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Zwischen Empörungs-Hashtags und wahrer Unmenschlichkeit

Willkommen zum letzten Teil unserer Freiheits-Serie. Heute beschäftigt uns die Frage, wie viel Widersprüche unsere Gesellschaft verträgt und auf welche Werte sie sich eigentlich begründet. 



Freiheits-Serie

Diese vierteilige Serie wird sich der grossen Frage widmen, was Freiheit in der heutigen Welt alles bedeuten kann. Eins sei schon mal vorausgeschickt: Es ist viel. Es ist ein eher waghalsiges Unterfangen, das mit ein bisschen Philosophie, Staatstheorie, Rechtskunde, aktuellen Abstimmungen und meiner eigenen Meinung (stets an der kursiven Schrift zu erkennen) versucht – und die Betonung liegt auf «versucht» – ein bisschen Ordnung in dieses wichtige Thema zu bringen. Und vielleicht führt es ja zu regen Diskussionen in der Kommentarspalte, was mich ausserordentlich freuen würde.
Die Serie umfasst die folgenden Artikel:
Teil I: Die Freiheit ist ein verzwicktes Zwitterwesen
Teil II: Der ewige Kampf zwischen Gleichheit und Freiheit
Teil III: Der Staat, dein Feind?
Teil IV: Zwischen Empörungs-Hashtags und wahrer Unmenschlichkeit 

An der miserablen Qualität und Gehässigkeit unserer aktuellen gesellschaftlichen Debatten kann man ziemlich gut ablesen, dass es um unsere Konsensfähigkeit nicht allzu gut bestellt ist (vgl. Teil III). Alles scheint zumindest als Kampf ausgetragen zu werden. Einer läuft zwischen Männern und Frauen, einer zwischen Einheimischen und Ausländern, einer zwischen Weissen und Schwarzen. Und alle lassen sich im Grunde auf ein einfaches Muster reduzieren: Auf der einen Seite stehen die Täter oder die Privilegierten und auf der anderen Seite finden sich die Opfer, die auf irgendeine Weise von den Privilegierten unterdrückt oder diskriminiert werden.

Versteht mich bitte nicht falsch, ich will nicht sagen, dass unsere Welt frei von Unterdrückung und Diskriminierung ist. Und ebenso wenig, dass man nicht dagegen angehen soll. Aber ein pauschal anklagender Hashtag wie #allmenaretrash bringt einzig mehr Wut in die Debatte. Man kann die Reaktionen darauf als Beweis für die männliche Gewalt an Frauen sehen. Oder man nimmt sie als Hinweis, dass die Debatte falsch geführt wird. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. 

Ein derart moralisierender Schulddiskurs muss irgendwann in starke Emotionen ausarten. Entweder man bekommt als Kollektiv – Schweizer, Weisser, Mann, etc. – eine Schuld zugewiesen, oder man hat selbst eine Erfahrung gemacht, in der man Opfer einer strukturellen Ungerechtigkeit wurde. 

Hast du keine solche Geschichte, darfst du nicht mitreden. Bist du nicht queer, weisst du nicht, worunter Queere leiden. Bist du nicht schwarz, rede nicht von ihnen. Mit Phrasen wie «Ich als XY» verleiht man sich selbst die Deutungshoheit, während der ganze Rest einfach von der Diskussion ausgeschlossen wird. Man spricht ihm das Verstehen ab, ja manchmal sogar das Mitfühlen. 

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bild: unsplash

«So hat die Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen moralischen und politischen Übeln die Gestalt einer Anklage durch selbst ernannte Richter angenommen, die Menschen je nach Hautfarbe oder anderer nicht selbst erzeugter Eigenschaften als Opfer und Täter vergangenen und systemischen Unrechts identifizieren.»

Maria-Sibylla Lotter in der «Zeit»

Hannah Arendt versuchte in ihren Schriften ein Leben lang, eine Erklärung zu finden, wie es zum Holocaust kommen konnte. Und ebenso formulierte sie Ansätze, wie so etwas in Zukunft verhindert werden kann. Denn sie verlor nie das, was sie «amor mundi» nannte, die Liebe zur Welt. Und diese damals in Scherben liegende Welt wollte sie wieder ganz machen.

Mutig wie niemand sonst stellte diese Frau alle unbequemen Fragen ihrer Zeit, dafür wurde sie von jüdischer Seite und von linken Kreisen der Unsensibilität und Arroganz bezichtigt. «Mit dem ganzen Stolz ihrer Intelligenz» würde sie «über die historische Erfahrung und die aktuellen Empfindungen ihrer Zeitgenossen hinwegschreiten.» 

