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Die Zeit der Plastik-Röhrli ist vorbei und das ist gut

Plastikhalm, Röhrli, Roehrli
Plastik-Röhrli gehören wohl bald der Vergangenheit an und das ist gut so.Bild: watson
Kommentar

Röhrli sollen nicht verboten werden, weil sie keinen Unterschied ausmachen? Also bitte ...

Den Plastik-Trinkhalmen – in der Schweiz liebevoll Röhrli genannt – geht es an den Kragen. Nicht alle finden das gut. Die Kritik am Verbot ist aber völlig unbegründet.
15.08.2018, 15:2018.08.2018, 08:50

Die Schlagzeilen zu neuen Plastik-Verboten zum Beispiel bei Starbucks oder sogar im ganzen EU-Raum machen diesen Sommer immer wieder die Runde. An vorderster Front zu finden ist immer wieder das Plastik-Röhrli. Dieses soll bei Starbucks bis 2020 ganz abgeschafft werden.

In der Stadt Neuenburg ist die kleine Plastikware bereits ab Januar 2019 verboten. «Die Restaurants werden Sirups, Frappés und Cocktails künftig mit abwaschbaren oder kompostierbaren Röhrchen aus Stahl, Bambus oder Papier servieren», schrieb die SDA am Tag der Abstimmung. Die EU diskutiert ein komplettes Verbot von Einwegplastik.

Kurz: Dem Plastik-Röhrli geht es an den Kragen. Darüber freuen sich längst nicht alle. «Trinkhalme aus Plastik zu verbieten, ist nur Symbolpolitik», sagte Rudy Koopmans, Leiter des Plastics Innovation Competence Center (PICC) in Freiburg kürzlich in einem Interview im «Tages-Anzeiger». Andere gehen sogar noch weiter: Ein Verbot sei «lächerlich», das Ganze sowieso ein «Nebenschauplatz» oder eine «unnötige Priorität». 

LeChef
Leser-Kommentar von LeChef
19.05.2018 11:58
Eigentlich schön, dass wir es uns diesem Land leisten können, solche unnötigen Prioritäten zu setzen. Aber irgendetwas müssen die Lokalpolitiker ja zu tun haben, wenn sie nicht gerade Velostreifen bewilligen.
Zu: Adé, Röhrli! Neuenburg verbietet als erste Schweizer Stadt Plastik-Trinkhalme

Es gibt also andere Probleme, die sehr viel wichtiger sind? Und darum sollte man Plastik-Röhrli nicht verbieten? Wer dieser Meinung ist, dem sei folgender Artikel empfohlen:

Auch der Vorwurf der «Symbolpolitik» ist unbegründet. Ein watson-User macht sich in einem Kommentar darüber lustig, dass mit dem Röhrli-Verbot in der Stadt Neuenburg «grosszügig gerechnet» nur ein Bruchteil eines Prozents des Kunststoffabfalls eingespart wird.

deleted_600825367
Leser-Kommentar von deleted_600825367
19.05.2018 15:37
Nehmen wir an, von den jährlich 280'000'000'000 kg Kunststoff die produziert werden, wird nun grosszügig gerechnet 1000 kg in Neuchâtel in Form von Trinkhalmen eingespart. Dann macht das also eine stattliche Ersparnis von 0.0000004 Prozent, auf die sechste(!) Stelle nach dem Komma gerundet 0.000000. Und P.S. Es hat Gründe warum man keine Stahlröhrli als Trinkhalm verwendet. 1. kann man sich damit die Zähne ausschlagen und 2. aber darauf käme sicher kein Politiker, wächst Stahl nicht auf Bäumen...
Zu: Adé, Röhrli! Neuenburg verbietet als erste Schweizer Stadt Plastik-Trinkhalme

Erstens macht der Vergleich des Anteils von eingesparten Plastik-Röhrchen aus einer 35'000-Menschen-Stadt mit dem ganzen Kunststoffabfall der Schweiz – hier sind ebenfalls noch 80'000 Tonnen rezyklierbarer Plastik wie PET eingerechnet – einfach keinen Sinn.

Zweitens ergibt sich daraus, auch wenn es eben nur Röhrli sind, eine achtbare Menge Plastikabfall. Hier ebenfalls eine Rechnung: In Grossbritannien werden in einer von der Regierung unterstützen Studie geschätzt, dass 8,5 Milliarden solcher Plastik-Halme jährlich alleine aus dem Fast-Food-Business in England verbraucht, also weggeworfen werden.

Geht man davon aus, dass die Schätzungen ungefähr stimmen, verursachen die verbrauchten Trinkhalmen (0,3 Gramm pro Stück) der Fast-Food-Ketten also 2,5 Millionen Kilogramm Plastikabfall (2500 Tonnen) auf der Insel.

Stapelt man diese 8,5 Milliarden Röhrchen aufeinander, erhält man einen Plastik-Würfel mit einer Kantenlänge von 34 Metern. Damit liesse sich alle sieben Jahre einen unrezyklierbaren Gherkin-Plastik-Turm bauen. Denn das ist das grosse Problem der Plastik-Halme: Sie bestehen zu 100 Prozent aus unrezyklierbarem Plastik.

Alle sieben Jahre könnte man in Grossbritannien einen Gherkin-Turm mit weggeworfenen Plastikhalmen bauen.
Alle sieben Jahre könnte man in Grossbritannien einen Gherkin-Turm mit weggeworfenen Plastikhalmen bauen.Bild: ap

Und hier kommt eben ein entscheidender Punkt dazu: Bei Produkten wie Plastikflaschen ist zumindest ein Nutzen postulierbar aber wer braucht überhaupt Plastik-Röhrli? Was kann nicht aus einem ganz normalen Glas getrunken oder aus einer Schüssel gelöffelt werden? Ich kann mich zum Beispiel nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Plastik-Halm gebraucht habe.

Wann hast du zum letzten Mal aus einem Plastik-Röhrchen getrunken?
An dieser Umfrage haben insgesamt 1739 Personen teilgenommen

Natürlich lässt sich das Abfallproblem der Welt nicht durch ein Trinkhalm-Verbot beheben. Nationale Regelungen in der Schweiz alleine werden auch die Verschmutzung der Weltmeere nicht stoppen.

Aber die Frage ist eben nicht, welcher Anteil des gesamthaften Plastiks lässt sich mit dem Verbot von Trinkhalmen einsparen oder wie viele Wale lassen sich damit retten. Richtig wäre zu fragen, ob wir für ein unnötiges Verbrauchsprodukt einen unrezyklierbaren Abfallberg in Kauf nehmen wollen.

«Kauft kein Plastik» – Formel1 Star säubert Bucht auf Mykonos

Video: watson/nico franzoni

Die fünf grössten Plastiksünder am Mittelmeer

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Die fünf grössten Plastiksünder am Mittelmeer
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quelle: ap/ap / str
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