Schweiz
International

Fall Skripal: OPCW weist Moskaus Giftgas-Vorwurf zurück

Der Virologe Marc Strasser arbeitet im Schutzanzug an einer Virusanzucht am Sicherheitswerkbank im Biosicherheitslabor, am Mittwoch, 19. November 2014, im Labor in Spiez. Im biologischen Hochsicherhei ...
Das Labor in Spiez ist unter anderem auch auf die Untersuchung von chemischen Kampfstoffen spezialisiert. Bild: KEYSTONE

Wie die Russen ein Schweizer Labor vorschoben, um sich aus der Skripal-Affäre zu ziehen

Die Russen sagen, das Labor in Spiez habe Beweise, dass der Westen am Angriff auf den Ex-Spion Skripal beteiligt gewesen ist. Jetzt weisen die Schweizer diese Darstellung vehement zurück. Die wichtigsten Fakten im Überblick.
19.04.2018, 00:0819.04.2018, 06:16

Der Angriff und die Untersuchung

Nach der Giftattacke auf den früheren russischen Doppelspion Sergej Skripal und dessen Tochter Julia, hat die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) die Untersuchung des verwendeten Kampfstoffes angeordnet. 

Vier Vertrauenslabors erhielten daraufhin Blutproben von Skripal und Julia wie auch Umweltproben aus deren Umgebung. Um welche Labors es sich dabei handelt, wird geheim gehalten. 

epa06623860 Army officers remove the bench, where Sergei Skripal and his daughter were found, in Salisbury, Wiltshire, Britain, 23 March 2018. Former Russian spy Sergei Skripal, who lived in Salisbury ...
Auf dieser Bank wurde der Ex-Spion und dessen Tochter Julia am 23. März ohnmächtig aufgefunden. Bild: EPA/EPA

Am Donnerstag vor einer Woche veröffentlichte die OPCW schliesslich einen Bericht, wonach Skripal und seine Tochter mit einem militärischen Nervenkampfstoff vergiftet wurde. Die Organisation erwähnte dabei Russland nicht explizit. Jedoch hat sie die Aussage vonseiten Grossbritannien bestätigt, wonach bei dem Angriff der Stoff Nowitschok verwendet wurde. Dieser wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt. 

Das Labor in Spiez und der Vorwurf aus Russland

Das Labor in Spiez ist auf die Untersuchung von chemischen Kampfstoffen spezialisiert. Es ist kein Geheimnis, dass es zu einem der 20 Vertrauenslabors der OPCW gehört. Ob es jedoch eines der vier Labors war, die mit  der Untersuchung des Falls Skripal betraut wurde, ist nicht bekannt. 

Nun ist um das Schweizer Labor ein internationaler Streit entbrannt. Nachdem die OPCW den Bericht über die Untersuchung des Gifts veröffentlicht hatte, meldete sich der russische Aussenminister Sergei Lawrow zu Wort. Er warf der Organisation vor, den Bericht manipuliert zu haben. 

Russian Foreign Minister Sergey Lavrov arrives for talks over Iran's nuclear programme at the airport in Geneva Switzerland, Friday, 22 November 2013. Six world powers and Iran have narrowed gaps ...
Der russische Aussenminister Sergei Lawrow. Bild: POOL KEYSTONE

Das Labor in Spiez habe nebst dem Nervengift Nowitschok auch Spuren des Kampfstoffs BZ gefunden. Und dieser sei stets nur im Westen und noch nie von Russland verwendet worden. Im Bericht der OPCW werde diese Information unterschlagen, so Lawrow. 

Worauf sich der Aussenminister mit dieser Aussage abstützte, ist unklar. Er selbst sagte, ihm lägen «vertrauliche Dokumente» aus der Schweiz vor. Gleichzeitig verbreitete sich die Theorie um die Untersuchung im Spiezer Labor auf ominösen Webseiten. 

Die Reaktion der Schweizer

Das Labor in Spiez reagierte auf Twitter auf den Vorwurf des russischen Aussenministers. Es schrieb, nur die OPCW könne die Aussage von Lawrow kommentieren. «Wir können nur wiederholen, was wir bereits von zehn Tagen sagten: Wir haben keinen Zweifel daran, dass Porton Down (Forschungseinrichtung in England, Anm. d. Red.) den Kampfstoff Nowitschok identifizieren konnte.» 

Die Schweizer Repräsentantin bei der OPCW, Nadine Olivieri Lozano sagte, ein Analysebericht, wie er vom russischen Aussenminister zitiert wurde, würde in Wirklichkeit nie in der zitierten Form und Sprache abgefasst.

Für sie sei unverständlich und inakzeptabel, wie Lawrow eine solche Aussage machen könne. Zudem würden Vertraulichkeitserklärungen zwischen der OPCW und den Laboren die Unparteilichkeit der Analysen sicherstellen.

Lozano rief Russland zur vollständigen Zusammenarbeit in dem Fall mit den britischen Behörden auf. Russland müsse berechtigte Fragen beantworten und zur Klärung des Falles beitragen.

Die Reaktion der OPCW und der Uno

Auch der OPCW-Chef Ahmet Üzümcü wies am Mittwoch in Den Haag Darstellungen Moskaus als falsch zurück, wonach das Labor Spiez Spuren eines westlichen Giftes entdeckt hatte. «Es gab keine andere Chemikalie, die von den Labors identifiziert wurde», sagte Üzümcü.

FILE - In this Oct. 11, 2013 file photo, Director General of the The Organization for the Prohibition of Chemical Weapons Ahmet Uzumcu comments on the organization being awarded the Nobel Peace Prize, ...
OPCW-Chef Ahmet Üzümcü.Bild: AP/AP

Russland kenne die Prozedur rund um die Kontrollproben «ganz genau», sagte auch die britische Uno-Botschafterin Karen Pierce im Uno-Sicherheitsrat, wo sie sich mit dem russischen Uno-Botschafter Wassili Nebensja erneut einen Schlagabtausch lieferte. Dem russischen Aussenminister Lawrow warf sie ebenfalls «absichtliche Verwirrung» vor. Nebensja warf London im Gegenzug «Lügen und Mutmassungen» vor. 

(mit Material von der sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Rubio: Abzug von US-Bombern keine Reaktion auf Terrordrohung
Der Abzug der US-Langstreckenbomber von einem Militärstützpunkt in Grossbritannien steht laut US-Aussenminister Marco Rubio nicht in direktem Zusammenhang mit mutmasslichen Terrordrohungen.
Zur Story