Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Frauen, Sexuelle Gewalt, Häusliche Gewalt, Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigung, Missbrauch

Jede dritte Frau wird Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. Doch die wenigsten sprechen darüber. Bild: shutterstock

Warum Opfer von sexueller Gewalt so oft schweigen – eine Trauma-Expertin im Jahresgespräch

Der US-Bundesrichter Brett Kavanaugh, Fussballer Cristiano Ronaldo, die Attacke von Genf: Das Tabuthema sexuelle Gewalt gegen Frauen hat dieses Jahr den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Im Interview erklärt die Psychotraumatologin Rosmarie Barwinski, warum das so wichtig ist.



Frau Barwinski, die MeToo-Bewegung hat einiges in Gang gesetzt. 2018 war das Jahr, in dem sexuelle Gewalt gegen Frauen vermehrt in einer breiten Öffentlichkeit thematisiert wurde. Wie beobachten Sie diese Entwicklung?
Rosmarie Barwinski:
Es findet eindeutig eine Diskursverschiebung statt. Dieses Jahr war richtiggehend eine Aufbruchstimmung spürbar. Die weibliche Sexualität wird positiv thematisiert. Wird heute eine Frau zum Objekt degradiert, löst das in der Öffentlichkeit zunehmend eine Empörung aus. Das ist gut so.

Als Psychotraumatologin stehen Sie in nahem Kontakt zu Opfern von sexueller Gewalt. Findet diese Veränderung Eingang in Ihre Praxis als Therapeutin?
Ich nehme schon wahr, dass die Debatte den Frauen zu mehr Selbstbewusstsein verhilft. Eine wichtige direkte Folge der Debatte ist, dass sexuelle Übergriffe nicht mehr bagatellisiert werden. Wenn eine Frau spürt, dass da etwas nicht mehr in Ordnung ist, soll sie und ihr Umfeld das ernst nehmen. Die MeToo-Debatte hat es geschafft, da etwas in Bewegung zu bringen. Das sehe ich als echten Erfolg.

Bild

Rosmarie Barwinski in ihrer Praxis in Winterthur.  bild: watson

zur Person 

Rosmarie Barwinski ist seit dreissig Jahren als Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin tätig. Sie leitet das Schweizer Institut für Psychotraumatologie in Winterthur. An der Universität Köln unterrichtet sie als Privatdozentin. 

Zwei Frauen haben dieses Jahr vor der Weltöffentlichkeit Vergewaltigungsvorwürfe publik gemacht. In beiden Fällen, jenem um US-Bundesrichter Brett Kavanaugh und demjenigen um den Fussballer Cristiano Ronaldo, wurde den Frauen Effekthascherei vorgeworfen.
Es geschieht eben genau das, wogegen die MeToo-Bewegung zu kämpfen versucht: Fälle von sexualisierter Gewalt werden bagatellisiert, die Frauen als unglaubwürdig abgestempelt. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie sich wichtig machen wollen. Ansonsten würden sie sich doch nicht erst jetzt, so viele Jahre nach der begangenen Tat an die Öffentlichkeit wenden. Dabei ist das doch genau Teil des Problems.

Im Fall von Kavanaugh liegt der ihm angelastete Übergriff über 30 Jahre zurück, bei Ronaldo soll es vor zehn Jahren zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Warum wenden sich die Frauen so spät an die Öffentlichkeit?
Ein sexueller Übergriff ist etwas Traumatisches. Ein Opfer muss zuerst einmal realisieren, was einem da passiert ist. Oft findet nach einer Vergewaltigung eine sogenannte Wahrnehmungsabkehr statt. Oder es kommt gar zu einer Art Amnesie. Es kann sein, dass ein Opfer nichts mehr von dem Übergriff weiss. Es kann aber auch sein, dass es zwar weiss, was passiert ist, dies vom Kopf her beschreiben kann, aber die Gefühle wie abgespalten sind. Nur schon, dass ein Opfer selbst mit dem Erlebten zurecht kommt, braucht häufig viel Zeit.

«Lieber ist man schuldig als hilflos. Diese Hilflosigkeit, dass man zum Opfer geworden ist, das ist ein unerträgliches Gefühl.»

