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Exterior view of the FIFA Headquarters 'Home of FIFA' in Zurich, Switzerland, Thursday 3, December 2015. Swiss police carried out raids against FIFA officials in connection with corruption investigations, the football's international governing body said. FIFA said it 'will continue to co-operate fully' after police made arrests at a Swiss hotel used by its officials for a second time this year. A two-day meeting of FIFA's executive committee is taking place in the in Zurich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

FIFA-Hauptsitz in Zürich: Der Weltverband befindet sich im Zwielicht.
Bild: KEYSTONE

FIFA-Skandal ohne Ende: Was läuft schief auf dem Zürichberg? Wie weiter mit Sepp Blatter?

In Zürich sind erneut zwei hohe FIFA-Funktionäre festgenommen worden. Der Skandal um den Weltfussballverband weitet sich aus. Die wichtigsten Fragen und Antworten.



Der lange Arm der US-Justiz hat wieder zugeschlagen: Die Zürcher Kantonspolizei hat am frühen Donnerstagmorgen im Hotel Baur au Lac die beiden FIFA-Vizepräsidenten Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit Banegas (Honduras) festgenommen und in Auslieferungshaft versetzt. Bereits Ende Mai hatte die Polizei auf Ersuchen des US-Justizministeriums an gleicher Stelle sieben FIFA-Funktionäre verhaftet. Worum geht es eigentlich? Ein Überblick.

Wie lauten die Vorwürfe?

Die Schweiz und die USA ermitteln in zwei unabhängigen Verfahren. Die US-Justiz beschuldigt die inhaftierten Funktionäre wegen Delikten wie Betrug, Geldwäscherei, Steuerhinterziehung und bandenmässiger Verschwörung. Es geht um Übertragungs-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte für Fussballturniere in den USA sowie in Lateinamerika. Dabei sollen Bestechungsgelder von etwa 150 Millionen Dollar geflossen sein. Das Bundesamt für Justiz (BJ) hat in diesem Zusammenhang mehrere Konten gesperrt.

Die verhafteten FIFA-Funktionäre

Das separate Verfahren der Schweizer Bundesanwaltschaft kreist um die umstrittene Doppelvergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar. Auch in diesen Fällen werden Korruptionsvorwürfe erhoben. Die FIFA hat Anzeige gegen Unbekannt eingereicht. Im Visier der Ermittler ist auch FIFA-Präsident Sepp Blatter. Die Bundesanwaltschaft hat im September ein Verfahren gegen den Walliser eingeleitet.

Blatter soll 2005 Fernsehrechte in der Karibik unter Marktwert an den ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner verkauft haben. Zudem wird ihm eine Zahlung von zwei Millionen Franken an UEFA-Präsident Michel Platini vorgeworfen, angeblich für geleistete Dienste. Die FIFA-Ethikkommission hat Blatter und Platini deswegen suspendiert. Das gleiche Verdikt erhielt Generalsekretär Jérôme Valcke, der sich angeblich mit dem Verkauf von WM-Tickets bereichern wollte.

Wer sind die Verhafteten?

Am 27. Mai hat die Polizei sieben Funktionäre in Auslieferungshaft genommen: die beiden FIFA-Vizepräsidenten Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo, Eduardo Li, José Maria Marin, Julio Rocha, Costas Takkas und Rafael Esquivel. Sie stammen aus Zentral- und Südamerika. Gleiches gilt für die beiden Funktionäre, die am 3. Dezember verhaftet wurden: Juan Angel Napout und Alfredo Hawit sind noch nicht lange im Amt. Sie übernahmen die Posten von Figueredo und Webb.

Wie geht es mit ihnen weiter?

Jeffrey Webb und José Maria Marin sind mit ihrem Einverständnis an die USA ausgeliefert worden. Die anderen fünf, die im Mai festgenommen wurden, widersetzen sich. Ihre Beschwerden gegen die Auslieferungsentscheide des BJ sind beim Bundesstrafgericht in Bellinzona hängig. Auch Napout und Hawit wollen sich lauf dem BJ gegen die Auslieferung in die USA wehren.

