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EHC Kloten Stuermer Steve Kellenberger, links, gegen SCL Tigers Stuermer Andreas Thuresson waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Kloten und den SCL Tigers am Montag, 5. Maerz 2018, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Bild: KEYSTONE

Kloten, eine Prügelei, «Mickey-Mouse-Ausländer» und die Entfesselung des Hockeys

Ach, endlich wieder einmal richtiges Hockey. Die Klotener unterliegen Langenthal 0:3 und ihre treusten Anhänger sind völlig zu Unrecht enttäuscht. Wo gibt es denn bessere Unterhaltung?



Jeffrey Füglister (29) ist ein Ur-Klotener und in dieser Akademie des eleganten Lauf- und Tempohockeys grossgezogen geworden. Nicht gut genug für die grosse Karriere ganz oben. Weshalb er die letzten fünf Jahre in Langenthal in der Zweitklassigkeit verbracht hat. Im Sommer ist er heimgekehrt nach Kloten und führt nun als Leitwolf die Mannschaft. Im gelben Ehrengewand des Topskorers. Beim Sieg in Langenthal (3:2 n.V) war er an zwei Toren beteiligt.

Nun steht er nach dem verlorenen Spektakel im zweiten Spiel in den Schluefweg-Katakomben. Keck hat er die Dächlikappe aufgesetzt. Solche Kopfbedeckungen mit dem Sponsorenlogo tragen heute alle Profis. So wie früher die aufmüpfigen Büetzer die «Lenin-Mütze» als Kennzeichen des echten Proletariers.

Kloten's Jeffrey Fueglister, im Spiel der Eishockey Swiss League zwischen dem EHC Winterthur und dem EHC Kloten, am Freitag, 21. September 2018, in der Zielbau Arena in Winterthur. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Jeffrey Füglister Bild: KEYSTONE

Und hier, wo früher über spielerische Feinheiten geredet wurde wie an einer Hockey-Universität – Kloten war in den 1990er Jahren eines der taktisch besten Teams ausserhalb der NHL und gewann vier Titel in Serie – interessieren sich die Chronisten für eine Prügelei. So etwas wäre früher ein Frevel ausserhalb jeder Vorstellungskraft gewesen.

In der 52. Minute wird Jeffrey Füglister nach einer vaterländischen Prügelei mit Toms Andersons (der lettische Nationalstürmer mit Schweizer Lizenz wird nächste Saison sein Glück in Langnau suchen) mit zwei plus fünf Minuten bestraft und unter die Dusche geschickt.

Als schliesslich alle in die Prügelei involvierten Kerle abgeurteilt sind, ist das Resultat aller Additionen und Subtraktionen ein Powerplay für Langenthal in der Länge von zwei Minuten. Damit ist die Entscheidung gefallen. Es steht 0:2 und die Klotener haben ihren Topskorer für den Rest der Partie verloren.

Jeffrey Füglister schildert die wilde Szene so: er sei von mindestens drei Langenthalern am Trikot zurückgerissen worden, als er an einen Abpraller ranwollte. Er habe sich umgedreht und gerade noch gesehen wie sich Andersons hinter dem Rücken des Schiedsrichters verstecken wollte. Er habe er ihn wieder hervorgeholt und gepackt. Der Restausschluss sei eigentlich ungerecht. Obwohl er die Handschuhe habe fallen lassen. «Steht nicht irgendwo im Reglement, dass es im Falle von Selbstverteidigung nur zwei Minuten gibt?» Nun, der Begriff «Selbstverteidigung» ist in diesem Falle schon etwas gesucht. Es wäre höchstens eine heftig provozierte Selbstverteidigung.

Der Lakers Leandro Profico, rechts, gegen den Langenthaler Philipp Rytz, links, im zweiten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League B zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und  dem SC Langenthal  in Rapperswil am Freitag, 24. Maerz 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Philippe Rytz (stehend) Bild: KEYSTONE

Schade, dass der böseste der Bösen nicht eingreifen konnte. Philippe Rytz (34), einst in der höchsten Liga für mehr als 100 Strafminuten pro Saison gut, sass auf der Tribune eine Sperre ab, die er sich in der ersten Partie am Freitag eingehandelt hatte. Es dürfte ihn ordentlich in den Fäusten gejuckt haben.

