Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Der Januar verkommt immer mehr zum Nicht-trink-Monat. bild: shutterstock

Interview

Der Januar wird zum Alk-freien Monat – warum tun wir uns das an?

Anfang dieses Jahres verzichten auffällig viele Schweizer auf Alkohol oder sie versuchen, sich gesünder zu ernähren. Konsumforscherin Mirjam Hauser sagt im Interview, was 2017 anders ist und ob solche Vorsätze überhaupt Sinn machen. 



Auf der watson-Redaktion machen gleich mehrere Redaktore «Ramadan», sie trinken seit dem 1. Januar keinen Alkohol mehr und sie wollen sich gesünder ernähren. Täuscht es, oder tun das dieses Jahr mehr Leute als sonst? 
Mirjam Hauser:
Das kann ich nicht sagen, dazu gibt es keine Statistiken. Es wäre interessant, solche zu erheben. Subjektiv nehme ich jedoch schon wahr, dass sich seit ein paar Jahren mehr und mehr Leute vornehmen, sich im Januar gesünder zu ernähren. 

Woher kommt das?
Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens ist es immer noch so, dass wir im Dezember über die Stränge schlagen. Es sind nicht nur der Silvester und die Weihnachtstage. Den ganzen Monat «sündigen» wir. Es gibt mehr Apéros mit Freunden als sonst, Weihnachtsessen und ähnliches. Im Januar wollen wir das dann ausgleichen, die Balance wieder herstellen. 

«Mass zu halten ist viel schwieriger als etwas ganz zu lassen.»

Und zweitens?
Zweitens entwickelt unsere Gesellschaft zunehmend ein Bewusstsein für ausgewogenes Essen. Wir machen uns viel mehr Gedanken über das Essen. Das Thema ist omnipräsent. Man redet darüber. Früher haben im Januar vielleicht viele im Verborgenen gefastet, heute machen es alle öffentlich. 

Mirjam Hauser

Mirjam Hauser. bild: zvg

Forscherin Mirjam Hauser

Mirjam Hauser ist Senior Research Managerin bei der GIM Suisse Gesellschaft für innovative Marktforschung. Hier erforscht sie Konsumverhalten mit innovativen qualitativen und quantitativen Ansätzen. Davor hat Hauser am GDI (Gottlieb Duttweiler Institute) über sieben Jahre Megatrends und Gegentrends beobachtet und Zukunftsszenarien entwickelt. (feb)

Macht es denn überhaupt Sinn, einen Monat lang gesund zu leben?
Zuerst möchte ich noch etwas anfügen zur vorgehenden Frage: Dass wir heute so viel mehr über das Essen kommunizieren, hat viel mit den sozialen Medien zu tun. Essen zu fotografieren, es auf Instagram oder Facebook zu stellen, das ist ein relativ neues Phänomen. Unsere sozialen Medien sind ein Verstärker dieses Trends sich mit Essen zu beschäftigen. Zurück zu ihrer Sinn-Frage: Naja. Besser wäre es, man würde das ganze Jahr ausgewogener leben statt nur im Januar darauf zu achten. Psychologisch bringen solche Aktionen aber schon etwas. 

Umfrage

Verzichtest du im Januar auf Alkohol?

  • Abstimmen

1,911

  • Ja. Dieses Jahr zum ersten Mal. 9%
  • Ja, das mache ich schon seit Jahren. 9%
  • Nein. Ich lebe das ganze Jahr gesund. 15%
  • Nein. Ich lasse mir den Genuss auch im Januar nicht verbieten. 60%
  • Ich trinke nie. 7%

Was bringen solche Vorsätze denn?
Sie erhöhen die Selbstwirksamkeit. Wir bekommen das Gefühl, selbst etwas zu bewirken – und nicht einfach Opfer zu sein. So bekommt der Mensch das Gefühl, er könne konsequent und strikt sein.

Apropos strikt. Wieso müssen wir immer gleich so radikal sein? Warum nehmen wir uns nicht vor, einfach weniger zu trinken? 
Ein bisschen einschränken ist viel schwieriger umzusetzen, weil wir dann ganz viele Regeln aufstellen müssten. Dafür sind wir wohl zu schwach. Mass zu halten ist viel schwieriger als etwas ganz sein zu lassen. Nehmen wir den Alkohol. Wie viel ist zu viel? Zwei Gläser pro Woche? Weil wir das nicht genau definieren können, verzichten wir lieber vollständig darauf. 

