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Journalisten müssen sich am Riemen reissen: SRF-Chefin will Service public neu justieren 

11.11.2018, 01:4811.11.2018, 02:21

Die Sender des Schweizer Radio und Fernsehens SRF sollen künftig auf Meinungsjournalismus verzichten. Nachrichtenbeiträge sollen bloss noch abbilden, nicht mehr bewerten, sagte die designierte neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Bild: KEYSTONE

«Wir müssen ein Programm machen, das informiert, aber nicht polarisiert. Wir müssen keinen Meinungsjournalismus machen», sagte die 50-Jährige, die im Frühjahr 2019 Nachfolgerin von SRF-Direktor Ruedi Matter wird. Wappler, die derzeit Programmdirektorin des Mitteldeutschen Rundfunks in Halle ist, will in der Schweiz nach der heftig umkämpften «No Billag»-Abstimmung den Service public neu justieren.

Nachrichtenbeiträge sollen bloss noch abbilden, nicht mehr bewerten. «Wenn wir in einem Beitrag einen Politiker zu Wort kommen lassen und wenn der Journalist dann den Eindruck erweckt, er wisse es besser, provoziert das einen Vertrauensverlust.» Journalisten müssten sich am Riemen reissen, dass sie nicht einfach Klischees des Typs «SVP gleich Stumpenraucher» bedienen würden. Der Sender war wiederholt von Politikern aus der stärksten Schweizer Partei kritisiert worden.

Ideen für Zusammenarbeit mit Privaten

Die Unterhaltung des Service public dürfe auf keinen Fall menschenverachtend oder voyeuristisch sein. Und in der Information solle nicht skandalisiert werden. «Ich will auch künftig keine reisserischen Titel, damit es möglichst viele Clicks gibt», sagte die langjährige TV-Redaktorin und frühere SRF-Kulturchefin. Der Recherche will sie mehr Platz geben.

Wappler kündigte weiter an, künftig mit privaten Medien und Verlegern zusammenarbeiten zu wollen. Ihr schweben gemeinsame Journalistenpools in den Regionen vor, über die kleine Redaktionen das Knowhow von SRF anzapfen dürften. «Die BBC hat mit Regionalmedien ein Netzwerk von Lokaljournalisten erstellt, auf das kleinere Redaktionen zurückgreifen können. So stärkte sie den Lokaljournalismus.» Solche Modelle könnten auch für die Schweiz interessant sein.

Peter Blunschi analysiert die No-Billag-Abstimmung:

Video: Peter Blunschi, Nico Franzoni, Angelina Graf

Mehr Serien

Stärken will Wappler die Kultur, sie werde diese keinem Quotenausdruck aussetzen. «Unsere Beiträge müssen auf Youtube nicht 16 Millionen Mal angeschaut werden. Vielmehr möchte ich eine Methode finden, mit der man Relevanz messen kann.» Kulturbeiträge würden oft über die Zeit eine respektable Reichweite erhalten. Kultur vermittle Werte und sei wichtig für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Künftig will die neue Direktorin etwa mehr Serien wie «Wilder» produzieren.

Da die SRG ab 2019 jährlich 100 Millionen Franken einsparen muss, wird Wappler laut eigenen Angaben bei SRF voraussichtlich 47 Stellen abbauen müssen. Wo sie den Hebel konkret ansetzen will, dazu äusserte sie sich im Interview nicht. «Ich werde Entscheide treffen müssen, die nicht allen gefallen.» (sda/vom)

Da musstet ihr doch selber lachen, liebe No-Billag-Gegner:

Video: Christoph Bernet, Angelina Graf

SRF dreht Dokumentarfilm über den Generalstreik – Parlamentarier mittendrin:

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SRF dreht Dokumentarfilm über den Generalstreik – Parlamentarier mittendrin
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75 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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peigi
11.11.2018 08:52registriert Juni 2016
Wenn ein Politiker, ob links, Mitte oder rechts, faktisch falsche Behauptungen macht (und ja, es gibt objektive Fakten), dann hat ein guter Journalist die Aufgabe, darauf hinzuweisen.

Alles andere ist kein Journalismus sondern unkritisches verbreiten von Pressemitteilungen. Propaganda halt.

Die Aussage von Frau Wappler ist hoffentlich unglücklich formuliert und ohne Kontext missverständlich. Wenn nicht, sollte sie besser bei der APG Plakatwände vermieten. Dort funktioniert ihr Konzept.
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Humpe
11.11.2018 07:19registriert Februar 2014
Aua. Mir graut vor der Zukunft der SRG. Wenn eine Seite behauptet, dass es draussen regnet und die andere das Gegenteil behauptet, dann ist es der verdammte Job eines Journalisten, aus dem Fenster zu schauen und herauszufinden, was stimmt. Es hat nichts mit Journalismus zu tun, nur akribisch darauf zu achten, dass beide Seiten möglichst gleich viel Sendezeit erhalten. Demnächst kommen bei Einstein wahrscheinlich regelmässig Flat Earther zu Wort.
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Alphonse Graf Zwickmühle
11.11.2018 07:26registriert Oktober 2018
...am Riemen reissen, Militärsprache bei einer Frau, und alle so, hä was?
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