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Klubs sagen reihenweise ab – die Reaktionen auf die Super League

UEFA President Aleksander Ceferin gestures as he arrives for the 2023/24 UEFA Europa League group stage draw at the Grimaldi Forum in Monaco, Friday, Sept. 1, 2023. (AP Photo/Daniel Cole)
«Sollen sie ihren Wettbewerb doch kreieren»: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zeigt sich angriffig.Bild: keystone

UEFA-Präsident schiesst gegen Super League, Klubs sagen ab – das sind die Reaktionen

21.12.2023, 16:46
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Wenige Stunden nach der Urteilsverkündung des Europäischen Gerichtshof (EuGh) stellte ein von Real Madrid und Barcelona beauftragtes Unternehmen ein Konzept für eine neue europäische Super League vor. An dieser sollen 64 Klubs, verteilt auf drei Ligen, teilnehmen. Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten.

Real Madrid

Als einer von zwei verbliebenen Klubs, welche einen neuen europäischen Wettbewerb weiterhin offiziell verfolgten, zeigte sich Real Madrid über den Gerichtsentscheid erfreut. In den Augen von Präsident Florentino Perez würde dieser «unsere Prinzipien, Werte und Freiheiten» garantieren. Die Verantwortlichen würden die Tragweite des Urteils in den kommenden Tagen im Detail untersuchen. Zwei Dinge «von grosser historischer Bedeutung» wollte Perez dennoch klarstellen:

«Erstens, dass der europäische Klubfussball kein Monopol ist und nie wieder sein wird. Und zweitens, dass die Vereine von heute an die Herren ihres Schicksals sein werden. Kurz gesagt, heute hat das Europa der Freiheiten wieder einmal gesiegt, und heute haben auch der Fussball und seine Fans gesiegt. Dies ist eine grosse Chance, den europäischen Klubfussball zu verbessern.
Dieser Tag wird ein Vorher und ein Nachher markieren. Es ist ein grosser Tag für die Geschichte des Fussballs und für die Geschichte des Sports.»
FILE - Real Madrid president Florentino Perez poses for a picture prior the 66th Ballon d'Or ceremony at Theatre du Chatelet in Paris, France, Monday, Oct. 17, 2022. The European Union?s top cour ...
Real-Madrid-Präsident Florentino Perez.Bild: keystone

FC Barcelona

Der Zweite im Bunde der Super-League-Klubs – Real Madrids grosser Rivale FC Barcelona – war nicht minder glücklich. Auf der Homepage des Vereins teilten die Katalanen mit:

«Als einer der Vereine, die das Super-League-Projekt vorantreiben, ist der FC Barcelona der Ansicht, dass das Urteil den Weg für einen neuen Elite-Fussballwettbewerb in Europa ebnet, indem es sich gegen das Monopol in der Fussballwelt wendet. Die mittelfristige Nachhaltigkeit des europäischen Fussballs macht die Schaffung eines Konzepts nach dem Vorbild der von A22 vorgeschlagenen Super League erforderlich. Deshalb erklärt der FC Barcelona seine Unterstützung für diese.»

UEFA

Unter anderem die UEFA bemühten sich hingegen zu betonen, dass der Entscheid des EuGh «keine Billigung oder Bestätigung der sogenannten ‹Super League›» bedeute. Es würde lediglich zeigen, dass Mängel in den zuvor geltenden Regeln bestanden hätten. Das Gericht hatte die Drohungen der UEFA und der FIFA, Spieler und Klubs, welche an Wettbewerben anderer Organisationen teilnehmen würden, von ihren Wettbewerben auszuschliessen, am Donnerstagmorgen für gesetzeswidrig erklärt.

Dieser Teil der Regeln sei bereits im Juni 2022 angepasst worden. Nun zeigte sich der Europäische Fussballverband sicher, «dass die neuen Regeln alle relevanten europäischen Gesetze und Vorschriften erfüllen». Ausserdem bleibe die UEFA entschlossen, «die europäische Fussballpyramide aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass sie weiterhin den allgemeinen Interessen der Gesellschaft dient».

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin rief eine Pressekonferenz ein und äusserte sich deutlich zum Konzept der neuen Super League:

«Es ist offensichtlich, dass sie einen geschlossenen Wettbewerb wollen, obwohl sie das in ihrer sogenannten Präsentation anders behaupten. Es ist schwer zu entscheiden, ob man geschockt sein soll – oder amüsiert. Weil wir nah an Weihnachten sind, bin ich eher bei amüsiert.
Aber wir werden nicht versuchen, sie aufzuhalten. Das haben wir noch nie. Sie können kreieren, was immer sie wollen. Ich hoffe, dass ihr fantastischer Wettbewerb bald startet – mit zwei Klubs. Ich hoffe, dass sie wissen, was sie tun. Aber ich bin mir nicht so sicher. Fussball steht nicht zum Verkauf.»