Wenn also in Kloten eine Prügelei mehr interessiert als alle taktischen und sonstigen Finessen, dann ist etwas passiert. Fast ein Kulturschock. Und das war es in der Tat.

Ach, endlich wieder richtiges, uriges, wildes Hockey, befreit aus taktischen Fesseln und dem Korsett einengender Disziplin. «Pausenplatz-Hockey» im besten Sinne des Wortes. Wobei das Spiel der Langenthaler schon eine gewisse Struktur hatte. Vor allem im Powerplay.

Oberhalb der Tribüne haben die langjährigen Anhänger des EHC Klotens während des Spiels und vor allem während den Pausen gelästert. Nicht nur zwei wie Statler und Waldorf in der Muppet-Show. Sozusagen eine Galerie voller Statlers und Waldorfs. Das sei doch kein Hockey und kein Niveau hiess es. Dieses wirre Spiel zeige, dass der Trainer gewechselt werden sollte. Ganz schlimm seien die zwei «Mickey-Mouse-Ausländer.» Und überhaupt: das sei «Nati-Bee-Hockey».

Ach, die Herren wissen den Wert guter Unterhaltung nicht zu schätzen. Wer sich diese Saison zu oft das wohlgeordnete, sterile taktische SCB-Designerhockey zugemutet, wer zu viel Heinz-Ehlers «Maschinen-Hockey» gesehen hat, reibt sich erfreut die Augen. Endlich wieder richtiges, uriges Hockey.

Verteidiger laufen mit der Scheibe übers halbe Feld, statt sofort abzuspielen und riskieren auch mal ein Dribbling. Es gibt freie Räume für Soli, reichlich Zeit, um mit der Scheibe Kunststücke aufzuführen. Torchancen im Halbminutentakt. Da wird auch mal nach Fehlpässen oder um ein Zuspiel «abzubeissen» nach der Scheibe gehechtet wie einst Boris Becker nach den Tennisbällen. Einmal mehr zeigt sich: Stellungs- und sonstige Fehler führen mehr zu den spektakuläreren Gegenstössen, als monatelang eingeübte Spielzüge.

Über den wilden, hin- und herwogenden und tobenden Elementen stehen wie Leuchttürme die zwei exzellenten Torhüter. Joren van Pottelberghe, der flinke, tanzende Riese (191 cm) bei Kloten und Philipp Wüthrich, der coole Blocker bei Langenthal.

Switzerland goaltender Joren van Pottelberghe (30) makes a save during the second period of a world junior championship hockey game in Montreal on Wednesday, Dec. 28, 2016. (Ryan Remiorz/The Canadian Press via AP)

Joren van Pottelberghe im Nati-Dress Bild: AP/The Canadian Press

Der neutrale Beobachter denkt: warum gibt eigentlich der SCB seinem ehemaligen, erst 21-jährigen Elitejunioren-Goalie keine Chance? Wie um alles in der Welt konnte Arno Del Curto Joren van Pottelberghe die Tauglichkeit für die höchste Liga absprechen?

Beste, allerbeste Unterhaltung wird geboten. Langenthal hat die erste Partie daheim in der Verlängerung 2:3 verloren. Nun gewinnen die Oberaargauer in Kloten 3:0 und am Mittwoch beginnt es beim Stande von 1:1 in Langenthal wieder von vorn.

Nach der Partie fragt natürlich keiner der Chronisten André Rötheli, ob er die Jungs eigentlich im Griff habe. Solche Frivolitäten verbietet schon der Respekt vor dieser grossen Hockey-Persönlichkeit. Er hätte sich allerdings ab solchen Frechheiten nicht aus der Ruhe bringen lassen. Cool wie es seine Art ist, sagt er, anders als im ersten Spiel sei man anfänglich nicht bereit gewesen und die geschlossene Mannschaftsleistung habe gefehlt. «Aber wenn uns das erste Tor gelungen wäre, dann hätten wir eine andere Partie gesehen.»