Bild

Alkohol gilt oft als etwas soziales. biid: shutterstock

Trotz allem schaffen es nur Wenige, ihre Ziele einzuhalten. Wird das nun durch das zunehmend öffentliche Kommunizieren besser? 
Ich denke schon. Je mehr Leute wissen, dass wir auf Alkohol verzichten, desto mehr werden uns «kontrollieren». Machen wir es öffentlich – gerade auch über die sozialen Medien – werden uns mehr Freunde darauf ansprechen und uns motivieren, es durchzuziehen. 

Die Kilo purzeln, das Sozialleben leidet 

Was bringt es dem Körper keinen Alkohol zu trinken? Redakteure des New Scientist machten den Selbsttest. Sie tranken einen Monat nicht und liessen sich danach untersuchen. Resultat: Die 14 Redakteure hatten im Durchschnitt 15 Prozent weniger Fett in der Leber und 16 Prozent weniger Glucose im Blut. Zudem nahmen sie durchschnittlich 1,4 Kilogramm ab. Sie gaben aber an, ihr soziales Leben habe während dieser Zeit gelitten (feb).   

Der Verzicht auf Alkohol ist nur ein kleiner Schritt um gesünder zu leben. Womit müsste man die Alkoholabstinenz im Januar kombinieren?
Da gibt es verschiedenes. Der Verzicht auf Fleisch, auf Süsses, auf Kaffee oder sogar Fasten. Wie gesagt, kommt es aber nicht so darauf an, was der Vorsatz ist, sondern, dass man sich einen nimmt und ihn umsetzt. 

rotes Fleisch

Ist Fleisch Genuss oder Sünde? 

Sehen Sie neue Trends im Bereich Food, die irgendwann vielleicht Neujahrsvorsätze werden?
Der Trend Richtung noch bewussterer und gesünderer Ernährung wird sicher anhalten. Werbeverbote für Kinderspeisen mit «zu viel» Zucker oder Fett gibt es bereits. Ein anderes Thema ist das «Nudging». «Nudging» bedeutet frei übersetzt, dass wir alle dank unserer Umgebung mit kleinen «Stubsern» dazu gebracht werden, gesund zu essen. Mit Früchte-Verteilaktionen in der Schule zum Beispiel. Gesunde Menüs in Mensas gehören ebenfalls zum «Nudging». 

Das klingt alles sehr vernünftig. Gleichzeitig drängt sich die Frage auf: Wird unsere Gesellschaft immer lustfeindlicher? 
Es gibt zwei Seiten. Dass wir uns immer mehr Gedanken über unser Essen machen, führt dazu, dass wir es rationaler beurteilen. Wenn das Kind sich überlegt, ob es das Schokoladenstück, das es vom Grosi geschenkt bekommen hat, jetzt essen darf oder nicht, ist natürlich lustfeindlich. Andererseits bringt dieser bewusste Konsum auch Positives: Wenn wir uns lange überlegen ob und welches Stück Fleisch wir kaufen, dann geniessen wir das auch viel mehr, weil es wieder etwas Spezielles wird. Dasselbe gilt wohl für das erste Glas Wein zu einem guten Essen nach einem Monat Alkoholverzicht. 

So könnte es klappen mit den Vorsätzen 

Es gibt unzählige Gründe, weshalb wir unsere Vorsätze nicht einhalten. Ein Hauptgrund scheint jedoch die «Macht der Gewohnheit» zu sein. Der Beobachter schrieb dazu einen aufschlussreichen Artikel. Demnach sollten diese fünf Punkte helfen: 

Falls du dir vorgenommen hast weniger Süsses zu essen, solltest du dir diese Bilder nicht anschauen. Dessert, Dessert, Dessert!

Das könnte dich auch interessieren:

Das sind die besten Rekruten der besten Armee der Welt

Link zum Artikel

Weshalb die Ära Erdogan jetzt schneller vorübergehen könnte, als du denkst

Link zum Artikel

Wer in Europa am meisten Dreckstrom produziert – und wie die Schweiz dasteht

Link zum Artikel

Christian Wasserfallen nicht mehr FDP-Vize – wegen der Klimafrage?

