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New York Islanders defenseman Luca Sbisa, left, of Italy, defends, as Anaheim Ducks right wing Troy Terry overskates the puck during the second period of an NHL hockey game in Anaheim, Calif., Wednesday, Oct. 17, 2018. (AP Photo/Alex Gallardo)

Luca Sbisa kommt bei den Islanders kaum zum Einsatz. Bild: AP/FR170211 AP

NHL-Agent André Rufener: «Luca Sbisas einzige Optionen sind NHL oder Rücktritt»

Eine ganze Reihe von Schweizern hat in der NHL auslaufende Verträge. Aber unsere Sportchefs hoffen vergeblich auf eine Rückkehr von Luca Sbisa, Mirco Müller, Sven Andrighetto, Dean Kukan und Yannick Rathgeb.

klaus zaugg, newark



Diesmal ist auch er machtlos. Zum ersten Mal. André Rufener (47) geniesst in der NHL-Agentenszene einen legendären Ruf seit er es 2013 wagte, für seinen Klienten Nino Niederreiter öffentlich bei den New York Islanders einen Transfer einzufordern.

Tatsächlich schicken die Islanders Nino Niederreiter 2013 in einem Tauschgeschäft zu den Minnesota Wild. Die Karriere ist gerettet. Und als sein sportlicher Lebenslauf wieder stockt, kommt es diese Saison erneut zu einem Transfer, der Wunder wirkt: Nun rockt Nino Niederreiter die NHL mit Carolina.

Carolina Hurricanes forward Nino Niederreiter (21) celebrates his goal during the third period of an NHL hockey game against the Buffalo Sabres, Thursday, Feb. 7, 2019, in Buffalo, N.Y. (AP Photo/Jeffrey T. Barnes)

Bei den Carolina Hurricanes hat Nino Niederreiter den Tritt wieder gefunden. Bild: AP/FR171450 AP

André Rufener ist auch gelungen, Sven Bärtschi, Sven Andrighetto und Luca Sbisa zu Dollar-Millionären zu machen und Reto Berra vorübergehend in die NHL zu bringen. Er hat Dean Kukan und Yannick Rathgeb zu Verträgen mit NHL-Organisationen verholfen. Mirco Müller wird er im Sommer zum Dollar-Millionär machen.

Die letzte grosse Tat vollbrachte er im letzten Herbst: Ein Vertrag über 1,5 Millionen Dollar und ein Jahr für Luca Sbisa bei den New York Islanders.

Aber jetzt ist er zum ersten Mal macht- und ein wenig auch ratlos. Luca Sbisa ist fit, parat und darf doch meistens nicht spielen. Er hat bisher erst neun Partien bestritten. «Healthy Scratch» heisst sein Schicksal – was übersetzt so viel heisst wie «gesund, aber aus der Aufstellung gestrichen».

Das bedeutet: Mit der Mannschaft mitreisen und adrett gekleidet das Spiel oben in der Press Box beobachten. Und wenn mal eine Frage von einem Chronisten kommt, brav antworten, was alle in seiner Situation erzählen: Das Team stehe im Vordergrund, kein Problem. Man müsse jeden Tag hart arbeiten und versuchen, besser zu werden und es sei wichtig, bereit zu sein, wenn die Chance komme. Wer etwas anderes sagt oder gar aufbegehrt – wie das in so einer Situation in der Schweiz gang und gäbe ist – beendet seine Karriere.

«Lou Lamoriello lässt sich sicher nicht dreinreden.»

André Rufener

Luca Sbisa braucht einen «Trade». Also ein Transfer durch Tauschgeschäft. Weg von den Islanders. Er ist fähig, in jedem Team eine Rolle zu spielen. Der ehemalige Zuger-Junior steht in seiner 9. Saison und mit Las Vegas kam er im letzten Frühjahr bis ins Finale um den Stanley Cup. Aber dann wurde er ausgemustert und erst im letzten Moment hat er sich im Trainingscamp mit den Islanders im letzten Herbst doch noch einen Vertrag erkämpft.

Und so sitzt André Rufener ein wenig hiflos in Newark im Café des Wyndham Hotels, schaut gen Himmel und sagt: «Mögen uns die Hockeygötter noch einmal helfen.» Nein, er könne in diesem Falle nicht beim General Manager um einen Trade fragen. Das würde ganz und gar nicht goutiert. «Lou Lamoriello lässt sich sicher nicht dreinreden.» Der General Manager der Islanders ist einer der grossen NHL-Generäle.

