen die Schweizer immer im Ausland, bei uns ist alles soooo günstig und viel besser.
  • oXiVanisher 23.05.2018 07:48
    Highlight Highlight Vielleicht sollten alle IT/Netz Admins die sich gegen die Netzsperre aussprechen (was wohl so ziemlich alle sein werden) einfach mal die DNS Domain-Einträge der Befürworter überschreiben und umleiten.
  • Factfinder 22.05.2018 22:15
    Highlight Highlight Ein anderes Beispiel für die Niveaulosigkeit der Ja-Sager:
    SP Kantonsrat Urs Huber beleidigt alle die es wagen Nein zu stimmen zu einer Gesetzesänderung als "Handlanger ausländischer Spielmafia"
    https://twitter.com/UrsHuber1/status/997370846598615041
    • Silent_Revolution 22.05.2018 23:32
      Highlight Highlight Grosse Worte für einen Handlanger der hiesigen Glücksspiellobby / Mafia.

      Evi Allemann hat damals während der Debatte im Parlament die geplanten staatlich erzwungenen Netzsperren des Onlineglücksspiels mit freiwilligen Provider Netzsperren im Bereich der Kinderpornographie legitimieren wollen.

      Auf dieses Argument, welches solche Netzsperren eigentlich entkräften sollten ist die ganze SP Belegschaft aufgesprungen.

      Vergleichbare Netzsperren gibt es also noch nicht einmal im Bereich Kinderpornographie, die SP sieht aber plötzlich Handlungsbedarf im Glücksspielbereich.

      I smell corruption.
  • Ass 22.05.2018 21:55
    Highlight Highlight Mit dem Geoblocking gab es schon mal ein Vorgeschmack für die Netzsperren die folgen werden...
  • Brunhilde 22.05.2018 21:37
    Highlight Highlight Alles ist Politik, weil diese ist Plattform für vielfältigen Meinungsaustausch. Dazu gehört auch der Sport. Nachwuchsförderung geht ohne Unterstützung durch Swisslos und andere Quellen nicht mehr. Dafür dürfen und sollen Verbände hinweisen.
    Dies zu verurteilen ist doch scheinheilig.
    Also bitte Ball bzw. Puck flachhalten bei der Kritik.
    • dan2016 23.05.2018 09:21
      Highlight Highlight Kaum ein Gegner wird gegen Swisslos sein oder gegen die Finanzierung aus Lotteriefonds. Die meisten Gegner haben aber ein Problem damit, dass das Gesetz von einigen Monopolisten geschrieben wurde, welche (zurecht) um ihr offenbar recht lukratives Monopol fürchten. Kaum ein Gegner plädiert für einen nicht regulierten und unbesteuerten Markt. Sondern möchte, dass auch in einem regulierten Markt nicht diejenigen sich durchsetzen, die die Politiker am meisten bezahlen, sondern diejenigen, die im Rahmen der Gesetze das beste Angebot haben.
    • Brunhilde 23.05.2018 22:19
      Highlight Highlight @dan2016
      Beweise für diese Vorwürfe an die „gekauften“ Politiker?
  • Enrico Palazzo 22.05.2018 21:25
    Highlight Highlight Vielleicht war es das Karma, welches schon zurückgeschlagen hat und deshalb ging das Finale verloren;-)

    Verrückt, wenn sich ausgerechnet Sportler für Abschottung und Isolation einsetzen, nichts anderes will nämlich das Geldspielgesetz.

