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Die Topfavoriten: Gianni Infantino (l.) und Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa.<br data-editable="remove">
Die Topfavoriten: Gianni Infantino (l.) und Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa.
Bild: EPA/BACKPAGE

Wer wird Nachfolger von Sepp Blatter? 6 Fragen und Antworten zum FIFA-Kongress

Der ausserordentliche Kongress der FIFA soll umfassende Reformen verabschieden und einen Nachfolger für den in Ungnade gefallenen Präsidenten Sepp Blatter wählen. Beides geschieht nicht ganz freiwillig.
25.02.2016, 13:5618.05.2016, 11:51

Seit dem letzten «Familientreffen» der FIFA sind erst rund neun Monate vergangen. In den prunkvollen Räumlichkeiten des Fussball-Weltverbands beim Zürcher Zoo aber ist kaum ein Stein auf dem anderen verblieben. Korruptionsermittlungen des US-Justizministeriums gegen hohe Funktionäre haben die FIFA in ihren Grundfesten erschüttert.

Wenn sich die Delegierten am Freitag im Hallenstadion zu einem ausserordentlichen Kongress treffen, steht auch die Zukunft der FIFA auf dem Spiel. Der Walliser Joseph S. Blatter hat den Verband seit seiner Wahl zum Präsidenten 1998 in einen milliardenschweren Konzern verwandelt, dabei aber auch ein System geschaffen, in dem die Korruption gedeihen konnte.

Nun sollen seine Nachfolge geregelt und ein grosses Reformpaket verabschiedet werden, damit die FIFA aus der tiefsten Krise ihrer Geschichte herausfindet. Darum geht es:

Warum findet der Kongress statt?

Am 29. Mai 2015 liess sich Sepp Blatter am FIFA-Kongress in Zürich für eine fünfte Amtszeit zum Präsidenten wählen. Mit einem trotzigen «Let's go FIFA!» bedankte er sich bei den Delegierten. Dabei hatte sich die Schlinge um seinen Hals längst zusammengezogen: Zwei Tage zuvor hatte die Zürcher Kantonspolizei im Luxushotel Baur au Lac in aller Herrgottsfrühe sieben hohe FIFA-Funktionäre auf Antrag des US-Justizministeriums wegen Korruptionsverdachts festgenommen.

Sepp Blatter ruft: «Let's go FIFA!»

Nur drei Tage nach seiner Wiederwahl zog Blatter die Konsequenzen, er trat als Präsident zurück. Kurz vor Weihnachten verhängte die FIFA-Ethikkommission gegen ihn eine achtjährige Sperre und eine Geldstrafe wegen einer dubiosen Zahlung von zwei Millionen Franken an UEFA-Präsident Michel Platini. Anfang Dezember beschloss das FIFA-Exekutivkomitee zudem umfassende Reformen. Im Vorfeld dieser Sitzung wurden erneut zwei Funktionäre im Baur au Lac verhaftet.

Wie will sich die FIFA erneuern?

Unter Anleitung von Chefaufseher Domenico Scala hat der Verband die grösste Reform seiner Geschichte beschlossen. Der Präsident wird auf eine eher repräsentative Rolle zurückgestuft und das Exekutivkomitee in eine Art «Verwaltungsrat» mit 36 Mitgliedern (darunter mindestens sechs Frauen) umgewandelt. Die Amtszeit des Präsidenten und der Ratsmitglieder wird auf dreimal vier Jahre beschränkt. Der Generalsekretär amtiert als CEO der FIFA. Auf der Chefetage soll zudem Lohntransparenz herrschen. Als zusätzliches Kontrollgremium wird eine Überwachungskommission eingesetzt. 

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Die Reformen wurden nicht aus eigenem Antrieb beschlossen, sondern auf Druck der Sponsoren und vor allem der US-Justiz. Bisher hat sie «nur» Personen angeklagt. Kommt es zu einem Verfahren gegen die FIFA selbst, wäre sie in ihrer Existenz bedroht. Deshalb ist anzunehmen, dass der Kongress die Reformen absegnen wird, obwohl eine Dreiviertelmehrheit der 209 Verbände benötigt wird und Widerstand gegen einzelne Punkte (etwa die Amtszeitbeschränkung) absehbar ist.

