Schweiz
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bild: unsplash.com/ Samuel Zeller

Jetzt kommt der Prämiendeckel – vorerst aber nur in einem Kanton



Der durchschnittliche Schweizer Haushalt drückt monatlich zwölf Prozent seines Einkommens für die Krankenkasse ab – nach Abzug der Prämienverbilligungen. Im Kanton Bern sind es sogar 17 Prozent, wie ein Bericht des Bundes aus dem Jahr 2014 zeigt. Auch die Versicherten in Zürich, Luzern, Solothurn, den beiden Basel, Schaffhausen, St. Gallen, Neuenburg, Genf, Jura und in der Waadt müssen demnach überdurchschnittlich stark bluten. 

Für letztere ist nun allerdings Besserung in Sicht: Am Dienstag hat der Waadtländer Staatsrat Pierre-Yves Maillard (SP) angekündigt, dass ab nächstem Jahr kein Haushalt mehr über zehn Prozent des Lohns für die Prämien aufwenden muss. Vor den Medien sprach Maillard von einem «emotionalen Moment», zumal tausende Versicherte Hilfe bekämen, die heute nur mit Mühe ihre Krankenkassenprämien bezahlen könnten.

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Im durchschnittlichen Modell-Haushalt gehen heute in den meisten Kantonen über 10 Prozent des Einkommens für die Prämien drauf. quelle: bundesamt für gesundheit, monitoring 2014

Geht es nach Maillards Partei sollen die Prämien bald in der ganzen Schweiz auf diese Weise gedeckelt werden. Die Sozialdemokraten brüten aktuell über dem Text einer entsprechenden Volksinitiative. «Unser Fahrplan ist, dass die Delegierten den Initiativtext am Parteitag im Dezember verabschieden können», sagt SP-Gesundheitspolitikerin Barbara Gysi zu watson.

Reine Symptombekämpfung?

Kritiker bezeichnen den Prämiendeckel als reine Symptombekämpfung – an den steigenden Gesundheitskosten ändere die Massnahme nichts. Ausserdem verweisen sie auf das Preisschild, das an der Forderung hängt. Allein in der Waadt werden die Kosten auf 50 bis 60 Millionen Franken jährlich veranschlagt. Gysi verspricht: «Wir haben uns Gedanken dazu gemacht, wie sich die zusätzlichen Prämienverbilligungen sozialverträglich finanzieren lassen.» Zu den Einzelheiten wolle sie derzeit aber noch keine Angaben machen.

Barbara Gysi, SP-SG, spricht waehrend einer Debatte im Nationalrat, waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 7. Dezember 2017 in Bern. (KEYSTONE/Christian Merz)

Barbara Gysi (SP/SG). Bild: KEYSTONE

Auch für die SP sei klar, dass es daneben noch weitere Schritte brauche, um die Kosten im Gesundheitswesen zu dämpfen. «Die Familien, die teilweise über einen Fünftel ihres Einkommens für die Prämien ausgeben, brauchen allerdings jetzt Hilfe – wir können nicht warten, bis die Kostendämpfungsmassnahmen greifen, denn ein Wundermittel gegen die Kostenexplosion gibt es nicht.»

Auch die CVP hat eine Initiative am Start

Die SP ist nicht die einzige Partei, die im Wahljahr mit einer Gesundheitsinitiative auf Stimmenfang gehen will. Die CVP verlangt, dass die Prämien künftig nicht mehr stärker steigen dürfen als die Gesamtwirtschaft und die Löhne. Ab Herbst will sie auf der Strasse Unterschriften für das Volksbegehren sammeln. Politiker aus FDP und SVP pochen derweil auf mehr Eigenverantwortung: Unter anderem sollen höhere Franchisen dafür sorgen, dass sich die Patienten den Gang zum Arzt zweimal überlegen.

Als die Grundversicherung 1994 obligatorisch wurde, formulierte der Bundesrat das Ziel, dass kein Haushalt mehr als acht Prozent seines Einkommens für die Prämien soll. Diese Schmerzgrenze wird heute – mit Ausnahme von Zug (7%), Obwalden und Appenzell-Innerrhoden (8%) – in allen Kantonen überschritten.