Und dieser Prozess kann so viele Jahre andauern?
Die Abwärtsspirale geht noch weiter. Wenn ein Opfer erst mal realisiert hat, was genau vorgefallen ist, kommt es häufig zu einer Täter-Opfer-Umkehrung. Das heisst, dass sich ein Opfer selbst die Schuld an dem Übergriff gibt und Dinge denkt wie: «Wäre ich doch nicht um diese Uhrzeit noch aus dem Haus gegangen» und so weiter.

Woher rührt dieser Mechanismus?
Lieber ist man schuldig als hilflos. Diese Hilflosigkeit, dass man zum Opfer geworden ist, das ist ein unerträgliches Gefühl. Wenn man sich die Verantwortung gibt, handlungsfähig zu sein, kommt man ein Stück weit aus der Ohnmacht heraus. Das gibt einem ein illusorisches Sicherheitsgefühl, weil man denkt, man hätte den Übergriff tatsächlich verhindern können.

Oftmals erzählen Vergewaltigungsopfer nicht mal ihrer nächsten Bezugsperson, was ihnen passiert ist. Warum?
Aus Scham. Das klingt paradox, doch viele Opfer von sexualisierter Gewalt schämen sich dafür, dass ein anderer Mensch sie derart behandelt hat. Sie fühlen sich zum Objekt degradiert und ihr Selbstwertgefühl ist zutiefst verletzt. Es ist also ein weiter, beschwerlicher Weg, den ein traumatisiertes Opfer von sexueller Gewalt gehen muss, bevor es den Schritt in die Öffentlichkeit wagen kann. Denn wenn es dies tut, muss es psychisch so stabil sein, um den damit verbundenen Druck aushalten zu können.

Wenn sich Opfer an die Öffentlichkeit wenden, sind sie extremer Kritik ausgesetzt. Warum ist ihnen der Gang an die Öffentlichkeit nach so vielen Jahren so wichtig, dass sie dies in Kauf nehmen?
Weil bei den Betroffenen – wie bei allen Menschen – ein ganz tiefer Wunsch nach Gerechtigkeit vorhanden ist. Wenn so etwas passiert ist, geht es bei den Opfern darum, das eigene Selbst- und Weltbild wieder in Ordnung zu bringen. Der Täter soll öffentlich als Täter gesehen werden und das eigene «Opfer–Sein» soll öffentlich anerkannt werden.

«Es ist nicht toll, Opfer zu sein. Unter Jugendlichen ist ‹Opfer› ein Schimpfwort.»

Dieses «Opfer-Sein» ist im Zuge der MeToo-Debatte allerdings auch kritisiert worden. Die deutsche Philosophin Svenja Flasspöhler argwöhnte, man dränge die Frauen mit dem ständigen Opferdiskurs in eine passive Rolle.
Nun, es ist ja auch nicht toll, Opfer zu sein. Unter Jugendlichen ist «Opfer» ein Schimpfwort. Opfer zu sein bedeutet, zu einer bestimmten Kategorie dazuzugehören. Kein Mensch will das. In der Psychotraumatologie spricht man deshalb davon, dass man zum wehrfähigen Opfer wird. Daraus entstand der Ausspruch: «I'm not a victim, I'm a survivor.» (Anm. d. Red.: «Ich bin kein Opfer, ich bin Überlebende»).

Doch bleibt nicht auch ein wehrfähiges Opfer zuletzt doch Opfer?
Aber das ist kein passiver Zustand und darum geht es. Wird der Opfer-Status anerkannt, kann man wieder zu Kraft kommen und sich wehren.

Gemäss Studien geht man davon aus, dass in Europa jede dritte Frau Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt wird. Die Dunkelziffer ist bei Sexualdelikten extrem hoch, nur rund zwanzig Prozent der Frauen zeigen ihre Peiniger an. Warum?
Einerseits wegen der bereits genannten Mechanismen, die sich nach einem traumatischen Erlebnis in Gang setzen. Die Frauen finden die Kraft gar nicht, bei einer polizeilichen Befragung das Erlebte wieder und wieder durchzuspielen. Andererseits bringt die juristische Klärung nicht automatisch auch Gerechtigkeit. Zudem stammen die Täter in den allermeisten Fällen aus dem nächsten Umfeld ihrer Opfer, was den Schritt zu einer Anzeige erschwert.