SFL

Die Swiss Football League bezieht ebenfalls Stellung gegen die European Super League:

«Die SFL hält konsequent am Grundprinzip fest, dass der Zugang zu den europäischen Klubwettbewerben ausschliesslich über die Leistungen in den jährlich stattfindenden nationalen Wettbewerben organisiert werden soll. Die sind mit ihren einzigartigen Wochenendterminen das Herzstück der Begeisterung aller Fussballfans.»
Claudius Schaefer, CEO, von der Swiss Football League, SFL, orientiert an einer Pressekonferenz ueber die Abstimmung zu den geplanten Playoffs, am Freitag, 11. November 2022, in Bern. Die Swiss Footba ...
SFL-CEO Claudius Schäfer.Bild: keystone

SFL-CEO Claudius Schäfer sieht vor allem auch die eingeschränkten Möglichkeiten der Schweizer Klubs, an den geplanten neuen Wettbewerben teilzunehmen, in Gefahr. Dies will er verhindern:

«Wir werden uns weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen, dass sich unsere Klubs auch in Zukunft durch herausragende Leistungen in den nationalen Wettbewerben für die europäischen Klubwettbewerbe qualifizieren können. Gibt es diesen Weg über die Leistung auf dem nationalen Spielfeld nicht mehr, ist der Traum von europäischen Sternstunden für die Schweizer Klubs ausgeträumt. Der Fussball steht nicht zum Verkauf.»

Europäische Klubs

Die Vereinigung der europäischen Klubs (ECA) äusserte sich ähnlich wie die UEFA und unterstützt die angepassten Regeln des Verbands. In der Mitteilung der von PSG-Besitzer Nasser Al-Khelaifi geführten Vereinigung heisst es:

«Alle anerkannten Akteure des europäischen und weltweiten Fussballs – Konföderationen, Verbände, Vereine, Ligen, Spieler und Fans – stehen geschlossener denn je gegen die Versuche einiger weniger Personen, die persönliche Ziele verfolgen, die Grundlagen und Grundprinzipien des europäischen Fussballs zu untergraben.»

Auch Top-Ligen wie die Premier League und die Deutsche Fussball-Liga (DFL) stellten sich klar gegen das vorgeschlagene Konzept. Von den Klubs hagelte es reihenweise Absagen. Manchester United teilte beispielsweise mit: «Unsere Position hat sich nicht verändert. Wir sind nach wie vor fest entschlossen, an den UEFA-Wettbewerben teilzunehmen und mit der UEFA, der Premier League und anderen Vereinen im Rahmen der ECA bei der Weiterentwicklung des europäischen Fussballs positiv zusammenzuarbeiten.»

Ähnliche Töne schlug Bayern München an. Jan-Christian Dreesen, Vorstandsvorsitzender des Rekordmeisters, versichert: «Die Tür für die Super League beim FC Bayern bleibt zu.» Eine Auswahl weiterer Klubs, welche dem geplanten Wettbewerb bereits eine Absage erteilten:

  • Paris Saint-Germain
  • Borussia Dortmund
  • Atletico Madrid
  • Inter Mailand
  • AS Roma
  • AS Monaco
  • FC Sevilla

Fans

Die Fan-Vereinigung «Football Supporters Europe» sprach sich erwartungsgemäss ebenfalls deutlich gegen die vorgeschlagene Neu-Entwicklung im Fussball aus:

«Wir möchten noch einmal bekräftigen, dass im europäischen Fussball kein Platz für eine abtrünnige Superliga ist. Die Gegner unseres Sports scheiterten 2021 innerhalb weniger Tage, weil die Fans auf dem ganzen Kontinent ihre zynischen Pläne entschieden ablehnten. Trotzdem halten einige von ihnen weiterhin an ihrem unausgegorenen Plan fest, um ihre eigenen Klubs vor dem drohenden finanziellen Ruin zu retten.
Die europäische Fan-Bewegung ist nach wie vor geeint und lehnt jeden Vorschlag für eine Superliga ab, ganz gleich, wie er verpackt wird. Wir lassen uns von den Befürwortern nicht weismachen, dass sich mit ihrem neuesten Plan, schnell reich zu werden, viel geändert hat.
Nationale Wettbewerbe, lokale Rivalitäten und die lebenslange Verbundenheit mit unseren Vereinen sind das Herzstück des Fussballs und wir werden uns weiterhin entschlossen gegen jeden Versuch wehren, dieses gemeinsame Erbe zu zerstören.»

(nih)

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31 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Cityslicker
21.12.2023 17:35registriert Dezember 2014
Die Pläne sind eine Farce. Aber wenn die UEFA sagt, Fussball sei „not for sale“, weiss man auch nicht, ob man nun lachen oder weinen soll…
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Stadt Luzerner
21.12.2023 17:48registriert Oktober 2021
Es geht immer nur ums Geld. FIFA und uefa sind dagegen weil sie ihre Pfründe verlieren. Die superleague fanatiker sehen mehr Geld. Mehr ist da nicht dran. Der Fußball und die Fans werden da gar nicht beachtet.
Schließ doch die maroden Klubs einfach aus? Barcelona müsste doch schon lange Insolvenz anmelden. Financial FairPlay wird nur halbherzig durchgesetzt. Es geht nur ums Geld.
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Henzo
21.12.2023 17:22registriert August 2014
Sind wir mal ehrlich: Egal wie das ausgeht, hier geht es nur darum WER das viele Geld einsacken kann.
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