DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Flugverkehr ist global für fünf Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. In der Schweiz sind es satte 18 Prozent.
Der Flugverkehr ist global für fünf Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. In der Schweiz sind es satte 18 Prozent.Bild: KEYSTONE
Kommentar

Warum das Nein zur CO2-Flugticketabgabe ein fataler Fehler ist

Der Nationalrat hat’s versemmelt. Im Rahmen der Totalrevision des CO2-Gesetzes hat er die CO2-Abgabe auf Flugtickets bachab geschickt. 
11.12.2018, 08:2011.12.2018, 19:44

Wer 9000 Kilometer mit dem Flugzeug zurücklegt, stösst ungefähr 1,8 Tonnen CO2 aus. 9000 Kilometer – so viel fliegen Herr und Frau Schweizer im Durchschnitt pro Jahr. Tendenz steigend. Der Flughafen Zürich vermeldet jeden Sommer neue Rekordzahlen. Leidtragende ist die Umwelt: Der Flugverkehr ist global für fünf Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. In der Schweiz sind es satte 18 Prozent. Und dennoch: Klimapolitik ist im Bereich der Luftfahrt praktisch inexistent.

Es klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber traurige Wahrheit: Der Luftverkehr wird im Pariser Klimaabkommen nicht mit einer einzigen Silbe erwähnt. 

Und auch die Schweiz tut sich schwer damit. CO2-Emissionen von Industrie, Strassenverkehr und Haushalten liegen hierzulande im Fokus. Die Luftfahrt bleibt weiterhin unangetastet. Und so auch die damit verbundenen massiven Negativfolgen für die Umwelt. 

Es klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber traurige Wahrheit: Der Luftverkehr wird im Pariser Klimaabkommen nicht mit einer einzigen Silbe erwähnt.

Das Parlament hätte die Chance gehabt, das zu ändern. Hätte. Im Rahmen der Totalrevision des CO2-Gesetzes diskutierte der Nationalrat auch über eine Flugticketabgabe. Der Vorschlag einer Minderheit forderte, dass zukünftig zwischen 12 und 50 Franken CO2-Kompensation pro Flugticket vom Passagier bezahlt werden – abhängig von der Passagieranzahl und Flugdistanz. Der Bund hätte damit Einnahmen in der Höhe von 1,7 Milliarden Franken generieren und in den Klimaschutz investieren können.

Doch der Antrag scheiterte, der Artikel wurde gestrichen. 93 von 189 anwesenden Nationalräten stimmten dagegen. 8 enthielten sich, 11 waren erst gar nicht anwesend. Ein unverständlicher, ja fataler Entscheid.

Fröhliches Unterbieten

Die Schweiz muss ihren CO2-Ausstoss bis 2030 auf 26.9 Millionen Tonnen senken. Von der CO2-Reduktion beim Flugverkehr, der fast einen Fünftel der Emissionen ausmacht, wird aber weiterhin die Finger gelassen. Während Heizöl und Benzin munter mit Lenkungsabgaben pro Liter berappt werden, bleibt Mineralöl auf internationalen Flügen weiterhin steuerfrei. Nicht einmal eine Mehrwertsteuer muss auf die Flugtickets entrichtet werden. 

Fluggesellschaften können sich weiterhin fröhlich in den Ticketpreisen unterbieten, während unsereins für läppische 50 Franken nach London und zurück fliegen kann. Und das alles auf dem Buckel des Klimas.

Die Zeit läuft uns davon. Begründungen wie «Flugticketabgaben führen zu Marktverzerrungen und sorgen dafür, dass auf Flughäfen im Ausland ausgewichen wird» oder «Wir wollen keine Insellösung für die Schweiz» sind Augenwischerei. Österreich, Italien, Frankreich, Griechenland, und in dieser Liste sind noch längst nicht alle Länder aufgezählt, haben alle eine CO2-Flugticketabgabe. Die Schweiz wäre also nicht alleine.

Wir fliegen weiter – solange wir es uns leisten können. Eine Senkung der CO2-Emissionen in der Luftfahrt funktioniert einzig und allein über das Portemonnaie.

Und auch das Argument, dass bereits jetzt CO2-Kompensation für Flugtickets bezahlt werden könne, zieht nicht. Niemand bezahlt die freiwillige CO2-Kompensation. Gemäss der Sendung «10vor10» kompensieren die Schweizer genau ein Prozent ihrer CO2- Emissionen, die sie durch das Fliegen verursachen.

Wir fliegen weiter – solange wir es uns leisten können. Eine Senkung der CO2-Emissionen in der Luftfahrt funktioniert einzig und allein über das Portemonnaie. Dann nämlich, wenn man sich zweimal überlegen muss, ob man es sich tatsächlich leisten kann und will, kurz übers Wochenende nach London zu fliegen.

Die Auswirkungen des CO2-Ausstosses

Video: srf/SDA SRF

Vertical Forest – das erste begrünte Hochhaus der Schweiz

1 / 19
Vertical Forest - das erste begrünte Hochhaus der Schweiz
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

156 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
plaga versus
11.12.2018 08:35registriert November 2015
Danke für den Kommentar! Mir scheint die Mehrheit so zu denken, nur nicht unser Parlament.

Aber der Umweltschutz beginnt nicht nur Portemonnaie, es braucht mehr Zivilcourage und die fehlt noch etwas.
480107
Melden
Zum Kommentar
avatar
Raphael Conca
11.12.2018 08:37registriert Juli 2017
Eine alte Reisevariante muss her! Schlafzug/Hotelzug. Europaweit.
37566
Melden
Zum Kommentar
avatar
Energize
11.12.2018 08:39registriert Februar 2015
Ich kann dem Kommentar nur zustimmen.
Für die nächsten Wahlen sind die Grünliberalen ganz hoch im Kurs bei mir. Die FDP machen vieles richtig, aber umwelttechnisch befinden sie sich im Mittelalter - das Weltbild der FDP hat ausgedient.
415131
Melden
Zum Kommentar
156
Weshalb die drohende F-35-Abstimmung auch Bundesrätin Amherd «freuen» könnte
Die Volksinitiative gegen den Kauf des Kampfjets F-35 soll definitiv im Sommer eingereicht werden. Eine Abstimmung vor dem Auslaufen der Vertragsofferte wäre damit realisierbar.

Der Bundesrat will nicht warten. Er hat letzte Woche entschieden, die Beschaffungsverträge für den Kampfjet F-35 mit der US-Regierung «bis spätestens am 31. März 2023 und damit innerhalb der Gültigkeit der Offerten zu unterzeichnen». Dies ungeachtet einer Abstimmung über die Volksinitiative «Gegen den F-35 (Stopp F-35)» von GSoA, SP und Grünen.

Zur Story