Link zum Artikel

Alle gegen Trump: Demokraten treten an zum ersten TV-Duell

Link zum Artikel

Mit diesen 10 Apps pimpst du dein Smartphone zum Büro für unterwegs

Link zum Artikel

9 «Ratschlag»-Klassiker, die du dir in Zukunft einfach mal sparen kannst

Link zum Artikel

Schneider-Ammanns Topbeamter gab vertrauliche Infos an Privatindustrie weiter

Link zum Artikel

25 Bilder von Sportstars, die Ferien machen

Link zum Artikel

Holland ist aus dem Häuschen, weil diesem Schwimmer gerade Historisches gelang

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

30
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Caligula 10.01.2017 13:14
    Highlight Highlight Aufgrund der Prüfungsphase komme ich gar nicht dazu Alkohol zu trinken. Muss dies dann wohl später kompensieren. ;)
  • dmark 10.01.2017 12:59
    Highlight Highlight Ich trinke nicht mehr - aber auch nicht weniger :)
    Die besten Vorsätze sind die, welche man nicht macht.
  • speedy_86 10.01.2017 12:23
    Highlight Highlight Ich trinke so selten Alkohol (ob Bier, Whisky oder weiteres Hochprozentiges) und fast nie Wein, dass es keinen Unterschied macht ob ich mir das jetzt vornehme oder nicht ich trinke teils mehrere Monate keinen Alkohol.
  • mike2s 10.01.2017 12:15
    Highlight Highlight Ich verzichte aufs Fasten. Gilt das auch?
  • JJ17 10.01.2017 11:54
    Highlight Highlight Wichtig ist, dass man es nicht übertreibt und alles im Mass hält. Darauf erstmal ein Mass Bier!
    • Mia_san_mia 10.01.2017 13:07
      Highlight Highlight Prost 😃
  • TheMan 10.01.2017 11:49
    Highlight Highlight Was? Januar Alkfrei? Wer möchte ein Bier? Ein Weekend ohne 1Bier geht nicht.
    • Mia_san_mia 10.01.2017 13:07
      Highlight Highlight Vor allem jetzt wo noch Fasnacht ist...
  • BeWi 10.01.2017 11:41
    Highlight Highlight Was qualifiziert die Dame denn uns zu sagen was gut oder schlecht ist? Ja ja, Fleisch und Fett, immer der gleiche (falsche) Mist.. Ok, I see: Frau = Ernährungsberaterin, Mann=Früh-Sterber-weil-zuviel-gesoffen-und-gegessen-hat...
  • P@inless 10.01.2017 11:26
    Highlight Highlight Wie war das nochmals.. nicht die Menge, die Regelmässigkeit macht die Sucht.
  • Erarehumanumest 10.01.2017 11:25
    Highlight Highlight kleines Chatprotokoll

