Schweiz
Sozialdetektive

Versicherungsdetektive observierten falsche Person

Versicherungsdetektive observierten falsche Person

22.11.2018, 02:4222.11.2018, 09:35

Eine Frau erlitt bei einem Autounfall vor zehn Jahren ein Schleudertrauma. Der damals 43-Jährigen wurde von der Suva eine monatliche Rente von 2500 Franken wegen «Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu 48 Prozent» zugesprochen, wie der Beobachter berichtet.

ARCHIV – ZUM 1. PAROLENSPIEGEL ZU DEN EIDGENOESSISCHEN ABSTIMMUNGEN VOM 25. NOVEMBER 2018 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - [Symbolic Image, Staged Picture] A professional priv ...
Versicherung liess falsche Person überwachen – und liess diese Daten in die Beurteilung einfliessen. (Symbolbild)Bild: KEYSTONE

Zur Kasse gebeten wurde auch ihre Versicherung. Allerdings schenkte die Schweizerische Mobiliar den ärztlichen Einschätzungen keinen Glauben und liess die Verunfallte vorerst von Detektiven observieren.

Schliesslich bot die Versicherung eine Entschädigung von 50'000 Franken. Die Frau unterzeichnete den Vergleich – unwissend, dass der Betrag verglichen mit anderen Fällen sehr gering war. «Mein damaliger Anwalt sagte mir, die Versicherung habe Überwachungsmaterial, die Verhandlungen seien schwierig. Ich hatte weder eine Ahnung von angemessenen Beträgen noch die Bilder gesehen», zitiert der Beobachter.

Falsche Person überwacht

Fünf Jahre später erhielt die Verunfallte Einsicht in ihre Akten – und erlebte einen Schock. Darin befand sich neben unzähligen Fotos auch ein Observationsbericht einer angeblichen Australienreise aus dem Jahr 2010.

Besonders brisant: Die Frau war aber in dieser Zeit gar nicht dort – das belegt der australische Movement Record. Vielmehr erkennt die Frau ihre Schwester auf den Bildern, die in Australien lebt. Dieser Bericht floss in die Beurteilung der Höhe des Schadenersatzes ein.

Das wäre den Detektiven mit dem neuen Gesetz erlaubt:

Video: watson/Angelina Graf

Fall abgeschlossen

Aus den Bildern geht weiter hervor, dass der Detektiv die Verunfallte überallhin verfolgte und auch zu Hause durchs Fenster filmte. Sie leidet seit der Sichtung ihrer Akte unter Verfolgungswahn und ist in psychotherapeutischer Behandlung. 

Die Versicherung schliesst eine Neuverhandlung der Schadensersatzforderung aus. Begründung: «Die Frau war anwaltlich vertreten. Der damalige Anwalt hatte die Überwachungsergebnisse auch eingesehen und das Vergleichsangebot von 2011 unterschriftlich anerkannt.»

Zudem wurde auch bekannt, dass die Mobiliar sehr freizügig mit den vertraulichen Daten umging. Die Versicherung hat das Material nämlich der Suva weitergeleitet. Gemäss Philip Stolkin, dem neuen Anwalt des Überwachungsopfers, würde bei einer Annahme des Überwachungsgesetzes der «Austausch von geheimsten Daten sogar legalisiert» werden. (vom)

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