«Dadurch, dass man die Täter und die Opfer in eine bestimmte Gruppe verlagert, also die Ausländer, welche die Frauen in den kurzen Röcken bedrängen, fühlt man sich sicher.»

Weshalb?
Wenn der Täter eine nahe Bezugsperson ist, der Partner, ein Elternteil, ein Verwandter, und man realisiert, dass einem der Mensch, den man am meisten liebt, so etwas antun kann, dann zerreisst das einen. Das Innere ist tief gespalten. Ein Teil weiss, was passiert ist, ein anderer Teil streitet ab, verleugnet, weil die Liebes- und Beziehungswünsche bestehen bleiben. Es kommt wieder zu dieser Täter-Opfer-Umkehrung. Aber nicht nur aus Hilflosigkeit, sondern auch um den Täter zu schützen.

Wird über sexuelle Gewalt gegen Frauen gesprochen, so geht dies oft mit einer Diskussion über Ausländer einher. So geschehen diesen Sommer beim Fall von Genf, wo fünf Frauen brutal von einer Gruppe Männer verprügelt wurde. Warum liegt der Reflex, die fremde Kultur zu bezichtigen, so nah?
Weil so ein illusorisches Sicherheitsgefühl aufrecht erhalten wird. Hätten wir das nicht, würden wir uns ja nicht mehr auf die Strasse trauen. Es könnte jederzeit und überall etwas passieren. Dadurch dass man die Täter und die Opfer in eine bestimmte Gruppe verlagert, also die Ausländer, welche die Frauen in den kurzen Röcken bedrängen, fühlt man sich sicher. Denn man selbst ist ja Schweizer und würde so etwas nie machen. Und anständig angezogen wird einem so etwas auch nicht passieren.

Kritiker würden antworten, dass statistisch gesehen sexualisierte Gewalt in gewissen Kulturkreisen häufiger vorkommen.
Man kann nicht verleugnen, dass in bestimmten Kulturen Gewalt und sexuelle Gewalt gegenüber Frauen mehr toleriert wird. Innerhalb einer Asyldebatte sollte so etwas thematisiert werden. Aber ich finde es falsch, die zwei Diskussionen miteinander zu vermischen. Das wird schnell polemisch und ist kontraproduktiv. Die Frage ist doch: Wie geht unsere Gesellschaft generell mit sexualisierter Gewalt um? Darauf mit einer Ausländerquote zu antworten, bringt meiner Meinung nach nichts.

«Ich finde es schon ziemlich unglaublich, dass heute eine Frau und ein Mann in derselben Position noch immer nicht gleich viel verdienen.»

Das Jahr 2018 neigt sich zu Ende. Sie sagen, es hat sich einiges getan. Wo besteht noch Handlungsbedarf?
Die ganze Debatte um MeToo und sexualisierte Gewalt gegen Frauen hat zur Folge, dass Frauen selbstbewusster auftreten und endlich ein paar dringende Anliegen auf den Tisch gebracht haben. So finde ich es schon ziemlich unglaublich, dass heute eine Frau und ein Mann in derselben Position noch immer nicht gleich viel verdienen. Dass solche Diskussionen den Weg in die Öffentlichkeit finden, ist gut und auch im neuen Jahr dringend notwendig.

