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Miroslav Klose nimmt sich in Schruns Zeit für die zahlreichen Fans.
Miroslav Klose nimmt sich in Schruns Zeit für die zahlreichen Fans.bild: Daniel Wyrsch

Ein Weltmeister in der Provinz – Klose will bei Altach seine zweite Karriere lancieren

WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose ist erstmals Trainer eines Profiteams. Mit dem SCR Altach traf er in Schruns auf den FC Luzern und gab einen ersten Einblick in seine Fussball-Philosophie.
27.06.2022, 10:05
Daniel Wyrsch / ch media

Für den österreichischen Bundesligaklub SCR Altach, dessen Cashpoint-Arena nur sechs Strassenkilometer von der Schweizer Grenze entfernt ist, bedeutet die Verpflichtung von Miroslav Klose «ein journalistisches Erdbeben». Das schreibt der Verein aus dem 7000-Seelen-Dorf auf seiner Website.

Davon hat der deutsche Weltmeister von 2014 in Brasilien und WM-Rekordtorschütze (16 Treffer in 24 Partien) gemäss eigenen Angaben nicht viel mitbekommen. Wenigstens was Deutschland betrifft. Klose ist ein fleissiger und disziplinierter Trainer, er habe gar nicht die Musse gehabt, im Internet nachzuschauen, was die Medien zu Hause über ihn berichtet hätten. «Einzelne Dinge teilen mir meine beiden Söhne und meine Frau mit, sie sind online affiner und auf Social Media unterwegs.» Der Ex-Stürmer von Bayern München, Werder Bremen, Kaiserslautern und Lazio Rom dagegen ist erst seit einer Woche mit der neuen Mannschaft in Altach beschäftigt.

Klose hat mit Altach viel vor.
Klose hat mit Altach viel vor.bild: twitter/scraltach

Er habe die ersten fünf Tage nur auf dem Trainingsgelände und in der Wohnung in Dornbirn verbracht, erzählt Klose. «Es steht viel Arbeit an, wir sind in einem Prozess.» Er möchte alles erfahren, was im letzten und in diesem Jahr war, «damit ich die Zusammenhänge verstehe». Vorgänger Ludovic Magnin (neu bei Lausanne-Sport), der die Vorarlberger während der Rückrunde auf den letzten Drücker zum Ligaerhalt führte, habe er aber noch immer nicht kontaktiert.

Der frühere Weltstar ist auch als Coach ein eher ruhiger Zeitgenosse, doch beim Testspiel in Schruns gegen den FC Luzern wird deutlich: Klose hat klare Vorstellungen und Persönlichkeit. Nach der eher unglücklichen 0:1-Niederlage gegen den Super-League-Klub geht er sofort in die Kabine, bespricht den ersten Vorbereitungsmatch mit seiner Mannschaft. Eine Viertelstunde später kehrt er an den Spielfeldrand zurück, wo die Fans hinter einer Absperrung in dreistelliger Zahl auf ihn warten.

Defizite spricht er an – und will sie beheben

Er nimmt sich für alle Zeit, schreibt Autogramme, lässt sich für Selfies ablichten. «Ich mache das unheimlich gerne, ich ziehe Leute an, möchte, dass die Menschen gerne ins Stadion kommen.» Klose ist sich allerdings bewusst, dafür mit seinem Team noch viele Schritte gehen zu müssen. Er will mit dem krassen Aussenseiter Ballbesitz-Fussball spielen. Um zu agieren, braucht es aber Spieler, die physisch stark sind. Klose stellt klar: «Die Fitness ist bei uns ein wunder Punkt.»

Seine Erfahrungen als ehemaliger Weltklassemann und die vorhandenen Qualitäten in der Provinz, da prallen Welten aufeinander. Klose weiss, dass er im Umgang mit seinen Spielern Geduld braucht, Erwartungen zügeln muss.

Klose gibt im Training die Richtung vor.
Klose gibt im Training die Richtung vor.bild: instagram/scraltach1929

Dass in Altach der Trainer weit und breit der einzige Star ist, wird in Schruns so richtig deutlich. Nach dem Testspiel bekommt keiner der Protagonisten beider Mannschaften nur annähernd die Aufmerksamkeit von Klose. Christian Gentner verabschiedet sich mit einer Umarmung von Klose. Der Luzerner Captain erzielte das Siegtor, trotz seiner beiden deutschen Meistertitel mit dem VfB Stuttgart (2007) und Wolfsburg (2009) sowie 430 Bundesligaspielen steht er nicht nur im Schatten von Klose. Nein, er ist lediglich einer von Dutzenden Fussballern im Kleinstadion, das Rampenlicht ist einzig und allein auf Klose gerichtet.

Trotz des Medienrummels streng die Ziele verfolgen

Ein deutscher Journalist stellt zu Recht fest, dass der neue Altach-Teamchef in Österreichs Liga den attraktivsten Trainernamen habe. Dabei sei er doch immer einer gewesen, der gerne in Ruhe arbeiten wollte, um etwas aufzubauen. Der angesprochene Klose antwortet gelassen: «Warum soll ich nicht in Ruhe arbeiten können? Bei uns ist alles, von der Organisation, den Plätzen und den kurzen Distanzen her, top.»

Der Medienmann hakt nach, er frage wegen des medialen Rummels um seine Person. Aber auch in diesem Punkt ist Klose entspannt: «Die Aufmerksamkeit war schon mein ganzes Leben gross, seit ich Profi geworden bin. Ich weiss damit umzugehen.»

Sein erklärtes Vorbild ist Bundestrainer Hansi Flick. Bei Bayern München arbeitete Klose als dessen Assistent. «Beim FC Bayern war ich Zuarbeiter und Bindeglied zur Mannschaft. Nun habe ich ein ganz anderes Standing.» Und allen, die es noch nicht bemerkt haben, wie bestimmt Klose als Chefcoach auftritt, sagt er:

«Ich habe kein Problem, autoritär zu sein.»
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