Sinken der Prämien «nicht realistisch»

In vielen Haushalten dürften die Krankenkassen-Prämien das Budget heute noch stärker belasten, als dies aus dem Bericht von 2014 hervorgeht. Denn seither sind die Gesundheitskosten weiter angestiegen – und gleichzeitig fuhren viele Kantone ihre Beiträge an die Prämienverbilligungen zurück. Derzeit ist das Bundesamt für Gesundheit (BAG) damit beschäftigt, neuere Daten zur Haushaltbelastung auszuwerten. Wann das Monitoring publiziert wird, ist allerdings noch unklar.

Klar ist: Sinken werden die Prämien nicht mehr. Ein solches Szenario sei «nicht realistisch», sagte BAG-Direktor Pascal Strupler im Frühjahr im watson-Interview. «Die Bevölkerung wird älter, das ist ein Kostentreiber. Auch die Innovationen in der Medizin und in der Pharma sorgen dafür, dass die Kosten weiter steigen.» 

Die Massnahmen, die heute auf dem Tisch lägen, könnten lediglich Luft schaffen und dafür sorgen, dass die Kostenkurve künftig weniger steil ansteigt. 

(jbu)

2018 steigen die Prämien weiter

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • Astrogator 30.08.2018 10:16
    Highlight Highlight " Unter anderem sollen höhere Franchisen dafür sorgen, dass sich die Patienten den Gang zum Arzt zweimal überlegen."
    Hier wird wieder unter dem Deckmantel "Eigenverantwortung" Sozialabbau für alle gefordert.
    Wie wenn jeder wegen allem zum Arzt rennen würde. Jeder der bis anhin schon eigenverantwortlich handelt wird damit bestraft, jeder der chronisch Krank ist wird damit bestraft.

    Es scheint als können wir uns die nächste Unternehmenssteuerreform nicht in der Art leisten wie es sich die Bürgerlichen vorstellen. Steuerreform ohne Ausfälle, dann kann man was für das eigene "Volch".
  • Freddie Quecksilber 30.08.2018 06:51
    Highlight Highlight Wieso kann die Grundversicherung nicht verstaatlicht werden? Wäre doch fairer einfach ein gewissen Prozentsatz seines Lohnes einzuzahlen.
    • stayhome 30.08.2018 12:26
      Highlight Highlight Die Grundversicherung ist bereits „verstaatlicht“. Im Rahmen der Grundversicherung agieren alle Krankenkassen in ihrer Funktion als Behörden.
    • mrgoku 30.08.2018 12:30
      Highlight Highlight weil vor ein paar jahren das volk nein gesagt hat...
  • johny123 30.08.2018 05:43
    Highlight Highlight Erst wenn die Vermittlerprovisionen verboten werden, werden sich die Kosten deutlich senken.
    • mrgoku 30.08.2018 12:31
      Highlight Highlight die vermittlerprovisionen machen ein bruchteil aus.. aber sicherlich ein schritt. verbieten nicht, du arbeitest auch nicht gerne gratis? aber definitiv kürzen
    • Alexander König 30.08.2018 18:09
      Highlight Highlight @droelfmalbumst Keine Provision ≠ Kein Lohn
  • Exodus 29.08.2018 23:13
    Highlight Highlight Wenn die Prämienkosten nicht mehr als 10 % des Einkommen betragen, dann können die Armen oder EL-Bezüger aus der AHV/IV theoretisch die leistungsstärkste/teuerste Krankenkasse wählen.
    Das gilt auch für Rentner ohne EL aber mit einer Rente aus der PK/Privatvorsorge, die aber insgesamt nicht so viel Geld verdienen.
    PS: EL und Sozialhilfegelder zählen nicht als steuerbares Einkommen. Ich weiss nicht, ob für dieses Haushalteinkommen andere Kriterien gibt.
  • Henzo 29.08.2018 22:44
    Highlight Highlight Ich mein ja nur:

    6 min sprechstunde beim arzt.

    Die Rechnung
    CHF 60.- erste 5 minuten
    CHF 60.- weitere 5 minuten
    CHF 60.- letzte 5 minuten


  • Kimelik 29.08.2018 22:20
    Highlight Highlight Hmm... Tönt gut, heisst aber wenn jemand ein tiefes Einkommen hat, wird der Deckel jede lohnerhöhung unsichtbar machen. Das ist etwas speziell. Ebenfalls fragwürdig ist, wie denn die KK gerechnet wird, welche Franchise, werden Leute mit tiefer Franchise belohnt? Ich hoffe nicht!! Abzug der Krankenkosten (Prämie+Kosten) vom Steuerbaren einkommen wenn höher als 5% vom Bauttoeinkommen, wäre besser.
  • N. Y. P. 29.08.2018 22:04
    Highlight Highlight «Die Bevölkerung wird älter, das ist ein Kostentreiber. Auch die Innovationen in der Medizin und in der Pharma sorgen dafür, dass die Kosten weiter steigen.»

