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Der heimliche Sieger des Eishockey-Turniers: Team Deutschland.
Der heimliche Sieger des Eishockey-Turniers: Team Deutschland.Bild: EPa

So dramatisch war der Final, in dem Deutschland den Russen alles abverlangte

Das deutsche Märchen nahm kein Happy End. Die Russen vom Team OAR gewannen den spektakulären Final mit 4:3 nach Verlängerung und holten die Goldmedaille in Pyeongchang.
25.02.2018, 08:5825.02.2018, 14:36

Das Team OAR befand sich in Gangneung auf einer Mission. Aufgrund des Fehlens der NHL-Stars als klarer Favorit angetreten, wäre für die Equipe von Trainer Oleg Snarok alles andere als Gold eine Enttäuschung gewesen, umso mehr, als zuletzt 1992 in Albertville ein russisches Eishockey-Team Olympiasieger geworden war. Allerdings mussten sich die Russen den Erfolg im Final gegen den krassen Aussenseiter Deutschland mehr als hart erkämpfen.

Olympiasieger: Die olympischen Athleten aus Russland.
Olympiasieger: Die olympischen Athleten aus Russland.Bild: EPA

Zum Helden avancierte Kirill Kaprisow, der in der 70. Minute im Powerplay nach einem Querpass des überragenden Nikita Gussew, zuvor zweifacher Torschütze, mit einem Direktschuss erfolgreich war. Der Treffer fiel in Überzahl, nachdem Patrick Reimer wegen eines hohen Stocks auf die Strafbank musste. Ein Entscheid der hart schien, jedoch gemäss dem designierten Schiedsrichterchef der IIHF, Danny Kurmann, korrekt war: «Reimer ist für seinen Stock verantwortlich.»

«Unglaublich, dass wir jetzt Silber gewonnen haben und dennoch das Gefühl nicht los werden, dass Gold für uns bereit gelegen wäre. Wir waren verrückt genug, vor dem Turnier als Gruppe von Gold zu träumen. Vielleicht war es dieser Mut und dieser Grössenwahn, der uns so weit getragen hat.»

Jonas Müller, deutscher Spieler

In der 67. Minute hatte der deutsche Goalie Danny auf den Birken das 3:4 mit einer mirakulösen Parade noch verhindert. Die Chance vergab Ilja Kowaltschuk, der im Anschluss an den Final als wertvollster Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde.

Unfassbare Schlussphase

Das dritte Drittel war an Dramatik kaum zu überbieten. Zunächst brachte Gussew die Russen in der 54. Minute mit einem haltbaren Schuss aus spitzem Winkel zum zweiten Mal in Führung. Diese hielt aber nur zehn Sekunden, dann gelang Dominik Kahun, von Frank Mauer herrlich freigespielt, aus kurzer Distanz das 2:2 für die Deutschen. In der 57. Minute schoss Jonas Müller gar das 3:2 für den Aussenseiter.

Und es kam noch besser für die DEB-Auswahl, musste doch der Russe Sergej Kalinin 131 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit auf die Strafbank. Die Sensation schien perfekt.

«Mein erster Gedanke, als wir die letzten zwei Minuten in Überzahl spielen konnten: ‹Oh nein!› Denn ich habe genau das, was uns passiert ist, auch als Spieler schon erlebt.»
Marco Sturm, Deutschlands Trainer

Das Team OAR riskierte alles, ersetzte Torhüter Wassili Koschetschkin durch einen fünften Feldspieler. Und tatsächlich traf erneut Gussew mit einem herrlichen Backhand-Schuss zum 3:3 – den Deutschen fehlten 55,5 Sekunden zur Sensation.

Russlands Führung in Extremis

Im Startdrittel waren die Russen zu einem perfekten Zeitpunkt in Führung gegangen, nämlich 0,5 Sekunden vor der Pausensirene. Das Tor erzielte Verteidiger Wjatscheslaw Woinow, dem im Slot zu viel Platz gewährt wurde. Das 1:0 ging absolut in Ordnung – der Favorit verzeichnete im ersten Abschnitt doppelt so viele Torschüsse wie die DEB-Auswahl (12:6).

Im Mitteldrittel kontrollierten die Osteuropäer zunächst die Partie, allerdings suchten sie das 2:0 zu wenig konsequent. Das rächte sich. Nach einem Konter der Deutschen gelang Felix Schütz in der 30. Minute der Ausgleich, in dem er den Puck von der Seite aufs Tor brachte und ihn Goalie Koschetschkin unglücklich selber über die Linie beförderte. Das gab den Deutschen sichtlich Auftrieb, worauf es eine packende Partie wurde.

Dazjuk im «Triple Gold Club»

Nach dem Sieg der Russen, die erst die zweite Goldmedaille an diesen Winterspielen nach jener von Eiskunstläuferin Alina Sagitowa holten, gehört Pawel Dazjuk nun dem so genannten «Triple Gold Club» an, das heisst, dass er Olympiasieger, Weltmeister und Stanley-Cup-Gewinner ist. Die Osteuropäer, die mit einer 2:3-Niederlage gegen die Slowakei ins Turnier gestartet waren, traten mit einer sehr eingespielten Mannschaft an – 15 Spieler von SKA St.Petersburg gehörten zum Kader.

Für Deutschland, das im Achtelfinal die Schweiz, danach Weltmeister Schweden und Titelverteidiger Kanada ausgeschaltet hat, war Silber die erste olympische Eishockey-Medaille seit Bronze 1976 in Innsbruck. (ram/sda)

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quelle: ap/ap / michael dwyer
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