Vor dem achten und letzten Gang des ESAF eskalierte die Lage hinter den Kulissen in Mollis. Der Berner Verband fühlte sich betrogen und legte gegen die Benotung eines Ganges laut SRF-Angaben Rekurs ein. Fabian Staudenmann hatte nur 9,75 Punkte für seinen Sieg gegen Domenic Schneider erhalten.
Fernsehbilder zeigten, dass es wohl eher ein Sieg mit Note 10 gewesen war. Staudenmann, als Topfavorit angereist, verpasste dadurch seine Chance auf die Teilnahme am Schlussgang. Mit dem Rekurs blitzten die Berner – wie nicht anders zu erwarten – ab. Den Schwingerkönig ermitteln im Schlussgang der Thurgauer Samuel Giger und der Toggenburger Werner Schlegel.
Es war leider eine weitere unglückliche Entscheidung an den beiden Tagen im Glarnerland. Vor Staudenmann fühlten sich auch König Joel Wicki und die Innerschweizer schlecht behandelt. Und Werner Schlegel und die Ostschweizer haderten nach einem umstrittenen Urteil im fünften Gang am Sonntagmorgen.
Das ist das Tröstliche: Es trifft querbeet alle. Doch das ist ein schwacher Trost, wenn so viel – ein Königstitel und damit Ruhm und Ehre und Geld – auf dem Spiel steht. «Es gab zu viele markante Fehlentscheide an diesen beiden Tagen», urteilte SRF-Experte Christian Stucki, der König von 2019. «Man muss sich überlegen, was man machen will. So etwas entscheidet ein Fest und die Frage ‹Schwingerkönig oder nicht›.»
Beim Schwingen fällen drei Kampfrichter gemeinsam die Entscheidung. Einer leitet den Kampf im Ring, zwei verfolgen ihn an einem Tisch sitzend. Was spricht dagegen, diesen ein Tablet hinzustellen, um bei umstrittenen Szenen noch einmal hinzuschauen? Von den wichtigsten Kämpfen, jenen bei denen es um den Sieg geht, gibt es Fernsehbilder.
Das Schwingen ist auch deshalb so populär, weil es ganz anders ist als alle anderen Sportarten. Man denke nur an das geniale Konzept der Einteilung. Es tut gut daran, sich gegen zu grosse Veränderungen zu wehren.
Doch wenn regelmässig Fehlentscheide die Ranglisten und den Ausgang eines Fests markant beeinflussen, steigt der Druck, etwas zu ändern. Die Funktionäre müssen nach Mollis über die Bücher.
Ich glaube, man könnte gewisse Fehlentscheide schon regeln, wenn alle drei um den Ring verteilt sind. Dann hat man 3 Perspektiven. Einen der Kampfrichter ernennt man zum Chef. Nun muss man nur noch Zeichen vereinbaren (bspw. Hand nach oben, wenn man ein Resultat sieht, Hand nach unten wenn nicht). Sobald bei einem Wurf zwei Hände nach oben gehen, beendet der Chefkampfrichter den Kampf. Fertig. Könnte einige Fehlentscheide schon beheben.