Der einflussreichste Schweizer NHL-Agent ist am letzten Dienstag nach New York geflogen und bleibt bis am 26. Februar, dem Tag nach dem NHL-Transferschluss. So ist er vor Ort, ein bisschen näher am Geschehen. Schliesslich hat er ja mit Luca Sbisa, Mirco Müller und Yannick Rathgeb gleich drei Klienten hier im Raum New York.

Team Suisse player Yannick Rathgeb during the game between Team Suisse and Haemeenlinna PK at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Thursday, December 28, 2017. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Yannick Rathgeb kam bislang nur in der AHL zum Einsatz (23 Spiele, 4 Tore, 4 Assists). Bild: SPENGLER CUP

Eigentlich müsste er der meistgesuchte Agent der Schweizer Sportchefs sein. Denn mit Luca Sbisa (29), Sven Andrighetto (25) und Mirco Müller hat (23) er ja gleich drei Schweizer unter Vertrag, deren Vertrag im Frühjahr ausläuft. Und warum nicht Dean Kukan (25) und Yannick Rathgeb (23) trotz weiterlaufenden Verträgen zu einer Heimkehr überreden?

Alle könnten, wenn sie denn wollten, ihre Karriere in der Schweiz fortsetzten. Mit Salären von einer halben Million aufwärts. Nie gab es in der NL so viele Klubs, bei denen Geld keine Rolle spielt, wenn es um coole Transfers geht (Lugano, Lausanne, Zug, ZSC Lions).

«Sbisas einzige Optionen heissen NHL oder Rücktritt»

André Rufener

Natürlich muss André Rufener sagen, dass keiner nächste Saison in der Schweiz spielen wird. Käme das Gerücht auf, dass seine Klienten auch nur an die Heimat denken – die NHL-Karriere wäre ruiniert.

In «seinen» Fällen ist es mehr als das. Keiner seiner Klienten wird nächste Saison in der Schweiz spielen. Auch nicht Luca Sbisa? Er ist 29 und könnte den «Hockey-Lebensabend» in der Schweiz verbringen. In Lugano hat es Palmen wie im kalifornischen Newport Beach. «Nein» sagt André Rufener. «Die einzigen Optionen heissen NHL oder Rücktritt».

Aber noch ist Luca Sbisa im Geschäft: Er wird nach Vertragsablauf «free agent». Ein neuer Arbeitgeber braucht keine Kompensation zu leisten. Und wenn er wider Erwarten doch keinen neuen Vertrag mehr kriege, dann beginne halt ein bisschen früher als vorgesehen seine zweite Karriere. «Er wird nach Newport Beach zurückkehren und ins Immobiliengeschäft einsteigen.» Newport Beach liegt in Südkalifornien am Pazifik.

Luca Sbisa ist mit einer Kanadierin verheiratet (die er während der Olympischen Spiele 2010 in Vancouver kennen gelernt hat). Südkalifornien ist seine neue Heimat.

Auch für Mirco Müller gibt es keine Rückkehr. Logisch. Er hat inzwischen bei New Jersey mehr als 20 Minuten Eiszeit. Er verdient 925'000 Dollar brutto und wird mit dem nächsten Vertrag der nächste Schweizer Dollarmillionär.

Colorado Avalanche's Sven Andrighetto, of Switzerland, celebrates after scoring during the first period of an NHL hockey game against the St. Louis Blues Friday, Dec. 14, 2018, in St. Louis. (AP Photo/Jeff Roberson)

Sven Andrighetto will nicht in die Schweiz zurückkehren. Bild: AP/AP

Und was ist mit Sven Andrighetto, der bei Colorado 1,550 Millionen Dollar brutto verdient, aber zuletzt nur noch etwas mehr als fünf Minuten Eiszeit bekommen hat? Auch in diesem Fall schliesst André Rufener eine Rückkehr aus. «Er will unter gar keinen Umständen zurück in die Schweiz.»

Die Ausgangslage sei in der NHL gar nicht so schlecht. Falls es nicht noch zu einem Transfer komme, werde Colorado Ende Saison keine bindende Offerte (Qualifying Offer») machen – und dann könne jeder Club Sven Andrighetto ohne Kompensation unter Vertrag nehmen. «Da werden wir eine Lösung finden.»