Doch darum ging es Hannah Arendt nicht. Ihr ging es ums Verstehen. Es ist ihr immer nur darum gegangen. Im wahren Verstehen oder zumindest im redlichen sich Bemühen darum sah sie die Lösung für ein friedliches Zusammenleben. Man solle sich dafür in den anderen hineinversetzen. 

«Ohne diese Art von Einbildungskraft, die tatsächlich Verstehen ist, wären wir niemals in der Lage, uns in der Welt zu orientieren. Sie ist der einzige Kompass, den wir haben. Wir sind Zeitgenossen nur so weit, wie unser Verstehen reicht.»

Hannah Arendt

Hannah Arendt sah im Pluralismus einer Gesellschaft keine Gefahr. Ganz im Gegenteil sogar. Ihre Erfahrung mit der Diktatur in Nazideutschland, mit einer gleichgemachten Volksgemeinschaft auf der einen und der totalen Gewalt auf der anderen Seite, hat sie zu einer Verfechterin der politischen Freiheit gemacht. Und diese folgt für sie immer nur aus den Unterschieden der Menschen. Erst wenn zwei verschiedene Meinungen öffentlich aufeinanderprallen, öffnet sich ein Zwischenraum, der nicht existiert, wenn beide derselben Meinung sind, schrieb sie.

«Nicht der Mensch bewohnt diesen Planeten, sondern Menschen. Die Mehrzahl ist das Gesetz der Erde.»

Hannah Arendt

bild: unsplash

Dieser Zwischenraum ist für Hannah Arendt das eigentlich Politische. Hier wird kommuniziert, diskutiert und gestritten, hier nimmt der Bürger aktiv an Entscheidungen teil, hier wird gemeinsam eine Welt erschaffen. 

Aber können diese Zwischenräume auch zu gross werden, sodass überhaupt keine Verständigung mehr möglich ist? Der Multikulturalismus unserer westlichen Gesellschaften ist seit der Nachkriegszeit durch neue Konflikte und neue Migrationsströme, aber auch durch die Globalisierung noch gestiegen. Teilen wir alle denselben Wertehorizont?

In diesem Zusammenhang ist der Gedanke einer «Leitkultur», an die es sich anzupassen gilt, nach wie vor wach. Nehmen wir einmal an, es gäbe eine solche, wie ist sie definiert? 

Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama ist der Ansicht, dass eine reine Multikulti-Gesellschaft nicht überleben werde. Eine Nation brauche eine Leitkultur, eine, die Identität verspricht, ohne jedoch gleichzeitig andere auszuschliessen oder zu unterdrücken.

Sprich eine, die also wahrhaft einhält, was sie in ihrer Verfassung – sofern sie liberal ist – schon lange verspricht: Freiheit und Gleichheit für alle.

Also keine Identität, die den «Ausländer» pauschal als Feind und Bedrohung unserer Freiheit konstruiert, noch eine, die vor lauter Gleichheitsforderung für alle Gruppenidentitäten ein spezielles Gesetz fordert. 

Die Präambel unserer Bundesverfassung fasst die Werte schön zusammen, für die wir einstehen sollten:

«Im Namen Gottes des Allmächtigen!

Das Schweizervolk und die Kantone, in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung, im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben, im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen, gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen, geben sich folgende Verfassung ...»

bild: Unsplash

Eine Richtigkeitsgewähr kann man daraus allerdings nicht ableiten. Es gibt keine objektiven Werte, die ewig und universal gültig sind. Genauso wenig gibt es rein subjektive Werte, die ein Einzelner aus sich selbst heraus schöpft. Wir haben diese Werte als Gesellschaft geformt, indem wir sie leben und empfinden. Das macht sie allerdings auch abhängig vom Zeitgeist.

Und dieser scheint heute in Aufruhr zu sein. So sehr, dass man um den gesellschaftlichen Konsens fürchtet. Denn wenn dieser nicht mehr gegeben ist, lässt sich auch das Rechtsprinzip nicht mehr aufrechterhalten. 

In Fragen der Moral, in Fragen des richtigen Handelns können wir uns auf nichts Äusseres stützen. Moral existiert ausserhalb unseres Denkens nicht. Da gibt es kein Richtig oder Falsch. Wir können also nur darauf hoffen, dass wir uns im Rahmen der Vernunft Gesetze geben, die für alle wünschenswert sind – so wie es Kant einst beschrieb (vgl. Teil I). Und dass wir mit unserer politischen Freiheit, so wie sich Hannah Arendt das ersehnte, verantwortungsvoll umgehen.

