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«WannaCry»: Nach der Cyber-Attacke boomen Anti-Hacking-Versicherungen

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Bild: RITCHIE B. TONGO/EPA/KEYSTONE

Nach der Cyber-Attacke boomen Anti-Hacking-Versicherungen

Die Bevölkerung fürchtet sich vor der schädlichen Software «WannaCry», die sich derzeit auf tausenden Computern einnistet. Davon profitieren Versicherungen. Mit neuen Cyber-Paketen haben sie einen Nerv getroffen. Der Nutzen dieser Angebote ist jedoch umstritten. 
16.05.2017, 12:1116.05.2017, 14:02

Es ist der weltweit grösste Hackerangriff. Unbekannte haben am Wochenende die schädliche Sofware, die inzwischen den Übernamen «WannaCry» erhalten hat, tausendfach im Netz verbreitet. Der Erpressungstrojaner infiziert einen Computer selbstständig, ohne dass vorher ein Link angeklickt werden muss. Er verschlüsselt die gesamten Daten auf dem Rechner, die nur mit der Bezahlung eines Lösegelds wieder freigegeben werden. 

Zwar konnte die Verbreitung der Software vorläufig gestoppt werden, doch Experten gehen davon aus, dass es bald eine zweite Welle des Angriffes geben könnte.

Für die Nutzer sind solche Attacken ein Albtraum. Das wissen auch Versicherungsunternehmen. Mit sogenannten Cyber-Versicherungen wollen sie im Falle von Internet-Kriminalität Abhilfe verschaffen. 

Steigendes Interesse für Cyber-Versicherungen nach Hackerangriff

Erst vor zwei Monaten brachten die Basler Versicherungen in der Schweiz die erste Cyber-Versicherung für Privatpersonen auf den Markt. Seither boomen solche Angebote. Für 60 Franken im Jahr kann sich eine Einzelperson gegen die Folgen von Kreditkarten- oder Datenmissbrauch, Betrug beim Online-Shopping, Viren und Trojanern, Cyber-Mobbing, Identitätsdiebstahl oder Sexting schützen. Inzwischen haben auch die Mobiliar und die AXA Winterthur mit einem eigenen Cyber-Versicherungspaket nachgezogen. 

Die neusten Hacker-Angriffe führen zu einem Run auf die Produkte. Patrick Pensa, Sprecher der Basler Versicherungen sagt: «Es gibt eine gestiegene Nachfrage nach dem Produkt. Zudem stellen wir einen Anstieg der Suchanfragen nach ‹Cyber› auf unserer Homepage fest.» Man spüre, dass viele Personen von Cyber-Attacken gehört haben oder schon selbst betroffen waren. «Fast jeder hat schon einmal eine Fake-Anfrage auf Facebook erhalten oder ein Phishing-Mails Mail», sagt Pensa.

Auch bei der AXA Winterthur heisst es auf Anfrage, dass nach «WannaCry» mehr Anfragen von Kunden eingingen, als sonst. Man gehe davon aus, dass die Nachfrage künftig noch deutlicher ansteigen werde, als dies seit der Lancierung des Leistungspakets der Fall gewesen sei.

Dasselbe bei der Mobiliar. Die Abschlussquote habe sich seit der Lancierung des Cyber-Schutz-Pakets erfreulich entwickelt, so die Mitteilung der Medienstelle.

Experten rümpfen die Nase

Bei Experten sind solche Versicherungsangebote jedoch umstritten. Jean-Claude Frick, Digitalexperte beim Internetvergleichsdienst Comparis, sagt: «Gegen ‹WannaCry›, kann auch eine Cyber-Versicherung nichts ausrichten.»

Die Versicherung könne nur die Kosten übernehmen, die ein Schaden verursache. Werden bei einem Angriff Daten auf dem Computer verschlüsselt oder gelöscht, löse das keine Kosten aus, sondern richte hauptsächlich einen Reputationsverlust an. «Die Leute versprechen sich von einer Cyber-Versicherung viel und wähnen sich in einer falschen Sicherheit», sagt Frick. 

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Das grösste Risiko im Cyber-Space birgt laut Frick der Kartenmissbrauch. Doch deswegen brauche es nicht extra eine Cyber-Versicherung. Meist decke bereits die normale Haftpflicht solche Schäden ab. Bei Viren und Trojanern könne eine Versicherung bestenfalls die Kosten übernehmen, um einen Computer nach dem Angriff neu aufzusetzen.

Und auch was die Absicherung bei Persönlichkeitsverletzung betrifft, ist Frick kritisch. Zwar könne ein Anwalt besser erwirken, dass kompromittierende Fotos im Netz gelöscht werden. Doch mit Facebook oder Google zu verhandeln, könne Jahre dauern. «Und zuletzt bin ich immer noch der Meinung: Was einmal im Internet ist, bleibt auch im Internet», sagt Frick.

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So sieht der Bildschirm aus, wenn der Computer mit der «WannaCry»-Software infisziert ist.Bild: RITCHIE B. TONGO/EPA/KEYSTONE

Volker Birk, Pressesprecher beim Chaos Computer Club Schweiz hält von Cyber-Versicherungen nicht viel. Privatpersonen empfiehlt er etwas anderes, um sich gegen Hacker-Angriffe zu schützen: Backups. «Hat man eines, kann der Computer einfach zurück gesetzt und die Daten wieder eingespielt werden», sagt er.

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