Die Verträge der Verteidiger Dean Kukan und Yannick Rathgeb laufen noch eine weitere Saison. Aber beide kommen in der NHL bei Columbus bzw. bei den Islanders nur sporadisch (Kukan) oder gar nicht (Rathgeb) zum Zuge. Warum also nicht eine vorzeitige Rückkehr? «Ausgeschlossen» sagt André Rufener. «Sie halten ihre Verträge ein.» Durchaus möglich, dass beide noch diese Saison in ein Transfer-Tauschgeschäft geraten.

Ab und an schaut André Rufener auf sein Smartphone. Er will keine Message verpassen. Bis zum Transferschluss am 25. Februar kann jederzeit und unverhofft etwas passieren. Nino Niederreiter sei bei Minnesota gegen 14.30 Uhr über seinen Wechsel zu Carolina informiert worden. Mit der Anweisung, sofort zu packen und um 17.00 Uhr in Minneapolis nach Raleigh zu seinem neuen Arbeitgeber abzufliegen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • DerRabe 10.02.2019 18:30
    Highlight Highlight NL Vereine, bei denen Geld keine Rolle spielt? Sehr geehrter Herr Zaugg, haben Sie da nicht noch einen Club vergessen? Beheimatet ist dieser besagte Verein recht nahe an den ach so geliebten Tigern...
  • BeatBox 10.02.2019 10:58
    Highlight Highlight Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Sbisa mit 29, falls er noch halbwegs gesund ist, zurücktreten würde. Das sind doch alles auch nur Lippenbekenntnisse um eben nicht den Eindruck zu erwecken, man würde sich in die Schweiz zurückziehen! We will see...
    • Nummelin 11.02.2019 09:39
      Highlight Highlight Warum kannst Du dir das nicht vorstellen? Er hat genug Kohle gemacht und hat seinen Lebensmittelpunkt definitiv in die USA verlegt.

      Es gibt Menschen die nicht gewillt sind, um jeden Preis ihre Karriere fortzusetzen.
  • sansibar 10.02.2019 10:40
    Highlight Highlight Gut dass sie sich durchbeissen wollen... mit dem hasrsträubenden Gegenbeispiel Praplan. Dass ein grosses Budget nichts garantiert sehen wir in der laufenden NLA-Quali ja wieder einmal deutlich 👍
  • JtotheP 10.02.2019 10:09
    Highlight Highlight In unserer Meisterschaft ist der Kampf um die Playoffplätze so spannend wie seit gefühlten 10 Jahren nicht mehr.
    Bern verliert nach 3 Jahren!! wieder einmal zuhause gegen Gotteron...

    Genügend Stoff für KZ...


    Wieso jetzt über die NHL/AHL berichten??
    • Adrian Buergler 10.02.2019 11:14
      Highlight Highlight @JtotheP: Weil er gerade dort ist, und es auch von dort spannende Dinge zu berichten gibt.
    • Tikkanen 10.02.2019 11:25
      Highlight Highlight @Bürgler: Idealer Zeitpunkt für eine Bürglersche Analyse der unglaublichen Dominanz der Hockeymaschine🐻🍻😎
    • Goon 10.02.2019 13:04
      Highlight Highlight @Tikki

      2 Punkte Vorsprung sind keine Dominanz 😉
  • marak 10.02.2019 09:37
    Highlight Highlight Ja, alles kann noch passieren. Entgegen der Eigenwahrnehmung und Selbstdarstellung sind NHL-Manager auch nur Menschen, die nicht immer so genau wissen, was sie da gerade tun. Wie sollen sie auch. Die Meisten haben eine so volle Kasse, dass man einfach auf Vorrat Kadertiefe einkaufen kann. Was sich hin und wieder auch wieder auszahlt.

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Wie ist es möglich, dass ausgerechnet in New York ein sportlich erfolgloser Klub zum weltweit teuersten Hockeyunternehmen wird? Ganz einfach: indem die Vergangenheit zelebriert wird. Das könnten auch unsere Hockeyteams tun.

In 79 Jahren haben die New York Rangers gerade mal einen einzigen Stanley Cup geholt. Am 14. Juni 1994 im 7. Finalspiel gegen Vancouver (3:2).

Und doch sind die Rangers in New York Kult und wirtschaftlich erfolgreich wie weltweit kein anderes Hockeyunternehmen. Eine Geldmaschine, die jährlich rund 100 Millionen Dollar Gewinn ausspuckt, viermal mehr als der Liga-Durchschnitt. Das teuerste Hockey-Team des Universums mit einem Wert von 1,5 Milliarden Dollar. Der durchschnittliche Wert der NHL-Klubs …

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