Der deutsche Soziologe Max Weber hat in seinem berühmten Aufsatz «Politik als Beruf» (1919) zwei verschiedene ethisch orientierte Handelsweisen beschrieben; die eine nennt er gesinnungsethisch, die andere verantwortungsethisch. Die beiden Begriffe schliessen sich nach Weber ganz und gar nicht aus, auch wenn heute von gewissen Kreisen gern ein klares Entweder-Oder herbeikonstruiert wird.

Eine Flüchtlingsskulptur des dänischen Künstlers Jens Galschiot, Kassel 2017.  Bild: FILIP SINGER/EPA/KEYSTONE

Den Gesinnungsethikern wird vorgeworfen, sich vor lauter naivem Gutmenschentum nicht um die Folgen ihres politischen Handelns zu scheren – Stichwort «Willkommenskultur». Die selbsternannten Verantwortungsethiker wiederum beanspruchen für sich, Lösungen anzubieten; Flüchtlinge an der Küste Libyens zu internieren beispielsweise, sie um keinen Preis ins eigene Land zu lassen, alle Mittelmeerrouten zu sperren. Dabei geht es manchen aber kaum um Verantwortung, sondern vielmehr um Wählermobilisierung.

Weber sprach von VerantwortungsETHIK. Das Mitgefühl ist auch hier entscheidend. Verliert man es, muss man sich nicht wundern, wenn Pegida-Anhänger in Dresden «Absaufen! Absaufen!» schreien – und damit ein Rettungssschiff mit 234 Flüchtlingen an Bord meinen.

epa05187762 Supporters of the xenophobic and anti-islamic Pegida movement demonstrating with a cross in front of the Frauenkirche (Women Church) in Dresden, Germany, 29 February 2016. The 'Patriotic Europeans against the Islamisation of the Occident' (Pegida) called for an announcement in the capital of Saxony.  EPA/ARNO BURGI

Pegida-Anhänger demonstrieren vor der Frauenkriche in Dresden, 2016. bild: epa

Wir brauchen Mitgefühl, keine hinter dem grossen Wort Verantwortung sich versteckende Unmenschlichkeit, keine Wohlstandserkaltung. 

Wir dürfen im Lärm all dieser Empörungshashtags und einseitiger Schuldzuweisungen nicht taub werden für die wahre Gefahr. 

Wir dürfen nicht abstumpfen. 

Hier geht's zu Teil III:

Die schönsten der grossen Schweizer Alpenpässe

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33
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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Z&Z 10.09.2018 07:04
    Highlight Highlight Danke für die Serie Anna. Hat viel Freude gemacht, sie zu lesen und regt schön an, darüber nachzudenken.
    • Anna Rothenfluh 10.09.2018 08:33
      Highlight Highlight @Z&Z: Oh, vielen Dank, das geb ich euch Usern gern zurück, es war sehr schön zu sehen, wie ihr alle so rege diskutiert habt.
  • olmabrotwurschtmitbürli 08.09.2018 04:26
    Highlight Highlight Ich mag den Schluss des Textes sehr.
    • honesty_is_the_key 09.09.2018 19:11
      Highlight Highlight Und ich mag dich sehr.
      Sorry, die Vorlage dazu war einfach zu gut.
  • Raphael Stein 07.09.2018 23:09
    Highlight Highlight Die Mehrzahl ist das Gesetz der Erde.

    Genau das ist ein weiteres Problem.
    Die Mehrzahl hat nicht immer recht und wer sagt wer recht hat? Hat überhaupt jemand recht und hat recht haben haben etwas mit der Natur zu tun? Und ist das richtig?
    • R. Peter 09.09.2018 08:04
      Highlight Highlight Es geht nicht um recht haben...
  • LeChef 07.09.2018 19:15
    Highlight Highlight Ein grosses Problem des Diskurses ist die allgemein akzeptierte und unhinterfragte Vortstellung von „systemischer Ungerechtigkeit“ (o.ä., diese Denkweise äussert sich in verschiedenen Formen).

    Verantwortlich für Ungerechtigkeit, welcher Art auch immer, sind die handelnden Individuen. Selbst kollektiv gleich handelnde Individuen sind keine uniforme Masse, sondern jeder und jede allein verantwortlich für ihr Handeln.

