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YBs Sportchef Fredy Bickel, waehrend einem Interview, am Dienstag 8. Juli 2014 im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Fredy Bickel schaut auf das Jahr 2016 zurück. Bild: KEYSTONE

«Ich habe aus meinen Fehlern bei YB gelernt und nicht gleich den Pokal versprochen»

Fredy Bickels persönlicher Rückblick auf ein emotionales Jahr: Bei YB entlassen, nun Hoffnungsträger von Rapid Wien. Und er spricht über die Unterschiede zwischen dem österreichischen und dem schweizerischen Fussball.

Fredy bickel



Emotionen 2016

In der Serie «Emotionen 2016» blicken ausgewählte Persönlichkeiten aus dem Sport auf ihr zu Ende gehendes Jahr zurück. Gestartet hat die Serie SCB-Meistercoach Lars Leuenberger. Im zweiten Teil gewährt der ehemalige YB-Sportchef Fredy Bickel Einblicke in die Hintergründe seines Endes in Bern und erzählt, wie er zu seiner neuen Aufgabe bei Rapid Wien gekommen ist.

aargauerzeitung.ch

«Irgendwie fühlt es sich an wie ein Direktflug. Von Bern nach Wien. Ohne Pause. Drei Monate ist mein Abschied nun her, aber ich habe das Gefühl, als wäre ich noch gar nicht weg gewesen. Und Zeit für mich selbst habe ich mir auch nicht wirklich genommen.

Rapid-Praesident Michael Krammer, der neue Rapid-Sportdirektor Fredy Bickel und Wirtschaftsvorstand Christoph Peschek am Sonntag, 11. Dezember 2016, während einer PK von SK Rapid Wien. (KEYSTONE/APA/Georg Hochmuth)

Bickel bei seiner Vorstellung als Sportchef bei Rapid Wien. Bild: APA

Immer wieder war ich in Bern. Immer wieder mit dem Bau eines Hauses beschäftigt. Und zwischendurch produzierte ich mit meinen Freunden Helga Schneider, Halunken Häni und Beat Schlatter einen Song. Das Singen, meine alte Passion, das war gut für die Ablenkung. Ich hoffe nur, die Leute nehmen uns nicht allzu ernst – weil wir uns selbst auch nicht allzu ernst nahmen.

Auch in Wien musste Bickel sich gleich musikalisch beweisen: An der Mitgliederweihnachtsfeier von Rapid Wien gibt er den Anwesenden eine Kostprobe seiner Gesangskünste. Video: © youtube/SK Rapid Wien

Das Gefühl Anfang Jahr stimmt – doch plötzlich ändert alles

Ich habe ein Jahr der Achterbahnfahrt hinter mir. Als ich am 13. Januar meinen Vertrag bei YB verlängerte, war die Stimmung im Verein gut. Wir hatten den schwierigen Herbst mit der Trainerentlassung von Uli Forte und dem Europa-Aus verarbeitet. Der FCB zahlte uns doch noch etwas für Renato Steffen. Wir konnten Yoric Ravet von GC verpflichten. Das Gefühl stimmte.

Im März kam Urs Siegenthaler in den Verein. Ich spürte vom ersten Tag an: Da ändert sich etwas. YB wollte eine Sportkapazität im Verwaltungsrat. Auch ich präsentierte Namen, Berner, ehemalige Spieler zum Beispiel.

Als wir uns zum ersten Mal sahen, sagte er: ‹Siegenthaler, Grüezi Herr Bickel.› Wir kennen uns seit 25 Jahren und sind seit 20 Jahren per Du. Mein Bauchgefühl liess mich nicht im Stich. Aber das konnte ich damals noch nicht wissen. Denn ich habe nie auch nur einen einzigen Satz gehört, der meine Zweifel bestätigt hätte.

ZUR MELDUNG, DASS YB SPORTCHEF FREDY BICKEL DEN CLUB PER SOFORT VERLAESST, STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 13. SEPTEMBER 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - YB-Sportchef Fredy Bickel spricht an einer Medienkonferenz zum bevorstehenden Saisonstart der Super League am Dienstag, 19. Juli, 2016 in Bern. (KEYSTONE/Thomas Hodel)

Das Titelversprechen bei YB konnte Fredy Bickel nicht halten – in Wien erwarten die Fans ebenfalls bald eine Meisternacht. Bild: KEYSTONE

Der Vertrag mit meinem Nachfolger Paul Meier wurde lange im Voraus unterschrieben. Anscheinend hätte ich erst im Oktober entlassen werden sollen. Doch plötzlich kam Unsicherheit auf, dass alles an die Öffentlichkeit kommen könnte. Dann aber gab Siegenthaler sein legendäres Interview im St. Jakob-Park mit der Muttenzerkurve im Hintergrund. Und alles wurde wieder anders.

Die Geschichte hat etwas sehr Gutes. Nämlich, dass Christoph Spycher mein Nachfolger wurde. Das ist das Beste, das YB passieren konnte. ‹Wuschu› hat einige Male mit mir gesprochen seither. Er wird mit YB einen guten Weg gehen.

Die Liebe zur Stadt macht den Abschiedsschmerz gross

Im Sommer habe ich in Ihrer Zeitung den Satz gesagt, dass sich das Versagen bei YB im Unterbewusstsein eingenistet habe. Ist es ein Fluch? Vielleicht. Überwinden kann man ihn, indem man Erfolge erlebt. Die Meistertitel beim FC Zürich waren nur möglich, weil das Team zuvor den Cup gewann. Wer weiss, vielleicht erlebt Bern 2017 einen Cup-Triumph. Der könnte dem ganzen Verein enorm viel bringen.