Doch das Thema Ausländer brennt halt schon unter den Fingernägeln. Einer der altgedienten, in der Diplomatie geübten Chronisten spricht das Thema schüchtern an. So wie man ganz, ganz vorsichtig einen Löwen am Schwanz zieht und stellt fragend fest: «Aber die Ausländer haben in diesen Playoffs noch keinen Skorerpunkt gebucht…»

Was wahr ist, ist halt wahr. Lauri Tukonen (32) ist ein hüftsteifer Haudegen, der auf den Banden entlang seinen Gegenspielern nicht mehr zu enteilen vermag. Auf der anderen Aussenbahn ist der Amerikaner Jack Combs (31) nie besser als das einheimische Personal. Präsident Hans-Ueli Lehmann wäre es um seine SVP-Seele ganz warm geworden, wenn er seine eigenen Leute über die Untauglichkeit der ausländischen Arbeitskräfte hätte spotten hören.

ZUM ABTIEG DES EHC KLOTEN IN DIE SWISS LEAGUE, NACH 56 JAHREN IN DER HOECHSTEN SPIELKLASSE, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - EHC Kloten Trainer Andre Roetheli im fuenften Eishockey Spiel der Ligaqualifikation der National League zwischen dem EHC Kloten und dem SC Rapperswil-Jona Lakers am Samstag, 21. April 2018, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

André Rötheli Bild: KEYSTONE

Doch der kluge André Rötheli tappt nicht in die Falle. Er sagt lediglich: «Es ist ein Mannschaftssport». Die Ausländer zu kritisieren kommt für ihn gar nicht in Frage. Denn das wäre gegen Sportchef Felix Hollenstein gerichtet. «Fige» ist sein langjähriger Freund, dem er den Job in Kloten verdankt.

Die spielerischen Nonvaleurs aus Finnland und Amerika, von den treuen Kloten-Anhänger als «Mickey-Mouse-Ausländer» abqualifiziert, eröffnen eigentlich Trainer André Rötheli ungewöhnliche taktische Varianten: er könnte die beiden als Provokateure einsetzen und Ausschlüsse und Sperren in Kauf nehmen ohne dadurch die Schlagkraft seiner Mannschaft zu schwächen.

Item, die Langenthaler haben die besseren Ausländer. Der alte Brent Kelly (37) ist noch immer ein schlauer Fuchs und der tapfere Pascal Pelletier, einst Captain von Langnaus Playoffteam von 2011, ist ein exzellentes, komplettes «Workhorse» für alle Situationen. Die beiden Kanadier hatten bei vier der fünf Tore ihres Teams in dieser Viertelfinalserie die Stöcke im Spiel.

Der «Strichkampf» in der höchsten Liga dominiert natürlich die Schlagzeilen. Aber die beste Unterhaltung bietet die Viertelfinalserie zwischen dem SC Langenthal und dem EHC Kloten. Auch deshalb, weil die Langenthaler nur zu gut wissen, wie sie Jeffrey Füglister provozieren können.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Chloote 25.02.2019 20:22
    Highlight Highlight Tja, heute hat der SC Langenthal eben keine Geschenke gemacht so wie noch am letzten Freitag! Nach dieser Heimpleite ist wohl jetzt klar das der Erfolg im Spiel 1 nur deswegen zustande kam, weil die Spieler des SC Langenthal zwei Drittel lang nicht auf der Höhe ihrer Aufgaben waren.

    Mit solchen Leistungen wie heute, wird die Saison schon früh zu Ende gehen für Kloten!! Vielleicht ist das auch besser so... 😡😡😡
  • Lumina 25.02.2019 15:19
    Highlight Highlight Kloten gewinnt, wohlgemerkt mit Ach und Krach ein Playoff-Spiel gegen Langenthal, welches auch nicht mehr die Mannschaft wie noch vor zwei bis drei Jahren ist und schon macht der Klausi die Flieger wieder zu den Aufstiegskings ...