Sind Frauen selbst schuld, wenn ihnen Gewalt angetan wird? Diese Schlagzeilen implizierten dies

Eklat am Ballon d'Or: Twerk-Frage löst Shitstorm aus

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

47
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
47Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Anne Who 31.12.2018 13:07
    Highlight Highlight Ich glaube, ein weiterer Punkt ist in der zu milden Bestrafung zu sehen. Wenn jemand, der z. B. Steuern hinterzogen hat, länger im Knast sitzt, als ein solcher Triebtäter, frage ich mich schon, wieviel der Mensch wert ist. Siehe aktuell Strafmass für den Mann, der seinen Neffen 14 J. mehrfach missbrauchte. Auch im Hinblick darauf, diese Täter „therapieren“ zu wollen fehlt mir die Weitsicht. Viele können schlicht nicht therapiert werden.
  • RalpH_himself 31.12.2018 12:34
    Highlight Highlight Menschen gehen mit ihren Erlebnissen dann an die Öffentlichkeit, wenn der Nutzen (verhindern dass andere Menschen unter dem selben Täter leiden) den eigenen Schaden (Stigmatisierung, öffentlich lächerlich gemacht werden, für immer als Opfer gebrandmarkt bleiben) überwiegt. Dies ist ein persönliches Abwägen und hängt massgeblich vom sozialen Umfeld - also unserer Gesellschaft - ab. Der Fall Kavanaugh war ein Paradebeispiel davon, der resultierene Nutzen war null (er wurde trotzdem gewählt), so werden wir die Situation niemals verbessern können.
    • rodolofo 31.12.2018 14:33
      Highlight Highlight Der Nutzen war grösser, als Null!
      Allen, die es auch sehen wollen, wurde klar, wie unverfroren und skrupellos die vorherrschende Macht der "Weissen Herren" über die Vergehen eines ihres Richter-Kandidaten hinweg marschierten.
      Rassisten, Chauvinisten und Sexisten der Republikaner wählten einen passenden Obersten Richter für einen faschistoiden Unrechts-Staat der Zukunft!
      Die Zuspitzung des sadistischen Machtspiels verdeutlichte also, wie die Verhältnisse effektiv sind!
      Und das schärft die Sinne und die Entschlossenheit, solchen Typen endlich mal so richtig in die Eier zu treten!
    • WerWillSchonStringenzUndSachkenntnis 31.12.2018 18:08
      Highlight Highlight Der Gedanke, dass die Anschuldigung erfunden waren, scheint dir fremd zu sein.
      Lieber Lynchjustiz als ein echter Rechtsstaat, in welchem Schuldsprüche RichterInnen vorbehalten bleiben, wenn es echte Beweise oder starke Indizien gibt?
    • Echo der Zeit 31.12.2018 18:42
      Highlight Highlight Markus Zangger ist für mich ein Held. Die sache um Harvey Weinstein entwickelt sich auch ähnlich wie bei Dominique Strauss-Kahn - würde mich nicht wundern wenn der auch mit einem Blauen Auge davon kommt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Saaba 31.12.2018 11:34
    Highlight Highlight Im DokumentarFilm #female pleasure wird eindrücklich aufgezeigt wie Frauen weltweit von Geburt an als minderwertig, unrein und schuldig betrachtet werden. Zum Glück setzen sich Männer und Frauen weltweit dafür ein, dass sich das ändert. Dann wird es auch einfacher werden, sich gegen sexuelle Gewalt zu wehren.
    Play Icon
  • rodolofo 31.12.2018 11:32
    Highlight Highlight Gewisse Typen gehen wie selbstverständlich davon aus, dass Andere ihren Wünschen zuzudienen hätten.
    Das sind die "Führungspersönlichkeiten", wie "Der Chef", oder "Der Starke Mann".
    Die fallen meist aus allen Wolken, wenn ihnen jemand sagt: "Nein, das will ich nicht! Ich habe ANDERE Wünsche und Ziele!"
    Dann folgt bei diesen Narzissten ohne Mitgefühl die Phase, wo sie "sich durchsetzen" wollen und wo sie versuchen, "es" zu erzwingen.
    Doch damit machen sie alles kaputt!
    Ich wünsche allen Opfern, dass sie die Kraft haben, sich zu wehren, zurückzuschlagen und ihre Peiniger zu erledigen!
  • Toni.Stark 31.12.2018 11:12
    Highlight Highlight Es geht nicht darum, dass es nicht schlimm ist, sondern, dass es in der ganzen Debatte die Tatsache der Falschanschulsigung eben auch berücksichtigen muss.
    • dorfne 31.12.2018 14:21
      Highlight Highlight Falschanschuldigen gibt es! Sie werden ausgeglichen durch die Männer, die der Vergewaltigung angeklagt und dann freigesprochen werden, weil Aussage gegen Aussage steht. Aber ich sage: jede Frau, die einen Mann zu Unrecht anzeigt ist selber eine Täterin mit miesem Charakter.
    • Burdleferin 31.12.2018 14:42
      Highlight Highlight Mir kommen die Tränen...
  • Echo der Zeit 31.12.2018 11:06
    Highlight Highlight Mir fehlen hier die Männlichen Opfer - es wird gerne vergessen das es auch die Treffen kann. Das es auch Frauen gibt die Täterinnen sind. Männliche Opfer haben es schwer - auch mit dem Umgang, mit der Opfer Rolle um sich Aufmerksamkeit und Hilfe zu Holen/Fordern.
    Das Thema bezüglich Kulturkreis finde ich Hochinteressant - wenn in Kulturen die Stellung der Frau sich verändert - verändert sich oft auch anders zum Guten. Auch die Sexualisierung in unserem Kulturkreis - in einer Behinderten Werkstätte hängt ein PIN UP Kalender - hat auch Missbrauchsopfer, aber wenn interessierts.
    • überflüssig 31.12.2018 11:44
      Highlight Highlight mir fehlt bei deinem kommentar das mitgefühl