06.03.2014; Bern; Fussball Super League - BSC Young Boys; Sportchef Fredy Bickel posiert in der Berner Altstadt. (Christian Pfander/freshfocus)

Fredy Bickel mag die Stadt Bern. Bild: Christian Pfander/freshfocus

Ich habe keine Angst, den lang ersehnten Titel zu verpassen. Ich freue mich noch heute über jedes gute YB-Resultat. Weil ich mich mit dem Verein identifiziere. Und ich liebe die Stadt. Darum hat mich der Abschied grausam getroffen. Und jetzt bin ich schon wieder im Geschäft. Verrückt, wie schnell es gegangen ist.

Die wichtigsten Statements von der Präsentation von Fredy Bickel als neuer Sportdirektor beim SK Rapid Wien

Video: © youtube/SK Rapid Wien

Ich weiss nicht mehr, wie Rapid Wien auf mich gekommen ist. Zum ersten Mal Kontakt hatten wir vor vier Jahren. Sie riefen mich an, als ich gerade eben zu YB gekommen war. ‹Schade um den Zeitpunkt›, dachte ich, ‹das hätte durchaus spannend sein können›. Nun klappt es doch noch. Und ich bin fasziniert von Stadt und Verein.

Ein Test-Fragebogen mit vielen erstaunlichen Erkenntnissen

Als die Liste der möglichen Kandidaten noch drei Personen umfasste, durfte ich einen Test-Fragebogen ausfüllen. 50 Fragen habe ich beantwortet. Es ging immer darum, fünf Begriffe zu ordnen nach Wichtigkeit für mich selbst. Wobei es immer ähnliche Begriffe sind, manchmal fünf positive, manchmal fünf negative.

Als sie mir die Auswertung zeigten, konnte ich es fast nicht glauben. Es war, als würden sie mich seit 30 Jahren kennen. Selbst meine Eltern waren ziemlich überrascht. Beispielsweise stand da, wie man mit mir am besten kommuniziert. Oder dass ich schon ziemlich stur und abweisend oder arrogant reagieren kann, wenn man mich nicht in Entscheidungen einbezieht oder etwas zu wenig ausdiskutiert.

Der neue Rapid-Sportdirektor Fredy Bickel am Sonntag, 11. Dezember 2016, während einer PK von SK Rapid Wien. (KEYSTONE/APA/Georg Hochmuth)

Jetzt lacht Bickel in Wien in die Kameras. Bild: APA

Drei Tage nach dem Test bin ich zum letzten Gespräch nach Wien geflogen. Danach ist alles schnell gegangen. Ich hätte gleich beginnen können. Aber zuerst musste ich meine Vertragsmodalitäten mit YB regeln. Ich habe mich natürlich auch intensiv mit Adi Hütter ausgetauscht und mit Marcel Koller unterhalten.

Als österreichischer Nationaltrainer kennt er den Fussball rund um Wien perfekt. Er hat mir Rapid wärmstens empfohlen. Die Stadt lebt den Verein. 2008 war Rapid zuletzt Meister. Nun lechzen die Fans nach einem nächsten Erfolg. Man hat mir erzählt, es wären sofort eine halbe Million Menschen auf der Strasse bei einem Titel.

Football Soccer - Rapid Wien v Athletic Bilbao - UEFA Europa League group stage - Group F - Allianz Stadium, Vienna, Austria - 8/12/2016. Supporters of Rapid Wien before the match. REUTERS/Leonhard Foeger

Die Fankultur von Rapid Wien. Bild: LEONHARD FOEGER/REUTERS

Die ersten 1500 Vereinsmitglieder dürfen bei der Weihnachtsfeier dabei sein. Um das zu erleben, haben viele sogar draussen vor dem Eingang übernachtet. Nach 10 Minuten waren alle Tickets weg.

Der Blick von der Schweiz auf den österreichischen Fussball ist immer noch geprägt vom Denken des kleinen Nachbars. Dabei sind die Vereine, was Marketing und Werbung angeht, gut aufgestellt. Weiter gar als die Schweizer Vereine.

Dafür ist der Sport etwas weniger professionell aufgestellt als in der Schweiz. Ob Altach oder Rapid Wien – Unterschiede gibt es kaum. Die Spieler kommen direkt von zu Hause zur Besammlung, einfach irgendwie angezogen. Im Training fehlen manchmal Überzieher oder Hütchen, fast wie bei einem 2.-Liga-Unihockeyverein.

Eine Antwort mit mehr Cleverness als einst bei YB

Als ich vorgestellt wurde, kam natürlich sofort die Frage, wann denn endlich der Titel komme. Ich habe aus meinen Fehlern bei YB gelernt, mich etwas cleverer verhalten und nicht gleich den Pokal versprochen.

Es gibt auch andere Ziele, um erfolgreich zu sein. Momentan stehen wir auf Rang 5. Unter die Top 3 zu kommen, wäre super. Am 9. Januar nehme ich meinen neuen Job offiziell auf. Das Schönste ist: Ich spüre, die Leute freuen sich auf mich.» 

(Aufgezeichnet: Etienne Wuillemin)

Damals mit Fredy Bickel: Am 13. Mai 2006 wird der FC Zürich in der 93. Minute in Basel Schweizer Meister

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