    Ich glaub ich sollte langsam wirklich damit aufhören, Watson zu lesen.
    • Adrian Buergler 25.02.2019 15:49
      Highlight Highlight @Lumina: Das Wort Aufstieg kommt im Text nicht einmal vor. Und Kloten hat das Spiel gegen Langenthal verloren.
    • Lumina 25.02.2019 16:52
      Highlight Highlight Komm tut nicht so - der Klaus hat schon zich Artikel hier über Kloten verfasst, wo er sie praktisch zum "Auto-Aufsteiger" erklärt hat ...
    • Bieler95 25.02.2019 20:55
      Highlight Highlight @Lumina es zwingt dich ja niemand Watson lesen zu müssen ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • The Wall33 25.02.2019 13:18
    Highlight Highlight Kann mir jemand erklären aus welchem Grund der Langenthaler Anderson eine 5 min Strafe bekommt und nicht unter die Dusche musste?
    Eine Grosse Strafe bedeutet laut Reglement fünf Minuten und ist mit einer automatischen Spieldauer-Disziplinarstrafe verbunden!
    • Nothingtodisplay 25.02.2019 16:09
      Highlight Highlight Regel 141 - Faustkampf Absatz VI.

      Gegen einen Spieler, der versucht zu kämpfen oder weiterkämpft, nachdem
      er vom Schiedsrichter angewiesen wurde, aufzuhören oder sich einem
      Linienrichter widersetzt, der versucht, die Fortführung des Faustkampfes zu
      unterbinden, wird eine doppelte Kleine Strafe oder eine Grosse Strafe und
      eine automatische Spieldauer-Disziplinarstrafe oder eine Matchstrafe
      ausgesprochen.
    • Fändlimaa 25.02.2019 17:31
      Highlight Highlight Würde mich auch Wunder nehmen. Kann das jemand auflösen?
    • Landei 25.02.2019 20:47
      Highlight Highlight Beim SCL spielen die #22 Andersons und #29 Andersson.
      Der Lette Andersons musste unter die Dusche, der von GCK ausgeliehene Andersson nicht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hockeyaddict 25.02.2019 11:20
    Highlight Highlight Unglaublich... Aber wenn ein Team erst 6 Minuten vor Schluss anfängt Feuer zu fangen und sich ins Zeug zu legen, liegt es eindeutig am Trainer. Aber ich wäre wahrscheinlich auch nicht motiviert, wenn an der Bande eine leblose Vogelscheuche mir Anweisungen lethargisch ins Ohr flüstern würde.
  • Knety 25.02.2019 11:04
    Highlight Highlight Immerhin sind die Tigers auf dem Foto zu sehen.
  • dechloisu 25.02.2019 09:25
    Highlight Highlight Kann doch einfach nicht sein, dass ein Team im Playoff Viertelfinale mental nicht bereit ist das Spiel zu gewinnen
  • donizh 25.02.2019 08:54
    Highlight Highlight Ein hoch auf den Chronisten!

    "Präsident Hans-Ueli Lehmann wäre es um seine SVP-Seele ganz warm geworden, wenn er seine eigenen Leute über die Untauglichkeit der ausländischen Arbeitskräfte hätte spotten hören."


  • MR92 25.02.2019 06:14
    Highlight Highlight Ich erlaube mir eine Antwort auf die Frage "warum Wüthrich nicht beim SCB spielt?" zu geben.

    1. Er ist 21 und macht seine erste Profisaison.

    2. So er in Langenthal aufgebaut werden.

    3. Besitzt Caminada für diese Saison einen laufenden Vertrag.

    4. Ob man es glaubt oder nicht, der SCB hat aus früheren Fehlern gelernt und bewahrt unter Alex Chatlain mehr Geduld.
    • salamandre 25.02.2019 14:25
      Highlight Highlight Dein Wort in Gottes Ohr.
    • Landei 25.02.2019 20:48
      Highlight Highlight Wüthrich hat seinen Vertrag beim SCL zum Glück bereits verlängert.

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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