    Die nächste WM ohne Schweizer Beteiligung, da man den internationalen Wettkampf scheut?
  • Spiessvogel 22.05.2018 21:09
    Highlight Highlight Ein paar ultralibertäre Jungspunde mit viel Freisinn aber wenig Gemeinsinn stilisieren die Diskussion um das Gelspielgesetz zur Entscheidungsschlacht um die Freiheit des Internets. Es geht um nichts weniger als die Durchsetzung staatlicher Kontrolle über Geldflüsse im Geldspielbereich, deren Gewinne sich nach den Erfahrungen über Jahrhunderte hinweg am Ende immer in mafiösen Strukturen verflüchtigen. Das Geldspielgesetz weist die grossen Gewinne gemeinschaftlichen Zwecken zu. Dass sich die Empfänger dafür einsetzen, ist existenziell, weil sie von den Ultralibertären nichts erwarten können.
    • Factfinder 22.05.2018 21:22
      Highlight Highlight "Geldspielbereich, deren Gewinne sich nach den Erfahrungen über Jahrhunderte hinweg am Ende immer in mafiösen Strukturen verflüchtigen. "
      Sagen uns die Schweizer Geldspielmafiosis
      Macht ein Eigentor und merkt es nicht einmal
      PR-Agenturen sind auch nichts mehr wert was?
    • Napu 22.05.2018 21:32
      Highlight Highlight Auch die Jungen möchten eine Kontrolle des Geldflusses. Jedoch mit Konzessionen für ausländische Unternehmen. So fliesst noch viel mehr Geld in die Kasse. Deshalb Nein zum Geldspielgesetz
    • Digichr 22.05.2018 21:35
      Highlight Highlight Die Juso und jungen Grünen sind also auch libertär?
    Weitere Antworten anzeigen
  • maricana 22.05.2018 20:03
    Highlight Highlight Die Sicherung der AHV hängt gemäss Argumentation der Befürworter ebenfalls vom Geldspielgesetz ab. Die AHV als Landeslotterie?
    • Factfinder 22.05.2018 21:11
      Highlight Highlight Versicherungen sind generell nur durch Gesetze etwas anderes als Glückspiel - im Prinzip funktionieren die nämlich gleich - wobei "Glücks"spiel nicht unbedingt passend ist, man wettet dort ja eher auf sein Pech ;)
  • Blister 22.05.2018 19:56
    Highlight Highlight Pure Abzockerei. Schaut mal die Gewinnchancen bei den angebotenen Glücksspielen der CH Casinos oder die jämmerlich schlechten Quoten beim CH Toto (Sportwetten). Nur Grenzdebile oder Süchtige spielen im Casino oder mit solch schlechten Quoten. Die sollen das Geld anderswertig eintreiben und nicht so...Smarte Spielen werden Wege finden, weiterhin im Ausland zu zocken und fein abcashen (zB bei pinnacle $$$)
    • Licorne 22.05.2018 21:25
      Highlight Highlight Nur weil du Casinos anscheinend doof findest, musst du nicht gleich den Zweihänder auspacken und beleidigend werden. Manche gehen aus Spass dort hin 😉
  • G. Schmidt 22.05.2018 19:38
    Highlight Highlight Wie im Casinobusiness, so im Sport... der verflixte Filz!
  • chicadeltren 22.05.2018 19:25
    Highlight Highlight Das hat bei der NoBillag-Abstimmung bei diversen Verbänden genau gleich getönt und hat damals niemanden hier bei watson gestört...
    • Factfinder 22.05.2018 20:39
      Highlight Highlight "Same procedure as 3 months ago James?"
      "Same procedure as every Abstimmungswahlkampf Miss Sophie"
  • Widmer 22.05.2018 19:17
    Highlight Highlight Und der Eishockexverband hat recht.
  • Markblu Rosenberger 22.05.2018 19:12
    Highlight Highlight Peinlich
  • just_a_name 22.05.2018 19:04
    Highlight Highlight Weiss das Ja-Kommitee das es sich bei dieser Abstimmung um ein Referendum handelt? Wenn das Geld bei einem nein tatsächlich fehlen würde, würde es schon heute fehlen...
    • dan2016 22.05.2018 19:11
      Highlight Highlight Und gemäss pro Seite haben 17 Länder bereits ein solches Gesetz, d.h., es verschlechtert ganz klar die Rangieurung...
    • Kunibert der fiese 22.05.2018 19:56
      Highlight Highlight Danke, das wollt ich nämlich auch grad schreiben.
    • Factfinder 22.05.2018 20:38
      Highlight Highlight Lügen Abstimmungskomitees absichtlich um ein gewünschtes Resultat herbei zu führen?
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