      es ist, wie es ist. wahrheit, x-fach bestätigt. und hier für einmal fundiert und vertieft darüber berichtet.

      ich denke, der raum dafür ist gerechtfertigtund müsste nicht angezweifelt werden.

      anderes kann zu einem anderen zeitpunkt thematisiert werden.
    • Echo der Zeit 31.12.2018 13:23
      Highlight Highlight Was wird hier angezweifelt ? was sollte zu einen andern Zeitpunkt thematisiert werden ? Ich habe auch schon mit Missbrauchs Opfern zu Tun gehabt und in auch schon selber erlebt - und Bezüglich Mitgefühlt - da kenne ich Therapeutinnen die in ihrer Mitgefühls Rolle Richtig aufgeblüht sind - nur dem Opfer hats nicht viel gebracht.
    • lucasm 31.12.2018 14:09
      Highlight Highlight Wieso ist sexuelle gewalt an männern "anderes" und kann zu einem anderen zeitpunkt thematisiert werden? Wieso darf man nicht sagen, dass egal wer sexuelle gewalt erlebt hilfe benötigt und die auch bekommen soll? Das ständige hochhalten von mann=täter macht es männlichen opfern noch schwieriger, als es weibliche opfer bereits haben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Geli 31.12.2018 10:47
    Highlight Highlight Es gibt viel zu wenig Thrauma-Therapeutinnen u -Therapeuten.
    Es würde helfen, wenn auch gut ausgebildete Psychologinnen u Psychologen direkt über die Grundversicherung abrechnen könnten!
    • Asmodeus 31.12.2018 12:14
      Highlight Highlight Tun sie doch.

      Meine Psychiaterin wird von der Krankenkasse bezahlt.
    • Burdleferin 31.12.2018 14:45
      Highlight Highlight Meiner auch.
    • Stirber 31.12.2018 17:18
      Highlight Highlight @Asmodeus: Das stimmt, Psychiater/innen werden von der Grundversicherung bezahlt. Um Psychiater zu werden braucht man allerdings ein Medizinstudium. Hingegen Psychologen/Psychologinnen werden nicht von der Grundversicherunge bezahlt, sondern nur von Zusatztversicherungen, da ein Psychologe "nur" ein Psychologiestudium hat.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Walter Sahli 31.12.2018 10:19
    Highlight Highlight Die Frage, "Warum erst nach 30 Jahren?" wird idR. nur Frauen gestellt.
    Wenn Männer nach 30 Jahren Missbrauch durch Priester, Pfärrer oder Pädagogen an die Öffentlichkeit bringen, werden sie als Helden gefeiert und niemand zweifelt ihre Aussagen an oder unterstellt ihnen, sie würden nur Aufmerksamkeit und Geld wollen.
    • Asmodeus 31.12.2018 12:14
      Highlight Highlight Nur weil bei Pfarrern der Verdacht "Kinderschänder" immer vorhanden ist im Unterbewusstsein.

