Schweiz
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Urs Breitmeier, CEO der RUAG, spricht anlaesslich der Bilanzmedienkonferenz der RUAG, am Donnerstag, 23. Maerz 2017, in Zuerich. Der internationale Technologiekonzern RUAG erwirtschaftete 2016 mit CHF 1858 Mio. (Vorjahr CHF 1744 Mio.) den hoechsten Umsatz seiner Geschichte. (KEYSTONE/Thomas Delley)

Seine Firma ist unter DruckRuag-CEO Urs Breitmeier im März 2017. Bild: KEYSTONE

Rüstungsfirma Ruag wegen hohen Rechnungen in die Kritik – jetzt will sie Zahlen offenlegen



Der Rüstungskonzern Ruag reagiert auf die Kritik an zu hohen Rechnungen zulasten der Schweizer Armee. Im ersten Halbjahr 2019 sollen gegenüber der Eidgenössischen Finanzkontrolle alle Zahlen des Flugzeugbereichs offengelegt werden.

Das erklärte Ruag-Chef Urs Breitmeier in der «Samstagsrundschau» von SRF. Bei der Prüfung werde es insbesondere darum gehen, ob die Ruag die Gewinnvereinbarung mit Bundesamt für Rüstung (armasuisse) eingehalten habe. Breitmeier wies erneut alle Kritik an zu hohen Gewinnmargen zurück.

Die Exportschlager der Schweizer Rüstungsindustrie

Mitte Dezember hatten die Zeitungen «Ostschweiz am Sonntag» und «Zentralschweiz am Sonntag» unter Berufung auf Beteiligte und aufgrund von Unterlagen festgestellt, dass die Ruag dem Verteidigungsdepartement über Jahre zu hohe Rechnungen in der Höhe von dutzenden Millionen Franken gestellt haben soll.

Die Zeitungen schrieben, dass die Marge in den Einheiten, die sich mit Unterhalt, Reparatur und Kampfwertsteigerung der Jets sowie der Armeehelikopter befassen, 30 oder 35 Prozent betragen haben soll. Das sei viel mehr als die vom Bund maximal erlaubten 8 bis 10 Prozent.

Breitmeier liess im Radiobeitrag vom Samstag einen Vergleich mit der Postauto-Affäre nicht gelten. Er betonte, dass man keine Buchhaltungstricks angewendet und auch keine Subventionen erhalten habe.

Keine Gewinnlimite

Die Schweizer Kampfjets und Helikopter würden auf der Grundlage von Fünf-Jahres-Verträgen mit armasuisse gewartet. Am Verhandlungstisch sässen Experten von armasuisse, die den Marktpreis kennen würden. Es handle sich um Festpreis-Verträge. Aufgrund der Gewinne würden jedes Jahr Rabatte gewährt und die Gewinne würden auch bei neuen Vertragsverhandlungen herangezogen.

ARCHIVE - ZUR MELDUNG DES BUNDESRATS UEBER DEN VERZICHT AUF LOCKERUNG DER KRIEGSMATERIALVERORDNUNG AM 31. OKTOBER 2018 - Arbeiter bei der Herstellung von Geniepanzern in den Produktionshallen der RUAG. Die RUAG rechnet mit einem massiven Stellenabbau bei einem Ja des Schweizer Stimmvolks zur GSoA-Initiative fuer ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten. (KEYSTONE/EQ IMAGES/Moritz Hager)

Ruag-Angestellte bei der Montur eines Panzers. Bild: EQ IMAGES

Grundsätzlich gebe es aber «keine Gewinnlimite für die Ruag», betonte Breitmeier. Ende Jahr habe die Gewinnmarge zwischen 8 und 10 Prozent betragen. Quellen, die von einer Gewinnmarge von 30 und mehr Prozent sprächen, seien nicht verlässlich.

Fehleinschätzung bei Rüstungsexporten

Als einen unerwarteten «Schuss ins Bein» bezeichnete Breitmeier die breite Kritik von Parlament und Bevölkerung an einer geplanten Lockerung der Waffenexporte in Bürgerkriegsländer. Der Bundesrat war schliesslich nach dem grossen Unverständnis in der Sache zurückgekrebst.

