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Musste sich gelegentlich hinsetzen: «Arena»-Moderator Jonas Projer.  bild: screenshot/srf arena

Dann, wenn sich selbst Jonas Projer hinsetzen muss, ist No-Billag-«Publikumsarena»

Die Politik diskutiert bereits wie wild über die Abschaffung der Billag-Gebühr. Doch was denkt eigentlich das Volk? Diese Frage stellte Moderator Jonas Projer in der «Publikumsarena» – und Herr und Frau Schweizer antworteten. Diskutiert wurde wie wild. So wild, dass sich selbst Projer ab und zu ein bisschen setzen musste.



Die Nervosität war Moderator Jonas Projer kurz vor Beginn der Sendung ins Gesicht geschrieben. Verständlicherweise. Denn er hatte die schwierigste Rolle des Abends: Als Direktbetroffener der No-Billag-Initiative muss er durch eine «Publikumsarena» führen, die von bildgewaltigen Aussagen nur so strotzte.

Er schwitzte Blut, behielt aber bis zum Schluss ein Pokerface. Selbst den Direktangriffen von Andreas Kleeb, Unternehmer und Mitglied im Kernteam des No-Billag-Komitees, der sich lieber «von einem Moderator ausserhalb des Hauses SRG» hätte befragen lassen, wich Projer gekonnt aus. Dass er souveräner nicht hätte moderieren können, mussten gar die Befürworter der No-Billag-Initiative zugeben. Das war dann aber auch der einzige Punkt, in dem sich das Pro- und Kontralager einig waren. Vorhang auf für eine emotionale und symbolträchtige «Publikumsarena».

«Das Beromünster-Zeitalter ist vorbei, wir leben in einem digitalen Zeitalter. Wir können uns alle Informationen zu jeder Zeit aus dem Netz holen», beginnt das Einstiegsplädoyer von Publikumsgast und selbständigem Unternehmer Koni Rüegg. Zudem sei die SRG viel zu linkslastig, wettert Rüegg weiter: «Zeigen Sie mir doch mal fünf SRG-Mitarbeiter, die regelmässig SVP wählen!», meint Rüegg.

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Über diese Aussage kann Laura Zimmermann, Co-Präsidentin der Operation Libero und Vorstandsmitglied im Komitee «Nein zum Sendeschluss» nur den Kopf schütteln. «Die SRG ist ein Platz, wo wir zusammen streiten können. Und Sie stehen doch jetzt hier auf dem Dorfplatz der Debatte der direkten Demokratie. Und jetzt wollen Sie mir sagen, diesen Dorfplatz braucht es gar nicht?»

«Das Beromünster-Zeitalter ist vorbei, wir leben in einem digitalen Zeitalter. Wir können uns alle Informationen zu jeder Zeit aus dem Netz holen.»

Koni Rüegg

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Weniger emotional argumentiert Publikumsgast und Medienfachjournalist Christoph J. Walther. Er sieht die Abschaffung der Billag-Gebühr als Chance für die SRG. «Die Medienlandschaft ist vernetflixt. Wir müssen die SRG aus dem Beromünster-Zeitalter ins Netflix-Zeitalter führen. Ich würde gerne viele Angebote vom Schweizer Fernsehen auf Netflix sehen», argumentiert der Medienfachjournalist. In seinen Augen liesse sich das SRG-Angebot problemlos durch Abos finanzieren. Begeisterten Applaus erntet er dafür vor allem von Seiten Koni Rüeggs.

«Wir müssen uns einfach bewusst sein, dass bei der Annahme dieser Initiative auf vieles verzichtet werden muss. Denn der Markt funktioniert ganz einfach nach dem Prinzip von Kosten und Nachfrage.»

Martin Candinas

Einen Meter weiter platzt ZHDK-Dozent Matthias Mueller ab dieser Aussage fast der Kragen. In seinen Augen geht Walthers vorgeschlagene Finanzierungsmethode hinten und vorne nicht auf. «Wir haben einfach das Problem, dass niemand mehr für Qualitätsjournalismus bezahlen will. Wer macht denn heute noch hervorragenden Journalismus? Unter anderem die hervorragenden Journalisten der SRG.»

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Auch Martin Candinas, CVP-Nationalrat und Mitglied im überparteilichen Komitee «Nein zu No Billag», sieht die «Vernetflixung» der SRG als völlige Illusion. Denn Netflix operiere schliesslich auf einem globalen Markt, während die SRG nur im Schweizer Markt tätig ist. «Wir müssen uns einfach bewusst sein, dass bei der Annahme dieser Initiative auf vieles verzichtet werden muss. Denn der Markt funktioniert ganz einfach nach dem Prinzip von Kosten und Nachfrage», meint Candinas.

Inmitten der Diskussion um Angebot und Nachfrage des Marktes kommt auch ein Gast zu Wort, der ziemlich genau weiss, wovon er spricht. Michael Vogt ist sehbehindert und sieht lediglich drei Prozent, wie er auf Projers Frage nach seiner Sehkraft antwortet. Laut Vogt sei sich die abstimmende Bevölkerung einer Sache überhaupt nicht bewusst: «Für mich ist es evident, dass auch ich Informationen beziehen kann, beispielsweise mithilfe von Audiodescriptions. Und das liefert die SRG.» Für ein privates Medienhaus würden sich Angebote für sinnesbeeinträchtigte Personen nicht lohnen, ist sich Vogt sicher.

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Vogts Aussage bringt die Befürworter der No-Billag-Initiative in Bedrängnis. Denn die Entgegnung Silvan Ambergs, Co-Präsident von «No Billag», klingt wenig überzeugend. Laut Amberg würden auch Private mit «grosser Wahrscheinlichkeit» Angebote wie Gebärdensprache, Untertitelung oder Audiodescriptions liefern.

Sein Kollege und ebenfalls No-Billag-Befürworter Andreas Kleeb poltert darauf, dass das doch alles nur «Angstmacherei und Spekulationen» seien. Schliesslich gebe es ganz viele computergesteuerte Programme, die sinnesbeeinträchtigten Personen in Zukunft helfen könnten, Informationen verständlich aufzubereiten. Und überhaupt werde es auch nach einer Annahme der Initiative die SRG weiterhin geben: «In einer befreiten Form, sehr innovativ und in einem freien Markt.»

«Für Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Initiativtext. Und entscheiden Sie dann, ob Sie das wirklich wollen.»

Laura Zimmermann

Diese Aussage lässt selbst Moderator Jonas Projer nicht auf sich sitzen. «Es gibt Pro, es gibt Kontra, und es gibt Fakten» hält er fest. «Eine SRG, wie wir sie heute kennen, wird es ohne die Billag nicht mehr geben.» Einen noch härteren Ton schlägt ZHDK-Dozent Mueller an: «Der Einzige, der hier spekuliert, sind Sie, Herr Kleeb.»

Wäre die Regie nicht penibel auf die Zeit bedacht, hätten die «Arena»-Gäste wohl noch die ganze Nacht weiter debattiert. Doch nach rund einer Stunde hitzigen Diskutierens liefert dann Laura Zimmermann das passende Abschlussvotum und meint ans Publikum gewandt: «Das Einzige, das wir sicher wissen, ist, dass die Initiative einen Text hat, der ziemlich klar ist. Darum: Für Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Initiativtext. Und entscheiden Sie dann, ob Sie das wirklich wollen.»

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No Billag: Diese Promis kämpfen gegen die Initiative

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