      Sieh Dir die Reaktionen an bei Kevin Spaceys Übergriffen.

      Nix mit "Helden"
  • Asmodeus 31.12.2018 09:41
    Highlight Highlight EIGENTLICH ein guter Text.

    Aber als männlicher Survivor stösst mir übel auf, dass nur über Frauen als Opfer gesprochen wird.
    Gerade somit beweist der Text aber auch, wieso man nicht über das Erlebte spricht und es selbst verdrängt.

    Es wird einem nicht geglaubt. Man wird als Lügner und Opportunist dargestellt.
    Oder man bildet sich ja nur etwas ein oder reagiert über.

    Man siehe auch die Reaktion vieler Männer auf die MeToo-Bewegung.

    Die Opfer sind garantiert und ausnahmslos alles Lügner die den reichen Männern nur schaden wollen um Geld zu verdienen. Die Alternative ist für manche undenkbar.
  • Kronrod 31.12.2018 09:30
    Highlight Highlight Es hilft natürlich auch nicht, wenn die Opfer politisch instrumentalisiert werden. ZB haben die Demokraten den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Anschuldigungen gegen Kavanaugh so gewählt, dass das grösstmoglichste Drama entsteht. Das hat zwar möglicherweise bei den Midterms geholfen, hat aber auch Trump die Möglichkeit genommen, ohne grossen Gesichtsverlust einen anderen Richter vorzuschlagen.
    • Mutzli 31.12.2018 12:38
      Highlight Highlight @Kronrod

      Ach was. Weder war Blasey-Ford "die Demokraten" noch war das jetzt ein super durchgeplanter PR-Coup.

      Wann hätten denn die Anschuldigungen publik gemacht werden sollen, wenn nicht zum Zeitpunkt der Nomination? Blasey-Ford hat ja verständlicherweise entschieden, dass ganze nur auf sich zu nehmen, um zu verhindern, dass so einer Bundesrichter wird.

      der Vorschlag durch Trump war ja sogar für Republikaner eine Überraschung, da er zuunterst auf der Liste der möglichen Kandidaten stand. Den Vorschlag zurückziehen hätte er jederzeit können, Obama musste schliesslich auch zig nominieren.
    • Kronrod 31.12.2018 12:53
      Highlight Highlight Blasey-Ford ging zu den Demokraten, und diese haben mit der Veröffentlichung aus politstrategischem Gründen ein paar Wochen zugewartet. Wenn es nur darum gegangen wäre, einen Richter zu verhindern, gegen den solche Anschuldigungen vorliegen, dann hätten die Demokraten sich damit umgehend an Trump wenden sollen und dieser hätte dann einen Rückzieher machen können. Aber die Priorität der Demokraten war eine andere, nämlich grösstmögliches politisches Kapital aus der Sache zu schlagen.
    • Mutzli 31.12.2018 15:47
      Highlight Highlight @Kronrod

      Wie gesagt: Für Blasey-Ford war es gemäss ihr nur wert, sich dem Stress und Anfeindungen der Öffentlichkeit auszusetzen, falls das reale Risiko bestehen würde, dass Kavanaugh gewählt wird.

      Was Sie dann ja auch gemacht hat. Von Seite der Demokraten war die Verzögerung dadurch bedingt, dass Senatorin Feinstein die Identität Fords so lange wie möglich schützen und die Anschuldigungen zuerst untersuchen und abprüfen wollte.

      Trump hätte immer noch ohne jeden Gesichtsverlust einfach einen anderen von seiner Liste nehmen können; wäre im Gegenteil ja sogar eine Geste von Gutmut gewesen.
  • Nibu 31.12.2018 09:23
    Highlight Highlight ...man erzählt es irgendwann jemandem, der findet es jedoch nicht soo schlimm. Danch denkt man, ok, vielleicht war es nicht schlimm.

    ...man erzählt Ahnungen, weil man Teile eben verdrängt hat, einer Therapeutin, die findet es jedoch nicht so schlimm.

