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Behring-Geschädigter hoffte auf fette Rendite, aber «es war ihm nicht so wohl dabei»   



Lange Zeit drehte sich im Behring-Prozess alles um juristische Vorfragen – sogar Bundesanwalt Lauber musste in Bellinzona Rede und Antwort stehen. Am Mittwoch richtete sich die Aufmerksamkeit zum ersten Mal nur auf die mutmasslich geprellten Anleger.

Der erste Anleger überwies 150'000 Franken auf die Konten einer Treuhandfirma – da ihm der dortige Leiter als «Vertrauensperson» galt, habe er nicht näher nachgefragt, warum es diesen «Umweg» machen musste, sagte der Mann vor Gericht. Für das investierte Geld wurden ihm Zinserträge von bis zu 20'000 Franken jährlich mündlich zugesichert. Obwohl ihm «nicht so wohl dabei war», habe er eingewilligt.

Auch Schwarzgeld bei Behring investiert

Ein weiterer Anleger kam laut Aussage vor Gericht über einen UBS-Kundenberater in Kontakt mit dem «System Behring». Bei einer Gelegenheit sei es auch zu einem Treffen mit dem Basler Financier gekommen. Dieser habe ihm erklärt, dass er ein Finanzprodukt entwickelt habe, das den Markt vorhersehen könne.

Der Mann räumte ein, dass sich unter seinem investierten Geld auch Schwarzgeld befunden habe – dafür sei er bestraft worden und er habe die Nachsteuer gezahlt – seine Einlage im «System Behring» sah er ausserdem nie wieder. In der Folge sei es zwei Jahre «finanziell sehr kritisch» für ihn gewesen.

Tipp von einem Freund erhalten

Ein ehemaliger Bankangestellter und diplomierter Wirtschaftsprüfer zählte ebenfalls zu den Geschädigten. Er hatte einen Tipp von einem Freund erhalten, welcher ein Investment im «System Behring» anpries. Obwohl die Treuhand-Gruppe ihm keine Geschäftsberichte oder Kontrollsheets vorlegen konnte, sei er trotzdem eingestiegen.

Behring selbst habe er nie getroffen. Er sei jedoch davon ausgegangen, dass das Geld in die Moore Park-Gruppe, über welche der Vertrieb von Behrings Anlagekonzepten lief, geflossen sei.

Viel Geld und Vertrauen verloren

Alle befragten «Auskunftspersonen» hatten mindestens zwei Gemeinsamkeiten: Sie haben mit dem «System Behring» sehr viel Geld verloren und hoffen durch den Prozess zumindest einen Teil davon zurück zu erhalten. Alle wurden zudem in ihrem Vertrauen enttäuscht – sei es in einen Bekannten, Bankberater oder in das «System Behring» selbst, das sie teilweise nur aus Hochglanz-Prospekten kannten.

Da ihre Anlageentscheidungen mehr als 12 Jahre zurückliegen, konnten die Befragten vor Gericht nicht immer alle Geschehnisse lückenlos rekonstruieren.

2000 Geschädigte verloren 800 Millionen

Der amtliche Verteidiger Dieter Behrings, Roger Lerf, konzentrierte sich besonders auf eine Frage: Konnten die Vorgeladenen beweisen, dass die von ihnen überwiesenen Geldern letztendlich wirklich bei Behring landeten?

Der 61-jährige Behring soll gemäss Anklageschrift zwischen September 1998 und Oktober 2004 gewerbsmässig Anleger betrogen haben. Die rund 2000 Geschädigten sollen insgesamt 800 Millionen Franken verloren haben.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt mit der Befragung des Zeuges der Finanzanalyse. Dieser könnte die genauen Zusammenhänge im Anlagesystem Behring genauer beleuchten. (whr/sda)

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