Former FIFA Vice-President Jack Warner (2nd R) talks to the media after leaving the Magistrate's Court in Port-of-Spain, December 2, 2015. Warner, who is wanted in the United States on corruption charges, is fighting an extradition request. REUTERS/Andrea De Silva

Jack Warner befindet sich gegen Kaution auf freiem Fuss.
Bild: ANDREA DE SILVA/REUTERS

Der wohl dickste Fisch sitzt nicht in der Schweiz im Gefängnis. Der ehemalige FIFA-Vize Jack Warner war als Präsident des Kontinentalverbands von Nord- und Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF) einer der wichtigsten Stimmenbeschaffer von Sepp Blatter. Korruptionsvorwürfe gegen ihn gibt es seit Jahren. Warner befindet sich in seiner Heimat Trinidad und Tobago gegen Kaution auf freiem Fuss. Die USA verlangen seine Auslieferung. Der Entscheid des zuständigen Gerichts wurde auf den 19. Februar verschoben.

Was geschieht mit Sepp Blatter?

Die Ethikkommission hat ihn und Michel Platini am 8. Oktober für 90 Tage suspendiert. Blatters Ziel ist ein ehrenvoller Abschied am 26. Februar 2016, wenn sein Nachfolger gewählt wird. Es ist jedoch immer unwahrscheinlicher, dass ihm dieser letzte grosse Auftritt vergönnt sein wird. Die Ethikkommission beantragt laut einem Bericht der NZZ eine lebenslange Sperre gegen den Präsidenten.

HANDOUT - Suspended FIFA-President Joseph

Sepp Blatter beim «Rundschau»-Interview vor einer Woche.
Bild: SRF

Blatter versucht, dieses Verdikt mit einem Trick abzuwenden: Als gewählter Präsident könne er nur vom FIFA-Kongress abgesetzt werden. Andreas Bantel, Sprecher der Ethikkommission, widerspricht: «Der Ethikcode gilt weltweit für alle am Fussball Beteiligten. Da gibt es überhaupt keine Ausnahmen.» Das Urteil wird gemäss NZZ in der Woche vor Weihnachten erwartet. Blatter kann dagegen beim Internationalen Sportgerichtshof (TAS) Einspruch erheben.

Was macht die FIFA?

Die Skandale der letzten Monate haben nach Ansicht von Beobachtern den Reformern Auftrieb verliehen. François Carrard, der Leiter der FIFA-Reformkommission, hat am Donnerstag seine Empfehlungen vorgelegt. Sie wurden an der zweitägigen Sitzung des Exekutivkomitees diskutiert. Es soll in eine Art Verwaltungsrat, den Council, mit 36 Mitgliedern umgewandelt werden.

Wer wird Sepp Blatters Nachfolger?

Der Generalsekretär amtiert als «CEO» der FIFA. Die Amtszeit des Präsidenten und der Council-Mitglieder wird auf zwölf Jahre begrenzt. Die Vergütung der Top-Funktionäre wird jährlich öffentlich gemacht. Zudem wurde eine Frauen-Quote beschlossen. Im neuen Council sollen mindestens sechs Frauen sitzen. Abgelehnt wurde eine Altersbeschränkung für FIFA-Funktionäre auf 74 Jahre. Gleiches gilt für die Aufstockung der WM auf 40 Teilnehmer.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Triesen 03.12.2015 20:42
    Highlight Highlight Wenn es so weitergeht, kann die Fifa ihre Versammlungen bald im kleinen Saal des Restaurant Linde durchführen...
  • Conversion 03.12.2015 17:07
    Highlight Highlight Ich finde die heutigen Festnahmen sagen auch sehr viel über die immer noch gelebte Kultur innerhalb der FIFA aus. Ein moralisch normal funktionierender Mensch hätte nach all diesen Skandalen und Vorfällen etwas mehr Fingerspitzengefühl zeigen und nicht in einem so luxuriösem Hotel logieren. Und erst recht nicht im Hotel, wo seine Kollegen festgenommen wurden. Es fast so, als hätten sie sich aus Trotz gesagt: "jetzt kommen wir erst recht hierher".
  • Matrixx 03.12.2015 16:13
    Highlight Highlight Da gibts aus meiner Sicht nur eine Lösung:
    Alle, die irgendwas mit der FIFA zu tun haben, verhaften, die FIFA auflösen und das Geld der FIFA (und deren hohen Tiere) einkassieren und für sinnvolleres nutzen.

    Vielleicht macht Fussball dann auch mal wieder Spass.
    • Teslaner 03.12.2015 19:00
      Highlight Highlight So nach dem Motto alle Flüchtlinge sind Terroristen...
    • Matrixx 03.12.2015 21:25
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