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Wer entscheidet, ob eine Zivil-Maschine beschossen wird? 6 Fragen und Antworten zum El-Al-Zwischenfall

Schweizer F/A-18-Jets haben eine israelische Linien-Maschine durch den Luftraum eskortieren müssen. watson klärt offene Fragen zu dem Thema.
05.07.2016, 12:4411.07.2016, 14:04
Eine F/A-18 startet vom Militärflugplatz Payerne VD.
Eine F/A-18 startet vom Militärflugplatz Payerne VD.
Bild: KEYSTONE

Wer hat die Schweizer Luftwaffe alarmiert?

Informiert haben die französischen Kollegen, wie Luftwaffe-Sprecher Jürg Nussbaum der Nachrichtenagentur SDA sagte. Daraufhin starteten Kampfjets in Payerne VD, nahmen die Linienmaschine an der französischen Grenze in Empfang und begleiteten sie bis zur österreichischen Grenze. Im österreichischen Luftraum blieb die Boeing 747 der Fluggesellschaft El Al nur kurze Zeit, bevor sie den italienischen Luftraum erreichte, wo sie von der dortigen Luftwaffe «abgeholt» wurde.

Wie lange dauert es, bis die Jets bei der Boeing sind?

Eine Boeing 747-458 der Fluggesellschaft El Al.
Eine Boeing 747-458 der Fluggesellschaft El Al.
screenshot: youtube

Das «Projekt Luftpolizeidienst 24» sieht vor, werktags zwischen 8 und 18 Uhr in maximal 15 Minuten zwei bewaffnete F/A-18 in die Luft zu bringen. Nach dem Start erreichen diese ihr Ziel in kurzer Zeit: Man kann also davon ausgehen, dass die Schweizer Jets nach der Alarmierung in 15 bis 20 Minuten bei der El-Al-Maschine waren.

Jede Sekunde zählt: Demonstration eines Alarmstarts in Payerne VD in weniger als drei Minuten.

Was ist eine «Live Mission»?

Bei einer «Live Mission» kontrollieren Schweizer Jets stichprobenartig fremde staatliche Flugzeuge, die mit einer diplomatischen Freigabe durch unseren Luftraum fliegen.

Die F/A-18 der Schweizer Luftwaffe

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Die F/A-18 der Schweizer Luftwaffe
quelle: keystone / christian brun
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Was ist eine «Hot Mission»?

Eine «Hot Mission» steht an, wenn Flugzeuge die Lufthoheit der Schweiz verletzen oder die Luftverkehrsregeln «in schwerwiegender Weise» brechen – also wenn sie zum Beispiel in Flugverbotszonen eindringen.

Warum wurde die Boeing überhaupt eskortiert?

Es handelt sich um ein Standard-Prozedere, um die maximale Sicherheit zu garantieren: Erst wenn die Piloten ein solches Flugzeug anfliegen, können sie durch Sichtkontakt nachprüfen, ob die Situation in der Maschine so ist wie angegeben. Ausserdem ist erst dann eine Kommunikation mit den anderen Piloten neben dem Funk möglich.

Ein F/A-18-Start (gefilmt vom Ende der Startbahn in Payerne VD).

Wer entscheidet, ob ein Verkehrsflugzeug beschossen wird?

In einem Worst Case liegt die Entscheidung für einen Schuss beim Pilot. Eine Ausnahme bildet unter anderem das WEF in Davos: Hier ist der entsprechende Luftraum gesperrt, die F/A-18-Piloten sitzen permanent in ihren Jets und sind bereit für einen Alarmstart. Wenn in so einer Situation ein Ernstfall passieren würde, hätte der Verteidigungsminister das letzte Wort, bevor scharf geschossen würde.

Update: Ein User machte uns auf einen «20 Minuten»-Artikel aufmerksam, in dem Politiker Thomas Hurter sagt: «Der Kampfjet-Pilot kann nicht einfach nach Gutdünken ein Flugzeug vom Himmel holen.»

Auf erneute watson-Nachfrage bestätigte das VBS jedoch: Nach aktueller Gesetzeslage ist der Bundesrat nur dann verantwortlich, wenn der Luftraum eingeschränkt ist. Bei einem Notstand bei luftpolizeilichen Einsätzen im nicht eingeschränkten Luftraum entscheidet dagegen der Pilot.

[In einer vorigen Version stand, die Jets seien beim WEF permanent in der Luft. Wir danken Beat Kuhn diesbezüglich für die Korrektur!]

Flugmanöver der Schweizer Jets (bei einer Flugshow in der Slowakei im Jahr 2015).
So entsteht der Überschallknall
Der Überschallknall ist kein einmaliges Ereignis, das beim Durchstossen der Schallmauer auftritt. Es handelt sich vielmehr um den Lärmteppich, den ein Jet wie einen Kegel hinter sich her schleppt, sobald er schneller als der Schall unterwegs ist. Dort, wo dieser so genannte Machsche Kegel den Erdboden streift, hört der Beobachter den gesamten eintreffenden Fluglärm für den Bruchteil einer Sekunde als Knall. Personen, die sich weiter entfernt befinden, hören das Geräusch entsprechend später. Der Lärmkegel kann je nach Wetterbedingungen bis zu 35 Kilometer links und rechts der Flugroute hörbar sein.

Nach Auskunft von Luftwaffe-Sprecherin Delphine Allemand fliegen in der Schweiz Militärjets pro Jahr rund 160 Überschallflüge, einzelne davon auch im Rahmen von «Hot Missions» wie jenen vom Dienstag. Die Flüge sind bewilligungspflichtig und werden gemäss Luftwaffe mit Rücksicht auf die Bevölkerung in der Regel nicht über dem Mittelland und nicht unterhalb von 10'000 Metern über Meer durchgeführt. Im Winter darf bei grosser Lawinengefahr kein Überschall geflogen werden. (sda)
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