    Dass die Bevölkerung älter wird, ist sicherlich ein Kostentreiber.
    Bei der Pharma geht es aber sicher auch ein ganz klein wenig um die Schatullen der Aktionäre. Die wollen gefüllt werden.
  • Zauggovia 29.08.2018 21:50
    Highlight Highlight Das hört sich nach echter Ursachenbekämpfung an....
  • Paedu87 29.08.2018 21:21
    Highlight Highlight Wenigstens wird diese Gaunerei endlich gedeckelt...
    • offspring 30.08.2018 06:32
      Highlight Highlight Ja und die Differenz wird einfach von der Allgemeinheit bezahlt - Top Lösung! *Ironie off*
      Es ist ja nicht so, dass die KK in diesem Kanton einfach sagen: Ah für euch sind die Prämien nun viel tiefer...
  • p4trick 29.08.2018 21:16
    Highlight Highlight Ich Mitte 30 zahle 220 mit Franchise 2500 inkl. Halbprivat Versicherung. Was zur Hölle zahlt ihr denn und für was genau??
    • mrgoku 30.08.2018 12:34
      Highlight Highlight und wo wohnst du?
      was für eine versicherung halbprivat? so dass du 2 spitäler zur auswahl hast?? dann kannst gleich 0.- zahlen dss resultat ist das selbe...
    • p4trick 30.08.2018 13:08
      Highlight Highlight SG Halbprivat bei Sanitas Hospital Extra Liberty freie Arztwahl in anerkannten Spitälern in der ganzen Schweiz. Kostet alleine bereits 55/Monat mit 0 Franchise.
      Assura für die obkigatorische für 175/Monat.
    • mrgoku 30.08.2018 17:24
      Highlight Highlight aha.. assura im kvg. toll nützt dir das HP auch nichts wenn du die KVG kosten zuerst mal selber bezahlen kannst und dann monate auf dein geld warten... prämientechnisch top da günstig, verischerungstechnisch kannst auch gleich ohne da stehen. ist bei assura dasselbe. bleibt zu hoffen dass man nie erkrankt denn sonst merkt man schnell wieso man so wenig bezahlt
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schlingel 29.08.2018 20:59
    Highlight Highlight Einheitskasse...
  • Sharkdiver 29.08.2018 20:56
    Highlight Highlight Schweden hatte als erstes das drg eingeführt und weil erkannt dass es ein blödsinn ist wieder abgeschafft. Deutschland war der nächste und die Kosten sind um etwa 25% gestiegen. Dan kamen die helvetier und Faden das super zum Kosten senken, und o Wunder 2 Jahre später sind die Spitalkpsten über 20% hochgeschnellt 🤮
  • mrgoku 29.08.2018 20:38
    Highlight Highlight prämiendeckel okay. deswegen geht das volk dann weniger zum arzt, damit auch die gesundheitskosten sinken? oder wohee soll die differenz die dann fehlt bezahlt werden? schwachsinn...
    • Sharkdiver 29.08.2018 20:56
      Highlight Highlight Steuer?
    • mrgoku 30.08.2018 12:30
      Highlight Highlight ja und was soll das bringen??
    • Sharkdiver 30.08.2018 14:04
      Highlight Highlight Die Grundversicherung ist eine Sozialversicherung die Assozial per Kopfprämie finanziert wird. Dies bedeutet, dass Kleinverdiener überproportional belastet werden. Nur die AHV/IV hat eine Sozialverträgliche Finanzierung. Und das sage ich als ein nicht Kleinverdiener
  • Posersalami 29.08.2018 20:17
    Highlight Highlight Krass, dann zahlen Familien noch mehr als 10-12% für die KK, weil Leute wie ich den Durchschnitt drücken. Oder zählen 1-Personen Haushalte nicht in die Statistik?

«Chronic fatigue syndrome» – der Kampf gegen eine verkannte Krankheit

Corinne Widmer hat CFS – die meisten Ärzte können die kaum erforschte Erschöpfungserkrankung weder diagnostizieren noch behandeln; viele Mitmenschen tun es als Simulation ab. Der 44-jährigen Betroffenen jedoch reisst CFS den Boden unter den Füssen weg.

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