    ...man trifft sonst auf Therapeuten, bei denen man retraumatisiert herauskommt.


    ...man hat lange Wartezeiten bei einer Psychologin und dann wird der Termin abgesagt bzw. Wochen verschoben. Tja, dann bleibt einem nichts anderes übrig als weiterhin bzw. wieder zu verdrängen.
    • Ale Ice 31.12.2018 09:38
      Highlight Highlight ...man hört vom Täter, es würde einem eh niemand glauben.

      ...man trägt die Last allein.

      ...irgendwann traut man sich doch, jemandem davon zu erzählen.

      ...jemand glaubt einem nicht.

      ...jemand fragt, ob man nicht selbst dran schuld sei - zumindest ein wenig.

      ...man trägt die Last weiterhin allein.

      ...man verlagert die Last, indem man sich selbst ein wenig die Schuld gibt.

      ...und trägt sie allein.

      ...und jeder Tag ist ein Tag zu viel.
    • Ylene 31.12.2018 10:59
      Highlight Highlight ... sie bieten dir zwar an, mit dir zur Polizei zu gehen, lassen aber durchblicken, dass sie das lieber nicht machen würden, weil zeitaufwändig und wahrscheinlich glauben sie einem dann eh nicht
      ... sie weisen darauf hin, dass der Täter als Kind sexuell missbraucht wurde und deshalb sowieso ein armer Kerl ist.
      ... man sagt sich, dass es ja keine körperlichen Langzeitschäden gab
      ... man verdrängt es dann halt irgendwie so gut es geht
      ... man vertraut Menschen (besonders Männer) grundsätzlich nicht mehr, weil man sich nicht nochmals schrecklich in Menschen täuschen will.
    • waschbär 31.12.2018 12:29
      Highlight Highlight ...oder es heisst „erzähl das doch mal dem papi“ nachdem man tagelang um die richtigen worte gekämpft hat. Aber dem papi erzählt man es dann nicht, weil aller mut schon aufgebraucht ist.
      ...und dann sieht man genau diese jungs im schwimmbad, rennt zu den eltern und erwartet, dass man jetzt beschützt wird - aber es heisst nur „pssst, die leute gucken schon!“
    Weitere Antworten anzeigen
  • Nelson Muntz 31.12.2018 09:21
    Highlight Highlight Ein Bekannter wurde mit 15 von einer Ü30 Jährigen missbraucht, aber solche Fälle werden ja erst recht totgeschwiegen. Und bei Aussage gegen Ausage glaubt niemand dem „lüsternden Teenager“
    • Echo der Zeit 31.12.2018 12:38
      Highlight Highlight Da wirst auch im Freundeskreis zur Sau gemacht - Besonders Peergroup mit kleinen Abhängigkeiten wie - Cannabis, Zugehörigkeit - sozial Abhängigkeit und Machtspielen wo Täter sich eine Gute Ausgangslage schaffen. Der „lüsternden Teenager“ muss es dann Schlucken oder zum Sozialen Einzelgänger werden. Die Folgen sind Bekannt - Suizid, Selbstverletzendes verhalten, Gewalttätiges verhalten Besonders bei Männlichen Opfern.

30 Prozent aller Nonnen werden missbraucht. Doris Wagner war eine davon, sie befreite sich

Die 34-jährige Philosophin und Theologin spricht mit uns über ihr tragisches Leben hinter Klostermauern. Und darüber, wieso sie jetzt im Schweizer Dokfilm «#Female Pleasure» mitmacht.

Wenn ich mir Männer und Frauen in der Bibel anschaue, läuft es immer auf diese ganz einfache Ordnung hinaus: Der Mann kann herrschen, aber er kann sich nicht beherrschen. Jedenfalls nicht, wenn er sich einer Frau gegenübersieht. Die ist automatisch eine Versuchung.In der Bibel, auch der christlichen Tradition, ist so viel drin, was auch toll ist. So viele Sachen, die wertvoll sind, die schön sind, die mich durchs Leben tragen, die Freude machen. Das Problem ist, dass das immer alte Männer …

Artikel lesen
Link zum Artikel