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Wer will Blatter beerben?

Die FIFA hat fünf Kandidaten zur Präsidentenwahl zugelassen: Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa aus Bahrain, den Italo-Walliser Gianni Infantino, Prinz Ali bin Al Hussein von Jordanien, den Südafrikaner Tokyo Sexwale und den ehemaligen Blatter-Vertrauten Jérôme Champagne. Beobachter bescheinigen dem in Zürich lebenden Franzosen das beste Programm, doch weil Champagne die Seilschaften fehlen, ist er chancenlos.

Die Kandidaten für die Blatter-Nachfolge

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Das sind die Kandidaten für die Blatter-Nachfolge 2016
quelle: epa/keystone / jean-christophe bott
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Die Wahl werden Scheich Salman und UEFA-Generalsekretär Infantino unter sich ausmachen. Während der Erstere sich auf Unterstützung aus Afrika und Asien verlässt, zählt Infantino auf die Europäer und Amerikaner. Der Ausgang der Wahl ist kaum vorhersehbar. Bislang scheint sich keiner der Favoriten einen Vorteil erarbeitet zu haben. Gerüchte über einen Deal, wonach Salman Präsident und Infantino Generalsekretär werden soll, weist der Walliser zurück.

Wie wird gewählt?

In der FIFA verfügt jeder der 209 Mitgliedsverbände über eine Stimme. Weltmeister Deutschland hat das gleiche Gewicht wie die Cayman-Inseln oder Vanuatu. Vor der Wahl erhalten die fünf Bewerber jeweils 15 Minuten Redezeit, um ihr Programm zu präsentieren. Im ersten Wahlgang benötigt der Sieger zwei Drittel aller gültigen Stimmen, danach reicht das absolute Mehr von 50 Prozent. Ab dem zweiten Wahlgang scheidet jeweils der Kandidat mit der geringsten Stimmenzahl aus.

Was macht Blatter?

Einen Abgang in Würde hat der Walliser längst verpasst. Kurz nach seinem Rücktritt kokettierte er bereits wieder mit einem Comeback. Diese Hoffnungen zerschlugen sich mit der achtjährigen Sperre. Sepp Blatter wehrte sich dagegen an einer emotionalen Pressekonferenz. Zuvor hatte er behauptet, er könne als gewählter Präsident nicht von der Ethikkommission verurteilt werden.

Ein in jeder Hinsicht angeschlagener Sepp Blatter wehrt sich vor den Medien gegen seine Sperre.<br data-editable="remove">
Ein in jeder Hinsicht angeschlagener Sepp Blatter wehrt sich vor den Medien gegen seine Sperre.
Bild: freshfocus

Später liess er verbreiten, er sei offiziell gar nicht zurückgetreten, obwohl er ein entsprechendes Schreiben verschickt hatte. Zuletzt kämpfte Blatter noch um einen Auftritt am Kongress vom Freitag, um sich mit einer Rede verabschieden und sein Amt dem Nachfolger übergeben zu können. Falls der Internationale Sportgerichtshof CAS seine Berufung abweist, wird Blatter den Kongress aus der Ferne verfolgen müssen.

Kommt es wieder zu Verhaftungen?

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Neue Verhaftungen von FIFA-Funktionären am 3. Dezember 2015 im Baur au Lac in Zürich
quelle: ap/ap / jorge saenz
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Das ist durchaus möglich. «Für mich ist klar, dass das US-Justizdepartement wieder für Action sorgt, denn es geht am Kongress um wichtige Punkte wie die Reformen und die Wahl eines neuen Präsidenten», sagte ein hoher amerikanischer FIFA-Mitarbeiter der «NZZ am Sonntag». Diese Perspektive könnte den einen oder anderen Funktionär von einer Reise nach Zürich abhalten. Es ist deshalb unklar, ob alle 209 Verbände teilnehmen werden.

Wird die FIFA eines Tages nicht mehr den Fussball dominieren?

Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern

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Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern
quelle: keystone / widmer
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