    Tatsächlich existiert politische bzw. rechtliche Ungerechtigkeit. Diese ist aber nicht systeminhärent, sondern von den im politischen Prozess handelnden Individuen verursacht.
  • kafifertig 07.09.2018 18:58
    Highlight Highlight Jede Gesellschaft erträgt jede nicht-tödliche Form von Widerstand.
    • LeChef 07.09.2018 20:39
      Highlight Highlight Wenn jemand in den Rollstuhl geprügelt wird ist das auch nicht tödlich. Also ok?
    • kafifertig 09.09.2018 11:40
      Highlight Highlight @LeChef

      Es gibt viele solche Fälle, ohne dass sich die Gesellschaft darüber aufregt, wenn sie es denn überhaupt zur Kenntnis nimmt.
  • Spooky 07.09.2018 18:38
    Highlight Highlight "Moral existiert ausserhalb unseres Denkens nicht."

    Bingo! So ist es. Es gibt keine Götter, die uns sagen, was gut ist oder böse. Wir sind ganz allein im Universum. Aber genau darum müssen wir ein bisschen zueinander schauen.
    • Knäckebrot 07.09.2018 20:45
      Highlight Highlight Weil wir Menschen zur Schlussfolgerung kommen, dass es ausserhalb unseres Denkens keine Moral gebe, heisst es noch nicht, dass wir richtig geschlussfolgert haben. So gewiss würde ich jetzt noch nicht "Bingo!" rufen (um somit gleich die nächste Schlussfolgerung zu machen) ;)

      Aber dennoch schön, wenn wir zueinander schauen (ich meins ernst und nicht überheblich oder zynisch. Ich nehm dir Aufrichtigkeit völlig ab. Auch wenn m.E. die Menschen nicht unbedingt die harmonischere Sicht über Gut und Böse hervorbringen inkl. nicht mal aus dem vermeintlich gesunden Menschenverstand).
    • Spooky 07.09.2018 23:47
      Highlight Highlight @ Knäckebrot

      "....heisst es noch nicht, dass wir richtig geschlussfolgert haben."

      Ich bin mit dir total einverstanden. Ich sage ja immer (und diese Weisheit stammt von mir):
      Ich weiss, dass ich nichts weiss.
  • Knäckebrot 07.09.2018 18:24
    Highlight Highlight "Das macht sie [Werte] allerdings auch abhängig vom Zeitgeist."

    Als wir im Studium Ethik hatten, bekam ich eine schlechte Note, weil ich mich nicht absolut den Menschenrechten verpflichten wollte. Es gibt zwar nichts in den Menschenrechten, bei dem ich nicht dahinterstehen kann.

    Aber was ist, wenn mal in den Menschenrechten Forderungen sind, bei denen ich nicht dahinter stehen könnte aber die grosse Masse macht mit?
    • kafifertig 07.09.2018 19:01
      Highlight Highlight Das muss ein sehr bescheuerter Ethikkurs gewesen sein. Ethik beschäftigt sich nicht mit der Indoktrination, sondern mit der Frage, mit welchen Methoden man eine gesellschaftliche oder persönliche Moral entwickeln kann. Das ist ergebnisoffen und sollte nicht in einer erzwungenen Lobpreisung von irgendetwas münden.
    • SchweizAbschaffen 07.09.2018 19:17
      Highlight Highlight Mit «dem Zeitges unterworfenen Werte» sind nicht die Menschenrechte gemeint.

      Eben nicht.

      Die Menschenrechte sind keine temporale Meinung oder Überzeugung.
      Es sind «unveräusserliche Rechte» jedes Menschen, egal an welchem Ort der Erde oder zu welchem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte.

      Die inhaltliche Debatte wurde im 18.Jhdt. geführt und sie ist durch; kann man nachlesen.
      Alles andere ist Wahn.
      Gerade die Religionen haben sich den Erkenntnissen zu unterwerfen. Die Kairoer Menschenrechtscharta (Islam) tut dies nicht, und der Vatikan mag die Gleichheit von Mann und Frau nicht anerkennen.
    • Knäckebrot 07.09.2018 21:19
      Highlight Highlight @Kafifertig: Das habe ich damals auch gemeint.

      @SchweizAbschaffen: Was garantiert, dass die Debatte durch ist, bzw. dies unveränderlich bleibt?

      Selbst wenn, dann bleibt noch die Frage der Interpretationshoheit. Darüber gibt es Debatten.