Die Folge davon ist laut Breitmeier, dass «das Rüstungsgeschäft in der Schweiz kein Geschäftsmodell» sei. Seit Jahren habe die Ruag im Rüstungsbereich kein grösseres Investitionsprojekt. Die Schweizer Rüstungsindustrie sei gegenüber den europäischen Ländern nicht konkurrenzfähig, weil sie «nicht exportieren» könne. Für die Rüstungsindustrie der Schweiz gehe es nun darum, den Status Quo zu erhalten.

Entflechtungskosten von 70 Millionen

Breitmeier bezifferte die Kosten für die im laufenden Jahr geplante Entflechtung der Ruag in einen Teil für die Schweizer Armee und einen internationalen Teil auf 70 Millionen Franken. Diese Kosten müsse die Ruag durch den Verkauf von Teilen, die keine Synergien mit dem Schweizer Geschäft böten, selber generieren. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Randalf 05.01.2019 23:00
    Highlight Highlight Gemäss Herrn Breitmeier ist die Rüstungsindustrie nicht konkurrenzfähig weil sie nicht exportieren könne.
    Sie exportiert doch aber, oder etwa nicht? Halt einfach nicht in die "(Bürger) Kriegsländer", obwohl auch dort immer wieder swiss made auftaucht, was wir ja auch nicht wollen, gäll Herr Breitmeier. Also hört auf zu jammern und zeigt die Zahlen her.
  • chraebu 05.01.2019 18:49
    Highlight Highlight Gut ist sie nicht konkurrenzfähig. Der ganze Industriezweig soll ruhig eingehen und den Fokus auf was sinnvolles legen.

    Ich weiss: wenn wir nichts liefern, tut es ein Anderer. Genau mein Argument.

    Und ja, da hängen Arbeitsplätze dran. Diese kann man teilweise versuchen zu erhalten mit Neuorientiegung und den Abbau des Rests würde ich für eine Rüstungsindustriefreie Schweiz in Kauf nehmen. Ich bin mir bewusst, dass sagt sich leicht als nicht direkt Betroffener, aber jeder sucht sich sein Arbeitgeber selber aus. Habe auch schon RUAG Stellen gesehen und mich bewusst nicht beworben.
    • Astrogator 05.01.2019 19:01
      Highlight Highlight Abgesehen davon sind Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie doch mit hohen Anforderungen verbunden, würde mich wundern wenn da einer lange arbeitslos wäre.
    • R. Peter 05.01.2019 20:42
      Highlight Highlight Es geht nicht um Arbeitsplätze oder nichts liegern. Solange wir eind Armee betreiben sollten wir diese auch ausrüsten können. Ohne Rüstungsindustrie kein know how.
    • Astrogator 05.01.2019 20:46
      Highlight Highlight @R.Peter: Der war richtig gut 😊

      Ob man jetzt in Lizenz fertigt oder einkauft spielt keine Rolle.

      Aber nur so zum Spass, welches Waffensystem über der Komplexität des Stgw ist denn schweizerisch?
    Weitere Antworten anzeigen
  • _kokolorix 05.01.2019 17:45
    Highlight Highlight Ein Schuss ins Bein wird nach gängiger Interpretation vom ungeschickten Schützen auf sich selbst abgefeuert.
    Die Tücken der metaphorischen Sprache...
  • pamayer 05.01.2019 17:04
    Highlight Highlight Arme RUAG. Immer alles richtig gemacht.
  • Astrogator 05.01.2019 16:36
    Highlight Highlight Die Cojones von Breitmeier möchte ich auch haben. Zuerst dem Eigentümer (Bund) und der Aufsichtsbehörde Einblick in die Zahlen verweigern, dann so tun als ob man freiwillig Transparenz schaffen will und schon mal auf Vorrat jammern wieso ein Entscheid von 2018 über die Ausweitung der Exporte der Grund für allfällig zu hohe Rechnungen sind.

    Ich Gewinne immer mehr den Eindruck als CEO in der Schweiz muss man eine Mischung aus Gier, Inkompetenz und dummdreisten Verhalten an den Tag legen - korrekte Arbeit scheint nicht gefragt zu sein. Ausbaden können es ja dann die Angestellten.

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