    [‎10.‎01.‎2017 11:20] XY:
    http://www.watson.ch/Schweiz/Wissen/834059470-Der-Januar-wird-zum-Alk-freien-Monat-%E2%80%93-warum-tun-wir-uns-das-an-
    definitiv was für XX
    [‎10.‎01.‎2017 11:21] XX:
    haha, du wirst es nicht glauben, ich habs schon mindestens 10x gekriegt heute :) schön lest ihr alle so fleissig Watson und denkt an mich :)
    [‎10.‎01.‎2017 11:22] XY:
    haha und du wirst es nicht glauben, ich habe eine Antwort in diesem Stil erwartet!!!
    [‎10.‎01.‎2017 11:22] XX:
    haha, du wirst es nicht glauben, ich bin auch ohne Alkohol noch immer ich :)
  • Theor 10.01.2017 10:51
    Highlight Highlight Der Januar als alkoholfreier Monat? Der Zug ist bei mir längst abgefahren.. *nippelt wie jeden Abend an seinem Baileys-Glas*
  • jjjj 10.01.2017 10:43
    Highlight Highlight habe das im November gemacht. Kein Problem. Das Sozialleben hat auch nicht gelitten... ;)
    • jjjj 10.01.2017 11:15
      Highlight Highlight ... und ich musste es auch nicht an die grosse Glocke hängen.
  • Ottix 10.01.2017 10:23
    Highlight Highlight Wie kann man in der Vorfaschnachts Zeit auf Alkohol verzichten? :O
  • Chüdrchübu 10.01.2017 10:16
    Highlight Highlight einen Monat nicht trinken, die perfekte Gelegenheit um mal wieder richtig zu kiffen :D
  • SVARTGARD 10.01.2017 10:12
    Highlight Highlight .
    Benutzer Bildabspielen
    • Calvin Whatison 10.01.2017 10:50
      Highlight Highlight 😂😂😂😂Grüsel
  • PeterLustig 10.01.2017 10:05
    Highlight Highlight Ich finds immer erschreckend wie Alkoholkonsum glorifiziert wird... Natürlich ist es in Moderation ganz ok, aber darum muss man nicht immer so "Hahahaha schau ich trinke ein Bier ach wie cool bin ich denn hahaha" tun. Natürlich kommt jetzt wieder "Aber trinken ist ja voll sozial und so wenn ich mich mit meinen kumpels besaufe!!1!!!1!1" Doch das macht es noch lange nich harmlos. Dasselbe mit Kaffee.
    • Felix Burch 10.01.2017 10:31
      Highlight Highlight Was ist denn mit Kaffee?
    • Wehrli 10.01.2017 10:35
      Highlight Highlight Er wollte sagen Kiffen, war aber zu besoffen ...
    • Yosh1 10.01.2017 11:09
      Highlight Highlight Du machst deinem Namen aber keine Ehre ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Luca Brasi 10.01.2017 09:53
    Highlight Highlight Gesund und lustfrei leben. Toll. Nimmt manchmal schon manische Züge an wie Leute gesund leben wollen.
    Und es stimmt doch nicht, dass Mass halten so schwierig sei.
    Aber naja, wenigstens hat Herr Burch die entscheidenden Fragen gestellt. Darauf ein Prosit! ;)
    • Mietzekatze 10.01.2017 11:41
      Highlight Highlight Wieso wird denn gesund immer mit lustfrei gleichgestellt? Wenn ich verarbeitete Lebensmittel konsumiere oder Alkohol, leide ich Stundenlang körperlich.. Weil mein Körper sich diesen Konsum nicht gewohnt ist und rebelliert.. DAS ist für mich Lustfrei! Aber meine selbstgekochten Essen sind für mich das pure Leben.. Schon die Zubereitung liebe ich! Ich sag euch auch nicht, dass ihr ungesund seid und weise euch auf alles ungesunde hin! Also lasst mich doch glücklich und gesund Leben.. Denn für mich bedeutet es nicht zu verzichten, sondern meinem Körper mit den richtigen (Lebens-)Mitteln zu danken.
    • Luca Brasi 10.01.2017 12:01
      Highlight Highlight Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe kein Problem mit gesundem und selbstgekochtem Essen. Im Gegenteil, ich liebe es. Für mich wird es einfach bedenklich, wenn man nur noch Kalorien zählt, von "sündigen" während der Weihnachtszeit spricht, etc. Wenn dann aber Dinge wie Kontrolle durch Freunde über Social Media fallen, dann hat das für mich etwas Sektenhaftes. Mit Ihrer Auffassung habe ich jedoch kein Problem. ;)
  • SuicidalSheep 10.01.2017 09:40
    Highlight Highlight Spüre persönlich nichts davon. Erst gestern leckeres Lamm-Rack mit Bratkartoffeln gegessen, dazu ein gutes Guinness.
  • Ohniznachtisbett 10.01.2017 09:25
    Highlight Highlight Ich habe im Januar Geburtstag, somit fällt der Ramadan für mich sowieso Jahr für Jahr aus, resp. sicher nicht im Januar...

Wir haben mit einem schwulen CVPler gesprochen – das sagt er zum Heiratsstrafen-Dilemma

Der Sieg vor dem Bundesgericht bringt die CVP in die Bredouille: Mit der Neuauflage der Abstimmung über ihre Heiratsstrafe-Initiative kocht die Diskussion über die Ehedefinition im Initiativtext wieder hoch, der den Weg zur «Ehe für alle» verbaut. Der oberste LGBTI-Vertreter der CVP hofft auf ein glimpfliches Ende.

Herr Hungerbühler, die CVP befindet sich in einem Dilemma: Zwar hat sie vor Bundesgericht gewonnen, aber jetzt holt sie die Diskussion über die Ehedefinition wieder ein. Welchen Weg muss die Partei Ihrer Meinung nach jetzt einschlagen?Markus Hungerbühler: Die Schwierigkeit besteht derzeit darin, dass mit der Annullierung der Abstimmung durch das Bundesgericht eine völlig ungewohnte Situation entstanden ist. Das ist ein Novum und deshalb müssen wir jetzt auf jeden Fall die schriftliche …

Artikel lesen
Link zum Artikel