      Zudem gewährt sie Religionsfreiheit, sagt aber indirekt, dass manche Religionen ohnehin falsch seien (sonst würde es ja keine Reibungspunkte geben). Ich nehme damit nicht die Religion in Schutz, aber betone den hohen Deutungsanspruch, der hinter den Menschenrechten steht. Der muss uns schon bewusst sein. "Erkenntnis" zu beanspruchen ist ein hoher Anspruch
    Weitere Antworten anzeigen
  • Maracuja 07.09.2018 17:56
    Highlight Highlight <Eine Richtigkeitsgewähr kann man daraus allerdings nicht ableiten. Es gibt keine objektiven Werte, die ewig und universal gültig sind>

    Einverstanden, aber gerade deshalb stört mich (als gläubige Frau), dass am Anfang der Präambel unserer Verfassung „Im Namen Gottes des Allmächtigen!“ steht. Dadurch wird doch genau suggeriert, dass die Verfassung ewig/universal gültige Werte enthält, da quasi von Gott höchselbst inspiriert und abgesegnet.

    Vielen Dank nochmals für diese Serie.
  • schuldig 07.09.2018 17:07
    Highlight Highlight Danke A.Rothenfluh
    Die ganze Serie ist m.E. Journalismus par excellence: Umfassend, vertieft und ja, auch unbequem
    Chapeau!
  • m. benedetti 07.09.2018 17:02
    Highlight Highlight Wie sagte Volker Pispers: Hat der Mensch ein Feinbild, dann hat der Tag Struktur. Auch watson pflegt diverse Feindbilder und gibt damit der Zeitschrift Struktur.
    Die Frage, die wir uns oft nicht stellen ist Cui bono, wem nützt das, wenn wir ausgrenzen und uns gegenseitig verbal die Rübe einschlagen?
    Nun wir leben gerade in wilden und wirren Zeiten und üben uns in Rundumschlägen und Schulszuweisungen und vergessen dabei einen biblischen Spruch: Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Üben wir uns in der Debatte und hören wir uns wenigstens einander zu.
    • häxxebäse 07.09.2018 17:17
      Highlight Highlight Ach wir vergessen gerne, dass man früher echte steine warf. Noch vor 200 jahren verbrannte man menschen auf dem scheiterhaufen... wir sind nicht gerade friedliebend, wir menschen!
  • El diablo 07.09.2018 16:22
    Highlight Highlight Danke für diesen Text. Sehr gut geschrieben. Vor allem dieser Satz gefällt mir: "Moral existiert ausserhalb unseres Denkens nicht. Da gibt es kein Richtig oder Falsch."

    Jeder Mensch, egal welcher politischen Gesinnung hat eine eigene Meinung, eine eigene Moral und das soll auch so sein. Man muss Gesetze finden, die für alle Parteien am wenigsten Nachteile fordern. Links und Rechts schiessen permanent gegeneinander, aber vergessen teils komplett, wofür sie einstehen Es braucht beide Seiten, sonst kommt es niemals gut. (Siehe Deutsches Reich oder Mao)
  • Rednerpult Tester 07.09.2018 16:14
    Highlight Highlight Identität, Ethik und Philosophie sind diffuse Werte. Wandelbar und nur niedergeschrieben fix. Die Verfassung der Eidgenossenschaft mehr Schöngeist als es Realität war und wäre. Am meisten prägt den Mensch der Glaube und die Hoffnung, erkenne ich. Die Illusion vom grossen Geld, der wunderbaren Liebe und sorgenfreien Leben. Weit daneben im Sein läuft alles ein bisschen ganz anders. Das grosse Lernen, Tun und im besten Fall geben. Zu sich selbst finden und Glücklichkeit erleben die von Natur aus im Paradies eben uns allen geschenkt wurde. Ein irdischer Prozess der nicht so bald endet, denke ich.
    • Matterhorn 07.09.2018 17:00
      Highlight Highlight Das verstehe ich nicht???? Bitte um Erklärung!
    • Sophia 07.09.2018 17:13
      Highlight Highlight Dass der Mensch nach Glück strebt, ist eine Tatsache, nur, was ist das Glück für ein Individuum? Hannibal Lecter's Glück ist ein anderes, als das eines Ephemophilen oder eines Negrophilen. Nein, das Paradies auf Erden gibt es nicht und nicht jedes individuelle Glück ist erreichbar. Menschen brauchen Gesetze, die im weiteren Sinne so was wie Grenzen sind. Grenzen, zwischen mir und dem Anderen dem meine, Wünsche, Verlangen, Obsessionen nie schaden dürfen. Die absolute Freiheit kann es nie geben!
    • Rednerpult Tester 07.09.2018 17:24
      Highlight Highlight @ Matterhorn, was genau verstehst Du nicht?

      @Sophia, Hannibal Lecter, sicher Dein Maasstab im Leben. Schöne Hollywood fabrizierte Kommerz Träume noch. Selber Denken ist für Dir noch nicht gegeben. Schade... Entspricht dem Zeitgeist vieler.
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