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FILE - In this March 31, 2018, file photo, players warm up before an NHL hockey game between the Vegas Golden Knights and the San Jose Sharks, in Las Vegas. It took one trip to Las Vegas early in the season for the San Jose Sharks to realize that the fast start to the season for the expansion Golden Knights was no fluke.
So it should come as little surprise to the Sharks that they have to get past Vegas in the second round of the playoffs starting Thursday night, April 26, to reach the Western Conference final for the fourth time in the past nine seasons.(AP Photo/John Locher, File)

Playoff-Hockey in Las Vegas ist natürlich auch eine grosse Show. Bild: AP

Der Weg der Vegas Golden Knights zum besten Expansionsteam aller Sportarten

Vom Aschenputtel zur Märchenprinzessin – die Vegas Golden Knights schreiben in der NHL Geschichte. Nie zuvor war ein Expansionsteam in seiner ersten Saison besser. Es ist der Aufstand der Verstossenen.



Vor nicht einmal zwei Jahren, im November 2016, sass Gerard Gallant auf der Strasse. Buchstäblich. Er war gleich im Anschluss an ein Auswärtsspiel als Headcoach der Florida Panthers entlassen worden. Das Team flog ohne ihn zurück und das Bild, wie er vor dem Stadion der Carolina Hurricanes in Raleigh auf ein Taxi wartete, um nach Hause zu kommen, ging um die Welt. Ein Ritter der traurigen Gestalt, von seiner «Armee» im Stich und zurück gelassen.

Gerard Gallant, former Florida Panthers head coach, gets into a cab after being relieved of his duties following an NHL hockey game against the Carolina Hurricanes, Sunday, Nov. 27, 2016, in Raleigh, N.C. (AP Photo/Karl B DeBlaker)

Keine zwei Jahre her: Gallant steigt nach seiner Entlassung in ein Taxi. Bild: AP

Nun ist eben dieser Gerard Gallant Cheftrainer von einem der überraschendsten Stanley-Cup-Finalisten aller Zeiten. Nie zuvor in der Geschichte der vier grossen nordamerikanischen Profiligen war ein Expansionsteam im ersten Jahr seiner Existenz erfolgreicher als die Golden Knights aus Las Vegas. Der Coach, ein 54-jähriger Kanadier von der Prince Edward Island, könnte besser nicht passen zu diesem bunt zusammengewürfelten Haufen von Spielern, die andernorts niemand mehr wollte. Es sind keine traurigen Ritter, sondern goldene.

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Die Kollegen von ESPN mit 10 Gründen, weshalb es Vegas in den Stanley-Cup-Final geschafft hat. Video: YouTube/Hockey is life

Historisch absolut unerreicht

Dass sie ihrem Namen alle Ehre machen, gleicht einem Wunder. Neue Teams haben es in den grossen Ligen notorisch schwer. Die beste Premierensaison in der NFL (American Football) hatten 1995 die Carolina Panthers (7 Siege, 9 Niederlagen), in der MLB (Baseball) 1961 die Los Angeles Angels (70:91), in der NBA (Basketball) die Chicago Bulls 1966/67 (33:48) und in der NHL die Florida Panthers 1993/94 (33:51).

Vegas Golden Knights defenseman Luca Sbisa greets a young fan before Game 4 of the team's NHL hockey Western Conference finals against the Winnipeg Jets, Friday, May 18, 2018, in Las Vegas. (AP Photo/John Locher)

Viva Las Vegas! Verteidiger Luca Sbisa grüsst einen jungen Fan. Bild: AP

Kein Team schaffte die Playoffs, keines auch nur eine ausgeglichene Bilanz. Bis die Vegas Golden Knights kamen. Sie beendeten die Qualifikation mit 51 Siegen in 82 Partien. Und waren mit dieser Bilanz das viertbeste Team der Liga.

Wer gewinnt den Stanley Cup 2018?

Dabei besteht die Mannschaft ausschliesslich aus Spielern, die bei ihren bisherigen Klubs nicht mehr willkommen waren. Oder zumindest nicht so wichtig, dass sie einer von mindestens neun Spielern im Kader waren, die jeder Klub schützen konnte. Wie der Zuger Verteidiger Luca Sbisa von den Vancouver Canucks. Oder der überragende Goalie Marc-André Fleury, der bei den Pittsburgh Penguins in der vergangenen Saison als Nummer 1 verdrängt wurde, nun aber in seinem dritten Stanley-Cup-Final in Folge steht.

Vegas Golden Knights goaltender Marc-Andre Fleury (29) skates off the ice after defeating the Winnipeg Jets during NHL Western Conference Finals, game 5, in Winnipeg, Sunday, May 20, 2018. (Trevor Hagan/The Canadian Press via AP)

Erfolgsgarant: Goalie Fleury. Bild: AP/The Canadian Press

200:1-Aussenseiter

Kein Wunder, bezeichnen sich die Spieler der Golden Knights selbstironisch als die «Misfits» – die Verstossenen, Unerwünschten. Zu Beginn der Saison waren sie mit einer Quote von 200:1 bei den Wettbüros die grössten Aussenseiter überhaupt. Sie demonstrieren aber, was mit einem einfachen System, mannschaftlicher Geschlossenheit und bedingungslosem Teamgeist auch im vom Geld dominierten Profisport möglich ist.

Einer dieser «Misfits» ist der Franzose Pierre-Edouard Bellemare. Seine erste Erinnerung an Las Vegas ist alles andere als positiv. 2013 spielte er bei Skelleftea und wurde schwedischer Meister. Zur Feier entschied sich das Team zu einem einwöchigen Trip in die Gambler-Hochburg in Nevada. Ohne Bellemare, denn am Flughafen wurde ihm beschieden, dass sein Pass nicht zur neuen Generation der biometrischen Ausweise gehöre und er nicht ins Flugzeug steigen dürfe. Heute besitzt er ein Haus in Las Vegas.

Golden Knights' Pierre-Edouard Bellemare (41) celebrates his goal against the Carolina Hurricanes with teammate Oscar Lindberg (24) during the first period of an NHL hockey game, Sunday, Jan. 21, 2018, in Raleigh, N.C. (AP Photo/Karl B DeBlaker)

Heute jubelt er: Bellemare (links) mit Teamkollege Lindberg. Bild: AP

Eine Tragödie, die zusammenschweisste

Es sind Aschenputtel-Geschichten wie diese, die die Golden Knights zu Fan-Lieblingen machen. Dazu gehört eine Tragödie, die in keinem Hollywood-Script als glaubwürdig akzeptiert worden wäre. Neun Tage vor dem ersten Heimspiel tötete ein Amokschütze bei einem Country-Musik-Festival im «Mandalay Bay»-Hotel 58 Menschen und verletzte rund 500 weitere.

Der Schock schweisste Mannschaft und Stadt zusammen. Spieler spendeten Blut, brachten Lebensmittel zu Feuerwehr-Stationen und besuchten Spitäler. Das half mit, dass die Fans das neue Team sofort ins Herz schlossen. «Wir tun alles, um euch und der Stadt beim Heilen zu helfen», sagte Captain Deryk Engelland vor dem Eröffnungsspiel.

Ein Sieg im Stanley-Cup-Final gegen die Washington Capitals wäre eine der grössten Sensationen der Sportgeschichte, fast auf einer Stufe mit dem Meistertitel von Leicester City in der Premier League. Überraschend käme er aber mittlerweile nicht mehr. Und Gerard Gallant müsste in Las Vegas sicher nie mehr für eine Taxifahrt bezahlen. (ram/sda)

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