Am heutigen Montagabend wird die prestigeträchtigste individuelle Auszeichnung im Fussball verliehen: der Ballon d'Or. Damit ehrt die Zeitschrift France Football jenen Profi, welcher zwischen dem 1. August 2023 und dem 31. Juli 2024 die besten Leistungen gezeigt hat, als Weltfussballer des Jahres.
Die Liste der Nominierten umfasst 30 Namen, wozu neben Superstars wie Erling Haaland oder Kylian Mbappé mit Granit Xhaka auch ein Schweizer gehört. Favorisiert sind jedoch Vinicius Junior von Real Madrid sowie Rodri von Manchester City, Vinicius' Teamkollegen Jude Bellingham werden Aussenseiterchancen ausgerechnet.
Bestimmt wird der Sieger von einer Journalistin oder einem Journalisten pro Land aus der Top-100 der FIFA-Weltrangliste. Ausschlaggebend sind die individuellen Leistungen der Nominierten, das Abschneiden deren Teams sowie deren Talent und Sportsgeist.
Im Vorfeld gab es widersprüchliche Berichte über den möglichen Sieger. Erst hiess es unter anderem von der Marca, dass Vinicius den Ballon d'Or entgegennehmen würde. Später schrieb RMC Sport, dass der 24-jährige Brasilianer wie auch weitere Vertreter von Real Madrid die Verleihung boykottieren, da Vinicius leer ausgehe. So wäre Rodri, der mit einem Kreuzbandriss wohl noch lange ausfallen wird, der wahrscheinlichste Sieger.
Sollte dies der Wahrheit entsprechen, wäre dies zwar schade für den Flügelspieler und Real Madrid, doch die richtige Entscheidung und ein richtiges Zeichen. Denn so wichtig wie Rodri für seine Teams war im letzten Jahr niemand – und im aktuellen Fussball sollte der Weltfussballer im Zentrum spielen und kein Stürmer sein.
Wenn man von den offensichtlichen Statistiken wie Toren und Assists absieht, ist der Einfluss von keiner Position so hoch wie von defensiven Mittelfeldspielern. Schon an der WM 2018 war N'Golo Kanté der heimliche Held bei den Franzosen. Dasselbe galt für die englischen Meistertitel mit Leicester und Chelsea in den Saisons 2015/16 und 16/17 sowie dem Champions-League-Triumph 20/21 mit den Blues. In seinem zweiten Meisterjahr wurde er zum besten Spieler der Premier League gewählt.
Seither ist die Bedeutung der Sechser nur noch wichtiger geworden. Sie machen die Mitte zu und sollen schnelle Gegenstösse, auf welche durch den Ballbesitzfussball der Topteams immer mehr kleinere Klubs setzen, unterbinden. Ausserdem kommt den defensiven Mittelfeldspielern in der sogenannten «Rest-Defense» – also der Verteidigung im eigenen Ballbesitz, sozusagen der «Ruhephase» der Defensive, – eine immense Wichtigkeit zu. Sie fungieren als Ankerspieler, die dafür sorgen, dass die Verteidigung auch bei einem Ballverlust bereit ist, gleichzeitig aber auch Angriffe lancieren können.
Ihren Einfluss auf das Spiel zeigt zum Beispiel das in Neuenburg ansässige International Centre for Sports Studies (CIES), indem es ermittelte, wie wichtig die einzelnen Spieler für den Erfolg ihres Teams waren. Dabei wurden defensive Aspekte wie abgefangene Bälle oder gewonnene Zweikämpfe am Boden sowie in der Luft als auch offensive Gesichtspunkte wie das Kreieren von Chancen, die Dribblingstärke und der Abschluss betrachtet.
Rodri führte die Liste mit einem «Impact Score» von 98,5 aus 100 Punkten an, hinter ihm folgte Granit Xhaka (92,5). Dies überrascht nicht, sind der Spanier und der Schweizer doch die beiden Spieler in den Top-5-Ligen mit den meisten Ballkontakten und angekommenen Pässen. Vinicius lag mit lediglich 74,8 Punkten deutlich dahinter – auch weil er gut 1000 Minuten weniger spielte als Rodri.
Ebenfalls interessant: Von den Top-10 waren sieben Mittelfeldspieler, zwei Flügelspieler und ein Innenverteidiger. Der erste Stürmer kam mit Inters Lautaro Martinez auf Platz 14 der Top-5-Ligen.
Beeindruckend ist auch Rodris Bilanz der letzten Saison. Der 28-Jährige stand für Manchester City und Spanien in 63 Spielen auf dem Feld, ein einziges Mal verliess er dieses als Verlierer. Nicht mitgezählt sind die Niederlagen gegen Real Madrid im Champions-League-Viertelfinal und gegen Arsenal im Supercup nach Penaltyschiessen. Mit ihm können City und Spanien also kaum verlieren.
Ohne ihn sieht das hingegen etwas anders aus. In vier Premier-League-Partien ohne Rodri verlor Manchester City in der letzten Saison dreimal. Auch bei der 0:1-Niederlage in Newcastle im EFL Cup war er nicht dabei. Bei der einzigen Pleite der Furia Roja zwischen August 2023 und Juli 2024 gegen Kolumbien stand Rodri ebenfalls nicht auf dem Platz. Dafür führte er Spanien an der Europameisterschaft zum Titel und wurde anschliessend als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet – obwohl er im Final zur Halbzeit verletzt ausgewechselt wurde.
Der Einfluss Rodris auf den Erfolg seiner Teams kann also kaum gross genug geschrieben werden.
Zumal er auch im Angriff immer wichtiger wird. Nachdem er in den ersten Jahren seiner Karriere bei Villarreal, Atlético Madrid aber auch bei Manchester City nur selten zu Skorerpunkten kam, taucht er mittlerweile immer häufiger am gegnerischen Strafraum auf. In der letzten Saison erzielte er neun Tore und 14 Assists, schon im Jahr davor schoss er City im Final gegen Inter Mailand (1:0) zum Champions-League-Triumph.
Eine Grafik von The Athletic zeigt, dass Rodri bei Manchester City nach Kevin De Bruyne aus dem Spiel heraus an den meisten Angriffen, die mit einem Schuss enden, beteiligt war. Zwar schoss er nicht so häufig wie andere Spieler und kreierte auch weniger Chancen, doch war er im Spielaufbau enorm wichtig.
All das veranschaulicht, dass Rodri den modernen Sechser verkörpert wie kein anderer und weshalb er einer von Pep Guardiolas Lieblingsspielern ist. Denn er tut dies, während er die Defensivarbeit in keinster Weise vernachlässigt. Kein Spieler bei ManCity trennte den Gegner häufiger vom Ball als Rodri, ausserdem fängt er mit die meisten Bälle ab und macht kaum Fehler. Seine Pässe kommen in 92 Prozent der Fälle an, er weist über jede Distanz eine hervorragende Präzision auf und bringt den Ball am häufigsten ins Angriffsdrittel.
Wie wichtig defensive Mittelfeldspieler in den letzten Jahren geworden sind, zeigen auch die Ablösesummen, die für sie mittlerweile bezahlt werden. Waren früher meistens Stürmer, Flügelspieler oder auch mal offensive Mittelfeldspieler die teuersten Spieler, hat sich das in den letzten Jahren etwas geändert.
Chelsea bezahlte 121 Millionen Euro für Enzo Fernandez, den teuersten Spieler der Saison 2022/23, und 116 Millionen für Moises Caicedo. Arsenal blätterte für Declan Rice 116,6 Millionen hin – er war der teuerste Spieler der Saison 2023/24. Auch Real Madrid bezahlte mit 80 Millionen Euro für Aurélien Tchouaméni eine Menge Geld für einen defensiven Mittelfeldspieler. Alle suchen sie ihren Rodri.
Vinicius spielte fraglos eine herausragende Saison. 24 Tore und elf Assists in 39 Spielen für Real Madrid sprechen eine deutliche Sprache. Damit war er beim Gewinn der spanischen Meisterschaft und der Champions League essenziell. In der Königsklasse war er mit sechs Toren und fünf Assists in zehn Partien der Topskorer der Königlichen und traf unter anderem im Halbfinal-Hinspiel doppelt sowie im Final gegen Borussia Dortmund zum 2:0-Endstand. Ausserdem wurde er völlig zurecht zum besten Spieler der Champions-League-Saison gewählt.
Ihm zuzuschauen ist eine Augenweide, Vinicius ist zweifelsohne einer der besten Fussballer der Welt. Wenn er auch mit seinen Mätzchen und teilweisen Unsportlichkeiten nicht überall beliebt ist. Zeitgleich muss man ihm beim Kriterium Sportsgeist zugutehalten, dass er regelmässig mit Rassismus zu kämpfen hat und sich öffentlich gegen diesen einsetzt.
Was bei Vinicius aber auffällt: Andere Spieler bei Real Madrid waren in der letzten Saison mindestens so wichtig wie er. Dies zeigt nicht nur der vom CIES ermittelte «Impact Score». Defensiv hat der Brasilianer sozusagen keinen Einfluss – und offensiv sind bei den Königlichen auch andere für den Erfolg verantwortlich. So zeichnete Jude Bellingham für drei Skorerpunkte mehr verantwortlich, Rodrygo brachte den Ball häufiger ins Angriffsdrittel und hatte eine ähnliche Erfolgsquote im Dribbling. Bei den Ballkontakten und angekommenen Pässen waren Spieler wie Toni Kroos naturgemäss deutlich stärker involviert.
Schlussendlich muss man feststellen, dass Vinicius bei Real Madrid nicht gleich herausragte wie Rodri bei Manchester City, bei dem Kevin De Bruyne lange fehlte und Erling Haaland bis auf seine vielen Tore eher wenig Einfluss aufs Spiel hat, sowie bei Spanien, wo er trotz der überragenden Jungstars Lamine Yamal und Nico Williams der wichtigste Spieler beim EM-Titel war.
Deshalb ist der defensive Mittelfeldspieler Rodri nach vielen Jahren, in denen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi dominierten und einzig Luka Modric sowie Karim Benzema die Phalanx durchbrechen konnten, die einzig richtige Wahl für den Ballon d'Or 2024.
Und nein, Vini ist nicht nur wenn er rassistsch angegangen wird (real Fans haben Jamal übelst beleidigt) ein unfairer Spieler. Es ist eher umgekehrt, er wird so angegangen weil er eben immer provoziert!
Was hat das mit Rasissmus zu tun wenn er eine Minute braucht um vom Feld zu gehen und dann noch hämisch den 4ten auslacht weil der 6 min Nachspielzeit anzeigt?
Der ist einfach so. Und damit erfüllt er die Fairness Kriterien nicht Punkt